Tripp Tipp

Lila Landschaft Lüneburger Heide – ein Kurztrip

Lesedauer 8 Minuten

Lila. Unglaublich viel Lila. Jeder von Euch kennt diese kleinen Töpfchen mit Heidekraut, welche im Herbst feilgeboten und so hübsch mit Kürbis und Co. in einem Schälchen drappiert werden. Das es allerdings Heidekraut gibt, weiter als das Auge reicht – konnte ich mir bis zum Besuch in der Lüneburger Heide nicht im Ansatz vorstellen. Ich bin wahnsinnig fasziniert von diesem Naturschutzgebiet und deshalb lade ich Dich heute zu ein paar lila Impressionen ein. Mach es Dir erst einmal so richtig gemütlich.

Vielleicht auf dieser Bank?

Vor Jahren kam ich in den Genuss einer Yogalehrerausbildung. So ab und an haben wir da Sätze gemurmelt um uns innerlich umzustimmen. Einer dieser Sätze war:

„Der Sonnenschein göttlichen Reichtums hat soeben die dunklen Wolken durchbrochen – ich bin Gottes Kind. Was er hat, das habe ich auch.“

Damals war das sehr abstrakt für mich. Mit Gott als Personifizierung habe ich nicht so viel am Hut – aber falls er Liebe in Form von Landschaft sein soll, dann trifft es dieses Bild wohl auf den Punkt und holt mich ab.

Wann immer die Sonne, genau wie auf dem Bild punktförmig durch die Wolken bricht – fällt mir dieser Spruch wieder ein.

Stell´ Dir nun einfach noch vor, es weht ein ganz zarter, leicht herber Blütenduft umher. Du hast alle Zeit der Welt und lässt den Blick einfach im lila Meer versinken. Einatmen. Ausatmen. Wunderschön.

Und dann schnarrt es „Moin, Moin“… ein paar Nordic Walker stechen rhythmisch Löcher in den Sand. Und schon bald düsen ein paar E-Bikefahrer den holprigen Weg entlang.

Sind wir wohl doch nicht so ganz alleine hier, was?

Setzt Dich doch!

Und dann gehst Du ein paar Schritte los:

Vielleicht einfach mal hier – auf diesem samtig grünen und von lila gesäumten Weg. Dieser Weg führt nach Oberhaverbeck. Dort hatten wir unser Nachtlager. Glücklicherweise sind wir auf dem Wohnmobilstellplatz spontan untergekommen.

Weg durch die Lüneburger Heide.

Falls Du auch mal hierher willst – stell´ Dich darauf ein, dass die Hölle los ist. Ein Hotel, eine Ferienwohnung oder Pension musst Du bestimmt etwas länger im Vorraus reservieren. Die Lüneburger Heide, vor allem wenn sie blüht, ist längst kein Geheimtipp mehr.

Eine alte Heidefaustregel besagt, die Heide blüht jedes Jahr vom 08.08. – 09.09. Natürlich gibt es kleine Schwankungen, deshalb lohnt es sich, dem Heidebarometer zu folgen.

Wir hatten knapp 2 Tage Zeit. Anreise Freitag Abend. Abreise Sonntag Mittag. Was kann man in dieser recht kurzen Zeit in der Lüneburger Heide alles schaffen, machen oder erleben?

Sonnenuntergang Wilseder Berg – Lüneburger Heide

Mit seinen 168 Metern stellt der Wilseder Berg das ursprüngliche Zentrum der Lüneburger Heide dar. Kind, Hund und Kegel strömen beim schmaler werdendem Licht den Berg hinauf. Von Oberhaverbeck sind das etwa 3,5 Kilometer. Ein toller und auch schweißtreibender Weg durch die Heide. Wir haben die Räder dabei, hoppeln und schnaufen über die teils verwurzelten und steinigen Wege. Irgendwann müssen wir elegant abspringen, denn der letzte „Stich“ ist dann doch zu steil zum Fahren.

