Tripp Tipp

Ausflug in den Urwald Sababurg

Lesedauer 5 Minuten

Einen Urwald in Deutschland? Gibt es den wirklich? Allein das Wort lässt mystische Bilder in meinem Kopf entstehen. Das macht Lust und so gehen wir der Sache einfach mal auf den Grund und fahren in den Naturpark Reinhardswald bei Kassel, denn hier befindet sich der sagenumwobene Urwald Sababurg.

Anfahrt und Parken

Gut 350 Kilometer südwestlich von Potsdam sowie nördlich von Kassel fahren wir zumindest für uns viele namenlose Hügel hinauf, hinab. Die Landstraße kurvt durch kleine, teils fachwerkbestandene Orte. Kaum eine Menschenseele weit und breit. Irgendwo platzt völlig unerwartet ein Acker vor lauter Autos aus allen Nähten. Wo kommen die denn alle her? Hinein wollen sie in den Tierpark Sababurg. Auch wenn der Feuerwehrmann uns sicherlich gern in die Reihen mit eingewiesen hätte, wir wollen einen Parkplatz weiter. Wir halten am im Verhältnis klitzekleinen und kostenfreien Parkplatz Urwald Sababurg. Ungefähr 25 Autos finden hier Platz. Mit dem Bus kommst du übrigens auch hierher. Die Bushaltestelle heißt, wie soll es anders sein: „Urwald“.

Wanderparkplatz Urwald Sababurg

Die Routen im Urwald Sababurg

Direkt gegenüber vom Wanderparkplatz geht es in den Wald hinein. Hier hat man die Wahl zwischen drei verschiedenen Routen, welche am Wanderparkplatz auf eine Zeichnung sehr gut beschrieben sind. Rot, orange und gelb. Die gelbe Tour ist mit 1,2 Kilometer die kürzeste Route, es folgt orange mit 2,3 und am längsten bist du mit 4 Kilometer auf der roten Runde unterwegs. Teilweise laufen die Routen zusammen und so kombinieren wir orange und rot und nehmen dich direkt mal mit.

Wegmarkierung Urwald Sababurg

Was ist eigentlich der Urwald Sababurg?

Und sicherlich geht es dir genau wie uns. Obwohl man den Urwald Sababurg als Berühmtheit unter den deutschen Wäldern einstuft, hatten wir bis dato nie vorher was von ihm gehört. Einst war dieser Wald ein sogenannter Hutewald. Rinder, Schafe und Pferde weideten hier. Bereits 1865 wurde diese Beweidung eingestellt und der Wald sich selbst überlassen. Das heißt, in diesem Wald finden sich uralte Eichen, die man hier auch als wahre Methusalems bezeichnet. Eichen können bis 600 Jahre alt werden. Und auch wunderbare alte Buchen finden sich im Bestand. Diese können bis zu 350 Jahre alt werden. Na gut – gehen wir doch endlich mal rein in den Urwald Sababurg.

Wanderung Urwald Sababurg

Kaum sind wir im Wald drinnen, fällt mir als erstes auf, wie dunkel es hier ist. Das kann ich mir sehr gut vorstellen, dass hier Märchen, Sagen und Mythen ihre Wurzeln haben. Mal schauen, ob wir einen Waldtroll oder vielleicht sogar einen Riesen finden. Es dauert nicht lang und die ersten mächtigen Bäume präsentieren sich. Teils führt der Weg über einen mit Gitternetz ausgelegten Holzbohlensteg.

Der Wald gleicht neben den tollen Baumriesen einem einzigen dynamischen Stilleben. Hier ein umgestürzter Baumstumpf und dort auch schon direkt das wunderschöne grüne Moos, welches ihn erobert. Doch dem noch nicht genug – eifrige Pilze fühlen sich wiederum sehr wohl im Moos und so ergeben sich richtig schöne Lebensgemeinschaften und für uns Fotomotive. Wir krabbeln mal wieder fast auf allen Vieren und aus allen Richtungen an die kleinen Wunder heran. Erstaunlich, dass just dort, wo wir fotografieren, immer wieder die Menschen stehenbleiben und dann überhaupt erst mal bemerken, wie schön das ausschaut. Technik hin oder her, Fluch und Segen. Mit dem Blick durch die Linse sind wir immer wieder auf der Suche nach schönen Motiven und lassen uns automatisch mehr Zeit.

