Tripp Tipp

Campertour 2026 – Route offen!

Lesedauer 130 Minuten

Und? Wo geht‘s hin? Das war diese eine Frage, die wir in den letzten Tagen sehr oft gehört – und kein einziges Mal zufriedenstellend beantworten konnten. Wie so oft, wissen wir wieder einmal nicht, wo uns die diesjährige längere Campertour hinführen wird – eins ist ganz sicher – das Auto ist gepackt losgerollt und ich werde an dieser Stelle immer wieder (im Idealfall täglich) berichten, wo es uns hingespült hat – Achtung – dieser Beitrag wird also wieder episch. Schau gern die nächsten Tage immer wieder rein. (Ganz wichtig: Falls mal einen Tag nix kommt, bitte keine Sorgen machen – vielleicht bin ich einfach mal zu müde oder wir sind im Funkloch)

Inhalt:

Tag 30: La fin du voyage – das Ende der Reise!

Wir sind zu Hause – nach 4230,4 Kilometern sind wir wohlbehalten gegen 19.00 Uhr in Potsdam angekommen. Doch was war bis dahin heute noch so los?

Der Tag startet nach einer erstaunlich ruhigen Nacht auf dem kostenfreien Wohnmobilstellplatz von Herrieden. Dickes Danke an die Gemeinde, solche Plätze sind Klasse. Bei den aufgemotzten Autos und der am Stellplatz vorbeiführenden Straße hatten wir bezüglich der Nachtruhe Schlimmeres erwartet. Weder Autos, noch Kirchenglocke noch Storchengeklapper haben gestört.

Einer nach dem anderen Mitcamper verlässt nun so allmählich den Platz – wir nicht.

Wir haben noch ein Date mit den Störchen, wollen noch ein paar Fotos machen.

Der Hauptstorch vom Storchenturm verlässt gegen 9.00 Uhr sein Nest – dann wird er ja wohl gleich mit etwas Futter oder Baumaterial, wie all seine emsigen Kollegen in den Baumwipfeln rundrum, zurückkehren. Marcus positioniert sich mit der Kamera – doch der wichtigste Storch im Dorf lässt sich mal so richtig Zeit. Geschlagene 2 Stunden kehrt er nicht zum Nest zurück. Oder wir haben total geträumt.

Jedenfalls schauen wir uns die Gegend rund um den Stell- / Festplatz etwas genauer an. Am Ende des Festplatzes steht eine kleine Kapelle auf der sich auch ein Storchennest befindet.

Die Siechkapelle in Herrieden / auch hier wird genistet

Die Sache mit den bewohnten Pappeln hat mich extrem fasziniert.

einer der Baumwipfel der Pappeln, in denen rund um den Stellplatz genistet wird – manchmal sogar auf 2 Etagen, echt verrückt

Während Marcus weiter wartet, dass der Storch einfliegt, spaziere ich nochmal zum Storchenturm und zur Brücke. Im Tageslicht schaut alles nochmal ganz anders aus. Seerosen blühen, Enten schwimmen unter der Brücke und eine Infotafel bewirbt die unzähligen Radwege der Region.

nochmal die steinerne Brücke über die Altmühl im Sonnenlicht

Blick gen Storchennest – dort sollte er eigentlich gleich landen – macht er aber einfach nicht. Alle seine Kollegen kommen und gehen, richtig fleißig, teilweise mit ganz viel Material im Schnabel.

Er kommt nicht. Merkwürdig.

das Nest der Hauptstorchfamilie – im Storchenturm Herrieden

So allmählich bereiten wir das Fahrzeug für die Abfahrt vor – heute beschäftige ich mich mal mit der Frontscheibe.

Frontscheibe putzen ist echt mühselig

Und tatsächlich – gegen 11.00 Uhr kommt der lang ersehnte Herr Storch endlich angeflogen.

Marcus erwischt ihn – die Bildbearbeitung wird sicherlich noch etwas dauern.

Das spektakuläre an dem Ort ist, dass die Vögel zwar selten aber teilweise in recht geringem Abstand über die Fahrzeuge fliegen, manche drehen Runden über dem Parkplatz. Und weil es so viele Nester sind, herrscht ein reges An- und Abfliegen zu den Nestern bzw. den hinter dem Ort liegenden, schmackhaften Wiesen.

So etwas haben wir noch nie erlebt – ein schönes kleines Highligt am Ende der Reise.

11.15 Uhr kommen wir dann etwas später als geplant aber endlich los. Nur haben wir da ein kleines Problem. Unser Urintank ist randvoll – wir müssen also zum nächstgelegenen Stellplatz, wo es eine Entsorgung gibt (die gibt es leider in Herrieden nicht – dafür in Ansbach und direkt an der Autobahn, kein Umweg)

Tank geleert und huch, was ist denn das – am Stellplatz gibt es ein Wohnmobilhändler, Freizeitwelt Nagel. Oder sagen wir mal so – der Freizeithändler bietet wahrscheinlich den ebenfalls kostenfreien Stellplatz an, weiß ich aber nicht so genau.

Fest steht – wir parken.

Denn: Natürlich wollen wir in den Laden.

auf in die Freizeitwelt Nagel / Ansbach

Und schwupp: Sind wir drin.

Shopping in der Freizeitwelt Nagel / Ansbach – gar nicht mal so zufällig habe ich das „Omniafach“ in den Fokus genommen 😉

Zwischen den Regalreihen laufen einige Camper rum. Alles praktisch veranlagte Typen, alle sportlich leger gekleidet. Menschen – genau wie wir – die das Sortiment durchscannen – ob sich der eigene Campingalltag noch praktischer gestalten lassen könnte. Hier sitzt man Probe im Stuhl, dort dürfen Kinder die Farbe der Plastiktassen aussuchen und weiter drüben guckt man nach Reinigungsmitteln. Für die Scheibe, fürs Cockpit, für den Trinkwassertank, für den Abwassertank für Pi Pa Po… dem gemeinen Camper, genau wie dem Hundebesitzer oder dem Pferdenarr, kann man alles verkaufen – wenn man weiß, wie.

Wir werden fündig. Natürlich werden wir fündig.

Eine Teleskopstange mit dreierlei Aufsatz – zum Beispiel um die Frontscheibe zu reinigen. So etwas wollte ich schon länger.

Wir gucken uns noch Tische und Stühle an, hier muss auch noch eine praktische Lösung her – unser Set hatten wir 1x während der 4 Wochen draußen. Wir suchen was Unkomplizierteres.

Unvernünftigweise hätte ich glatt einen Omnia mitgenommen – war reduziert im Preis – aber „ER“ weigert sich. Wir hätten keinen Platz. Die Wahrheit ist – wir kochen und backen einfach sehr wenig und wenn dann sehr einfach. Vermutlich würden wir diesen kleinen, auf einen Gasherd aufsetzbaren Backofen nur sehr selten nutzen.

Nun gut – dafür kommt noch eine Miniwasserwage mit magnetischer Rückwand mit – zum Austachieren beim Parken – und nun aber ab auf die Autobahn – es ist bereits 12.15 Uhr. 460 Kilometer liegen vor uns – der Luftdruck macht mich fertig – es ist schwülwarm, für Bayern sind Gewitter angesagt – das spürt man.

Gegen 14.00 Uhr kochen wir Nudeln mit Pesto, das allerschnellste Camperessen. Ihr dürft gern raten, wer mit dem Parmesan eher einen Turm baut und wer von uns eher gleichmäßig streuselt.

schnelles Essen, irgendwie haben wir ganz schön getrödelt – Nudeln, Pesto, Parmesan, Tomaten als Beilage und eine homöopathische Apfelschorle

Auf der A9 nehmen die ostdeutschen Kennzeichen wieder deutlich zu. Ab dem Brückenrestaurant Frankenwald fangen wir an, die entgegenkommenden Camper zu zählen – am Kreuz Rippachtal, also nach etwa 130 Kilometern, sind wir bei 100 Stück angekommen und beenden das Spiel. Wahnsinn, was sich da so an Campern durch die Landschaft bewegt.

Dann kommen die vielen, vielen Windräder – die kennt glaube ich jeder, der schon einmal die A9 gefahren ist.

Windpark an der A9

Wir halten nochmal, trinken noch ein Käffchen und rollen die ganze Zeit mit gemächlichen 110 km/h vor uns hin.

Gegen 19.00 Uhr kommen wir zu Hause an. Es dauert eine dreiviertel Stunde, um alle Habseligkeiten aus dem Auto zu glauben.

Am Abstellplatz des Fahrzeuges – wie so oft, wurde mal wieder unsere Stellplatznummer rausgerissen und ins Gras geschmissen. Natürlich parkte da ein anderer auf unserem gemieteten Platz. Nun gut – das sind sie, die freundlichen Camper, die immer so cool und lässig sind. Wir stellen das Schild wieder auf, nehmen einen anderen Platz und fahren einkaufen.

Es freut mich, wenn der eine oder andere von euch ein wenig Freude beim Lesen unserer Reise hatte. Vielleicht gab es ein paar neue Infos, vielleicht auch ein paar Inspirationen – an dieser Stelle sage ich erst mal Danke fürs Mitlesen dieses mittlerweile ziemlich aufgeblähten Beitrages. Wohl einer meiner längsten.

Die Tage werde ich mich nochmal an ein kurzes Fazit setzen und auch das eine oder andere Foto noch in gesonderten Beiträgen nachliefern. Fotos, für die entweder kein Platz in der Tagesberichterstattung war oder Fotos, die mir durchgerutscht sind.

Und dann geht es ans Video schneiden – so ihr mögt, sehen wir uns dann auch noch bei YouTube. Abe das dauert jetzt paar Tage.

Nun sage ich erst mal Gutes Nächtle und schönen Tag – bis zum nächsten Beitrag.

Tag 29: konsequente Rückreise und eine fliegende Überraschung zum Schluß

Tag 29 muss ich genauso schnell und konsequent tippen, wie wir den Tag für die Heimreise genutzt haben. Ich bin müde, es ist bereits nach 22.00 Uhr als ich beginne zu tippen. Wir sind heute 600 Kilometer gefahren. Los ging es ziemlich entspannt – kurz nach 10.00 Uhr. 3 unserer 4 Mitcamper waren bereits von der Wiese verschwunden.

Übernachtungsplatz in Baume les Messieurs (kostenfrei)

Die ersten 2 Stunden ging es nahezu durchgängig durch Wiesen, abgemähte Wiesen – ähnliches Bild wie gestern. Bisschen hoch, bisschen runter. Irgendwo halten wir an einer Bäckerei. Die erste, die einen Mindestwert für Kartenzahlung erhebt.

Kurzer Stop beim Bäcker

Kleine Orte fliegen an uns vorbei, hier noch eine Boulongerie, da noch eine Fromagerie. Fensterläden auf in hellblau, Fensterläden zu in rosa – da kommt nix Neues, wir suchen aber auch nix Neues.

Die vielen Eindrücke im Kopf müssen wir erst mal sortieren und so schnurrt das Asphaltband unter Knatterinchen durch.

Aber wir nehmen die Grenzen der Departements wahr. Jura, Doubs, Territoire de Belfort, Haute-Rhin… insgesamt gibt es 101 in Frankreich.

Am Fluss Doubs machen wir eine kurze Mittagsrast. Ein winziger Parkplatz, gefunden über die Park4Night-App – just als wir essen, fährt ein nächster Camper in die Gasse. Ein junger Mann tobt kurz in kurzer Hose und freiem Oberkörper rum, der Hund wird Gassi geschickt und weg sind sie wieder.

Wir auch gleich, kurzes Erinnerungsfoto. Auch wieder ein schöner sauberer Fluss, der langsam vor sich hinfließt.

Kurze Mittagsrast am Fluss Doubs

Wir durchfahren nochmal kurz den Elsass, sehen einige Soldatendenkmäler – die Soldaten immer in blau. Und da ist sie – die Grenze nach Deutschland.

Wir fahren Autobahn – es ist ziemlich voll.

Zwischen Karlsruhe und Heilbronn verlassen wir kurz die Autobahn, fahren über Land – da ist das Tanken um Welten günstiger. Teilweise bis zu 50 Cent, das ist wirklich krass. Wir essen ein Tankstelleneis – die Hitze nervt, wir fahren den ganzen Tag mit Klimaanlage.

Weiter geht es auf der A6 Richtung Nürnberg – nun muss ein Übernachtungsplatz her. Am Freitag Abend so eine Sache, da sind viele Kurzausflügler auf den Stellplätzen.

Ich finde einen in Herrieden. Nie gehört vorher und doch so süß und spektakulär. Der Stellplatz ist kostenfrei – wir rollen kurz vor 20.00 Uhr ein und es stehen schon einige da. Fix ein Foto, bevor die Sonne untergeht.

kostenfreier Wohnmobilstellplatz auf dem Festplatz in Herrieden

Und schon klappert es… hier wohnen die Herriedener Störche und die sind wirklich verrückt. Sie haben ihre Nester hoch über den Wohnmobilen in den Pappeln und auch sehr dekorativ auf dem „Storchenturm“ – so etwas wie ein Stadttor, wo Autos durchfahren dürfen. Wir machen einen sehr kurzen Stadtbummel.

Storchenturm Herrieden

Für das Foto flitzen wir kurz über die Autobrücke. Fußgänger gehören eigentlich auf die andere Brücke – von der man wiederum die steinerne Autobrücke sehen kann.

Unten drunter fließt die Altmühl.

Herrieden – Brücke über die Altmühl

Die Häuer sind allesamt gepflegt, wirklich kein einziges ist verfallen. Sie sind gedeckt aber farbig angestrichen, doch – der Ort ist ganz nett.

Herrieden

Vor allem die umherfliegenden Störche, die sich augenscheinlich überall wohlfühlen. Viele Dächer sind belegt, auch die Eckpfeiler an der Kirche und sogar die Baukräne. Verrückt – immer wieder fliegen sie – mal über den Parkplatz, mal über den Ort und bringen reichlich Baumaterial für ihre Nester im Schnabel mit.

Storch in Herrieden

Ähnlich wie bei den Flamingos komme ich mit der Smartphone-Fotografie deutlich an Grenzen.

Die Kirche schaut auch noch extrem nett aus.

Kirche in Herrieden

Aber – alles hat einen Haken. Was wir überhaupt nicht nachvollziehen können, warum die Einheimischen wie verrückt durch diesen eigentlich sehr schönen Ort rasen, heizen, düsen – am besten

noch mit getunten Autos oder lauter Musik. Oh Gott – zurück in Deutschland. So etwas haben wir überhaupt nicht vermisst und diese Lärmkulisse schmälert leider das romantische Storchenerlebnis.

Nunja.

Knatterinchen ist müde… wir auch!

Ein Frosch quakt hinter uns an der Altmühl, ab und an klappert ein Storch, die Kirchenglocke befleißigt sich – man hört paar Autos und seit langem auch wieder Flugzeuge.

Die gesegnete Ruhe des einen oder anderen Stellplatzes werden wir definitiv vermissen.

Wir tauchen jetzt mal ab, schlafen ein wenig und fahren morgen die etwa 450 Kilometer nach Hause. So sage ich Gutes Nächtle oder schönen Tag, bis zur letzten Wegmarke dieser Tour.

 

 

 

Tag 28: früher Start, ein Minimarkt, Kilometer fressen auf bekannten Pfaden

Hui, da hat uns Tag 27 wohl an einen unserer schönsten Übernachtungsplätze dieser Tour geführt. Auch wenn es nur ein Wanderparkplatz ist, immerhin auf etwa 1500 Meter Höhe – darf in Erwartung des baldigen Sonnenaufganges gegen 5.25 Uhr die Kamera aufs Autodach.

der frühe Vogel fängt den Wurm – oder den Sonnenaufgang ein – selten für uns

Zudem war die kühle Luft der Höhe absolut angenehm, den Unterschied werden wir im Laufe des Tages nochmal richtig zu spüren bekommen.

