Tripp Tipp

Havelberg – Domstadt inmitten herrlicher Natur

Lesedauer 8 Minuten
Einfahrt in die Stadt Havelberg

Heute nehme ich dich mal mit nach Havelberg. Diese kleine, rund 6500 Einwohner zählende, Stadt im Norden von Sachsen-Anhalt hat es mir irgendwie angetan. Warum man sich in eine Destination so ein wenig verknallt, kann man ja immer nicht so genau sagen. Ich denke, die Lage an der Havel, der gewaltige Dom und die fantastische Natur ringsherum sind die markantesten Merkmale. Aber warte, ich fange wie immer einfach mal ganz vorne an. Zweimal bin ich letztes Jahr dort mit dem Rad eingeritten und da fängt die spannende Geschichte schon an.

Beim ersten Mal haben Marcus und ich die Stadt auf unserer Radtour nach Hamburg durchquert. Von Rathenow über Schollene und Kuhlhausen, kämpften wir uns bei etwas Gegenwind die Zielgerade L2 bis hin auf die oben abgebildete Brücke über die Havel. Quasi das Einfallstor in die auf einer Insel liegende Altstadt. Nach der ungefähr 40 Kilometer reichenden Tour, ist das eine richtig schöne Belohnung. Beim zweiten Mal bin ich mit den Pedalenspionen unterwegs und wir kommen aus Richtung Sandau. Ein Fahrradständer und auch eine Informationstafel laden an dieser Brücke zu einer kurzen Rast und einem ersten Überblick.

Nahezu magisch zieht uns der Dom, welcher auf einem eiszeitlichen Höhenrücken thront, in seinen Bann. Also los, düsen oder schnaufen wir mal die Anhöhe hoch. Früher galt die Gemeinde Domberg sowie einige umliegende Gebäude als ein in sich abgeschlossener Bezirk. Heute ist alles frei zugängig. Verpasst auf keinen Fall die sagenhafte Aussicht auf die Altstadt.   

Die genießt ihr am Besten, wenn ihr den Prälatenweg zu Fuß hinaufsteigt. Dann könnt ihr euch rechter Hand so richtig schön in die roten Ziegeldächer hineinträumen.

Linker Hand berührt ihr mit der alten Stadtmauer ein wenig die Geschichte der Domstadt Havelberg. Heute nur noch in Teilen vorhanden, umgab sie damals schützend die Domgemeinde. Nur wenige Stufen sind es nun noch hinauf und wir stehen direkt vor dem mächtigen Dom.

Dieser wurde 1170 als romanischer Dom im Bistum Havelberg geweiht. König Otto der I. versprach sich damit einen Weg, um die hier ansässigen Westslawen zu missionieren. Scheinbar wurden dafür Kosten und Müh nicht gescheut, ihr müsst da einfach mal hin und ich bin sicher ihr seid wenigstens einen Moment genauso sprachlos wie ich, wenn ihr genau vor diesem äußerst beeindruckenden Bau steht.

Später kam es leider zu einem Brand und im Rahmen des Wiederaufbaus wurden gothische Umbauten getätigt. Seit 1996 gehört der Havelberger Dom zur evangelischen Kirchengemeinde.

Wie überall im Elb-Havel-Winkel werden wir auch hier sehr freundlich empfangen. Antje Reichel, die Leiterin des ebenfalls hier befindlichen Prignitz-Museums, nimmt uns nun mit zu einer kleinen Tour rund um und in den Dom hinein.

Doch bevor es so richtig losgeht, verrät sie uns mit einem verschmitztem Lächeln, wieviele Luken sich in der Fassade befinden. Tja, was man doch so alles schafft zu zählen, wenn die Touristengruppen zu spät kommen.

Doch nicht etwa wir? Oha – Verzeihung.

Diese Luken sind übrigens heiß begehrt. Ich habe mir jetzt nicht genau gemerkt, wieviele Vogelpaare da nisten – aber auf dem Bild seht ihr auf alle Fälle schon mal ein paar und den Klang, während sie so um das Domschiff kreisen, könnt ihr euch bestimmt auch ein wenig vorstellen. Wirklich wunderschön.

