Impressionen Herbstreise nach Südtirol mit dem Camper

Es gibt einen Landstrich, dem eilt sein Ruf voraus: Südtirol – hier denkt man an wohlige Sonne, wenn andernorts bereits Kälte herrscht. Hier denkt man an Gaumenfreuden, karge Bergspitzen der Dolomiten und Wanderungen an die sich die Waden noch Tage später erinnern werden. 9 Nächte haben wir auf einem Campingplatz verbracht und in diesem Beitrag gibt es ein paar erste Impressionen dieser im Rückblick als gelungen deklarierten Reise nach Südtirol.
Campingplatz Seiser Alm
Zwar gehört es nicht zu unserer vordergründigen Reiseart, uns mehrere Tage am Stück irgendwo auf einem Campingplatz einzubuchen – in Südtirol, wo frei stehen strikt verboten und spontane Stellplätze rar sind – empfanden wir das als entspannteste Art des Reisens mit unserem Camper.
So haben wir vorab online 8 Nächte reserviert und vor Ort sogar noch um eine Nacht verlängert und von der hervorragenden Infrastruktur zum Beispiel in Form einer täglich und vor allem zeitlich unbegrenzten, heißen Dusche zu profitieren. Preis pro Nacht für 2 Personen + Fahrzeug / ohne Strom / inkl Tourismus und Umweltabgabe= 63,00 Euro

Der Campingplatz liegt am Fuße des Schlern – Fluch und Segen. Dieser markante Berg hat uns mit Schatten versorgt, wo wir auf unseren Solarpaneelen etwas mehr Sonne hätten haben können. Die proaktiv vom Campingplatz angebotene Option eines Platzwechsels haben wir danken angenommen und sind ein paar Plätze weiter rüber – zumindest in die Nachmittagssonne gerutscht. An zwei Abenden konnten wir sogar noch ein wenig vorm Camper sitzen – wie an Mütze und Decke zu erkennen ist – es war kühl.

Ein Highlight am Urlaubsanfang – Almabtrieb in Kastelruth
Zufälligerweise erwischen wir das herbstliche Spektakel des Almabtriebs in Kastelruth.
Viele Bauern holen ihre Tiere von der Seiser Alm hinab ins Tal. Die aufwendige Tour startet morgens 10.30 in Compatsch (ein Ort auf der Seiser Alm).
Gegen 14.30 Uhr wird der feierlich geschmückte Zug in Kastelruth erwartet – doch bis auf eine erste kleine Gruppe lassen sie ganz schön auf sich warten. Es ist heiß, viele Menschen haben sich im Ortskern eingefunden. Viel zu laute Musik spielt – der Moderator versucht die Menschen bei Laune zu halten. Schuhplattler führen ihre Tänze auf. Ein heiteres Spektakel.

Zwar wird angesagt, dass weder Hitze noch Strecke Tier noch Mensch was ausmachen würden, doch das kann ich nicht so recht glauben.
Peitschenschläge erklingen – die traditionellen Goaslschnalzer kündigen mit ohrenbetäubendem Geknalle den Zug an.

Und dann kommen sie – der Moderator wünscht noch schnell einen unfallfreien Nachmittag – hui – was soll das denn bedeuten – und dann gucken wir die Kühe – und die Kühe uns an:

Ich habe einiges an Fotos gemacht, ich werde später nochmal genauer drüber berichten. Denn eine andere Sache hat in den Tagen, die wir dort waren auch sehr viel Zeit eingenommen und muss erwähnt werden.
Wandern auf der Seiser Alm
Selbstverständlich sind wir zu einigen wirklich schönen Wandertouren aufgebrochen. Insgesamt 3x haben wir uns ein Parkplatzticket für die Seiser Alm „gegönnt“. Das kostet pro Tag 30 Euro, muss vorab online gebucht werden und berechtigt zum Aufenthalt zwischen 5.00 und 23.00 Uhr. Bis spätestens 9.30 muss man auf dem Parkplatz eingetroffen sein. Zwischen 9.00 und 17.00 Uhr darf man die Straße vom Tal hinauf auf die Seiser Alm nicht passieren. Zudem kommt man erst ab 7.00 Uhr vom Campingplatz runter – hier mussten wir uns also ein wenig an die örtlichen Gegebenheiten anpassen.
Dennoch:
Mit der Nutzung des Parkplatztickets schlagen wir gleich 2 Fliegen mit einer Klappe – wir sparen pro Person 30 Euro (die Gondel hätte pro Person 30 Euro gekostet) und wir sind unabhängig von der letzten Gondel – das heißt, wir können in Ruhe wandern und sogar noch den Sonnenuntergang genießen. Knatterinchen liebt Sonnenuntergang:

Auf der Seiseralm haben wir 3 Touren und alle drei mit etwa 21 Kilometern unternommen.
Bei der ersten haben wir uns einfach mal einen Überlick verschafft, sind zur Bergstation der St. Ullrich Bahn und später nach Saltria sowie zur Rauchhütte (samt Einkehr) gewandert. An einem sonnigen Sonntag war die Seiser Alm gut touristisch und auffällig asiatisch besucht.