Die hubbelige Landschaft der Nordardeche zeigt sich am Morgen in verschiedenen Schattierungen. An so etwas kann man sich einfach nicht satt sehen.

Blick in die vulkanisch geprägte Landschaft der Nordardeche

Da wir uns bis hierhin viel Zeit gelassen haben, müssen wir ab heute konsequent fahren, damit wir am Samstag halbwegs entspannt (also nicht erst 23.00 Uhr) zu Hause sind.

Wir fahren los – in 3 Kilometer Entfernung gibt es das kleine Dörfchen „Les Estables“. Hier soll donnerstags vormittags Markt sein. Als wir ankommen, ist jedoch kein Markt. Komisch.

Wir entleeren erst mal sämtliche Behältnisse (Müll etc.), parken auf einem der unzähligen Parkplätze – der Ort ist eigentlich eher zur Skisaison angesagt. Jetzt im Mai ist nix los hier.

Dann spazieren wir durch ein steinhausgeprägten, aufgeräumten und auch durch Baustellen und Baukräne gezeichneten Ort. Nur an einer Stelle, das bereits aufgestellte Baugerüst zeigt die baldige Veränderung, gibt es etwas, was im Vergleich zum Rest leicht aus der Zeit gefallen scheint.

Holztür / Fenster mit alter Gardine

Wir bummeln durch die offene Kirchentür – eine wunderschöne Kirche. Die Église Saint-Philibert. Die Naturtöne machen auf jeden Fall eine gute Stimmung.

Kirche „Église Saint-Philibert“ in Les Estables / eine katholische Kirche

Was auch absolut ins Auge fällt sind die sehr farbenfrohen Fenster, jedes einzelne erzählt eine Geschichte. Eins spricht von einem Soldaten – das haben wir so in einer Kirche auch noch nicht gesehen. Unten drunter ist die Gedenksäule für die Gefallenen des 1. Weltkrieges.

Fenster in der Kirche in Les Estables – ein Soldat wird gehalten.

Die kleine Hauptstraße ist schnell durchschritten. Am Ende vom Ort soll es einen Laden geben, in dem die lokalen Bauern ihre Waren gesammelt verkaufen.

Schade – er ist zu, hat ganz dezidierte Öffnungszeiten. Diese Woche Freitag, Samstag, Sonntag und auch nur wenige Stunden pro Tag – das ist reines Glücksspiel, wenn man als Tourist kommt.

Im angebundenen Lokal wird das für diese Gegend wohl berühmte Rindfleisch „Fin de Gras“ angeboten. Es stammt von Rindern, welche ausschließlich von Bergwiesen oder deren Heu ernährt werden. Für Marcus keine Chance, wie gesagt – die Butze hatte zu.

Lokales Geschäft

Wir laufen zurück und siehe da – jetzt gibt es einen kleinen Markt. Etwa 5 Stände – 3 davon verkaufen Käse, einer Obst und einer Marmeladen. Dreimal dürft ihr raten, an welchem Stand wir mal wieder schwach geworden sind… richtig. Käse. Die sind ja so klein und schnurren sich auf einer Stulle weg…

So schaut dann so ein Stand aus. Im Grunde ist alles Ziegenkäse – in verschiedenen Reifestufen. Wir nehmen mal vier – kosten zusammen 9,20 – die Frau ist etwas unruhig ob der Verständigungsprobleme aber auf jeden Fall extrem nett. Naja und bei dem schmalen Angebot werden wir uns schon irgendwie einig. Die Preise hat sie sogar auf einer Tabelle ausgedruckt – na bitte. Geld hinüber gereicht und weiter.

Käsestand auf dem Markt in Les Estables

Wir treffen am Markt noch kurz das Schweizer Camperpärchen, welche uns den Tipp überhaupt gegeben hatten, schwatzen kurz und stolpern gemeinsam weiter zur naaaaa – jetzt kommt ihr schnell drauf: Auch richtig – zur Boulongerie – die hier „La Florentine“ heißt.

Boulongerie „La Florentine“ in Les Estables / 1,20 Euro fürs Baguette und 1,25 für ein Schokobrötchen – beide Produkte sind in jedem Bäcker verlässlich zu haben

Was auch auffiel: Im Ort Les Estables gibt es mehrere Trinkwasserbrunnen, die man unkompliziert mit dem Auto anfahren kann. Einer dieser Brunnen ist auch hinter unserem Parkplatz – also direkt hinter dem Auto. Zurück am Auto beschließen wir, über die Kanister-Einfüll-Variante noch 20 Liter Frischwasser aufzunehmen. Das zweite Mal auf dieser Tour und ich glaube, das dritte Mal insgesamt, dass wir so einen Brunnen benutzen. Dieser hier sah vertrauenswürdig aus, vor allem, da das Wasser unentwegt durchläuft.

Wichtig ist, dass am Schild „Eau potable“ steht – „Trinkwasser“.

Trinkwasser aus dem örtlichen Brunnen

 

2x 10 Liter und wir sind bis Samstag mehr als gut dran

Marcus rettet ganz nebenbei noch zwei eigentlich ziemlich unlebendig wirkende Schnecken aus dem Brunnenbecken – das Wasser scheint magische Kräfte zu haben – kaum sind sie auf dem Brunnenrand in der Sonne, bewegen sie sich wieder. Erstaunlich.

So und dann ab auf die Straße. Nach etwa 100 Kilometern kochen wir Nudeln mit Tomatensauce. Dafür hatten wir uns einen kleinen Parkplatz ausgesucht, als wir ankommen – stellt ein älterer Herr ebenfalls sein Auto in den Schatten und sein Stühlchen samt Kühlbox auf die Wiese. Wir dachten, er macht sich einen netten Nachmittag.

Doch während wir kochen und immer mal wieder hinschauen – verlängert sich die Stuhlreihe. Erst kommt einer dazu, dann noch einer, noch einer und noch einer – am Ende waren es glaube ich 7 Herren – die da erst mal in Reihe saßen und während wir dann Nudeln mampften konnten wir ein exzellentes Boule-Spiel beobachten. Krass – wie präzise sie die Kugeln geworfen haben – jetzt habe ich dieses für mich immer sehr langweilig wirkende Spiel etwas mehr verstanden und schätzen gelernt.

Als wir das Auto starten, traue ich meinen Augen kaum – so eine Zahl hat das Display links unten glaube ich noch nie angezeigt – die Motorhaube stand in der Sonne.

43° Grad in der Sonne

Wir fahren weiter.

Vorbei am Kernkraftwerk Bugey – ja auch das gibt es in Frankreich.

Kernkraftwerk Bugey – vielmehr die 4 Kühltürme

Ansonsten staunen wir – überall ist bereits Heuernte. Entweder fahren Traktoren über den Acker, steht das Gras hoch oder es ist bereits abgemäht und in großer Vielzahl war es schon in die berühmten Rollen verpackt. Ziemlich früh, wie wir finden.

Heuernte – allerorten / Schnappschuss aus dem Seitenfenster, deswegen ist das Foto leicht fehlproportioniert

Die Fahrt zieht sich, nimmt den Rest des Tages ein. In Summe werden wir heute am Ende des Tages 350 Kilometer gefahren sein.

Ganz bewusst fahren wir die Landstraße – das heißt aber auch in den Orten auf 50 – oft auch auf 30km/h runterbremsen. Schmale Straßen fahren, viele viele viele Kurven, noch viel mehr dieser Tempobremserhuckel in den Orten – die tun dem Auto richtig weh.

Auf der Landstraße selbst geht es meist mit 70 – 90km/h voran. Ab und an sehen wir uns mit den Verrücktheiten der anderen Autofahrer konfrontiert.

Mittelstreifen in der Kurve in Hochgeschwindigkeit wegfressen ist hier Lieblingssport. Als genau das ein riesiger LKW macht – finden wir es absolut nicht mehr lustig. Im Gegenteil – uns rutscht das Herz in die Hose.

Und sehr oft fahren wir rechts ran, lassen die schneller fahrenden Einheimischen an uns vorbeiziehen. Wir wollen als Touristen nun wirklich kein Hinderniss sein. Manche bedanken sich mit Warnblinker.

Tja und dann stehen wir für eine Übernachtung bereit – gegen 18.30 Uhr auf einem kostenfreien Wohnmobilparkplatz oberhalb eines Ortes, den wir uns vor paar Tagen (Tag 13) schon sehr intensiv angeschaut haben.

Wir stehen in Baume Les Messieurs – gucken nur mal kurz vom Aussichtspunkt und ruhen uns dann nur noch aus, erkunden wollen wir heute nix mehr.

Marcus geht einmal ums Auto rum, um zu gucken, wie wir stehen – schwupp – steht der Boardercollie von nebenan neben ihm und holt sich eine Portion Kopf kraulen ab. Herrchen grüßt aus der Hängematte, in dessen Auto, liegt ein Totenschädel mit Kopftuch und Sonnenbrille im Cockpit – auf dem Tisch steht ein Vogelkäftig, natürlich mit einem gefiederten, zwitschernden Bewohner drin. Die Camperszene ist an Schrulligkeit manchmal nicht zu übertreffen.

Blick auf Baume les Messieurs

Als wir am Parkplatz 18.30 Uhr ankamen, hatten wir im Wohnraum 29° Grad – jetzt 20.30 Uhr als ich das tippe – immer noch 28° aber die Luft wird deutlich kühler, die Sonne ist hinter den Bäumen.

Nun sage ich erst mal Gutes Nächtle oder schönen Tag und bis zur nächsten Wegmarke.

  • Schritte: ca. 4730
  • Kilometer gelaufen: ca. 3,3
  • Kilometer mit Auto: ca. 350
  • Ausgaben: ca. 43 Euro für Lebensmittel

 

Tag 27: Alles Käse, hubbelige Landschaft und Kurs gen Nord-Ost

Wie die Vagabunden gucken wir am Morgen aus unserer Schiebetür auf den Parkplatz. Irgendwo weiter drüben ist der Fluss. Vor und hinter uns Weiss-Ware, andere Camper. Wir bedanken uns dennoch bei der Stadt Sainte Enimie für die kostenfrei Übernachtungsmöglichkeit.

Auf dem Bild ist die Mauer gut zu sehen, an der wir uns alle aufgereiht haben. Oberhalb kann man langlaufen – das hatte gestern Abend gegen 22.00 Uhr ein junger Mann gemacht. Erst dachte ich, sie seien zu zweit und würden in die Dachluken hineinspähen. (Weil er ziemlich laut geredet hat, habe ich es beim Tippen überhaupt erst mitbekommen.) Ich gucke raus – und gucke ihm also direkt ins Gesicht. Sage „Hi“ und schließe reflexartig die Dachluke. Das fand er doof und kracht uns auf die vordere Dachluke einen Stein. Uff – so was gibt es also auch. Nix passiert – aber der Stellplatz unter der Mauer hat mir aus diesen Gründen nicht hundertprozentig gefallen. Für die Stadtbesichtigung war er perfekt.

Sainte Enimie – 10 kostenfreie Wohnmobilstellplätze, übernachten erlaubt

Heute morgen ist klar: So langsam müssen wir uns gen Nord-Osten bewegen. Wir suchen erst mal einen schattigen Parkplatz, die Frontscheibe muss geputzt werden. Während Marcus das macht, schaue ich mal, wo wir gerade gehalten haben – huch – die Felsen sind aber ganz schön hoch!

noch sind wir in der Tarn-Schlucht – die letzten mächtigen Felsen ragen hoch über uns hinaus

Paar Kilometer weiter nehmen wir noch einen kurzen Ausblick auf das winzige Örtchen Castelbouc mit. Schaut fast so aus, als kleben die Häuser direkt am Hang.

Castelbouc – Tarn-Schlucht

Die Schlucht wird deutlich weiter, die Landschaft flacht ab – rund um den Ort Mende machen wir kleine Einkäufe beim Aldi (Bananen, Äpfel, Wasser) und tanken. Wir verlassen den Nationalpark Cevennen.

Wir tanken, immer noch brav, wenn wir halb leer sind. Man weiß ja nie.

Der Liter Diesel für 2,09 Euro.

Irgendwo gehts mal wieder in die Boulongerie – das Wort, was jetzt wahrscheinlich jeder flüssig sprechen kann.

Irgendwann ist es 12.00 Uhr – zwei Schulen lassen alle Schüler auf einmal raus. Ein riesiger Schwall von Kindern und Jugendlichen, Marcus fährt – muss höllisch aufpassen. Bisschen wie im Flohzirkus. Die Schüler sehen erstaunlich normal aus. Keine auffällige Kleidung, normale Jeans, T-Shirt, kein extremes Schminken, kein Gekreische.

Ich google, wo wir uns eigentlich gerade befinden.

Ah – im Departement Lozere und hier im Nord-Osten. Eine durch Granit geprägte Landschaft fliegt an uns vorbei. Steinhaufen. Weiden. Wälder. Langgezogene Hügel. Hübsch. Die Straße ist sehr gut – wir kommen gut voran. Es ist eine „N“ – die N88 – die Nationalstraße 88 von Mende Richtung Langogne.

Kurz vor Langogne machen wir einen Abstecher, zum größten See des Departement Lozere – der „Lac de Naussac“. Ein Stausee und gleichzeitig ein Binnenmeer. Hübscher See – der uns unsere kurze Rast verschönert.

Lac de Naussac / Departement Lozere / 1050 Hektar groß

Dann fahren wir nochmal ein Stück und plötzlich legt Marcus so etwas wie eine Vollbremsung ein. Vor einer Frommagerie. Einer unserer hier so heißt geliebten Käseläden. Wir gehen mal wieder Käse kaufen, schauen dabei nicht wirklich auf´s Geld – fast 4 Wochen unterwegs, 1,5x in einem Restaurant eingekehrt – es hat sich einfach nicht mehr ergeben – dann tragen wir das Geld halt in die Hofläden.

Der Verkäufer spricht etwas deutsch, das ist natürlich hilfreich aber mittlerweile kennen wir uns auch ein wenig aus. „Bleu“ für Blauschimmel / „Chevre“ für Ziege – ob er jung oder alt ist, sieht man einem Käse ja an und auf den Rest zeigen wir mit den Fingern. Wir nehmen gern die älteren Sorten, Marcus hat sich in Ziege verschossen, für mich darf es gern ein „Bleu“ sein.

Fromagerie / Käseladen von Coucoron

Dann geht es nochmal ein Stück weiter und aha – diese Landschaft kommt uns doch bekannt vor. Vulkanische Hubbel – wir sind zurück im Norden der Ardeche.

Hier haben wir noch ein Pünktchen offen, was wir vor Tagen nicht gemacht hatten. Der höchste Berg der Ardeche wartet auf uns. Der Mont Mezenc.

Dieser Berg weist eine Besonderheit auf. Er hat 2 Gipfel – witzigerweise einen im Departement Ardeche und den anderen im Departement Haut-Loire. Beide Gipfel sind nur 500 Meter voneinander entfernt und ziemlich leicht, nämlich über eine 2,5 km lange Tour samt 230 Höhenmeter – zu beschreiten. 2 Stunden für hin und zurück läuft für uns eher unter Spaziergang.

Blick vom höchsten Berg der Ardéche – Mont Mezenc / 1753 Meter

Den besseren Blick hat man tatsächlich von diesem in der Ardéche liegenden Gipfel, deshalb habe ich gleich noch ein Foto von dort – vom Berg lässt sich die eigenwillige Landschaft der Nordardéche nochmal richtig schön anschauen und auf einem Foto festhalten.

