Tripp Tipp

Max Klinger – Besuch des Museums in Großjena

Lesedauer 7 Minuten

Es ist eine dieser typischen Straßenkreuzungen. Eben noch fahren wir entlang eines herrlich blühenden Rapsfeldes, queren die Brücke über die beschauliche Unstrut und plötzlich stehen wir genau vorm steil nach oben aufragenden Weinberg in Großjena bei Naumburg. Eine T-Kreuzung. Unzählige Schilder weisen den Weg nach links und rechts, doch mein Blick fällt sofort auf: “Blütengrund”. Klingt das schön und eben jener Blütengrund ist unser heutiges Ziel. Hier lebte und wirkte Max Klinger (1857 – 1920), ein berühmter Leipziger Maler, Grafiker und Bildhauer. Sohn des erfolgreichen Leipziger Seifenfabrikanten Heinrich Louis Klinger.

Der kurze steile Anstieg erinnert ein wenig an die Höhenstraßen in den Alpen, das Wort Allrad wird ausgesprochen, nach nur wenigen hundert Metern erreichen wir den Parkplatz und steigen aus. Nahezu magisch zieht uns das kleine, ins Grün gebettete Weinberghäuschen an.

Max Klinger
Weg zum Max Klinger Haus

Es muss schon damals, zu Klingers Zeiten, etwas ganz besonderes gewesen sein, hier zu leben. Seine Künsterlaufbahn brachte ihn zunächst weit herum. Von seiner Geburtsstadt Leipzig, über Karlsruhe, Brüssel bis hin nach Italien und Paris führten seine Wege.

Doch das Künstlerleben muss anstrengend gewesen sein. Sein Hausarzt, dem damals der Weinberg gehörte, empfahl im hier in der “Toskana des Ostens” eine Erholungszeit. Und wie die Geschäfte eben so laufen, erwirbt Klinger 1903 das Gelände samt der zwei malerischen Weinberghäuschen.

Ein einziger Traum.

Eines der Häuser gestaltet er sich als Wohnhaus und lebt hier mit seiner ersten Frau Elsa Asenijeff. Die gemeinsame Tochter wird in eine Pflegefamilie gegeben.

In dem anderen Häuschen wird er bald seine berühmten Radierungen anfertigen. Er gilt als Künstler des Symbolismus. Mit Parallelen zum Jugendstil lösen beide Strömungen den vorangegangen Impressionismus ab. Darstellungen sind nun eher durch den Gedanken als durch die reale sinnliche Wahrnehmung geprägt. Mythologische und auch unerklärliche Inhalte, welche sich zwischen Realität, Vision und Halluzination bewegen, bestimmen seine Kunst.

Hingegen:

Völlig unverzerrt – und real vorhanden – das Radierhäuschen… am Weinberg.

Max-Klinger Museum / Radierhäuschen am Weinberg

Eigentlich könnte ich die ganze Zeit nur hier am Weinberg stehen und in die Ferne blicken.

Doch wir werden erwartet.

Frau Martina Kiepe nimmt uns nun mit hinein in sein Wohnhaus und schon auf den allerersten Blick schlägt mir ein ganz angenehmes Gefühl entgegen. Es ist die behutsame Art von Frau Kiepe und glaube das angenehme Grün, abgesetzt mit Gelb, sowie das dunkle Holz des Bodens, was alles sehr beruhigend auf mich wirkt. Allein das macht es möglich, dass ich mich gut und neugierig auf die Ausstellung einlassen kann.

im Max-Klinger-Haus

Kaum vorstellbar, dass dieses Haus lange Zeit unbewacht und vollgefüllt mit künstlerischen Schätzen, geduldig darauf wartete, doch noch aus seinem Dornröschenschlaf geholt zu werden. Nach seinem Tod gerät Klinger wohl recht schnell in Vergessenheit. Aus den Händen der Erbfolgerin Gertraude Bock, Klingers zweite Frau, wird das Haus 1931 an die Stadt Naumburg übergeben.

Was zu Kriegszeiten hier passierte weiß ich nicht, auch zu DDR-Zeiten hegte man kein sonderliches Interesse an dem Künstler. Dennoch bleibt ein Teil seiner Kunstwerke seit den 70iger Jahren nach wie vor verschollen. Später übernimmt der Künstlerverband die Verwaltung und erst seit 2006 wurde das Haus als Museum für Besucher eröffnet.

