Polarlichter über Potsdam: Lady Aurora lässt es so richtig krachen

Das Thema Polarlichter – Polarlichter über Deutschland und damit auch Polarlichter über Potsdam hat in der Kalenderwoche 4 des Jahres 2026 wohl viele Menschen beschäftigt. So auch uns. Durch unsere Norwegentrips sind wir ja zumindest ein klein wenig darauf vorbereitet, zu welch einem Spektakel Lady Aurora in der Lage ist. Was am 19.01.2026 abging – war fern von allem, was ich mir hätte als Polarlicht über Potsdam vorstellen können. Aufgrund eines außergewöhnlich starken geomagnetischen Sturms durften wir 2 Stunden lang die Auswirkungen dessen erleben. Dann bin ich reingegangen – denn da ich nicht davon ausgegangen bin, dass die Show so lange anhält – hatte ich vergessen, mir Strümpfe und ein warme Hose anzuziehen. Aber erzähle ich doch die Geschichte mal von vorn…
Inhalt:
Bisschen Polarlicht-Vorgeplänkel
Es ist also Montag, der 19.01.26, der Abend beginnt sich zu neigen. In den Medien hatten wir gelesen, dass es am Tag davor – also am 18.1.26 zu einer massiven Sonneneruption kam. Daraufhin kommt es zu einem sogenannten koronalen Massenauswurf – ein „CME“ – das ist die Abkürzung für englisch „Coronal Mass Ejection“.
Vorhersagen berechneten, dass wohl in den frühen Morgenstunden des Dienstags mit intensiven Polarlichtern zu rechnen wäre. Na gut – da schlafen wir eigentlich und ich hatte das irgendwie nicht so ernst genommen.
Jetzt kam es aber wohl so, dass diese Teilchenwolke sich deutlich schneller auf das Magnetfeld der Erde zubewegte und hier einen starken geomagnetischen Sturm auslöste. Die Stärke dessen wird mit G4 bezeichnet, das ist wohl das zweitstärkste, was man auf der sogenannten NOAA-Skala kategorisiert.
NOAA steht für „National Oceanic and Atmospheric Administration“, eine US-amerikanische Bundesbehörde, die unter anderem das Weltraumwetter überwacht. Die NOAA führt auch die sogenannte Geomagnetik Skala und klassifiziert geomagnetische Stürme nach ihrer Auswirkung auf das Erdmagnetfeld – von G1 (gering) bis G5 (extrem).
Ein G4‑Sturm ist stark genug, um in Stromnetzen Spannungsschwankungen und in Extremfällen technische Probleme verursachen können. Gleichzeitig ist der Sturm stark genug, dass Polarlichter deutlich südlicher zu sehen sind als normalerweise.
Und dann sind auf einmal Polarlichter über Potsdam zu sehen
Tja und dann daddel ich so ziellos im Facebook rum. Dort bin ich in der Gruppe „Polarlichtjäger“, die in Bezug auf Polarlichter in Deutschland sehr hilfreich ist. Denn hier gibt es Echtzeitmeldungen – das heißt, wenn Polarlicht in Deutschland sichtbar ist, melden es die Gruppenteilnehmer mit Angabe des Ortes. Undplötzlich, so circa 21.15 Uhr – ploppt ein Beitrag mit Verortung „Berlin“ auf.
Ich springe auf – renne ans Fenster, gucke durch die Kamera gen Norden und:
SEHE Polarlicht!!!
Dieses Gefühl ist unbeschreiblich – ich weiß auch nicht warum. Aber wahrscheinlich, ist es wie mit der Pilzsuche – man muss darauf hoffen, dass man was findet. Es ist 21:19 als ich dieses erste Foto mache:

Ich wäre ja tatsächlich mit diesem leichten Glimmen komplett zufrieden gewesen. Das wäre ja schon total außergewöhnlich. Aber es soll noch ganz anders und ehrlich gesagt – emotional fast ein wenig überwältigend kommen.
Und jetzt kommen eine Menge Fotos – während ich die hier einfüge, kann ich immer noch nicht glauben, dass ich das erlebt habe.
Das leichte rote Glimmen entwickelt sich zu einem mit bloßem Auge sichtbaren roten Vorhang, der ganz Himmel ist rot und zusätzlich sehen wir dann am Horizont noch einen grünen Bogen.

