Tripp Tipp

Skagen – wo die Ostsee die Nordsee küsst

Skagen Leuchtturm
Lesedauer 6 Minuten

Unser Ziel soll heute Skagen sein. Sagt Dir nix? Das kann ich sehr gut verstehen, denn das ging mir bis vor unserer Reise noch ganz genauso. Doch bevor wir in diesem besonderen Örtchen ankommen, erstrecken sich endlose Autobahnweiten rund um uns. Zahlreiche goldgelbe Rapsfelder und endlose Hügelketten reihen sich aneinander. Von der deutsch-dänischen Grenze kommend, durchqueren wir Dänemark vom Süden nach Norden. In Zahlen sind das gute 400 Kilometer. Unser eigentliches Ziel wird später Norwegen sein, doch bevor uns eine Fähre über den Skagerrak trägt, möchten wir uns den nördlichsten Punkt von Dänemark nicht entgehen lassen. In diesem Beitrag nehmen wir Dich mit nach Skagen auf der Halbinsel Jütland, Dänemark.

Unterkunft in den Dünen – Camping in Skagen

Wie die meisten von Euch wissen, sind wir derzeit vor allem mit dem Camper unterwegs. Das erleichtert viele Sachen enorm, hält aber auch immer wieder Überraschungen offen. Zum Beispiel: Werden wir überhaupt einen Stellplatz in Skagen finden?

Es ist Mai, wir sind auch ohne Vorbuchung zuversichtlich und schlendern in die Rezeption vom Grenen Camping hinein. Zunächst bin ich unsicher. Welche Sprache wird hier eigentlich gesprochen? Also frage ich: English? German? Die Frau zögert kurz und sagt: „Gerne.“ Bucht uns kurzerhand ein Plätzchen in den Dünen und flink hindurch geschritten und wir stehen direkt am Strand. Na wenn das mal nix ist – wir sind jedenfalls Feuer und Flamme und gehen direkt auf Erkundungstour.

Die Bunkeranlagen rund um Skagen

Dünen klingen doch irgendwie idyllisch, oder? Rieselfeiner Sand, Strandhafer, schmale sandige Pfade. Wir schreiten zum Strand die paar Meter hindurch und ich bin massiv geflasht, als ich vor den riesigen Bunkern stehe. Damit hatte ich irgendwie nicht gerechnet. Aber klar, es liegt auf der Hand. Wir stehen am nördlichsten Zipfel von Dänemark, hier muss man schon mal gucken, dass sich kein Feind anschleicht.

Bunker Skagen
Bunker am Strand von Skagen

Doch es waren nicht die Dänen, welche diese 23 massiven Bunker errichteten, sondern die Deutsche Wehrmacht zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges. Die Wände haben eine Stärke von bis zu 1 Meter und auch heute noch, wirken sie recht stabil und in kaum einer Weise verwittert. Ganz mystisches Bild, in welches sich das nächste Highlight weit hinten behutsam hineinschiebt.

Det Gra Fyr – Der graue Leuchtturm von Skagen

Dieser optisch eigentlich unspektakuläre Leuchtturm wurde 1858 auf der Landzunge Grenen erbaut. Damals stand er exakt im gleichen Abstand zwischen Skagerrak und Kattegat. Wenn Du Dir heute mal spaßeshalber den Standort bei google.maps anschaust, wirst Du feststellen, dass er mittlerweile ein gehöriges Stück weiter am Kattegat liegt. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Die umwitterte Landzunge unterliegt einem permanenten Wandel. So oder so – der Leuchtturm ist, obwohl er außer Betrieb ist, ein wunderschönes Fotomotiv.

Vogelfreunde kommen hier außerdem total auf ihre Kosten, denn nicht genug, dass Jütland aufgrund der Zugvögel ein Mekka für Vogelbeobachter ist, beherbergt dieser Leuchtturm aktuell eine Vogelausstellung.

Grenen – Highlight von Skagen, Touristenhighlight von Dänemark

Das lockt auf alle Fälle. Einmal an der nördlichsten Spitze von Dänemark zu stehen. Das ist es wohl, warum dieses 3 Quadratkilometer große Landschaftsschutzgebiet eine der Haupttouristenattraktionen von Dänemark ist.

Fairerweise muss man sagen, dass der nördlichste Punkt nicht wie angenommen an der Spitze der Landzunge Grenen, sondern vielmehr am Nordstrand liegt. Doch der ist wohl nicht ganz so angesagt, denn interessanterweise pilgern die Touristen in Scharen zur Landzungenspitze. Die hat nämlich noch eine ganz andere spannende Bewandnis und hier findet sich der Beitragstitel, denn:

Hier küsst die Ostsee die Nordsee.