Du ahnst es, da oben entstehen gefühlte 5000 Bilder. Es ist wirklich schön und unausgesprochen finden sich Verbündete. Die Leute mit Stativ oder auch nur mit dicker Kamera. Es geht gesittet zu, man gönnt dem anderen durchaus auch den guten den allerbesten Blick und geht sich vorsichtig aus der Fotolinie. Tatsächlich entschuldigen sich Leute, dass sie sich „vor mich“ gesetzt hätten. Bis ich ihnen erkläre, dass ich mich doch eigentlich hinter sie gesetzt habe…. dolle Sache.

Ach komm, eigentlich willst Du die Heide im Sonnenuntergang sehen, oder?

Blick vom Wilseder Berg / Lüneburger Heide

Und hier:

Der Rückweg ist übrigens wirklich aufregend. Einige Streckenabschnitte führen durch den Wald und da ist es natürlich stockfinster. Wir haben gutes Fahrradlicht, so können wir sicher den Weg über Wurzeln und Steine zurückfahren. Es sind eine Menge Fußgänger unterwegs. Der Weg zieht sich, vor allem wenn es dunkel wird. Falls Ihr mal hier oben seid – denkt an eine Taschenlampe und warme Klamotten. Spätestens wenn die Sonne weg ist – und das vom Aufstieg feuchte T-shirt noch immer klamm ist – wird es hundekalt.

Nach Sonnenuntergang – kommt der Sonnenaufgang

Für den Sonneaufgang hat Marcus sich einen schönen Fotospot ausgesucht. Einziger Haken – wir müssen 5.30 Uhr los. Das ist nicht so meine Lieblingszeit, dieses Highlight im kühlen Camper zu verschlafen aber irgendwie auch keine Option. Der Finsternis im Wald zu Folge, ist ein rascher Adrenalinanstieg garantiert. Der Weg führt uns auf unseren Rädern zum gut 4 Kilometer entfernten Totengrund.

Ich weiß nicht, wie ich auf die Idee kam, dass wir garantiert alleine hier sind. Denn bald signalisieren einige Taschenlampen im düsteren Wald, dass sich neben uns noch einige weitere Fotografen auf den Weg gemacht haben.

In Summe werden es wohl später so um die 20 gewesen sein – das war tatsächlich faszinierend, wieviele Menschen sich Samstag früh 4 Kilometer durch den Wald schlagen… um auf wabernde Nebelschwaden und den besten Sonnenaufgang aller Zeiten zu warten.

Der nicht kommt…

Zweckoptimistisch retten sich die Fotofans durch die Stunden.

Fotofans in Aktion

Da freuen wir uns doch zur Abwechslung über ein wenig Situationskomik.

Was war passiert? Trotz der vielen Leute ist es recht still. Wir starren in den Totengrund. Warten noch immer auf die Sonne und plötzlich ertönt hinter uns die uns allen bekannte und technische google.maps – Stimme:

„Sie haben Ihr Ziel erreicht.“

Ich denke, alle 20 Leute drehen sich gleichzeit mit einem lachenden Hallo um und sehen in das Gesicht desjenigen, der es nun endlich auch geschafft hat, am Totengrund anzukommen….

Ganz unabhängig vom Sonnenaufgang ist der Blick in den Totengrund dennoch wunderschön. Dunkelgrüner Wacholder bildet einen tollen Kontrast zum lila Heidekraut. Falls Du Dich jetzt wunderst, warum einmal Nebel ist – und einmal nicht. Wir waren zweimal beim Sonnenaufgang hier.

Nach Sonnenaufgang haben wir viel Zeit und erkunden den kleinen Wanderpfad, welcher rund um den Totengrund führt. Hier und da laden ein paar Bänke zum Verweilen ein. Immer wieder eröffnen sich neue Sichtachsen. Unzählige Male zücken wir die Kamera, wir kommen kaum vorwärts. Die Landschaft ist unbeschreiblich schön.

Doch Sonnenauf- und Untergang sind längst nicht alles, was es in der Lüneburger Heide zu erleben gibt. Es ist erstaunlicherweise viel Abwechslung hier möglich und ich könnte mir gut vorstellen, hier auch eine Woche zu verweilen.

Von Oberhaverbeck zum Pietzmoor

Neben unzähligen Wandermöglichkeiten kreuz und quer durch die Heide, gibt es in ungefähr 12 Kilometer Entfernung das Pietzmoor bei Schneverdingen zu entdecken. Der Weg mit dem Rad oder auch zu Fuß führt über gemischte Wegqualitäten. Wir passieren teils halbakrobatisch die groben und feinen Steine, Sandkuhlen, Wurzeln aber auch glatte Waldwege sind dabei.