Blick in die vulkanisch geprägte Landschaft

Wir können festhalten: Diese Landschaft gefällt uns sehr gut. Wir spazieren dann gleich noch zu dem anderen Gipfel, der gerade von einer Schulklasse in Beschlag genommen wurde. Erstaunlich – denn es ist bereits 17.00 Uhr.

Hier gibt es auch eine Besonderheit – ein Gipfelkreuz. Dieser Gipfel ist 1744 Meter hoch. Als sich alle verzogen haben – kommt unser kleines Stativ und die Zauberfunktion „Fernauslöser“ an Marcus seiner neuen Uhr zum Einsatz.

Gipfelkreuz am Mont Mezenc / Höhe 1744m

Der Wind weht schon etwas da oben aber kurze Hose, Hemd reicht noch. Sehr angenehm, nach den ultraheißen Tagen.

Geparkt haben wir übrigens am Col de la Croix de Boutieres auf 1502 Metern. Hier stellen wir nun zusammen mit 5 anderen Campingfahrzeugen unsere Fahrtauglichkeit her.

Aussicht vom Col de la Croix de Boutieres

Es geht auf 22.00 Uhr zu, heute mal nicht ganz so spät – sage ich Gutes Nächtle oder schönen Tag, danke fürs Mitlesen und tschüss bis zur nächsten Wegmarke, die uns ganz sicher weiter gen Nord-Ost schieben wird. Bis Potsdam liegen etwa 1350 Kilometer vor uns.

  • Schritte: ca. 10800
  • Kilometer gelaufen: ca. 7,4
  • Höhenmeter: ca. 250 Höhenmeter
  • Ausgaben: ca. 134,00 Euro inklusive Tanken, Aldi, Käseladen und Bäcker

Tag 26: Gorges du Tarn – die mächtige Tarn-Schlucht

Hui ui ui, warm ist es in Europa ja gerade überall – aber über 30° Grad, die wir nun konstant sei paar Tagen haben, ist uns im Grunde zuviel. Nur weil jemand von Euch gefragt hat, wie wir das schaffen… langsam treten und nur machen, was Spaß macht. Im Laufe des Tages hat Knatterinchen uns dieses Bild ins Board geworfen – allerdings hatten wir da auch in der Sonne geparkt. Puh.

39° zeigt das Auto relativ selten an

Los ging es heute morgen sehr kühl auf dem Womostellplatz mit 17° Grad, da haben wir zum Frühstücken sogar die Tür noch zugelassen.

Entscheidend ist aber der Fluss Tarn im Hintergrund dieses Fotos – der sollte heute das Programm liefern.

am Ufer der Tarn

Wir fahren in die mächtige Schlucht, die dieser Flus im Laufe der Jahrmillionen geschliffen hat. Die Gorges du Tarn – die Tarnschlucht. Neben der Verdonschluchte eine weitere der längsten, tiefsten und damit spektakulärsten Schluchten von Europa.

Der Kernabschnitt verläuft zwischen den Orten Le Rozier und Saint Enimie.

Wir starten in Le Rozier.

Straße in Le Roziere

Eigentlich sind wir nur auf der Suche nach einer Boulongerie, wie immer brauchen wir Baguette. Da lockt uns doch das recht hübsch am Hang klebende Nachbardorf Peyreleau. Wir steigen auf und laufen den kleinen Rundkurs durchs Dorf. Hier wohnt man nur, es gibt keinen Laden – dafür einen Kirche und wir sehen den ehemaligen offiziellen Backofen, ein kleines aus Naturstein gemauertes Gebäude.

hübscher Ausblick im Dorf Peyreleau

Wir laufen zurück nach Le Roziere, kaufen Käse und Brot im Laden „La Charette Gourmande“, leider ist Roquefort ausverkauft. Es soll wohl nicht sein, ist aber auch nicht weiter tragisch. Der Besitzer spricht sehr gut deutsch, hat 9 Monate in Düsseldorf gelebt und er meint, es seien viele deutsche Touristen da – da übt man sich.

Stimmt. Wir sehen im Verhältnis sehr viele Deutsche.

zurück in Le Roziere

So – nun aber auf die Strecke – jetzt wollen wir mal etwas mehr von der Schlucht sehen. Irgendwo ist ein Picknickplatz ausgeschrieben – wir halten an – und können die Höhe der Felsen kaum glauben. Schaut wuchtig aus.

Knatterinchen ist aufgeregt – vor so hohen Felsen steht es nicht so oft

Erfreulicherweise gibt es unkomplizierten Zugang zum Fluss, denn hier steigen die zahlreichen Kanutouristen ein und aus.

In Badeschlappen laufen wir runter und stellen uns einfach ins kalte Wasser. Aaaah. Das tut sehr gut.

Abkühlung! Das einzig logische, was man hier machen kann.

Der Anblick auf die Tarn ist aber auch beachtlich – der Fluss ist glasklar, schimmert leicht türkis – kleine Fische rennen durchs Wasser und in einer schmalen Rinne fällt der Fluss tief ab.

Blick auf den Fluss Tarn – ein richtig schöner Fluss, im Hintergrund ein Kanu – davon sind viele unterwegs, gibt viele Kanutouranbieter, denn aufgrund der Strömung gehts nur flussabwärts

Danach erreichen wir den Ort La Malene. Dieser wird als Kernstück oder so etwas wie das Zentrum der Schlucht bezeichnet. Warum? Ich weiß es nicht – vielleicht weil er etwa in der Mitte liegt?

Er gibt jedenfalls ein ambivalentes Bild ab. Wir dürfen wie so oft hier in Frankreich kostenfrei parken. Platz ist zumindest jetzt in der Vorsaison genug.

Ich finde das schaut absurd aus – die Wohnmobile auf dem Parkplatz nehmen optisch genauso viel Raum ein, wie der winzige Ort selbst.

La Malene – parken und der winzige Ort am Hang

Der Ort hat eine wunderschöne Steinbrücke – natürlich über die Tarn. Wir laufen mal drüber und während wir Camper auf der einen Seite parken, gärtnern am anderen Flussufer die Einheimischen auf akkurat gezogenen Beeten.

Brücke von La Malene

Wieder auf der anderen Seite der Brücke spielt sich der reinste Wassertourismusrummel ab. Kanus sind gestapelt, Touristen sind geschäftig dabei, für ihre Tour zu packen – dieser Ort ist historisch. Hier stiegen früher die Bootsführer samt ihrer Passanten ein. Bis 1901 gab es in der Schlucht lediglich einen unwirtlichen Fußweg oder eben die Verbindung über das Wasser.

Bootsplatz in La Malene, links gehts zum Fluss

Wir schleichen kurz durch den lediglich 133 Einwohner zählenden Ort. Kleine Details fallen auf – wie zum Beispiel die Holztüren.

Holztür in La Malene / Gorges du Tarn

Oder auch dieses kleine alte Öfchen / Herd.

rustikale Details in La Malene / Gorges du Tarn

Wir sind schnell durch und fahren weiter. Die Schlucht befährt sich relativ gut, die Straße hat durchgängig einen Mittelstreifen. Trotzdem wird es ab und und an recht schmal, rangieren – wie beschrieben – war bei uns heute nicht notwendig.

Für die Zufahrt zum nächsten Ort, geht es erst mal durch einen Tunnel und dann muss eine extreme Kurve geschlagen werden. Zurücksetzen war in der Kurve notwendig, mal wieder Gott sei Dank, dass wir noch ein recht kleinen Camper haben.

Wir sind nun in Saint-Chély-du-Tarn – der Ort lockt Besucher mit mehreren hübschen Details an. Da ist erst mal der kleine Wasserall, der quasi aus der Wand rausfällt – oben drüber ein Haus.

Saint-Chély-du-Tarn

Weiter hinten im Ort gibt es ein Haus, in dem früher die Mühle war. Das Haus ist spektakulär. Zunächst schaut es von außen recht romantisch aus.

Saint-Chély-du-Tarn

Rund um das Haus ist es richtig schön kühl – hier fließt ein Bach. Wir gehen mal rein – heutzutage verbirgt sich in der Mühle ein hübscher kleiner Laden, wo hochwertige Souvenirs verkauft werden. Duftstoffe, Wollkleidung, Töpferwaren, Konserven, Honig, Marmelade und übrigens – im Laden ist es trotz der hohen Temperaturen „eiskalt“ – die Besitzer stehen in Jacke und Wollpulli da.

Hinten drin im Laden – ich glaube es kaum – fließt der Bach. Irre. Das ist wirklich irre. Ich mache schnell ein Foto – ich hoffe, das sind sie gewöhnt.

im Laden in der ehemaligen Mühle – ein Bach. Was es nicht alles gibt.

Der nächste Kracher folgt hinter dem Laden. Da ist eine winzige, innen krachdunkle Kapelle direkt in den Fels gebaut.

Kapelle

Am Auto holen wir uns wieder unsere Badeschlappen und tun es den Einheimischen gleich. Wir stellen uns unterhalb der recht großen  Brücke wieder mit den Füßen ins Wasser. So lässt es sich halbwegs ertragen.

Für dieses Foto muss man im Fluss stehen – wie gut, dass es so schön warm ist.

Das ist übrigens der Ort, wo das Auto 39 Grad angezeigt hat. Wir überlegen, was wir machen. Eigentlich hätten wir noch 2 weitere Orte in der Schlucht auf dem Zettel. Wir steuern zumindest mal noch den nächsten an – Saint Enimie.

Dieser Ort bietet 10 kostenfreie Wohnmobilstellplätze mitten im Ort an – das ist eine sehr seltene Möglichkeit in der Schlucht. Wir reiten gegen 16.30 Uhr ein und ergattern einen der letzten. Das hätten wir nicht gedacht – wir überlegen noch kurz, ob wir einen nahegelegenen Campingplatz anfahren – wir lassen es. Sitzen ein wenig die Hitze aus stromern dann ganz in Ruhe los.

Erst mal auf die Brücke – denn noch steht die Sonne auf dem Ort, da kann man recht schön sehen – wo die Camper stehen. Herrlich häßlich die ganze Weißware – aber geschickt hinter der Mauer verräumt von der Gemeinde.

Sainte Enimie

Kostenfreie Stellplätze beantworten wir immer mit einem kleinen Einkauf – fällt uns in dem Ort nicht schwer, wir lassen das Geld im Eisladen. Hm. Sogar Bio – eins der besten, was wir auf dieser Tour hatten.

Marcus nimmt Melone, Blutorange und Kaffee / ich nehme dunkle Schoko, Minze-Schoko und Kaffee – den Preis finde ich mit 7,90 für 3 Kugeln heftig – aber wir haben ja Urlaub und sind ansonsten hier recht sparsam

So schaut der Laden aus, falls Ihr zufällig mal da seid:

Eisladen in Sainte Enimie

Dann gehts in die mittelalterlichen Gassen. Schön ist hier, dass einige Stationen im Ort auf den Erklärtafeln in englischer Sprache beschrieben sind.

Sonst hätten wir nicht erfahren, dass sich unter diesem Rundbogen mal ein Laden befunden hat – die Tür mangels Glas recht klein gehalten wurde, um die Kälte abzuhalten und links von der Tür war die Ablagefläche, wo die Ware feilgeboten wurde. Im ersten Stock wurde gewohnt.

Ladendiebe

Wir schlendern weiter und ganz in Ruhe durch die Gassen. Jetzt wo die Sonne weg ist – ist das angenehm.

Blick in eine Gasse

auch hier gibt es viele Rosen an den Häusern

Das letzte Highlight des Tages verbirgt sich am Ende vom Ort. Die Quelle des Ortes Burle – ein unbearbeitetes Foto – das Wasser schimmert wirklich so türkis.

Quelle der Burle

So und nun muss ich schnell gutes Nächtle sagen – geht auf 23 Uhr zu, ich bin nach dem Tag krachmüde – es waren eine Menge toller Eindrücke – morgen geht die Fahrt gen Nord-Ost weiter, denn Samstag wollen wir zu Hause sein.

Also Gutes Nächtle oder schönen Tag – bis zur nächsten Wegmarke.

  • Ausgaben: war teuer heute – 41,30 für Backwaren, Käse und Eis
  • Schritte: ca 15480
  • Kilometer gelaufen: ca 10,7
  • Höhenmeter: ca 120

Tag 25: Auf den Spuren der Templer und statische Meisterleistungen

Wie gestern bereits erwähnt, hatte uns die Müdigkeit auf den kleinen, feinen Stellplatz von Saint Eulalie de Cernon gespült – und genau in den Ort sind wir nach dem Frühstück hineinspaziert.

Ein ganz toller Ort, hübsch gelegen auf dem Larzac-Plateau. Hier ist die Landschaft eher rau, Felswände ragen auf – hier ergatterten durch Schenkung die Templer im Mittelalter viel Land und hinterließen mit diesem und weiteren gut erhaltenen Orten das architektonisch besterhaltene Erbe.

Wir betreten den Ort durch ein, in einem mächtigen Turm, befindliches Tor.

Das Port Principale, gekennzeichnet durch Dreicksform im oberen Bereich.

Stadttor von Saint Eulalie de Cernon

Wir scheinen Glück zu haben, das Dorf ist noch recht ruhig. Die heutigen Anwohner haben in den Gassen hübsche Rosenstöcke gepflanzt, die sich dekorativ an die Häuserwände schmiegen.

Längere Treppen führen zu den Wohnungen hinauf.

Gasse in Saint Eulalie de Cernon – unzählige Rosen blühen hier

Es ist ein kleines Dorf mit wohl etwas mehr als 300 Einwohnern, sie scheinen viele Touristen gewohnt zu sein, huschen vorbei und grüßen nur, weil wir grüßen. Wir lugen in so ziemlich alle Gassen.

Blick in die Gassen von Saint Eulalie de Cernon, eine Löcher in der Wand sind mit Glasbausteinen gefüllt.

Erst nach einer Weile fallen uns Blechschilder auf – darauf sind die Gewerke zu sehen – die Schilder gefallen uns sehr, die haben wir bisher in noch keiner der vielen alten Orte gesehen.

hier wurde augenscheinlich eingekauft und gewogen
hier wurde genäht
Und hier darfst Du das Schild mal suchen – die waren nämlich recht klein

Was mir in dem Ort auch aufgefallen ist, waren Formen und Symbole. Ob die nun für die Templer typisch waren, weiß ich leider nicht.

Als erstes mal diese Treppe am Kirchplatz – man hätte sie ja wie viele andere auch gerade an die Wand bauen können – so wirkt es doch deutlich harmonischer.

viele Rundungen

Dann am Kircheneingang – Spiralform:

Symbolik am Eingang der Kirche

Und auch in der Kirche bin ich fündig geworden – ein ovales Glasfenster mit einem Symbol in der Mitte. Die Zeit reicht hier nicht, alles zu recherchieren – aber es hat bestimmt eine Bedeutung.

Kirchenfenster

Für den kleinen Ort gibt es auf jeden Fall eine Menge zu entdecken, da ist wohl ein Extrabeitrag fällig. Für uns geht es jedenfalls noch in die Epicerie – das Lebensmittelgeschäft, welches erfreulicherweise am Pfingstmontag bis Mittag geöffnet hat. Wir bekommen frische Baguette und wie fast immer etwas Käse.

Leider checken wir an der Stelle noch Null-Komma-Null, dass wir in der Wiege des berühmten Roquefort-Käse stehen. Er liegt in der Theke. Keine geringeren als die Templer haben wohl den Grundstein für diesen Käse gelegt. Dafür kaufen wir anderen Käse. Im Prinzip schmeckt alles.