Ein Teil der Werke taucht auf und kann im Rahmen eines zivilrechtlichen Prozesses 2008 an die Stadt Naumburg und damit zurück ans Museum gegeben werden. Die Restaurierungen dauern weiter an. In diesem Zuge sucht das Museum nach Objektpatenschaften.

Die Räume im Max-Klinger-Haus

Die meisten Exponate, hierzu zählen vor allem seine Radierungen, Gemälde und einige Skulpturen, befinden sich im Untergeschoß. Wir steigen also nach einer kurzen Einführung hinab und lugen neugierig in seine Arbeitsräume.

Zu Konservationszwecken sind die hellen Rollos nach unten gezogen und die Räume im Untergeschoss folgen im Hinblick auf Raumgestaltung dem Eingangsbereich.

im Max-Klinger-Haus

Ich mag diese übersichtliche Aufgeräumtheit. Hier ein Blick in sein Atelier:

Atelier Max Klinger

Ganz raffiniert ist hierbei die ausgestellte Arbeitsplatte, welche er selbst entworfen haben soll.

Der derzeitig dort tätige Künstler und Radierer Matthias Schöneburg stimmt sofort zu, als es um die Praktikabilität – die dreidimensionale Kippfähigkeit dieser Platte geht. Mir wäre es ja ehrlich gesagt nix, wenn die Tischplatte beim Arbeiten wackelt – aber für Klinger scheint es eine Sensation wie Notwendigkeit gleichermaßen gewesen zu sein. Hätte ich ihm gern mal bei zugeschaut.

Arbeitsplatte Max Klinger

Natürlich gibt es auch in dieser Ausstellung sowas wie Highlights. Was das jeweils ist, muss jeder für sich entscheiden. Mich haben jedoch zwei Sachen in den Bann gezogen.

Sensationellerweise kannst du die Originalwerkzeuge von Klinger begutachten. Ich habe versucht, sie abzubilden – aber das Foto ist gegenüber der Realität wirklich ein Witz. Vielleicht bekommst du trotzdem einen Eindruck.

Zum anderen finden sich zwei wunderschöne und eigens von ihm geschaffene Kachelöfen. Eigenhändig formt er die Kacheln aus Ton. Die Öfen gelten als seine letzten Werke, noch mit den Folgen eines Schlaganfalls kämpfend, beendet er die Arbeiten einhändig. Im wahrsten Sinne des Wortes mit links – denn seine rechte Seite war gelähmt.

Kachelofen Max Klinger

Wenn du genau hinschaust, findest du innerhalb einer dieser Kacheln die Skulptur eines Hundes.

Der steht in diesem Fall für Treue. Da kann ich gut mitgehen.

Umso irritierender ist jedoch, dass sich weiter hinten eine Miniportraitbüste findet, die seine Geliebte und spätere zweite Frau Gertrud Bock zeigen soll.

Wie fand das eigentlich seine erste Lebensgefährtin, die Schriftstellerin Elsa Asenijeff? Wusste sie….?

Von der Leidenschaft ihres Mannes?

Leidenschaft – Max Klinger

Nackten Körpern widmete er sich jedenfalls gern. Von “akademischer Naturwiedergabe” ist da die Rede. Die später folgende sinnliche Verarbeitung gefällt mir mehr. Beide Frauen sind auch seine Modells und so findet sich eine schöne Portraitbüste aus Bronze, die an seine erste Frau erinnert.

Elsa.

Portraitbüste Elsa Asenieff / Max Klinger

 

Die Ausstellung ist klein jedoch umso reichhaltiger. Eine Menge Infotafeln geben ein gutes Bild zu seiner Person. Zusätzlich versorgt uns Frau Kiepe mit Wissen… ja und so erfahre ich, dass das Leben von Elsa traurig endet. Ihr findet die Tafel ganz gewiss, wenn ihr in der Ausstellung seid. Wie immer werde ich mich hüten – alles zu verraten.

Klinger liebte die Musik, spielte selbst Klavier und holte sich hier Inspirationen. Er gestaltete in Zyklen und ordnete diese nach musikalischen Prinzipien. Er war gern mit Musikern befreundet. Ganz besonders wird hier Johannes Brahms erwähnt. Gegenseitig widmen sie sich Werke. Aber auch Max Reger oder Richard Strauss tauchen auf den Tafeln auf.

Seine Kunstwerke führen durch die Epoche des Symbolismus. Deutungen jenseits der erfahrbaren Realität kratzt er in kupferne Platten. Er galt als Meister der Radierungen, eine ganz besonders feine grafische Technik, welche bis heute im Museum erlebbar ist.