Ist das nicht genial? Um es genauer zu machen, trifft hier der zur Nordsee gehörende Skagerrak auf den zur Ostsee gehörenden Kattegat. (Klar, Ihr wisst das bestimmt alles – ich finde es jedenfalls großartig, an solch´ einem Punkt zu stehen.)

Am besten kommt Ihr ganz früh oder sehr spät hierher, dann halten sich die Touristenmengen wie wohl überall noch im absolut normalen Bereich. Wir waren sowohl abends als auch tagsüber dort und konnten vor allem am Abend die übrigens ebenfalls für diesen Ort berühmte Lichtstimmung genießen. Tagsüber haben wir nicht schlecht gestaunt, was für Horden von Menschen sich zur Landzunge von Grenen hinbewegt haben. Sogar ein Trucker mit angehangenem Touristenbus taucht plötzlich auf. Der  Sandwurm.

Der Nordstrand von Skagen

So. Und nun wollen wir aber wirklich noch zum allernördlichsten Punkt von Dänemark – wir wandern zum Nordstrand. Unsere Wanderwegeapps schicken uns erst ein wenig die Landstraße entlang. Wir kommen an einem weiteren gigantischen Campingplatz und dann direkt an der kugelförmigen Radarstation Skagen vorbei.

Sie ist eine von den insgesamt 3 landesweiten Radarstationen. Als markante Landmarke haben wir sie schon von vielen Punkten aus gesehen und auch die Kugel, vielmehr der darunter befindliche Radarschirm sieht alles. Denn er überwacht 24/7 den Luftraum über Norddänemark.

Unweit davon finden wir eine der unzähligen Seenotrettungssationen, welche wohl an der Westküste vorhanden sein sollen. Diese hier in Skagen wurde 1858 mit der einheitlich gestalteten Türbemalung errichtet.

Und dann geht es wieder ab in die Dünen. Wir wandern kleine Dünenpfade entlang und staunen wirklich nicht schlecht, als sich mehr und mehr Bunker innerhalb dieser sanft-welligen Landschaft auftun. Erst sieht man sie kaum, dann taucht ein wenig überwucherter Beton auf. Kleine Trampelpfade führen auf sie hinauf und so gibt es immer wieder ein wenig Überblick über die Gegend. So birgt so mancher Hügel hier sein kleines Geheimnis. 

Und auch hier sticht ein Leuchtturm immer wieder ins Auge:

Skagen West Fyr – Der sogenannte Bleistift

Wir wandern mal hin. Dieser 25 Meter hohe Leuchtturm steht auf einem ehemaligen Weltkriegsbunker, ist unbemannt, das heißt, er wird ferngesteuert und ist der nördlichste Leuchtturm in Dänemark.

Und während wir so stehen und gucken, kreisen ziemlich nah über uns zwei Greifvögel. Irgendwo in den Dünen ruft ein Kuckuck und gefühlt überall stehen entweder Leute mit Ferngläsern oder überdimensionalen Objektiven. Die Infotafel gibt Aufschluß. Hier geht die Route unzähliger Zugvögel entlang und besonders im Frühjahr lockt dies natürlich die Vogelliebhaber in Scharen an.

Und dann endlich – der Nordstrand

Kilometerlange Weite. So etwas habe ich lange nicht gesehen. Wir erleben einen schönen, breiten hell-sandig und erstaunlich steinigen Strand. Nahezu menschenleer. Klar, der Wind bläst uns gehörig um die Ohren, das ist tückisch – denn die Sonne brennt erbarmungslos. Dafür werden wir mit einigen schönen Fotomotiven belohnt. Wir entdecken kleine Krebsskelette, einen vertrockneten Seestern, überdimensionale Käfer und ein Haufen schöne Steine.

Irgendwann schließt sich der Kreis und wir stehen wieder an der Spitze der Landzunge Grenen.

Tipps zum Wandern:

Über die Landzunge Grenen führen eine rote, eine blaue und eine grüne Wanderroute. Wir sind den Wegen über die Apps gefolgt aber wahrscheinlich gibt es auch in der Stadt eine Tourkarte. Das weiß ich allerdings nicht genau. 

Alle drei Touren starten und enden am Grenen Kunstmuseum. Hier befindet sich übrigens auch das Skagen Bunkermuseum.

Vielen Dank, dass Du auch heute virtuell mitgereist bist. Ich hoffe, ich konnte Dir mit diesem Beitrag ein paar sonnige Strandmomente bescheren. Wie immer sind die nächsten Beiträge schon in den Startlöchern, schau also gern bald wieder rein oder folge mir auf Instagram, da gebe ich die neuen Beiträge immer bekannt.

Quellen:

Unzählige über die Landzunge verteilte Infotafeln.

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