…auf zum Pietzmoor bei Schneverdingen

Grundsätzlich orientieren wir uns mittlerweile ja fast nur noch über maps.me oder google-maps. Dennoch möchte ich lobenswert erwähnen, dass die Lüneburger Heide ziemlich gut und auch mit Kilometerangaben beschildert. So sollte sich hier keiner verlaufen oder verfahren.

Wegweiser Lüneburger Heide

Wenn Du scharfe Augen hast, siehst Du, dass wir zum Pietzmoor nun links abbiegen müssen. Dann sind wir gleich da… weil die Tour aber doch ein wenig anstrengend ist, habe ich mich unterwegs mal gestärkt… Parasolpilz… (nicht nachmachen… natürlich habe ich nicht wirklich reingebissen, denn roh ist dieser Pilz giftig.)

Huuuunger… (Foto: Marcus Kahl / www.fotokahl.de)

Der Rundweg im Pietzmoor

…beginnt unscheinbar, nachdem wir den Touristenknoten samt Kremserstation rund um den Parkplatz Osterheide passiert haben.

Mit Ach und Krach finden wir am Einstieg zum Weg ein Plätzchen, wo wir unser Rad fest anschließen können. Fünf Kilometer geht es nun durch das Moor, welches rund 2,5 Quadradkilometer groß ist und sich derzeit in einem Renaturierungsprozess befindet.  Der Besuch ist kostenfrei. Wir wandeln über den gepflegten Holzbohlensteg und saugen Informationen der 10 Infotafeln auf. Hier geht es um die Entstehungsgeschichte aber auch um die Tier- und Pflanzenwelt.

Pietzmoor bei Schneverdingen / Lüneburger Heide

Unterwegs gibt es ein paar Bänke zum Rasten und natürlich gefühlte Tausend schöne Fotomotive. Am Ende der nahezu quadratisch angelegten Runde findet sich eine kleine Holzskulptur. Leider kein lebendes Exemplar einer Moorschnucke. Im Gegensatz zur Heidschnucke haben diese keine Hörner, können knietief im Wasser stehen, sich aus Moorlöchern selbst befreien und damit die Moorfläche beweiden.

Durch den starken Torfabbau in den Mooren, sind die Moorschnuckenherden nahezu überflüssig geworden und gehören zu den gefährdeten Haustierrassen. Im Pietzmoor beweiden Heidschnucken die Fläche. (Quelle: Infotafel an der Moorschnucke)

 

Moorschnucke im Pietzmoor
Moorschnucke im Pietzmoor

Zurück nach Oberhaverbeck wählen wir eine andere Wegvariante und ich kann mich einfach nur nochmals wiederholen – wir sind einfach begeistert von der Natur und deshalb lase ich einfach die Fotos sprechen.

Entdeckungen am Wegesrand

Der Gauß-Gedenkstein auf dem Wilseder Berg

Kommt man zum Sonnenuntergang hier hinauf, so fällt der mitten im Weg liegende Granitfindling wohl kaum auf, weil sich die Blicke eher in die Weite richten. Insofern hat mich das Relief, welches 1964 hier eingeweiht wurde, etwas überrascht. Carl Friedrich Gauß war seinerzeit Professor der Astronomie sowie Direktor der Sternwarte der Universität Göttingen.

Dieses Amt führte ihn 1820 zum königlich erteilten Auftrag, eine Landvermessung des Königreiches Hannover durchzuführen. (Quelle: Wikipedia)

Inschrift: „C.F. Gauß – 1777-1855 / Hannoversche Gradmesung – 1821-1825“

Das Heidekraut ganz nah

In der Lüneburger Heide findet man vor allem die sogenannten „Besenheide“ sowie die „Glockenheide“ – wahrscheinlich startet jeder mindestens ein Versuch, das Kraut formschön in die Kamera zu saugen. Gar nicht so leicht.