Epicerie von Saint Eulalie de Cernon

Im Laden ist gut was los, 4 Leute stehen an. Die Dame hinter der Theke ist freundlich – ganz bestimmt spült der Wohnmobilstellplatz den einen oder anderen Taler in ihre Kasse. Mindestens eine Frau erkennen wir vom Stellplatz, man lächelt sich zu.

Zurück am Stellplatz haben wir die Option weiterfahren oder einfach mal bisschen bleiben, die Ruhe des sich langsam leerenden Platzes genießen und so machen wir es  – bleiben letztendlich bis nachmittags. Putzen hier ein wenig, trinken da noch ein Käffchen, widmen uns mit Citronensäue unserem Klo und letztendlich gibt es mal wieder eines unserer häufigsten Camperessen im Sommer: Gurke, Tomate, Paprika, Feta, Zwiebel, Knoblauch – dazu jeder 2 Eier.

Standardessen

Wir fahren los. Vor uns schlängelt sich eine recht große Schlange eilig über die Straße. Die erste lebende die wir sehen, 4 Überfahrene stehen bereits in der Bilanz.

Ungefähr 30 Kilometer später stehen, vielmehr sitzen wir an diesem Schriftzug:

Aveyron – Departement Aveyron

Und im Hintergrund der Grund, warum wir zu diesem Schriftzug gekommen sind. Der Viadukt von Millau – eine riesige Brücke, welche die Schlucht des Flusses Tarn überspannt.

Klar hätten wir wie alle anderen Touristen direkt zum Aussichtspunkt fahren können. Wir hingegen parken etwas unterhalb am Bikeparkparkplatz.

Von hier aus sind es 2,5 Kilometer und etwa 240 Höhenmeter – die Strecke möchten wir nicht missen – wir kommen der Brücke sehr nah.

Obgleich wir die Sonne samt der 31 Grad für dieses Anliegen überhaupt nicht mögen – aber die Strecke ist absehbar. Das waren sehr eindrucksvolle 2,5 Kilometer.

Viadukt von Millau

Die Brücke ist die mit einer Länge von 2460 Metern die längste Schrägseilbrücke der Welt.

Sie wurde 2004 eingeweiht und ist mit einer maximalen Pfeilerhöhe von 343 Metern die zweitgrößte Brücke der Welt.

Irre, da mal durchzuwandern. Diese Höhe lässt sich schwer greifen.

1 Pfeiler des Viadukt von Millau

Wir sind die einzigen, die hier hochlaufen. Über die Brücke braust die Autobahn, wir treffen vereinzelte Radfahrer.

Mit hochrotem Kopf kommen wir oben am straff aufgezogenen Aussichtspunkt an. Großer Parkplatz sogar mit Wohnmobilentsorgungsstation, Toiletten und eine Ausstellung zur Brücke.

Wir nehmen alles mit. Erst mal den Aussichtspunkt selber – übrigens – der Berg rechts der Brücke heißt – Tataaa „Roquefort“.

Blick vom offiziellen Aussichtspunkt auf den Viadukt von Millau

Die Toiletten sind exzellent und dann gehts noch kurz in die Ausstellung, hier steht unter anderem ein Brückenmodell, gibt es sämtliche Daten zur Brücke, einen immersiven Kinofilm und natürlich den üblichen Shop mit Brücken-T-Shirts, Brücken-Puzzle, Brücken-Magneten, Brücken-Kulis pipapo – keine Getränke, kein Eis – nix, was einem an einem warmen Tag wirklich helfen würde. Aber wir haben wie immer alles dabei.

Dann gehts noch zum bereits oben gezeigten Schriftzug Aveyron und wir steigen die 2 Kilometer wieder ab.

Es geht auf 17.30 Uhr zu – ein Schlafplatz wird gebraucht. Wir haben schon einen vor Augen (bzw. aus der Park4Night-App rausgesucht) – wir mögen die Stellplätze der Kette „Camper Car Park“, es ist insgesamt unser 4. Mal auf einem dieser Plätze – einfach an der Schranke bezahlen, reinfahren, Stellplatz aussuchen fertig.

Zum Abendessen beschäftigen wir uns mit den heute gekauften Käse.

Käse über Käse – eins der Highlights eines Frankreichsurlaubes

Und so sind wir nun in Mostuejuls gelandet, stehen direkt am Fluss Tarn – das Pfingstwochenende ist vorbei. Mit uns steht ein weiteres Auto. Ob uns die Straße oberhalb vom Stellplatz stören wird – wissen wir morgen. Die Sonne ist jedenfalls längst hinterm Berg – es ist richtig kühl – das nehmen wir gern. Jetzt 22.30 Uhr haben wir im Auto zwischen 23 und 25 Grad.

Camping Car Park – Mostuejouls / am Ufer der Tarn

Da sage ich mal Gutes Nächtle oder schönen Tag – bis zur nächsten Wegmarke.

  • Kilometer gelaufen: ca. 10,7 Kilometer
  • Schritte: ca. 15.000
  • Höhenmeter: ca. 240 Höhenmeter
  • Ausgaben: ca. 14 Euro Lebensmittel, ca. 16 Euro Stellplatz

Tag 24: eine Premiere für Knatterinchen, abschlagen am Mittelmeer und dann?

Die Nacht war kurz – bis spät in die Nacht dröhnten Bässe einer Party, immer wieder fuhren trotz Verbot Autos Richtung Strand und dann hat Tag 24 eindeutig zu früh, dafür aber sehr schön gestartet. 5.30 Uhr hören wir ein Auto vorbeifahren und es war mit Sicherheit noch nicht mal das Erste – ich gucke aus der Dachluke – warme Töne noch bevor die Sonne aufgeht.

Blick aus der Dachluke – gleich geht die Sonne auf

Marcus schnappt sich seine Kamera, wir springen zuversichtlich aus dem Camper – und schon werden wir blutrünstig vielfach angegriffen. Jetzt sind sie da – die Mücken, die für die Camarque beschrieben sind. Kein einziges Foto können wir in Ruhe machen – zack – wieder rein in den Camper.

Das Autan muss her. Ich hatte extra das gekauft, was auch gegen Tigermücken helfen soll – das Autan juckt die Mücken herzlich wenig. War ein Versuch.

Zack – zurück in den Camper. Da stehen wir nun mit geschlossenen Fenstern – es ist warm drin – draußen kleben die Biester an den Scheiben.

Als wäre das Auto neu (sind ja erst 5 Jahre) fällt uns ein, dass wir die Mückenschutzgitter in den Seitenfenstern aktivieren könnten, die sind deutlich dichter als die der Dachfenster.

Ah – so gehts. Ein leichtes Lüftchen weht. Wir frühstücken, schauen der Sonne beim Aufgehen und je höher sie steigt, desto mehr Wind kommt auf – mutig könne wir dann sogar eine Seite komplett öffnen. Auf der geschützten Seite kleben die Mücken weiter an der Gaze. Furchtbar und schön zugleich.

Blick zum Seitenfenster raus – nun ist sie aufgegangen und ein weiterer glühender Tag steht uns bevor

Und genau wie gestern Abend rollen immer wieder Camper an uns vorbei – die paar hundert Meter weiter zum Piemanson Strand. Dort ist Fahren und Parken zwischen 22.00 und 6.00 Uhr verboten – aber gleich früh wird mit dem Auto zahlreich auf den Strand gefahren und wahrscheinlich dort der Tag verbracht.

Ich meine – wie cool ist das eigentlich – man kann mit dem Camper bis auf den Sandstrand fahren. Der Sand ist verhältnismäßig fest – und da ist sie die Premiere für Knatterinchen – jetzt geht es auch mal auf den Sandstrand. Fühlt sich wohl dort das Auto.

Knatterinchen fühlt sich mit Blick zum Mittelmeer recht wohl

Wir dippen nochmal kurz die Füße ins Wasser – schlagen sozusagen einmal ab. Nach links und rechts streckt sich langer, eher dunkler Sandstrand.

extrem ruhig das Meer – im Prinzip nicht wirklich was zum Fotografieren

Wr wollen nun nochmal auf die westliche Seite der Camarque, das sind etwa 60 Kilometer – auf dem Weg dorthin, gibt es noch paar Haltepunkte.

Der erste an einer Saline – hier wird Salz für die Industrie gewonnen. Für 40 Euro könnte man sich ein Ticket holen, um im Gelände rumzufahren. Die Rezensionen bei Google sind nicht so berauschend, wir lassen es und schauen nur kurz vom Aussichtspunkt:

Saline

Ein riesiger Salzberg ist aufgeschüttet – irgendwo stehen wieder ein paar Flamingos rum – nette Kombi.

Flamingos vor Salzberg / Camarque

Wieder , wie auch gestern Nachmittag – kommen wir am Etang Vaccares – also der größten Lagune der Camarque vorbei.

Und ja – dort wo die 3 großen Reisebusse halten – gibt es bestimmt was zu gucken.

Da sind sie wieder – die Flamingos. Traumhaft schön, ein echtes Erlebnis – mein kleiner Wunsch ist zahlreich in Erfüllung gegangen.

Flamingos am Ufer des Etang (Lagune) Vaccares

Heute sind sie sogar so nah, dass es zumindest für mehrere Blogfotos mit dem Smartphone reicht:

geschätzte 20 – 25 Meter Abstand

Marcus fotografier wie verrückt aus der Dachluke – erst hat er mich ein wenig beschmunzelt, dass ich die rosa Dinger sehen wollte – kaum stand der erste Einbeinige im Wasser, war er Feuer und Flamme… und deshalb hat er heute gleich mal zwei Fotos für den Blog eingereicht:

Flamingos im Licht der aufgehenden Sonne / im Hintergrund der Hafen / Fotos: M. Kahl

 

Flamingo am Etang Vaccares – richtig schön erwischt / Foto: M. Kahl

Aber auch ohne diese spezifischen Wasservögel ist dieser See wunderschön.

Etang Vaccares

Wir versuchen ihn zu umrunden – auf einer Schotterstrecke landen wir leider in einer Sackgasse. Der Staub ist scheußlich. Radfahrer, Reiter, das umliegende Gestrüpp und die Autos werden ordentlich eingestäubt.

Irgendwo gibt es einen kleinen Ausguck – da gab es mal die Gelegenheit, einen der unzähligen Wasserkanäle von oben zu sehen. Der ganze Landstrich ist damit durchzogen – häufig durch hohes Schilf zugewuchert.

Wasserkanal

Und irgendwann landen wir auf einer vielbefahrenen Verbindungsstraße zwischen West und Ost – der Verkehr ist die Hölle. Google zeigt uns einen Stau an. Da wir wieder in ein kleines am Strand liegenden Örtchen fahren wollten – richtig – „wollten“ – machen wir kurzen Prozess. Was da alles reinwalzt – da finden wir wahrscheinlich eh kein Parkplatz und falls doch, sind wir im Mobb der Touristen – das ist uns zu viel. Wir drehen um und suchen uns einen schattigen Rastplatz.

Wir sind kurz planlos – schlummern paar Minuten, recherchieren und machen uns nach ein paar Nudeln mit Pesto auf Richtung Naturpark Cevennes. Auch wieder so ein Ding, was wir nie gehört haben – ganz durchdringen werden wir ihn keinesfalls – aber ein Highlight wollen wir uns da noch anschauen.

Auf dem Weg dorthin verändert sich die Landschaft schnell. Vom absolut platten Land der Camarque mit Schilf, viel Wasser, Rindern und Pferden wird es nun wieder bergig, grüne Kuppen und auch Felsen tauchen auf.

auf dem Weg gen Nord-West

Und weil es auch auf 19.00 Uhr zugeht, beschließen wir in Saint Eulalie de Cernon unser Nachtlager auf dem hiesigen Wohnmobilstellplatz aufzuschlagen. Für 11,44 steht das Auto samt aller Insassen für 24 Stunden sehr gut. Warm duschen ist auch noch dabei – was will man mehr. Den obligatorischen Dorfrundgang schaffen wir nicht mehr, heben wir uns für morgen auf – die letzte Nacht war einfach zu kurz – aber ein Miniblick gen Dorf war vom Stellplatz aus möglich.

Saint Eulalie de Cernon im Abendlicht

Die sonnengeplagte Haut ist mit Aloegel gepflegt, wir sind geduscht – wie sehr man sich über eine einfache warme Dusche freuen kann – draußen gibt es noch Grillengeräusche, sonst trotz bestimmt 25 weiterer Camper kaum Geräusche.

Dann sage ich mal Gutes Nächtle und schönen Tag, bis zur nächsten Wegmarke.

 

Tag 23: Der südlichste Punkt der Reise und Federvieh im rosa Kleidchen

Wir genießen die 17 Grad beim Frühstück, wohlwissend, dass die Sonne auch heute ihr bestes geben wird. Gegen 10.30 Uhr fahren wir los, lassen La Roque sur Céze hinter uns und haben eigentlich ein Ziel in etwa 100 Kilometer Entfernung.

Und wie es immer so ist – wir biegen zwischendurch mal ab und werden es nicht bereuen. Für etwa 3,5 Stunden begeben wir uns in die Römerzeit und besuchen eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten im Süden von Frankreich.

Die Pont du Gard.

Ein phänomenaler Aquädukt, der als besterhaltener Wasserkanal aus der Römerzeit gilt.

Pont du Gard

Die Gegend rund um die Brücke ist komplett touristisch erschlossen. Riesige Besucherparkplätze stehen zur Verfügung, super Toiletten, ein Museum, Cafeteria – alles vorhanden. Das Ticket für Parken samt aller anderen Annehmlichkeiten kostet 9,00 Euro, egal wie viele Leute drin sitzen.

Wir toben einige Wege und alle in der Nähe befindlichen Aussichtspunkte ab. Vor allem die Wege zu den Aussichtspunkten und am Fluss sind teilweise felsig, wir bereuen, in FlipFlop losgegangen zu sein – müssen höllisch aufpassen. Zu essen haben wir auch nix mit. Immerhin haben wir lange Hemden an – es ist so heiß, dass wir uns von Schattenfleck zu Schattenfleck hangeln und eine Flasche Wasser ist auch dabei. In der Sonne kann man es kaum aushalten.

Die Brücke überspannt den Fluss Gardon, der an Tagen wie diesen eifrig zum Baden genutzt wird. Rund um die Brücke herrscht ein Gejohle, ein von den Felsen Gespringe, ein Kanu-Gepaddle – es ist das lange Pfingstwochenende – alles was Beine hat, ist unterwegs.

Einer der besten Blicke auf die Brücke – leichte Spiegelng ist immer schön – das kein Mensch und kein Kanu zu sehen ist – reiner Zufall

Während wir über die Brücke zum Auto zurückbummeln, kommen uns nun die Touristen busseweise entgegen. Richtig voll.

am Nachmittag wird’s knubbelig an der Brücke

Kurz vor drei düsen wir dann weiter – wir hatten ja eigentlich ein anderes Ziel.

Eins – was vor allem ich mir schon länger gewünscht habe. Bevor es soweit ist, suchen wir ein Carrefour-Einkaufszentrum und hier ausschließlich die Apotheke auf. (Sehr praktisch, dass in diesen sehr großen Einkaufszentren wohl immer eine Apotheke vorhanden ist.) Marcus kauft Aloeveragel für unsere sonnengeplagte Haut.

Übrigens: Franzöische Supermärkte haben wohl die Auflage ab einer Parkplatzstärke von mindestens 80 – eine gewisse Anzahl von überdachten / beschatteten Plätzen vorzuhalten. Richtig gut – da stellen wir uns hin, das macht es erträglicher.

überdachte Parkplätze am Carrefour

Den nächsten wesentlichen Stopp machen wir am Étang de Vaccarès, der größten Lagune im „Regionalen Naturpark Camarque“ – da sind wir nun – in der Camparque und damit an unserem südlichsten Zipfel der Reise angelangt.