Wenn ihr unserer Radtour nach Hamburg im Sommer 2020 gefolgt seid, dann erinnert ihr euch vielleicht noch an diese beiden bronzenen Skulpturen. Sie stehen unübersehbar am Dom und sind keine geringeren als der preußische König, der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. und Zar Peter I. von Russland. Diese beiden trafen sich hier 1716. Anlass war die Konvention von Havelberg, in welcher sich die Bündnispartner gegenseitige Unterstützung gegen das schwedische Reich zusicherten.

In diesem Zuge wurden großzügige Geschenke hin und hergereicht und das hatte einer von euch ja ziemlich zügig ganz richtig im Quizz erraten, das Bernsteinzimmer und die Langen Kerls wurden ausgetauscht.

Wenn ihr die beiden entdeckt habt, dann müsst ihr euch nur zu dieser Mauer wenden. Zugegeben etwas ab vom Schuss befinden sich hier ausreichend Fahrradständer. Die Räder hier anzuschließen ist auf jeden Fall besser, als sie an die Dommauer anzulehnen.

Die wunderschöne Ziegelmauer, welche den Domplatz vom Krankenhausareal trennt, ist teilweise mit Namen gestempelten Ziegelsteinen versehen. Ich meine, wir hätten dort gehört, das diese Ziegel gesponsert wurden und die Mauer deshalb restauriert werden konnte. Das ist schön und macht optisch wirklich was her. Wir werden rund um den Dom geführt und Frau Reichel erklärt uns eine dort angebrachte Relief-Serie.

Als sie in dem Zuge den Namen des Künstlers Bernd Streiter erwähnt, macht es Klick und für mich knüpft sich mal wieder eine Verbindung. Gar zu mystisch und deshalb einprägsam, empfing uns auf dem Radweg gen Hamburg im kleinen Örtchen Mödlich eine seiner weiteren Skulpturen Namens „Charon“. Die hier erwähnte und 2015 angebrachte Serie hat der in Havelberg geborene Künstler dem Leben und Wirken der Prämonstratenser gewidmet. 1150 wurde hier nämlich das gleichnamige Chorherrenstift gegründet.

Nun geht es hinein in den kleinen Klostergarten. Ganz der klösterlichen Tradition folgend, ist dieser als Kräutergarten angelegt und je nach Jahreszeit duften die Stauden wirklich ganz hervorrgand.

Von Apotheker-Rose bis Herzgespann über handelsüblichen Lavendel, Minze oder Thymian findet ihr hier im sogenannten Dekaneigarten alles, was euer Kräuterhexenherz begehrt.

Dieser Garten wurde genau wie die Relieftafeln im Zuge der Buga 2015 angelegt. Eine Hinweistafel wirbt mit den Worten:

„Schauen, riechen und schmecken sie den Reichtum Gottes.“

Seit 2016 wird der Garten im Rahmen des Projektes Christliche Spiritualität weitergeführt und aus diesem Grund um einige Bibelpflanzen wie zum Beispiel Wein, Feige und Olive ergänzt.

(Quelle: Infotafel am Dom / Autorin Sabine Folk)

 

Ihr seht schon, der Wissenszugewinn, welcher euch hier erwartet, bewegt sich in viele Richtungen. Bringt also, falls ihr mal hier seid, Neugier und einiges an Zeit mit.

Und falls ihr genau wie ich nur mit einer Radtasche unterwegs seid und kaum Stauraum für Mitbringsel habt, dann hält der Museumsshop kleine Samentütchen mit Samen aus dem Dekanatsgarten und natürlich auch viele andere spannende Sachen bereit.

Für uns geht es nun noch hinein in den Dom. Es ist nahezu Feierabend, ergo – so ziemlich alle Touristen sind schon raus und wir haben den Dom und auch anschließend das Prignitzuseum für uns alleine.

Wunderschön eingebettet in historische Säle und Kreuzgänge, präsentiert das Prignitzmuseum seine schier endlosen Schätze. Da geht es also um die Gründung und die Aufhebung des Bistums Havelberg, um die Prämonstratenser und überhaupt um den Bau des Domes. Aber auch Stadt- und Siedlungsgeschichte werden beleuchtet. Ihr erinnert euch, oder? Zeit mitbringen.

Und ich habe es ja flüstern hören, es ist im Sommer mitunter gar nicht so leicht, eine Unterkunft zu bekommen. Ihr müsst also doch ein wenig schnell und entschlossen sein, um rechtzeitig zu buchen. Das diese Stadt so beliebt ist, liegt aber nicht allein am Dom. Die wunderschöne Natur des Havellandes ist, wenn auch gut besucht, fast noch ein Geheimtipp und um die zu verstehen, lohnt sich ein Blick ins Haus der Flüsse.