Max Klinger
Meister der Radierung – Max Klinger

Eigens für dieses Verfahren, welches ein wenig aufwendiger ist, hat er sich am Weinberg eine kleine Werkstatt eingerichtet. Das Radierhäuschen. Dieses wird heute vom Künstler Matthias Schöneburg betrieben und da gehen wir jetzt hin:

Den Blick vom Weinberg haben wir nun mehrfach schon genossen. Durch die Fenster des Radierhäuschens schaut es jedoch noch mal wesentlich idyllischer aus.

Und dann werden wir in den Vorgang eingeweit. Eine Radierung ist ein sogenanntes Tiefdruckverfahren. Mit Hilfe einer Nadel wird das gewünschte Motiv in eine Kupferplatte gekratzt oder mit Säure hineingeätzt. Herr Schöneburg hat den ersten Arbeitsgang bereits vorbereitet und präsentiert die Druckplatte:

Kupferplatte mit Motiv

Danach wird mit einem Läppchen die Farbe sorgfältig aufgetupft und in die Vertiefungen eingerieben.

Im nächsten Schritt wird die Druckplatte auf dem Walzentisch platziert und ein speziell eingeweichtes Papier darüber platziert (nicht abgebildet)  – denn während Herr Schöneburg hinforteilt um das Papier zu holen – nutze ich die Gunst der Sekunde und mache ein Bild von der vereinsamten Druckplatte:

Ruckzuck ist er wieder da… Papier drüber, das dicke Flies drüber und los gehts mit der Walzung:

Hierbei entsteht durch den Druck die für Radierungen typische Rahmung – edel, oder?

Vielen Dank an Herr Schöneburg – ich habe tatsächlich vorher noch nie gesehen, wie eine Radierung entsteht.

Wenn du dich selbst mal künstlerisch betätigen möchtest – kannst du hier im Radierhäuschen an einem Workshop teilnehmen. Na wenn das mal nix ist.

Für uns heißt es nun so allmählich Abschied vom Weinberg, vom Radierhäuschen und von Max Klinger nehmen.

Sogar sein Grab befindet sich vor Ort.

1920 ist er hier verstorben und gebührend, mit einer großen Feier beigesetzt worden.

Auf seinem Grab thront eine von ihm entworfene Bronzestatue: Der Athlet.

Vielen Dank, dass du mit mir durchs Museum geschlichen bist – was soll ich sagen. Die nächste Beitragsidee formt sich bereits in meinem Kopf – schau also gern in Kürze hier wieder rein… bis dahin – hab´ eine gute Zeit.

Autorin: Sandra Hintringer

 

Hier kommst du auf die Seite vom Max-Klinger-Haus:

https://www.mv-naumburg.de/kh-info

 

Infos für Deinen Besuch im Max-Klinger-Haus:

Adress: Blütengrund 3 | 06618 Naumburg-Großjena

Tel.: 03445 – 230823 oder 703503

Eintritt:

4,00 Euro / ermäßigt 3,00 Euro – Kinder und Schüler frei
Gruppen (ab 10 Personen):  p. P. 3,00 Euro
Führungen: zuzgl. 40 Euro (nur auf Voranmeldung)

 

Quellen zum Beitrag:

Webseite vom Max-Klinger-Haus

https://www.mdr.de/zeitreise/weitere-epochen/neuzeit/max-klinger-leben-100.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Klinger

 

Du willst noch mehr über Sachsen-Anhalt lesen?

Dann schau dir gern mal den Übersichtsbeitrag zur Welterbetour durch Sachsen-Anhalt an:

Welterbestätten Sachsen-Anhalt – ein erster Streifzug

Außerdem interessant in Bezug auf Museen in Sachsen-Anhalt

Podcast Museumslauschen

(Erstellt vom Journalistenbüro Björn Menzel in Kooperation mit dem Museumsverband Sachsen-Anhalt e.V.)

 


Offenlegung: Werbung – Diese Tour zum Max-Klinger-Haus sowie zu den Welterbestätten Sachsen-Anhalt wurde vom Reiseland Sachsen-Anhalt sowie Investitions- und Marketing-Gesellschaft gefördert und in Zusammenarbeit mit dem Museumsverband Sachsen-Anhalt durchgeführt. Ich bedanke mich recht herzlich für die überaus gute Organisation, die spannenden Eindrücke und vor allem für die Einladung.


 

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