Étang de Vaccarès / Camarque

Bekannt ist die Camarque unter anderem für die hier lebenden Flamingos. Und juchhuu – am nächsten See stehen zwei. Es gibt sie! Noch ein See weiter steht gleich eine kleine Kolonie – hier nur ein erster Eindruck – sie stehen natürlich nicht direkt an der Straße, mit der Handyfotografie komme ich an Grenzen.

Flamingos in der Camarque – ein echtes Highlight

Wir fahren eine schmale Straße immer weiter, diese führt zu einem Strand – zum Mittelmeer! Wir sind am Mittelmeer – das hätte ich nie im Leben gedacht, dass wir bei unserer gemütlichen Tour hier unten ankommen.

Auch diese Gegend ist sehr touristisch. Auf der schmalen Straße gen Meer kommen uns unfassbar viele Camper entgegen und genausoviele fahren mit uns hin.

Ich stelle mal kurz die Füße ins erstaunlich warme Wasser.

einmal kurz anschlagen am Mittelmeer – und dann zurück

So sind wir nun also auf gleicher Höhe mit dem Meeresspiegel. Windräder drehen sich am Horizont, irgendwo blinkt ein Leuchtturm, auch irgendeine Industrieanlage hat noch die Lichter an – die Sonne ist hübsch untergegangen – wir stehen außerhalb der Nachtparkverbotszone aber die Polizei ist bereits einmal langsam am Parkplatz vorbeigefahren – den wir bis zur Dunkelheit für Fotografie genutzt haben.

plattes Land in der Camarque

Es ist nach 22.00 Uhr, erfreulicherweise sind die Temperaturen an der Küste deutlich geringer – Mücken gibt es bis jetzt auch keine (evtl. das Autan gestern für umsonst gekauft) – wir essen noch eine Kleinigkeit und dann schlafen wir ein bisschen. Ich sage mal Gutes Nächtle und schönen Tag – bis zur nächsten Wegmarke.

 

 

 

 

Tag 22: Schlucht der Ardéche an einem ultraheißen Tag

Heute habe ich nur eine verhältnismäßig kleine Auswahl, wir sind nach einem unwirtlich heißen Tag ordentlich k.o. – zudem ist das Netz hier auf dem Stellplatz wo wir gerade Gott sei Dank unter Bäumen am späten Nachmittag ein schattiges Plätzchen gefunden haben, nicht so gut.

Etwas eher als sonst stehen wir auf, wenigstens noch bei kühler Luft frühstücken. Dann verlassen wir den lieb gewonnen Stellplatz in Ruoms nach der nun dritten Nacht.

Nur ein Steinwurf entfernt fahren wir in den Ort Vallon-Pont-d’Arc, laden unseren Wasser-, Bananen- und Apfelvorrat im dort befindlichen Lidl auf. Sicherheitshalber nehme ich eine Flasche Autan mit, vielleicht brauchen wir die in den nächsten Tagen noch.

Dann geht es in die viel gepriesene Schlucht der Ardéche – schon kilometerweit im Vorraus werden Touristen dorthin gelotst. Und so schaut es am Anfang der Schlucht auch aus. Campingplätze, irre viele Kanutouranbieter – sehr touristisch also.

Und trotzdem schlägt uns ein erstes und „DAS“ Spektakel der Schlucht gleich als erstes entgegen.

Die berühmte Steinbrücke über die Ardéche – „Pont d’Arc Ardeche Le Pont d’Arc“.

Fürs Foto kapern wir uns mal eins der Touristenboote – die Felsenbrücke schaut auf jeden Fall spektakulär aus.

Le Pont d’Arc / Felsenbrücke

Allerdings – um diese zu besichtigen, werden wir Wohnmobilfahrer am ersten Parkplatz aufgrund von Höhenbegrenzung erstmal  vorbeigejagt. Auf dem nächsten dürfen wir dann stehen – 1:45 Stunden für 6,00 Euro. Hier nimmt man es ordentlich. Dafür gibt es den Parkplatz. Zudem eine normale, kostenfreie Toilette und sogar WC-Papier, das ist hier längst keine Selbstverständlichkeit.

Auf einem exzellent gebauten Fußweg marschieren wir dann paar hundert Meter erst zum Aussichtspunkt und auf einem barrierefreien Weg runter zum Strand. Dauer beobachten wir, wie unzählige Kanus durch das Felsentor fahren, wie Verrückte Menschen von Felsen springen, wie gebadet wird und ein Kind an den Strand pinkeln darf. Toiletten wären kaum hundert Meter entfernt.

Das Touri-Highlight ist gefühlt komplett in deutscher Hand – rund um uns verstehen wir plötzlich alles. Viele Deutsche hier. Wir ja auch!

So – wir fahren weiter. Die Schlucht ist insgesamt 29 Kilometer lang. Es gibt diverse Aussichtspunkte – 11 oder so. Immer wieder schauen wir auf den Fluss, der sich tief in den Fels geschnitten hat. Das schaut schon beeindruckend aus.

Dennoch: Die Hitze spielt uns einen üblen Streich. Es ist kaum zum Aushalten – die Lust zum Erkunden versiegt ein wenig. Mühselig krabbeln wir an den Aussichtspunkten aus dem Auto – da wir mittags unterwegs sind, haben wir natürlich auch die allerschwierigsten Fotobedingungen.

Ein zweites Mal in diesen Tagen mäandert die Ardéche fast in Kreisform durch die Landschaft.

In der Schlucht der Ardeche

Unsere Schiebetür öffnet sich für eine Mittagsrast mit Blick zur Schlucht. Vor uns geht es steil bergab – grad zwei Autos haben hier Platz. Ein einmaliger Platz – ein leichter Luftzug geht. Motorräder rasen vorbei – und Radfahrer.

Die sind verrückt, die Strecke hat ordentlich Höhenmeter.

Bei gut über 30° Grad Celsius gibts zum wiederholten Male eine Asia-Tüte vom Lidl mit Couscous. Während wir essen, hält 2x ein Auto hinter uns – toben kurz Leute vor unserem Fenster mit der Kamera umher.

Mittagspause mit Blick in die Schlucht

Am Nachmittag erreichen wir das andere Ende der Schlucht, den Ort Saint-Martin-d’Ardèche und:

Mit ihm verlassen wir nun auch den Naturpark Ardéche! Dankeschön Ardéche – hat uns sehr gut gefallen.

Nur ein halbes Stündchen südlich – etwa gegen 17.00 Uhr rasten wir wieder auf einem Camping-Car-Park Stellplatz ein. Wir sind im kleinen Dörfchen La-Roque-sur-Céze gelandet. Wieder so ein Dorf, was die Auszeichnung als „eines der schönsten Dörfer von Frankreich“ trägt.

Ein typisch deutsch parkender Camper lernt die Parkkünste von Marcus kennen. Schon aus Prinzip schieben wir uns neben ihm rein – er hat Platz für drei beansprucht, Platzhirschgehabe auf solchen Stellplätzen, die nicht parzelliert sind, kommt immer mal wieder vor.

Auf gehts zur kleinen Ortsbegehung. Es gibt mal wieder einen Wasserfall, unfassbar schön und bizarr von ihm ausgewaschene Felsen halten uns ganz schön lange auf. Riesige Mulden befinden sich in den Felsen, paar kleine Fische versuchen flussaufwärts zu springen.

Cascades du Saudatet

Es wird auffällig oft davor gewarnt, dass hier bei Lebensgefahr nicht gebadet werden darf. 31 Tote seit 1960 – 4 junge Leute springen direkt unterhalb des Wasserfalls, dort wo der heftigste Strudel ist, ins Wasser. Manchmal traut man seinen eigenen Augen nicht.

Lieber noch ein Blick in die andere Richtung – dort wo der Fels einzigartig geformt ist.

Kalkstein / ausgewaschen vom Wasser

Dann geht es noch kurz ins Dorf, in dem gerade mal etwa 170 Menschen leben.

Blick auf das kleine an den Hang gebaute Dorf, sehr süß – davor ein Weinhang

Wir steigen die schmalen Gassen den Hang hinauf. Der Fußweg besteht aus groben, runden Steinen – ähnlich wie Flusskiesel, nur deutlich größer.

Blick in eine Gasse, hübsche hellblaue Fensterläden und in der Mitte die Laufrinne – damit man sich nicht verläuft.
hübsch umrankte grüne Tür

Oberhalb vom Dorf gibt es die gewohnte Burg, die allerdings privat ist. Der unterhalb der Burg befindliche Aussichtpunkt – gibt einen eher neutralen Blick auf die Umgebung – Weinhänge, die kleinen Erhebungen der Südardéche. Nett aber kaum ein Foto wert.

Gucken wir lieber nochmal kurz in den Ort, wo nicht ein einziges Haus einem anderen gleicht.

Blick zwischen die Häuser

An der superschmalen Brücke über den Fluss Céze wird mit Ampelschaltung zwecks des Gegenverkehrs gearbeitet.

Unterhalb der Brücke finden wir historische Höhlenmalerei in einem der Bögen. Die beiden Figuren sollen Reisende sein – die aus dem fernen Potsdam kommen. Wahnsinn…

moderne Höhlenmalerei

Und nun klappen uns förmlich die Augen zu. Ich sage mal Gutes kühles Nächtle, schönen kühlen Tag und bis zur nächsten Wegmarke.

Tageswerte werden nachgeholt….

Tag 21: Immer noch in der Ardéche – das Dorf Labeaume auf Umwegen

Ein weiterer glühend-heißer Tag liegt hinter uns. Kaum zu glauben, dass wir nur wenige Tage zuvor gebetet haben, dass unsere Standheizung nur einen kurzen Wackler hat. Wir bummeln bis Mittag auf dem Stellplatz rum und ziehen dann wieder mit den Rädern auf dem bereits erwähnten Radweg „Via Ardéche“ los. Gibt ja noch die andere, die südliche Richtung.

Als erste interessante Wegmarke erreichen wir zwei nebeneinander liegende Brücken – eine für Radfahrer, eine für den Autoverkehr.

tolle Brücken über die Ardéche – Blick auf die Autobrücke

Auf der Autobrücke hupt es, dreimal dürft ihr raten, warum. Nicht alles was in unserem Kontext geschieht, ist nachahmenswert. Einer von uns tobt irgendwo rum, wo eigentlich nur Autos fahren. Hm.

Blick auf den Radweg „Via Ardéche“ und mein Rad

Nächstes Ziel ist der Ort Grospierres. Das spannendste ist wohl das alte Bahnhofsgebäude – wir nehmen zwar auch den Abzweig bis zur Kirche in der Ortsmitte – kämpfen uns über den glühenden neu gemachten Asphalt um kurz darauf wieder runter zu rasen.

Wir gehen kurz in einen Wohnmobilhandel, der sich aber eher als Werkstatt mit angeschlossenem Minishop entpuppt. Auch sehen wir komplett versiegelte Grundstücke, Schulkinder die hinter einem Zaun auf Aspahlt toben, Solarpaneele auf Dächern – malerisch, so wie beschrieben hätten wir das Dorf auf den schnellen Blick nicht beschrieben. Aber wir waren ja auch nur auf kurzer Stipvisite.

Grospierres – der alte Bahnhof

Die Region sei bekannt für Weinanbau, Obstplantagen und auch Kalksteinformationen. Wir sehen und riechen vor allem die Weinhänge – die leicht chemische Note ist nicht angenehm, der Blick in die akkurat angelegten Reihen hingegen immer wieder schön.

Weinanbaugebiet bei Grospierres

Ab Grospierres beginnen wir quasi bereits die Rücktour oder wie getitelt, befinden wir uns auf der ausgedehnten Anfahrt – einer kleinen Rundtour nach Labeaume, was eigentlich nur 4 km von unserem Stellplatz entfernt liegt.

Aber wir wollten heute noch ein wenig radeln.

Deswegen geht es über die Dörfer nun über diese hübsche mit maximaler Breite von 2,50 angegebener Brücke. Marcus passt gerade so durch.

Auch hier müssen wir beim Fotografieren auf der Hut sein, die Franzosen kennen nix, rasen wie die Verrückten über die Brücke und gefühlt auch immer ein wenig zu knapp an uns vorbei. Vom Bremsen halten sie recht wenig, lächeln aber sehr oft beim Vorbeifahren oder bedanken sich, wenn man aus dem Weg springt – können also vermutlich unsere touristischen Aktivitäten verstehen.

Brücke über den Flus Chassezac

Es geht auf 14.00 Uhr zu – wir wären absolut zum Einkehren bereit – aber wie gewohnt hat im nächsten Ort alles zu. Sogar der kleine Supermarkt, der Bäcker, sämtliche Restaurants. Wir schleichen mit den Rädern durch die engen Gassen, treffen kaum eine Menschenseele. Selbst bei der Schule ist Ruhe. Richtig seltsam.

kleiner Spaziergang durch Saint-Alban-Auriolles

Na gut – die Hitze treibt uns weiter. Nirgends haben wir so richtig Lust, länger als notwendig zu verweilen, zu Essen will uns keiner was geben – auch wenn es hier und da lecker riecht – aber das Rumgucken macht auf jeden Fall Spaß.

Es geht wieder auf die Landstraße. Heißer Gegenwind. Puh. Relativ kleiner Gang, einfach immer weitertrampeln – die Entfernungen sind nicht weit, wieder rasen Autos an uns vorbei, da weiß man, was man von einem gepflegten Radweg hat.

Irgendwo steht „Pizza“ dran. Und „geöffnet“ – ein Versuch ist es Wert – wir radeln auf das Gelände des Campingplatzes – ebenfalls alles wie ausgestorben. Merkwürdig.

Die Landstraße quert einen weiteren Fluss. Nach Ardéche und Chassezac geht es nun über den Fluss La Baume – der eine prächtige Schlucht geschliffen hat. Eins muss man diesem Wetter lassen – es zaubert wunderschöne Farben.

La Beaume / kurzer Blick in die Schlucht
La Baume / kurzer Blick in die Schlucht

Und dann folgt der gemeinste Anstieg, den wir hier erlebt haben. Die Anfahrt auf das Dorf Labeaume. Wir keuchen, springen letztendlich mal kurz von den Rädern, bevor uns das Herz aus der Brust springt und dann sind wir da – mal wieder in einem „der schönsten Dörfer von Frankreich“. Von denen scheint es eine ganze Menge zu geben.

Wir schließen die Räder an, spazieren von oben in das Dorf hinein. Am Ende einer Gasse, kurz vor der Kirche bleibt Marcus verdächtig lange stehen. Dreht sich zu mir um und macht das Zeichen eines Kreuzes – ok, da scheint eine Beerdigung zu sein.

Wir stehen beide an der Kreuzung, beobachten das Geschehen am Kircheneingang. Es ist mucksmäuschenstill. Der Pastor in weißer Robe spricht zu den Gästen, dann wird der Sarg aus dem Auto gehoben und in die Kirche getragen. Langsam fädelt sich die Menschenmenge in die Kirche – immerhin passen alle rein.

Ein Enkel scheint die Oma zu stützen, alle Gäste dieser Trauerprozession sind in normaler (nicht schwarzer) Kleidung.

Als alle drin sind, trauen wir uns auch wieder zu bewegen.

Unterhalb eines Felsens reihen sich die Häuser.

Labeaume / Ardéche

Das Dorf ist hübsch, wir gehen hinunter zum Flussstrand, im Bachbett liegen riesige rundgelutschte und flachgepresste Steine. Wenig Wasser drin. Weiter hinten wird gebadet.