Denn hier, im interaktiv gestalteten Haus der Flüsse, dreht sich alles um das Biosphärenreservat Mittelelbe und damit um die Auenlandschaften rund um die Stadt Havelberg.

Selbst unter erhöhten Hygienbedingungen hat der kurze Besuch Spaß gemacht. Jeder Besucher darf sich zum Beispiel einen Handschuh anziehen und so über Knopfdruck Tierstimmen zum Klingen bringen. Die Rotbauchunke konnte ich so, Wochen später im Havelland wiedererkennen. Echt toll.

Ganz grundsätzlich hat das Haus der Flüsse einen vielgestaltigen Innen- und einen, die Flussaue auf kleinem Raum nachgestellten, Außenbereich. Und kaum lässt es sich in wenigen Worten wiedergeben, was man hier alles lernen und im Quizz überprüfen kann. Man könnte auch sagen, es ist so etwas wie ein modernes Naturkundemuseum.

Etwas rustikaler geht es beim Förderverein „Naturschutz im Elb-Havel-Winkel“ e.V. zu.

Der Förderverein besteht seit 1993 und hat in der Zeit wohl um die 300 Tierexponate zusammengesammelt. Den Besuch im alten Forsthaus im Mühlenholz werde ich in guter Erinnerung behalten. Zu schön war es, am kühlen Spätsommertag in die geheizte Stube einzutreten und den Erzählungen vom Vorstand Klaus Heidrich und seinem Vereinskollege Armin Wernicke zu lauschen.

Ein paar mehr Impressionen zum Forsthaus habe ich in einem Übersichtsbeitrag zum Elb-Havel-Winkel schon einmal geteilt. Schau da auch gerne nochmal rein. Hier ist der Link.

Die folgende Galerie zeigt noch ein paar Impressionen aus der Stadt Havelberg. Denn neben all dem Erwähnten, macht es auch einfach Spaß ein wenig durch die tatsächlich so bezeichneten Bergsiedlungen oder durch die Altstadt zu bummeln. Nicht immer zeigt sich das Bild perfekt oder so fachwerksidyllisch wie auf dem ersten Bild hier unten. Doch gerade das Unperfekte, lässt irgendwie die Neugier in jede unverputzte Fuge reindenken. Also, was soll ich sagen. Meine Empfehlung für einen Tripp Tipp nach Havelberg habt ihr. 

Mehr Informationen findet ihr hier:

Touristinformation Hansestadt Havelberg und Naturschutz Förderverein : www.havelberg.de

Dom St. Marien Havelberg: www.havelberg-dom.de/

Prignitz-Museum: www.prignitz-museum.de

Haus der Flüsse: www.haus-der-fluesse.de

Hier geht es zu meinen anderen Berichten der Reise durch den Elb-Havel-Winkel:

  1. https://tripp-tipp.de/kurztrip-an-die-elbe-erste-impressionen-zum-elb-havel-winkel/
  2. https://tripp-tipp.de/das-kleine-oertchen-klietz-an-der-elbe/
  3. https://tripp-tipp.de/wie-herzblut-einen-kirchturm-formt-pfarrkirche-st-laurentius-und-st-nicolaus-zu-sandau/
  4. https://tripp-tipp.de/geheimtipp-nitzow-ein-ortsteil-von-havelberg/#more-6984

Offenlegung: Der Beitrag speist sich aus einer privaten Reise sowie einer Einladung im Rahmen der Aktion “Pedalenspione”. Dazu wurde ich von der Landleute Agentur als Bloggerin zur zweitägigen Tour durch den Elb-Havel-Winkel und damit in den Dom, das Prignitz Museum, das Haus der Flüsse und zum Besuch beim Naturschutz Förderverein eingeladen. Die Landleute Agentur untersützt sogenannte LEADER-Projekte in der Region. Vielen Dank an dieser Stelle an Björn Gäde und die Landleute Agentur.

Vielen Dank und herzliche Grüße in diesem Zuge für die außerdem noch mitgeradelten Pedalenspione Marina Heinrich, Jeanett Czinzoll sowie Ingo Freihorst.

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