Und 21:51 Uhr nehme ich ein Foto auf, was sogenannte „Beamer“ enthält. Begnadete Polarlichtjäger fahren auf diese strahlenförmigen Strukturen total ab. Anhand der Sterne sieht man übrigens, dass das Foto ansich scharf ist – die Polarlichter haben sich an dem Abend so schnell bewegt, dass die Belichtungszeit des iPhones zu lange war – um hier noch mehr Schärfe reinzubringen… kurz gesagt: Hier kommt die iPhone-Fotografie deutlich an Grenzen aber es war trotzdem schön.

Und hier nochmal in etwas abgeschwächter Form:

Dann erscheint etwas – das habe ich so auch noch nicht gesehen. Im roten Vorhang ein grüner Punkt – da drängelt sich das grüne Polarlicht durch. Krass.
Das war dann 21.55 Uhr.

Nur paar Minuten später etwa gegen 21:58 Uhr wird aus dem eher lila-rötlichen Vorhang ein eher ins orange gehender Farbton. Also das es unglaublich war, habe ich glaube ich schon paar Mal geschrieben. Aber: Diese Intensität ist sagenhaft!!!

Man weiß ja nie, wie lang die Polarlichtshow geht und so denkt man auch immer, dass es gleich vorbei ist – ergo – man knipst sich den Willi, weil man das Ereignis einfach festhalten möchte. Dann verschwindet der rote Vorhang, erzeugt eine eher lila angehauchte Grundsätttigung des Himmels – dafür kommt der grüne Bogen nun umso deutlicher hervor und ist ewig lange mit bloßem Auge zu sehen.

Und ab 22:15 Uhr wird es richtig verrückt – die Polarlichter zischen nur so über unser Haus. Sie sind so schnell, dass sie fast nicht zu fotografieren sind – aber das zeigt ja genau das, was ich in der Einleitung beschrieb – der Sturm kam deutlich schneller zur Erde als vorausgesagt. Mittlerweile sind sie dann auch Blickrichtung Süden zu sehen – im Internet habe ich sogar Madeirafotos mit Polarlichtern gesehen.

Und dann kommt etwas – das hat die Netzgemeinde gefeiert. Aufgrund der Intensität kommt es wohl zu einer sogenannten Blasenbildung. Das schaut aus als würden aus den eigentlich strahlen- und bogenförmigen Polarlichtern nun Blasen rauswabern. Diese entstehen aufgrund von Instabilitäten, Turbulenzen innerhalb vom Plasmastrom und Dichteunterschieden.
Naja – das ist jetzt fotografisch nicht unbedingt die Meisterleistung weil ich keine Schärfe reinbekommen habe – aber das Ereignis zählt.




Und dann denkt man – na gut – gehe ich mal so langsam rein. Es ging dann auf 23 Uhr zu – aber es will einfach nicht aufhören. Dann kann man einfach nicht reingehen – so ein Ereignis ist nahezu einmalig.
Plötzlich taucht der rote Vorhang nochmal richtig intensiv auf… hier auf dem Foto ist es 23:16 Uhr und es ist fast das letzte Foto an diesem Abend.