Die Brücke im Ort ist hochwassertauglich – ohne Geländer quasi tauchfähig. Interessant.

geländerlose Brücke (wegen Hochwasser) in Labeaume

Wir spazieren über die Brücke, steigen eine kleine Anhöhe hinauf – hier befindet sich ein Aussichtspunkt von dem wir einen super Blick auf die Stadt haben.

Aussichtspunkt mit Blick auf Labeaume

Während schemenhaft Gesang aus der Kirche dringt, machen wir ein Foto. So ist das im Leben, es existiert immer das Eine und das Andere. Ein linkes und ein rechtes Flussufer .Während wir gerade eine gute Zeit haben, sind weiter drüben andere traurig.

Aussichtsplattform auf Labeaume

Es kommt die Idee einer Einkehr, wir hoffen auf belebende Wirkung eines Espresso. Nahe der Brücke, am herrlich platanenbeschatteten Platz Sablas gibt’s ihn. Dazu für Marcus 3 Kugeln Eis und für mich ein Crêpe. Die Hoffnung auf untertägige herzhafte Snack haben wir komplett aufgegeben.

  • Crêpe 5,50 Euro
  • 3 Kugeln Eis: 7,90 Euro
  • 2 Espressi – 4,00 Euro
Einkehr in Labeaume / Crêpe mit Nutella und Banane

Der Enkel, der vorhin die trauernde Oma gestützt hat, stürzt nun mit einer Flasche Bier strauchelnd durchs Lokal. Hm.

Auf der Terasse wird geraucht, die Einheimischen begnügen sich mit einem Bier, schwatzen verhalten, selten lacht mal jemand laut und man kommt durchaus auch mit Badehose ins Cafe – Kuchen, so wie bei uns in Deutschland gibt es Nachmittags in den Bars nicht.

Wir erkunden noch ein wenig den hübschen Ort, der früher übrigens ganz vom Weinanbau, der Seiden- und Olivenproduktion gelebt hat.

Nun ist es der Tourismus – wie überall gibt es natürlich auch hier einige Shops aber sie drängen sich nicht künstlich bunt auf sondern schmiegen sich mit ausgewähltem Angebot recht hübsch in den Ort.

Shop in Labeaume

Zeichen der Seidenproduktion finden sich vereinzelt noch – ein Maulbeerbaum trägt reichlich.

reife Maulbeeren am Maulbeerbaum

An der Kirche ist die Trauerfeier nun längst vorbei. Wir gehen mal rein. Angenehm kühl da drin, obwohl die Tür weit offen steht.

Durch immer enger werdende Gassen steigen wir wieder zu unseren Rädern auf. Hier fallen viel zu trockene, längst noch nicht ausgereifte Feigen vom Baum – da hüpft eine gigantische Heuschrecke an der Fassade entlang. Andere Touristen mit massiv Kameraausrüstung schleichen ebenfalls umher.

Das ist aber auch alles fotogen hier.

Blick über die Dächer

Und dann gehts zu den Rädern und zurück nach Ruoms, was tatsächlich knapp 4 km entfernt ist. Wir hätten das also deutlich einfacher haben können. Jetzt rasen wir einfach nur den Berg runter, den wir uns vorhin hochgekämpft haben.

An einer Brücke über die Ardéche schließt sich der Kreis. Hinter der Brücke steht das Ortseingangsschild von Ruoms. Wir stoppen kurz, denn der Blick auf die Häuserzeile ist einfach toll. Hinter uns brausen wieder die Autos entlang.

Pont de la Bigournette / Ruoms

Nun husch husch – wir brauchen noch Baguette – es geht zum zweiten Mal heute in die gleiche Boulangerie.

Boulongerie Ruoms

Marcus geht da leidenschaftlich gern rein und kommt natürlich nicht bloß mit zwei Baguette sondern auch noch mit einer kleinen Pappschachtel raus.

Wir trinken am Camper noch ein Käffchen und dazu gibt es nochmal Tortelettes. Weil es mir aber allmählich alles zu süß wird, muss ich kurz bisschen Sauerkraut essen. Haha.

schauen immer richtig gut aus, die kleinen Törtchen – und schmecken auch lecker

Tja und den Rest kennt ihr nun fast schon. Wir sind wieder in unserer Zweckgemeinschaft, die heute ordentlich durchmischt wurde. Viele sind abgefahren, neue Leute sind da – man glotzt wieder, denn man kennt sich ja noch nicht.

Bis auf eins der Stilleben – ein Pärchen, was den Camper direkt vor dem Waschhaus geparkt hat. Wenn sie am Tisch sitzen und essen – guckt einer von beiden immer genau auf die Pissoirs – wo die Türen natürlich immer offenstehen – kurzum – meistens guckt die Frau in Richtung der Männerpissbecken… man – warum nimmt man sich so einen Stellplatz? Neben uns mit Blick zum Fluss ist frei, wir verstehen es nicht. Aber gut – jeder wie er mag.

Auch bei uns baumelt heue mal eine Unterhose und ein BH draußen am Stuhl. Mit der Zeit ent-schamt man sich.

kleine Wäsche

Es geht auf 22.00 Uhr zu, es wird Gott sei Dank kühler, die Frösche quaken, gegenüber auf dem Campingplatz ist noch ordentlich Remmidemmi. Hinter uns guckt das Ehepaar noch einen Film auf dem Tablet. Romantisch ist es nicht unbedingt – aber der Platz ist absolut praktisch. Camping Car Park Ruoms. Bei 17,20 Euro pro Nacht kann man nicht meckern (zudem: Duschen so lange man möchte inklusive und wer braucht, bekommt auch an fast allen der 100 Stellplätze Strom).

Taugt!

Nun sage ich mal Gutes Nächtle, schönen Tag und bis zur nächsten Wegmarke.

  • Kilometer geradelt:
  • Kilometer gegangen:
  • Höhenmeter:
  • Ausgaben: (Einkehr und 2x Bäcker)

 

 

 

Tag 20: Unterwegs im felsigen Amphitheater – Cirque de Gen

Kann uns bitte jemand ganz viel Eis bringen? Die Temperaturen sind unfreundlich hochgeschossen – heute mussten wir erst mal mit der Hitze klarkommen. Gefühlt standen wir den ganzen Tag vorm angeschalteten Backofen. Sonne satt, ab und an dieser warme Wind und trotzdem waren wir unterwegs – mit langen Hemden, Hut, ich mit langer Hose, alles andere wäre in knallrot verbrannter Haut geendet.

Weil wir wussten worauf das hinausläuft, wollten wir am Morgen gar nicht so recht los – und der gestrige Tag hing uns auch noch etwas in den Muskeln. Also erst mal zum Super U – ein lokaler Supermarkt mit sehr gutem Angebot. Ich habe wieder mal nur ein Foto vom Seafood-Stand gemacht, der fasziniert mich immer am meisten.

Meerestierchen im Super U

Wir kaufen reduziert ein, wir brauchen nicht viel. Gurke, Tomate, Baguette, Schokobrötchen, eine Schuhbürste und ein Saft. Das Baguette war ganz schön lang. (siehe Fahrradtasche)

unser längstes Baguette

Zurück am Stellplatz beugen wir dem Wanderhunger heute mit selbst geschmierten Käsebaguettes + Gurkenscheibe vor, dann schwingen wir uns aufs Rad und fahren ca. 3 km in den Nachbarort Pradons. Dort befindet sich ein touristisches Highligt, was man einfach gesehen haben muss, wenn man in der Region ist.

Der Cirque de Gen – der Talkessel von Gen –

Das Gebiet lässt sich auf verschiedenen Wegen erkunden. Wir hangeln uns erst mal an ein paar Aussichtspunkten entlang und damit immer höher hinauf auf die Felsen.

einer der ersten vielversprechenden Blicke im Gebiet Cirque de Gen sowie auf den Fluss Ardéche

Von dieser Stelle sehen wir Kanus eine Engstelle im Fluss passieren, mehrere Boote kentern, das scheint eine schwierige Stelle zu sein.

Blick auf den Fluss Ardéche und die Kanufahrer

Wir sind wieder mal sehr froh, mit unserer Wanderapp Mapy zu laufen – google.maps kennt weder die Aussichtspunkte noch die Wege dorthin.

Für die nächsten beiden Aussichtspunkte müssen wir den offiziellen Wanderweg verlassen und über kleine felsige Trampelpfade laufen. Ziel – die Klippenkante und der wohl schönste Blick des Urlaubs, der ist kaum zu toppen. Gleich.

Denn erst mal köpfen wir am zweitschönsten Aussichtspunkt die Baguettes.

etwas Kraft schöpfen, die Hitze zehrt extrem

Dann geht es paar hundert Meter weiter und wir sehen Die Ardéche, die hier eine schöne Schleife fließt, die hoch aufragende gegenüberliegende Felswand, der Sandstrand.

Cirque de Gen / Ardéche

Wir sind restlos begeistert. Ich allerdings nicht so sehr von der schroff abstürzenden Felskante. Ich bleibe mal lieber etwas weiter hinten stehen.

Selfie-Zeit

Gut – die Sonne glüht auf den Planet. Es geht auf Nachmittag zu und wir steigen ab. Treffen eine französische Familie, die alle ein ganz fürchterliches Gesicht ziehen. Wir ahnen es – sie haben die Aussichtspunkte nicht gefunden – sie sind mit google.maps gelaufen. Aber sie wollen nicht nochmal hoch – selbst 700 Meter – was ja keine Entfernung ist – ist bei der Hitze zu viel.

Der offizielle Wanderweg führt unverkaufter zwischen zwei Natursteinwänden hindurch. Warum diese Wände hier stehen, können wir nur mutmaßen? Vielleicht Grundstücksgrenzen?

Wanderweg Cirque de Gen

Und was wir ausschließlich oben auf dem Felsen und sonst noch nirgends gesehen haben ist Riesenfenchel. Deutlich höher als wir, goldgelbe Blüten, die hoch im Kurs bei den Bienen stehen.

Riesenfenchel links am Wegrand

Vor uns steht nun noch ein richtig schöner Kaktus. Er wird zum kurzen Shootingstar.

 

Wir ziehen den Weg weiter runter…

Unterwegs im Cirque de Gen / Foto: M. Kahl

Und schon stehen wir wieder unten bei unseren Rädern, der nächste Plan ist, zum Strand zu gelangen. Der erste Versuch scheitert, da augenscheinlich Anwohner einen in der Wanderapp ersichtlichen Weg mit Gestrüpp zugestellt haben. Kein Durchkommen – mit Rädern schon dreimal nicht. Die Oberschenkel jammern, immer wieder müssen wir kleinere Anstiege meistern. Selbst 20 Meter brennen nun.

Beim zweiten Versuch klappt es – wir kommen zum Strand und stehen gleichzeitig an der Engstelle, wo die Kanus alle durchfahren müssen. Wir beobachten nun von ganz nah eine Touristengruppe, die augenscheinlich mit dieser Engstelle das Highligt der Kanutour erreicht hat. Immer ein Boot fährt durch – alle anderen gucken, feuern an, klatschen wenn es gelingt oder beten, wenn einer kentert, dass er schnell unter dem Boot wieder auftaucht.

Ehrlich gesagt habe ich auch gebetet – einige sind mit dem Boot seitlich so knapp vorm Felsen ins Wasser gekippt, dass es mich nicht wundern würde, wenn der eine oder andere eine Verletzung davon trägt. Ich würde da nicht runterfahren, für Laien ist das definitiv nicht lustig. Aber heute zumindest kommen alle lebend durch.

Die Engstelle, wo die Kanus durchmüssen und der Strand und die nun mächtig aufragende Felswand auf der wir gerade gewandert sind

Und natürlich stellen wir die Füße zum Abkühlen mal in den Fluss. Herrlich.

Dabei sehen wir nun direkt auf die andere Felswand – auch dort führt noch ein Weg zu einem Aussichtspunkt – der Weg verläuft nicht ganz so hoch – also los, den nehmen wir auch noch mit.

Der Weg ist deutlich schmaler, absolut nix für Leute mit Höhenangst – ich bleibe sogar an einer Stelle stehen, weil es mir zu schmal wird – bis ich sehe, dass der ausgeschilderte Weg oberhalb von mir direkt an der Felswand weitergeht.

So klappts. Wir spazieren auch noch zu diesem Aussichtspunkt, die Entfernungen sind alle nicht weit hier – der Aussichtspunkt ist allerdings nicht ganz so aufregend – denn nun stehen wir ja quasi in der Kurve. Trotzdem beeindruckend.

Weg am Fels entlang

Mittlerweile geht es auf 17.30 Uhr zu – wir verschaffen uns einen kleinen Energieschub – es gibt Schokobrötchen mit Blick auf das Amphiteater.

Wir blicken hinauf, wo wir zuvor gestanden haben

Um die Szenerie irgendwie festzuhalten, habe ich mich an einem Panorama versucht – fotografisch ist das nicht so meins aber hier sieht man nochmal das Gebiet Cirque de Gen.

Versuch eines Panoramas

Wir können es nicht leugnen, wir sind groggy – fahren zum Stellplatz, den wir bereits heute morgen um eine Nacht verlängert haben.

Hier schmiegen wir uns in die Zweckgemeinschaft einer illustren Gesellschaft.

Während ich uns einen kleinen Salat mache, zieht Marcus los und wäscht uns genau wie gestern ein paar Klamotten. Als er bei den Waschbecken ankommt, wäscht eine Frau gerade eine riesige Schlübber. Hier teilt man halt alles.

Socken und BH hängen dann am Fahrrad, die Hemden dürfen auf einen Bügel. Wir haben halt nur 4 Bügel.

Bei einer herrlichen Dusche klappert in einer anderen Nachbarbox das Geschirr, was gerade gewaschen wird und weiter drüben surrt eine elektrische Zahnbürste. Nach dem Duschen übergibt man den Abzieher – erstaunlicherweise läuft das hier ohne jegliche Hinweisschilder. Auf einem Platz mit 100 Fahrzeugen ist jedem klar, dass der eigene Dreck weggeputzt werden muss.

Auf dem Platz wird eifrig gegrillt, die Dame neben uns macht erst ein Fußbad, dann Pediküre im Freien und wir wundern oder schmunzeln auch ein wenig über 2 Leute, die früh, mittag und Abend wie in einem Stilleben vor ihrem Camper sitzen und die Mitcamper anglotzen.

Nun geht es auf 22.00 Uhr zu, rund um uns krachen die Autotüren zu – ab 10 wird es meist ruhig. Deswegen sage nun auch ich Gutes Nächtle, schönen Tag und bis zur nächsten Wegmarke.

  • Schritte: ca. 13700
  • Kilometer gegangen: 9,5 km
  • Kilometer geradelt: ca. 15,7 km
  • Höhenmeter: ca. 200
  • Ausgaben: Supermarkteinkauf ca.   13 Euro

Tag 19: Huch, ein Radweg!

Hallo schöner Wonnemonat Mai, heute hast du aber richtig abgeliefert – Temperaturen gut über 20° Grad, ein richtig warmer Tag, der uns sogar einen leichten Sonnenbrand auf die Arme gebrannt hat.

Sagte ich bereits, dass wir seit gestern in so etwas wie einem Touristenloch angekommen sind? Auf unserem Wanderparkplatz-Übernachtungsplatz in Rochecolombe hatten wir es das erste Mal auf dieser Tour mit sogenannten „Kuschelcampern“ zu tun. Relativ nah hatten sie sich an uns gestellt, vor uns stand auch noch einer – wir waren umzingelt haben aber trotzdem sehr gut geschlafen – vor allem deshalb, weil in der Hecke hinter uns die ganze Nacht die Vögel gezwitschert haben. Was war denn mit denen los?

Egal – gleich morgens beschließen wir, zügig zu einem Stellplatz in Ruoms – also etwa 15kkm weiter zu fahren. Die Voranzeige im Internet zeigt, dass bereits 75 von den 100 vorhandenen Plätzen belegt sind. Krass und das in der Nebensaison.