Na gut – wir lassen uns auch dann vor allem Zeit, wenn sich wie zweimal geschehen eine wilde, laute Menschenhorde nähert. Dem gehen wir eigentlich gern aus dem Weg. Denn es ist nicht immer leicht zu ertragen, wie plötzlich die Vogelstimmen verstummen, dafür höre ich die kleinen, ungerechtfertigt dem Tode geweihten Pilze kreischen. Unsanft und egoistisch werden sie von gierigen Kinderhändchen vom zarten moosgesäumten Baumstumpf gerissen. Nur um in irgendeiner handelsüblichen Plastiktüte zu einer nicht-essbaren Pampe zu verschmelzen. Warum betone ich das? Der Urwald Sababurg ist Landschaftsschutzgebiet – hier ist es untersagt, die befestigen Wege zu verlassen, Pflanzen zu entnehmen oder den Wald in sonst einer Art zu beeinflussen.

Die Rapp-Eiche im Urwald Sababurg

Wir finden wirklich viele bedeutsame alte Bäume und irgendwann stehen wir vor der Rapp-Eiche. So wie ich gesehen habe, ist sie eigentlich die einzige, die ein Namensschildchen trägt, obgleich einige Bäume grundsätzlich hier benannt sind. Neben ihr gibt es zum Beispiel noch die Wappeneiche, die Zyklopeneiche, die Buche mit dem Schlangenast, die Drillingsbuche, die Margarethe und die Kamineiche. Die Rapp-Eiche trägt ihren Namen zu Ehren Hermann-Josef Rapp. Als Buchautor leitete er über 1000 Waldführungen und war überdies als stellvertretender Forstamtsleiter tätig.

Rapp-Eiche

Und noch ein paar magische Waldmomente

Neben ausgehöhlten oder bizarr verbogenen Baumstämmen haben es uns bei unserem Rundgang vor allem die variationsreich vorhandenen Pilze angetan. Allen voran eine Gruppe wunderschöne Fliegenpilze (Achtung: Pilz ist giftig, nicht konsumieren). Diese schönen Rotkäppchen standen posierlich und fotogen vor menschenhohem Farn.

Fliegenpilze im Urwald Sababurg

Und ich kann dir heute den Beweis liefern, dass der Wald tatsächlich mit uns spricht. Irgendwo stehe ich so eine Weile und fühle mich sehr beobachtet. Bis meine Augen auf den alten umgestürzten Baumstamm fallen… siehst du sie? Die zwei Augen? Glatt fiel mir angelehnt an Michael Endes „Unendliche Geschichte“ der Name Uralte Morla ein.

Die uralte Morla

Doch nicht alle Bäume gucken so freundlich wie die uralte Morla. Weiter hinten, ich konnte es ja selber nicht glauben – zeigt mir eine alte Buche den Stinkefinger. Siehst du ihn? Und ist doch klar, was das versinnbildlicht bedeutet. „Die Natur braucht uns nicht, aber wir brauchen die Natur.“

Stinkefinger der Natur

Fazit zum Urwald Sababurg

Falls du mal in der Nähe bist, halte hier ruhig mal an und lasse dich ein wenig vom alten Wald verzaubern. Nicht nur das, mach dir immer wieder bewusst, wie wichtig jeder noch so kleine Grashalm, jeder nicht beworbene Wald und jeder Pilz ist. Und darüberhinaus haben mich die alten Buchen an den in Brandenburg liegenden Buchenwald Grumsin erinnert.

Vielen Dank, dass du auch heute virtuell mitgereist bist. Schau gern in Kürze wieder hier vorbei – dann gibt es sicherlich schon den nächsten spannenden Tripp-Tipp.

Ein Kommentar

  • Vor Jahren war ich dort auch mal. Ein Rehafreund hat uns seine Heimat gezeigt. Ich war damals auch tief beeindruckt. Ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Übrigens ist der Beitrag toll geschrieben.

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