 

Ein Pilzhotel mit quietschgelbem Schleimpilz

Eher zufällig ist mir diese Baumwurzel mit vielerlei verschiedenen Pilzen und dem weithin sichtbar knallgelben Fleck ins Auge gefallen. Nun bin ich nicht so wahnsinnig bewandert, was Pilzkenntnis angeht. Aber die Nachfrage in einem Pilzforum bringt mir rasch die Antwort, dass es sich bei dem gelben Pilz streng genommen um einen Schleimpilz handelt, welchen man: Gelbe Lohblüte, Hexenbutter oder auch Mondkacke nennt. Diese Hexenbutter kann bis zu 20 cm große Bereiche einnehmen. Spannend finde ich, dass sich dieser Schleimpilz, auf der Suche nach Nahrung, über Oberflächen bewegt. (Quelle: 123pilzsuche.de)

Faszinierende Bäume, Tothölzer und Spinnennetze

Eine weiteres spannende Sache, die wirklich in die Augen fiel – sind unglaublich tolle Bäume und Tothölzer. Während das Heidekraut natürlich besonders bei sonnigem Wetter leuchtet und seine Pracht so richtig herausstellt, kommen die Gehölze und Spinnennetze vor allem bei düsterem, nebeligen Wetter zur Geltung. Wir hatten das Glück auch das zu erleben.

Ich komme kaum aus dem Schwärmen raus. Besonders die letzten Bilder zeigen es eigentlich ganz schön, dass die Heide sicherlich nicht nur zur Heideblüte eine Reise wert ist. Ich habe so die Ahnung, dass wir irgendwann auch noch mal zurückkehren werden.

Warst Du schon mal in der Lüneburger oder einer anderen Heide? Hast Du vielleicht sogar noch einen Tipp für mich, wo es mir in Bezug auf Heideblüte auch noch gefallen könnte? Schreib´es mir gern rein in die Kommentare.

Vielen Dank, dass Du auch heute mit mir durch die Lüneburger Heide gestromert bist. Ich hoffe, es hat Dir ein wenig gefallen. Wenn ja, dann schreib´ es mir gern in die Kommentare. Wenn nein – was hat Dir gefehlt? Schreib´ das ruhig auch rein.

Bis bald – bis zum nächsten Beitrag!

Autorin: Sandra Hintringer

 

Weiterführende Links:

https://www.lueneburger-heide.de/

 

 

5 Kommentare

  • Das sind ja wirklich wundervolle Fotos von der blühenden Heide! Einen Blumentopf mit Heide habe ich tatsächlich auch jedes Jahr in meiner Herbstdekoration, in Kombination mit einem Kürbis sieht das immer so toll aus. Die Lüneburger Heide ist gar nicht so weit entfernt, vielleicht sollte ich einen Kurztrip dorthin auch einmal einplanen. Danke für die Anregung.

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    • Hallo Cornelia. Vielen Dank für das Feedback. Freut mich immer sehr, wenn Bilder oder Text gefallen. Ein Besuch der Heide lohnt sich auf jeden Fall – ich fand´ es fantastisch. Lg Sandra

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  • Toller Beitrag mit noch tolleren Bildern! Ich mag die Heide total gern. War vor kurzem in der Schönower Heide bei Berlin und konnte aus dem Grinsen vor Freude nicht rauskommen. Die Lüneburger Heide toppt das aber nochmal.

    Liebe Grüße aus Berlin

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    • Hallo Theresa.

      Vielen Dank, freut mich, wenn Dir der Beitrag gefallen hat. Die Schönower Heide habe ich tatsächlich noch nie besucht – obgleich die ja einen Steinwurf von mir entfernt ist. Muss ich mal machen – guter Tipp – vielen Dank!

      Grüße zurück aus Potsdam 🙂
      Lg Sandra

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  • Liebe Sandra,
    oh, ich kann die Enttäuschung so nachempfinden, wenn ihr extra so früh aufsteht und dann kein schöner Sonnenaufgang kommt! Die Fotos aus der Lüneburger Heide mit den Nebelschwaden im passenden Licht sich einfach immer traumhaft!
    Aber der Totengrund ist ja zum Glück auch ohne Sonnenaufgang wirklich schön! Zusammen mit dem Wilseder Berg hat es mir dort bisher am besten gefallen in der Lüneburger Heide.

    Liebe Grüße,
    Sina

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