Wir ergattern ein Platz in der ersten Reihe und stehen damit direkt am Fluss Ardeche – heute kommen das erste Mal die Räder runter. Gut, dass wir sie die ganze Zeit mitgeschleppt haben.

Stellplatz in Ruoms und ab auf die Räder

Wo soll es hingehen? Mitten auf unserer Gebirgstour haben wir einen Radweg entlang einer alten Bahntrasse aufgetan. Die „Via Ardéche“. Von der Bahntrasse ist bis auf die Bahnhofsgebäude nichts mehr zu sehen aber der Radweg ist allererste Sahne. Ganz wenig Gefälle – das schaffen wir mit unseren Biobikes also sehr gut.

schön glatt und immer wieder gibt es Brücken – Radweg Via Ardéche

Von Ruoms fahren wir ausgehend von unserer Reiseroute nun quasi zurück, gen Norden. In 15 Kilometer Entfernung befindet sich das hübsche Örtchen Vogüé. Ein Klacks auf diesem Weg.

Unterwegs geht es durch einen Tunnel, dieser wurde bunt beleuchtet. Sehr nett und vor allem angenehm kühl da drin.

alter Bahntrassentunnel muss durchfahren werden

Ja und dann stehen wir schon kurz vor Vogüé auf einer Brücke hoch über dem Fluss Ardéche – rechts beeindruckende Felsen.

Felsformation bei Vogüé / Ardéche

Tja und da wir gestern bei Anfahrt oben auf der Kante Menschen haben stehen sehen, ist natürlich klar, dass wir da auch hochmüssen. Kurz vor der Brücke, auf der wir für dieses Foto gestanden haben, schließen wir die Räder an und folgen einem Trampfelpfad. Einen Wegweiser gibt es nicht – aber unserer gute Wander-App Mappy.cz – die kennt fast jeden Pfad.

Erst geht es entlang eines alten Steinbruches, ein paar alte Natursteinhäuser stehen auch umwuchert von Gebüsch in der Gegen rum und nach ein paar hundert Metern gucken wir schon auf den Ort Vogüé.

Blick auf Vogüé / Ardéche

Und das Gleiche nochmal mit Fotoshooting.

Gott sei Dank hat Marcus heute morgen im Bäcker eine Notfallration Schokobrötchen gekauft – die verspeisen wir jetzt bei schöner Aussicht.

Dann wollen wir uns mal das Örtchen Vogüé etwas genauer anschauen. Wir schlendern mit unseren Rädern durch die Gassen. Das ist leicht beschwerlich, geht aber.

Vogüé – Bummel durch die mittelalterlichen Gassen

Vogüé hat übrigens fast keine Tagesparkplätze für Camper – ein Grund, warum wir es uns mit Rad erschlossen haben. Zeltplätze gibt es in der Gegen Unmengen.

Die alten Gassen wirken gepflegt, Weinlaub oder Rosen ranken am Gemäuer, die Fensterläden sind wie gewohnt farbig. Irgendwo schmiegt sich ein Souvenirshop mit den üblichen Mitbringseln in eine Biegung. Magnet, Mützen, Kunst.

Eine Stadtführung ist unterwegs, bestaunt die recht neuwertigen Rundtürme der Burg, wir stiefeln am französischen Erklärmonolog mit unseren Rädern vorbei.

Blick auf einen Turm der Burg in Vogüé

Überall dort, wo die Sonne hinscheint, ist es glühend heiß – kaum zum Aushalten. Die Lust auf ein Eis steigt – Räder angeschlossen und ab ins Cafe. Gegen 16.00 Uhr gibt es wie gewohnt ohnehin nichts anderes zu essen.

Wir stammeln unsere Bestelltung zurecht, dieser Kellner war der Erste auf dieser Reise, der kein Englisch gesprochen hat. Da die Eissorten auf einer großen Tafel angeschrieben sind – lesen wir das einfach vor.

regionales Eis – jeder 3 Kugeln, dazu jeder ein Espresso – ca. 17,00 Euro / Wasser gibt es ungefragt und gratis dazu

Wir gehen noch kurz runter an den Fluss und dann machen wir uns allmählich auf den Rückweg. Es geht auf 17.00 Uhr zu, wir brauchen noch Baguette fürs Abendessen – irgendwo müssen ja unsere Unmengen an Käsesorten drauf – in Saint-Maurice-d’Ardèche können wir über einen kleinen Abstecher eins kaufen. Eigentlich kaufen wir immer zwei. Ich meckere ein bisschen mit Marcus, da er schon wieder mit Schokobrötchen aus dem Bäcker kommt – aber sein Instinkt soll uns später noch nützlich sein.

Es geht wieder auf den Radweg und wir nehmen uns einen weiteren Abstecher vor. Mittelalterliche Orte gibt’s hier ja en masse – aber die Beschreibung zum Dorf Balazuc klingt einfach gut. Wir biegen 2 Kilometer vom Radweg ab. Sobald man das tut – gibst Höhenmeter. Er strampeln bergauf – um kurz darauf wieder hinab – direkt ins Dorf zu rollen. Eins der vielen „Les Plus Villages de France“ – besonders malerische oder historische Dörfer können diese von einem Verein verliehene Auszeichnung erhalten. Balazuc hat sie bekommen – na mal schauen.

Was uns hier besonders ins Auge sticht, sind viele Rundbögen, durch die man hindurchspazieren kann. Das Dorf ist auf jeden Fall richtig sauber restauriert – da wackelt kein Stein auf dem Fußweg, wie bestellt rankt das Weinlaub und sogar am Abend stolpern noch Touristen umher, ein Restaurant ist auf der Terasse voll besetzt und es gibt einen kleinen Shop, wo man Getränke in Flaschen, Obst und kleine Snacks kaufen kann. Der hat sogar noch offen und wird uns später, kurz vor Abfahrt noch eine Flasche Wasser einbringen. Glücklicherweise.

 

Rundbögen im Dörfchen Balazuc

Und noch ein Rundbogenblick:

Das Dorf thront weit oberhalb des Flusses Ardéche, wir spazieren über die recht lange Brücke – direkt auf eine massive Felswand zu. Wahnsinn.

Felswand gegenüber von Balazuc

Unter der Brücke liegt eine leicht bekleidete Frau auf einem Mann, weiter drüben sind Kanus gestapelt, weitere wenige Leute sitzen auf dem kleinen hellen Strand unterhalb der Brücke und schwupp stehen wir drüben und haben einen tollen Blick auf die Altstadt. Hat sich der Abstecher doch auf jeden Fall gelohnt.

Blick auf Balazuc / unterhalb fließt die Ardéche, die für Mai und unser Dafürhalten erschreckend wenig Wasser mit sich führt.

Die Müdigkeit schlägt zu – zurück am Fahrrad killen wir die 2 bemeckerten Schokobrötchen und kaufen noch eine Flasche Wasser. Das gibt uns Energie bis zum Camper – der steht ja immer noch  in Ruoms. Das sind von Balazuc wohl was bei 10 Kilometer – erst mal aus dem Dorf raus den Berg hoch um ihn dann wieder runterzufahren– runterzurasen.

Weiter gehts auf der Via Ardéche – und was ich noch gar nicht erwähnt habe – vorbei an vielen Weinhängen. Schaut richtig schön aus…

einer von unzähligen Weinhängen an denen wir vorbeigedüselt sind

…riecht aber leider richtig chemisch.

Und: Ich meine, wir sind ja relativ schmerzbefreit – aber nicht ohne Grund stehen wir in dieser Region auf einem offiziellen Stellplatz.

So aber nicht dieser Camper, der auf dem kommenden Foto zu sehen ist.

Die richtig guten Freistehplätze sind hier rar – da nimmt man halt im Zweifel auch einen, der direkt an einem dieser müffelnden Weinfelder und direkt neben dem Abfallplatz und dem noch nicht genug – die Nationalstraße im Rücken hat. Wer‘s mag!

schmerzbefreiter Freisteher – wird sind es nicht, unser Auto ist weiß (also in der Grundfarbe – im Moment eher grau)

Jeder wie er mag.

Wir raseln weiter – genießen, dass nun etwa gegen 19.30 kein Tourist – allenfalls vereinzelte Einheimische walkend, mit Hund oder Rad auf der Via Ardéche unterwegs sind.

Selbst für mindestens 3 Hofhunde sind wir zu spät dran – wir werden beim Vorbeifahren angekläfft – das war mittags nicht der Fall. Für die Hunde stellen wir also zu der Uhrzeit eine Unregelmäßigkeit klar.

Und dann endlich die Ankunft.

Wir finden es zwar ein klein wenig befremdlich, inmitten so vieler Camper zu stehen – hier klappt eine Tür, dort poltert es, weil noch irgendjemand sein Auto umstrukturiert. Im Grund ist es jedoch recht ruhig – kein Partyverhalten, wie man es auch auf solchen Plätzen kenne.

Seltenerweise übrigens ein Stellplatz (kein Campingplatz wohlgemerkt) mit Dusche – die direkt im Preis von 17,20 pro 24h inkludiert ist. Da kann man nicht meckern.

Bei uns quaken heut zur Abwechslung mal die Frösche am Rande der Ardéche – und so sage ich gutes Nächtle – die brauche ich nach der heutigen Tour wirklich, schönen Tag und bis zur nächsten Wegmarke.

  • Fahrrad fahren: 40,3 km
  • Kilometer gegangen: 10,2 Km
  • Schritte: ca. 15570
  • Höhenmeter: ca.  200 Höhenmeter
  • Ausgaben: hui, heute wurde das Taschengeld wieder überdurchschnittlich geschröpft – Gesamt: 42,80 (für Stellplatz, Eis essen, Baguette, Schokobrötchen und eine Flasche Wasser)

Tag 18: Hallo Mittelalter, 3 Ortsbegehungen und ein Wasserfall ohne Wasser

Tag 18 wird gerade bearbeitet…

Ich sag´s Euch, wir gönnen uns aber richtig was auf dieser Tour, zum Beispiel eine gepflegte Übernachtung auf einem Wanderparkplatz. Das sah dann heute morgen so aus. Die Nacht war an diesem Fleck extrem still.

Übernachtung auf einem Wanderparkplatz

Und los geht die Tour – wie man auf Foto eins schon sehen kann, hat uns das Wetter auch heute richtig gut getan. Die Temperaturen gingen auf bis zu 25°, seit langem mal wieder T-Shirt-Wetter und man merkt, dass wir doch nun ganz schön weit im Süden des Landes sind.

An diesem Montagmorgen geraten wir in die Geschäftigkeiten, die ein Montagmorgen nun mal überall auf der Welt so mit sich bringt. Erst stehen wir kurz im Stau, weil der Belag neu asphaltiert und mit Split bestreut wird. Dann halten wir kurz, weil der Randstreifen von Gras befreit wird.

Und für schöne Blicke stoppen wir sowieso gern.

Zum Beispiel an diesem schönen Ort – die Landschaft samt dieser aus Naturstein bestehenden Häuser ist einfach schön.

Kurzer Fotostop in Burzet

Oder hier:

Gibt es orangefarbenen Mohn? Der Blick in die grüne Ferne ist klasse – kurz vor der Ortschaft Meyras

Und dann kommen wir in Meyras an. Wir parken am Sportplatz, gleich nebenan ist ein Gesundheitszentrum. Ein Therapeut lässt zwei Patienten zwischen einem abgesteckten Bereich hin- und herlaufen. Die ältere Dame tut mir leid, sie zeigt auf ihren Rücken, der scheint weh zu tun – nie im Leben würde ich sie samt ihrer Gehhilfe so hin- und herscheuchen. Erst mal paar Dehnungsübungen, dann ginge das Laufen vielleicht besser. Aber ich mische mich mal nicht ein.

Wir gehen ins historische Zentrum, welches an diesem Morgen nahezu ausgekehrt aber gepflegt erscheint. Glatt geschliffener Naturstein samt bunter Fensterläden. Irgendwo ist ein Atelier geöffnet und weiter oben singt ein Frau, so wie es klingt – muss sie noch etwas üben. Ups, habe ich das laut gesagt?

Meyras – das historische Zentrum nahezu menschenleer
typisch für den Ort sollen die Rundbögen sein

Paar Läden gibt es natürlich auch und weil Marcus etwas im Krämerladen kaufen möchte, stellt er sich mit an:

anstehen im Krämerladen

Wir finden einige dieser wirklich hübschen und auf alt gemachten Wandbilder. Sie stellen verschieden Gewerke oder auch ein Wirtshaus dar.

Wir spazieren durch die Gasse. Im Ort gibt es ein kleines Eisenbahnmuseum und der Ort ist wohl berühmt für sein Thermalanstalt. All das lesen wir nur, stromern noch kurz zur Kirche.

katholische Kirche Saint Etienne / romanischer Bau

Da wir noch Schokobrötchen im Auto haben, die weg müssen – kochen wir uns da einen Kaffee und bestaunen mal wieder den ohrenbetäubenden Lärm zweier Militärjets, die weit oben über dem Ort Kreise fliegen. Man man man. Das klingt gruselig aber man muss sich immer wieder daran erinnern, dass diese Piloten die Abwehrmanöver etc. üben müssen.

Wir verlassen den hübschen Ort, dem man durchaus deutlich mehr Zeit widmen könnte.

Weiter geht es nach Jaujac – hier soll es eine tolle Basaltformation geben – dass der Ort ebenfalls mehr als sehenswert ist, hätte man ja ahnen können. Wieder stolpern wir gut 2 Stunden umher. Traumhaft schön.

Blick vom Aussichtspunkt auf die Basaltformation von Jaujac

Und natürlich wollen wir gern runter. Den offiziellen Weg verschmähen wir – kämpfen uns mal wieder einen rutschigen Trampfelpfad durchs Gebüsch – egal, wir kommen an.

Basaltformation von Jaujac / vulkanisch geprägtes Gestein

Dann gehts in die Stadt. Hui ist die schön und irgendwie rieht es hier und da nach Essen – aber alle Restaurants sind zu, keiner will uns was geben. Dann knipsen wir dem Ort halt wie immer die Seele aus dem Leib.

Gasse in Jaujac
alle Restaurants haben zu – öffnen erst später wieder, ganz typisch für Frankreich. Die Fensterläden sind auch hier schön bunt.

Der normale Montag ist auch hier im Gange. Irgendwo wedelt Bettwäsche zum Trocknen, eine Katze schnurrt durch ein Balkongeländer, Männer spielen Boule auf dem Marktplatz und ich besuche mal wieder eine dieser Hocktoiletten.

Zwei Punkte gibt es – wo man aus meiner Sicht den schönsten Blick hat.

Von der Brücke – hier muss man sich etwas beeilen, denn alle Nase lang kommt von hinten ein Auto. Auch wir sind über diese Brücke gefahren – die Schönheit dieser Ort lässt sich kaum in Worte fassen.

Blick auf die am Hang stehenden Häuser von Jaujac

Wir gehen durch diese am Hang stehenden Häuser hinauf. Der Weg hinauf und auch der Blick nach unten auf die Stadt ist sehr schön.

Blick von oben auf Jaujac

Dann ist es schon was bei 15.30 Uhr, wir suchen uns einen Parkplatz mit Sonne und kochen paar Nudeln.

Die Fahrt geht noch etwas weiter südlich, wir kommen nun in eine Region, die etwas touristischer ist.

Wir parken in Rochecolombe.