Überblick über die Seiser Alm:

Eine andere Tour führte uns über die Rosszahnscharte zur Tiers Alpl Hütte. Wohl eine der beeindruckendsten Wanderungen, die wir je gemacht haben.


Die dritte Tour auf der Seiser Alm führte uns zur Plattkofelhütte. Ebenfalls herausfordernd aber sehr schön.

Wanderungen außerhalb der Seiser Alm
Außerhalb der Seiser Alm führte uns eine ebenfalls gut 20 Kilometer lange Tour direkt ab Camping Platz über das Völser Weihergebiet…
…zur Schutzhütte Tschafon – mehrere Kilometer ging es in kleinen Serpentinen und megasteil hinauf. Jeder Meter hat sich gelohnt – eine wirklich hübsche Hütte.

Wanderung durch Südtiroler Anbaukultur
Bei all den anspruchsvollen Bergtouren, dachten wir uns eines Tages – wir machen mal einen gemütlichen Rundgang durch ein paar Dörfer.
Hm.
Am Ende waren es dann doch auch 14 Kilometer und etwa 600 Höhenmeter. Alles andere als entspannend – dafür sehr interessant.
Von St. Konstantin ging es nach St. Vigil, ein Ort mit einer geschichtsträchtigen Kirche – die wie durch ein Wunder einen Murenabgang überlebte. Interessant ist, dass diese Kirche in einer Senke steht.

Nur ein Steinwurf weiter beginnt es plötzlich nach herrlichen Kräutern zu riechen – und während wir die ganze Zeit ziemlich allein auf weiter Flur wanderten – kommen uns nun Menschen entgegen. Wir haben den Pflegerhof erreicht – ein berühmter Hofladen, der sich auf Gewürze und Tees spezialisiert hat. Wir shoppen ein wenig.

Auf der weiteren Tour wandern wir an unzähligen Apfelplantagen vorbei. Das erste Mal nehme ich bewusst wahr, dass Südtirol ein bedeutsames Apfelanbaugebiet ist. Äpfel soweit das Auge reicht.

Zwar haben wir nicht an den Plantagen, dafür 2x in dieser Woche im Laden „Schlernfrucht“ in Seis eingekauft. In der Hoffnung, dass wir das Geld so bei heimischen Bauern und Händlern anstatt bei überregionalen Ketten platzieren. Der Laden ist zu empfehlen, die Verkäufern extrem nett – erklärt, wenn gewollt – zu jedem Obst oder Gemüse, woher es stammt.

Unsere Camperküche blieb kalt – das hatte einen Grund und der war paar Mal rund:
Selten für uns aber dieses Mal sind wir täglich eingekehrt. Die Südtiroler Küche ist einfach massiv lecker.
Meine heimlichen Favoriten waren die Spinatknödel – sowohl auf der Tierser Alpl als auch auf der Plattkogelhütte haben sie hervorragend geschmeckt:

Eine kulinarische und regionale Besonderheit durften wir auch erleben – das sogenannte „Kuchlkastl“ was von einigen Völser Gastronomen jedes Jahr im Oktober organisiert wird. Kuchlkastl bedeutet soviel wie Speisekammer – im Aktionszeitraum werden traditionelle Gerichte hervorgekramt. Im Hotel Restaurant Rose Wenzer wählen wir Teigtaschen mit Pilzfüllung. Sehr lecker.

Und mal die Karte, was es da noch so gab:

Ein Regentag in Bozen
Die südtiroler Gästekarte machte es möglich, das wir uns unkompliziert – nämlich direkt ab Bushaltestelle vor unserem Campingplatz – mit den öffentlichen Bussen fortbewegen konnten.
So führte uns eine Tour nach Bozen. Da der Tag zumindest am Anfang ziemlich verregnet war, bot uns erst das Einkaufszentrum und dann in direkter Nachbarschaft der wunderschöne Dom Zuflucht.

Weiter ging es zu den Laubengängen – eine überdachte Flaniermeile sowie entlang einiger hübscher Marktstände. Es lässt sich jedoch nicht leugnen, die Stadt war rammelvoll mit Touristen.
Und weil wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln mittlerweile so richtig warm geworden sind – ging es dann mit der Rittner Seilbahn noch nach Oberbozen…
…und weiter mit der Rittner Bahn bis nach Klobenstein.
Südtirol ist eine wunderschöne Ecke und noch längst ist nicht jedes Foto dieser Reise gezeigt, geschweige denn jede Geschichte auserzählt. Da kommt in nächster Zeit noch einiges in Form von Blog und YouTube-Video.
Da unser Camper gleich vor der Haustür parkt und ausgeräumt werden möchte – mache ich hier aber erst einmal Schluss.
Vielen Dank, dass Du bis hierhin mitgereist bist. Schau gern die Tage wieder rein.
Und ein letztes Bild zum Schluss:
Autorin: Sandra Hintringer








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