Dann verblasst das Licht, glimmt aber immer noch weiter – doch alles was wir vorher erlebt haben, kann nun kaum übertroffen werden. Wir gehen rein.
Und was hat mein Körper von dem Polarlicht-Spektakel:
Ganz langsam muss ich meine Zehen auftauen, diesen schönen Schmerz, wenn das Blut wieder reinkommt – kennt bestimmt jeder. Ich habe noch etwas „alten“ Tee vom Arbeitstag – den schlürfe ich jetzt.
Auch mein Nervensystem weiß nicht so richtig ob es weinen oder lachen soll – ich bin derartig aufgekratzt, dass ich fast das Gefühl habe, ich müsste das erste Mal in meinem Leben ein Beruhigungsmittel nehmen. In Norwegen war ich auf diese Intensität vorbereitet – in Deutschland überhaupt nicht. Das macht was mit einem und ich glaube ich bin leicht polarlichtsüchtig. Das Zeug macht einfach Spaß.
Auch Dienstag ging es noch ein wenig weiter: Polarlichter am 20.01.26 über Potsdam
Auch am Dienstag gab es dann nochmal ein wenig zu sehen. Ich war noch nicht mal zu Hause angekommen, schrieb meine Schwester, dass es wohl schon wieder Sichtungen gab. Da war es glaube ich so 19.30 Uhr.
Uff – ok. Gerade hatte ich das Auto abgestellt – also wieder rein in den Camper, der ja auch mein Alltagsauto ist und nochmal zur Feldflur im Norden von Potsdam gedüst. Hier hat man einen relativen Weitblick – den ich mir am Vorabend gewünscht hätte.
Die Intensität ist bei Weitem nicht so stark an dem Abend aber ich kann die Umgebung, vielmehr die Silhouetten der Bäume ein wenig ins Polarlichtgeschehen mit einbinden. Das hat definitiv viel Spaß gemacht. Zunächst stand ich alleine in der Finsternis, es waren erstaunlicherweise kaum Leute an dem Standpunkt. Später kam Marcus dazu.


Und sogar an dem Tag werden ein paar leichte „Beamer“ sichtbar:

Ach ja – und dieser Baum, der Sternenhimmel, die hell erleuchteten Häuschen im Hintergrund – das hatte schon fast ein wenig was Mystisches.

Und auch so eine Neuanpflanzung kann ein tolles Element in einem Foto sein, wenn der Hintergrund polarlichtbeschienen ist.

Und das Fazit:
Auch an dem Dienstag war es eisig und auch an dem Tag waren wir gut 2 Stunden an diesem Spot. Das hat richtig Spaß gemacht, sich mal wieder in das Polarlichtfieber reinziehen zu lassen. Das halb Deutschland aus dem Häuschen war, hatte stimmungsmäßig ungefähr die Qualität, als Deutschland 2014 Fußballweltmeister wurde.
Diese kollektive Freude und Begeisterung tut Deutschland einfach gut – schade irgendwie, dass es dafür so außergewöhnlich große Ereignisse braucht aber schön, dass es diese Freude spürbar war.
Ich persönlich bin auch Tage danach noch beseelt – weil es ein so abstraktes Ereignis war, was sich schwer greifen oder stimmungsmäßig beschreiben lässt. Irgendwie auch verrückt, dass man den Polarlichtern um die halbe Welt – na zumindest bis Nordnorwegen – hinterherjagd und dann hat man eine der allerbesten Shows direkt vor der Haustür. Polarlichtshows dieser Größenordnung haben wir eigentlich nur zwei bisher erlebt. Aber die Lust, mehr davon zu sehen, ist definitiv wieder gestiegen.
Die Bilde sind kaum bearbeitet. Bei einigen habe ich leichte Schärfe oder etwas Struktur hinzugegeben und sie für die Veröffentlichung hier etwas komprimiert.
So – dann vielen Dank, wenn du bis hierhin mitgelesen, mitgestaunt, mitgefiebert hast.
Ich teile meine Kapazitäten ja mittlerweile zwischen dem Blog hier und dem dazugehörigen YouTube-Kanal auf. Also schau gerne hier oder bei YouTube bald wieder rein – ich bin eigentlich immer ein wenig am Werkeln. Da die Praxis Vorrang hat – dauert es manchmal ein wenig.
Autorin: Sandra Hintringer
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