Eigentlich war Marcus scharf auf Wasserfallfotografie – aber das war heute ein Flop. Der Wasserfall allenfalls ein tröpfelndes Rinnsal.

der nicht vorhandene Wasserfall von Rochecolombe – allein die Felsen, wo er sich durchdrückt, sind atemberaubend

In Rochecolombe sind wir nun wirklich im Mittelalter angekommen. Hier scheint das Motto zu lauten: „Aus alt mach neu“ – wir steigen einen absolut unwegsamen, mittelalterlichen Pfad bergauf. Wieder sind wir allein – links und rechts des Weges Ruinen, allesamt sehen irgendwie einsturzgefährdet aus. Aber auch im Bau befindliche Häuser oder bereits restaurierte Häuser stehen da. Interessanter Mix.

unterwegs im mittelalterlichen Rochecolombe – hier war der Weg sehr gut

Oben auf dem Berg angekommen hat man Blick auf die Reste der Saint Barthélemy – Kirche, sowie ein Beobachtungsturm und im Hintergrund die Felsformation rund um den Wasserfall. Irre Lage hat dieser Ort.

Ein Teil ist schon restauriert.

Saint Barthélemy – Kirche in Rochecolombe

Ganz oben au dem Berg stehen noch die Reste der Burgruhine – und von hier hat man einen schönen Ausblick. Die Sonne brennt und blendet die Linse.

Auch wieder ein schöner – aber in der Struktur nochmal ganz anderer Ort. Uff – über jeden einzelnen könnte ich selbst nach den paar Minuten Streifzug je eigenen Berichte machen.

Hinter mir ruft allerdings mein Kopfkissen – deswegen sage ich jetzt erst mal Gutes Nächtle, schönen Tag und bis zur nächsten Wegmarke. Sagte ich schon, dass die Ardeche uns recht gut gefällt?

  • Schritte: ca. 12650
  • Kilometer: ca. 8,8 km
  • Höhenmeter: ca. 200
  • Ausgaben: 2 Euro für 2 Baguette

 

Tag 17: Kletterpartie, ein idyllischer See und ein Wasserfall

Hey willkommen zurück hier auf unserer Reise. Zurück war heute auch die Sonne – wir konnten es kaum glauben und beginnen diesen schönen Morgen auf dem kostenfreien Wohnmobilstellplatz in Lachamp-Raphael. Wir sind ein wenig müde – gegen 3.00 Uhr kam ein Fahrzeug mit lauter Musik und stiefelten Leute mit Stirnlampen um ihr Auto und leuchteten dabei natürlich den Parkplatz aus. Nicht so schön aber das Feiertagswochenende wirkt sich aus.

Das gestern etwas geisterhafte Dorf erwacht zum Leben, Einwohner bringen ihren Müll zum hinter dem Stellplatz befindlichen Müllplatz – immer dann bellt sich ein Hund die Seele aus dem Leib. Wir sehen Menschen, und mit Sonne schaut sowieso alles freundlicher aus.

Stellplatz in Lachamp-Raphael

Dann kurven wir los. In etwa 15 Kilometer nördlicher Richtung gehts nun zu einem See, dafür geht es kurvenreich, auf schmaler Straße und konsequent bergab.

Der See ist schön gelegen. Geschützte Kessellage – das bringt die Temperaturen auf 21° Grad. Eine Gruppe hat sich gerade zum Baden in den See begeben – es herrscht französisches Geschnatter und Gelache – hier erholen sich also die Franzosen. Der Ginster blüht üppig, Unmengen an gelben Lilien stehen am Ufer, ein Junge angelt. Grüppchen von Menschen machen Picknick, grillen. Man spürt, dass heute alle das gute Wetter und den freien Tag genießen.

Lac de Saint Martial

Oberhalb vom See liegt malerlich ein Ort.

Saint Martial – wir spazieren mal hoch.

Ein süßer, gepflegter Ort. Die Gardinen wirken modern, hängen akurat genäht, ein freundlicher, älterer Herr bestätigt im Vorbeifahren, dass der Blick auf den See gut ist. „Tres Bien“ – ruft er aus dem Auto und deutet dabei auf den See.

Blick auf den Lac / See Saint Martial – ein kleiner aber hübscher See

Im Ort gibt es den üblichen Bäcker, die übliche Kirche und auch hier wird im Hinterhof gegrillt und die Wäsche im guten Wetter wedelnd getrocknet.

Wir gucken mal in die Kirche.

Kirche in Saint Martial

Nettes Fleckchen Erde, wir fahren trotzdem weiter, denn wir haben noch mehr auf dem Zettel.

Wieder etwa 20 Kilometer weiter – macht uns das Auto fertig. Es klebt sich vor diesem Vulkanhubbel fest und will, dass wir da hochlaufen.

Knatterinchen parkt selbstbewusst vor dem „ Mont Gerbier de Jonc“

Ok. Dann laufen – äh – klettern wir da mal hoch. Der Weg ist extrem unwegsam und übertrifft an Wegbeschaffenheit alles, was wir in diesem Urlaub erlebt haben. Gott sei Dank liegt die Strecke wohl bei etwa 500 Meter – ja aber eben senkrecht gut 100 Meter hinauf.

Das sah dann praktisch so aus:

Wir klettern auf den „ Mont Gerbier de Jonc“ – immer den blauen Pfeilen hinterher

Oder es gab auch mal ein Seil:

Mont Gerbier de Jonc – am etwas zu schlaffen Seil entlang

„Er“ schafft es in 14 Minuten, sie in 19 – der Puls ist einmal kurz hochgeschossen, denn die Stufen über die Felsen waren teilweise so hoch wie mein Bein. Beim 360° Ausblick, darf sich der Körper kurz erholen. Ein fantastischer Ausblick.

Blick vom Mont Gerbier de Jonc – 1554 Meter hoch / 11° Grad
Ein weiterer Blick vom Gipfel des Mont Gerbier de Jonc

Die Landschaft der Ardéche ist interessant, vulkanisch geprägt – überall ragen so kleine Kuppen auf.

Gut, da es nicht allzu heiß ist, steigen wir wieder ab denn am Fuße des Berges gibt es eine weitere Bes0nderheit. Dafür müssen wir auf die andere Straßenseite – der heute extrem vielbefahrenen Straße. Wir hätten gern gewusst, wo die alle herkommen oder wie sie hinwollten – Heimreiseverkehr vielleicht.

Schwupp. Unten und andere Straßenseite und ein altes Haus.

Ein altes Haus.

Schaut man in die Tür hinein, findet man: Tataaa – die Quelle des Flusses Loire. Mit 1006 Metern ist die Loire Frankreichs längster in den Atlantik mündende Fluss.

Rechts an der Wand steht „Source“ (= Quelle). Die Quelle ist kameraüberwacht – oder der Eingang des Regioladens.

Quelle der Loire

Im Regioladen riecht es rauchig nach Ofenfeuer und gibt es alles was das Herz begehrt. Wurst, Käse, Spielzeug, Honig, Linsen, Holzschnitzerein, Schneidebrettchen touristisch aufgearbeitet. Viel jedenfalls.

Zum Shoppen wechseln wir nochmal die Straßenseite, denn hier haben regionale Händler in kleinen Buden ebenfalls tolle Sachen. Es geht immer um Wurst, Käse, süße Teilchen, Honigprodukte und sogar Süßkirchen für 8,00 Euro das Kilo werden bereits verkauft.

Da parken, Toilette, Aufstieg auf den Berg und auch Quellenbesichtigung komplett kostenfrei ist – wollen wir wie immer zumindest etwas Geld in der Region lassen. Bei den Familienbetrieben ist es immer gut platziert. Wir stehen mal wieder am Käsestand – dieser ist von Familie Alix aus St. Eulalie.

Käsestand der Familie Alix – Ziegenkäse ist hier hoch im Kurs aber es gibt auch Kuh / beides in verschiedenen Reifegraten

Tja und man kann den Mann einfach an solchen Ständen nicht alleine lassen. Ich war schon mal zum Auto vorgegangen – und was kommt außer Käse auch noch mit? Ein Törtchen – wieder in einer Pappschachtel.

Diesmal gibt es Heidelbeere, wir teilen uns eins als Dessert nach Couscous mit Feta, Gurke, Tomate und Ei.

Heidelbeertörtchen

Abfahrt zum nächsten und letzten Wegpunkt des Tages. Der Ray-Pic Wasserfall. Wieder so eine faszinierende Naturerscheinung. Um ihn zu betrachten müssen wir nochmal paar Treppen hoch- und runtersteigen – die Beine sind schon ordentlich müde aber es ist nicht weit und die baslatgeprägte Gegend auf jeden Fall einen Stop wert.

Weg zum Wasserfall, links die Basaltfelsen

Es gibt zwei Plattformen und es ist am Abend so gut wie nix mehr los, ein schnelles Selbstauslöserfoto.

Ray-Pic Wasserfall / 30 Meter hoch

Und nochmal eins vom Wasserfall alleine – die Basaltsäulen, durch die er sich durchquetscht, sind einfach irre.

Ray-Pic Wasserfall / 2 Fallstufen (die obere, nicht sichtbare 60 Meter hoch, der untere sichtbare Teil 30 Meter)

Und dann ist es gut nach 18.00 Uhr – wir sollten mal langsam einen Schlafplatz suchen. Wir sind gut geschafft vom Tag aber es ist schön, wie ein wirklich dunkler Fleck auf der Landkarte – die Ardéche war mir vorher so überhaupt nicht bekannt – wie so ein dunkler Fleck sich langsam zu einem Gesamtbild zusammensetzt.

Nun sage ich erst mal Gutes Nächtle, schönen Tag und bis zur nächsten Wegmarke.

  • Schritte: ca. 13.000
  • Kilometer: ca. 9 Kilometer
  • Höhenmeter: ca. 250 Höhenmeter
  • Ausgaben: 10,00 Euro für 3 Stück Käse und ein Törtchen

Tag 16: Walnüsse, eine süße Versuchung, Saint-Nazaire-en-Royans und ein Sprung gen West

Der Tag war lang, jetzt ist es spät – bereits nach 22.00 Uhr – mir klappen fast schon die Augen zu aber meinem Blog und seinen Lesern bleibe ich treu – denn es gibt mal wieder eine Menge zu berichten.

Gemütlich geht der Tag los – es ist wohl so gegen 11.00 Uhr als wir endlich vom Campingplatz in Cognin-les-Gorges abreisen. Im gleichen Ort besuchen wir als erstes einen hübschen Laden, der sich ganz der Walnussproduktion verschrieben hat. Walnüsse sind „das“ Thema in der Region. Überall links und rechts der Straße sind große Walnusshaine oder sagt man Plantagen? Ich weiß es gar nicht. Endlos fliegen sie jedenfalls an uns vorbei.

Walnussplantagen nördlich des Vercors

Wir gehen regional shoppen.

Knatterinchen parkt neben der großen Walnuss – im Hintergrund nochmal die Schlucht Gorge-du-Nan um die es gestern ging

Der Laden „La Noix“ wirkt gepflegt, der sehr höfliche Mann, der uns einlässt – muss trotz der Öffnungszeit erst mal die Tür aufschließen. Ich frage vorsichtshalber mal, ob ich ein Foto machen darf.

Walnuss-Shop in Cognin-les-Gorges

Dann fahren wir kurz zu Mülltonnen – im Vercor sind die Orte dahingehend hervorragend aufgestellt. Und auch Lidl paar Orte weiter statten wir einen kurzen Besuch ab.

Dann geht es ins kleine, feine Örtchen Saint-Nazaire-en-Royans. Hier lockt uns der Äquadukt aber der Ort hat noch mehr zu bieten.

Wir spazieren durch die alten Gassen – hier lebt man noch, Gott sei Dank gibt es sie – die Orte, die noch nicht komplett vom Tourismus aufgefressen werden. Beete in Vorgärten zeugen davon, auch Stapel von Schuhen hinter Reegnrinnen geklemmt oder der Duft von frisch gewaschener Wäsche. Hm.

Saint-Nazaire-en-Royans – am Rande des Naturpark Vercors

Der Ort ist klein, schnell durchwandert und liefert von verschiedenen Punkten einen tollen Blick auf den Fluss La Bourne. Irre, wie mächtige der ist – letztes Jahr sind wir durch die Schlucht der Bourne gefahren (siehe Videos bei YouTube).

Blick auf den Fluss „La Bourne“ die in Saint-Nazaire-en-Royans In die Izere mündet, tolles Wetter hatten wir heute

Tja und dann werden wir angelockt. Wir sind uns sicher, die Boulongerie (Bäckerei) verströmt Aroma vorm Laden. Wir müssen einfach rein – kleine zauberhafte Tortelettes lachen uns an.

Theke mit Tortelettes – auch hier habe ich sicherheitshalber gefragt, ob ich ein Foto machen darf

Dazu bekommen wir einen fantastischen Kaffee. Leider reicht mein Französisch nicht, sonst hätte ich gefragt – was ein volles Tässchen kostet. Die zwei überaus leckeren Törtchen und 2 Kaffeekosteten was bei 10,00 Euro.

auf die Kanditaten fiel unsere Wahl

Durche eine Unterführung kommen wir zu so etwas wie einem kleinen Hafen – auf dem Weg dorthin gibt es etwas Streetart. Freue ich mich ja immer, wenn schöne Bilder an Wänden sind.

Streetart in Saint-Nazaire-en-Royans

Hier gäbe es eine weitere Höhle, hier befindet sich das Tourismusbüro und hier kann man augenscheinlich Rundfahrten mit Booten machen.

Und von hier hat man einen der besten Blicke auf den Äuqadukt.

Blick auf das Ausflugsböötchen und die Äquadukt von Saint-Nazaire-en-Royans

Da fällt mir ein, ich könnte die Toiletten benutzen – hier ist gewisse Sportlichkeit gefragt. Lange nicht mehr gesehen aber es gibt sie noch, die traditionellen Hocktoiletten.

Pinkeln auf altmodisch

Wir ziehen weiter. Unsere Route führt uns nun gen West. Wir tanken in Valenc bei InterMarche (die Supermarkttankstellen sind auch hier häufig deutlich günstiger).

Diesel – Gazole – ca. 40 Liter / Preis pro Liter: 2,09 Euro

Für eine Mittagsrast – ups, doch schon 15.30 Uhr – öffnet sich die Schiebetür auf einer Rhoneinsel.

Heute hat Freshona, die Haumarke von Lidl für uns gekocht. Mal wieder eine Asia-Tüte mit Couscous. Lecker.

Hinter uns führt die Straße über den breiten Fluß. Einige Einheimische halten an dieser Stelle ein Nickerchen. Die Temperaturen klettern dank Sonne auf 17° Grad, sehr angenehm aber stark windig.

Blicke auf den Fluss Rhone

Danach lassen wir uns durch ein Google-Symbol, was eine Aussicht verprach ein wenig in die Irre führen. Macht erst mal nix – wichtiger zu erzählen ist:

Unsere Tour hat uns nun vom Vercors in den „Regionalen Naturpark Ardeche“ geführt. Im Norden der Ardeche erheben sich die Gipfel von paar Hundert auf bis zu über 1000 Metern. Die Landschaft wird karg, der Ginster blüht, die Häuser, die Leitplanken, die Brücken – alles ist hier rustikal aus Naturstein gebaut.

Und wir irren ewig über sehr sehr schmale Land- / Bergstraßen auf denen die wenigen Einheimischen nur so um die Ecke gekachelt kommen.

schmale Straßen in der Ardeche

Die Übernachtungsplätze dünnen sich aus. Aber es ist kein Problem einen zu finden. Und wie fast immer ist der auch noch kostenfrei.

In der Beschreibung steht: Hübsches, höchstgelegenes Dorf der Ardeche auf +/- 1320 Metern.

Dann schauen wir doch mal. Hm. Gespenstisch hätte es wohl eher getroffen. Von den wohl 70 Einheimischen sehen wir nicht einen. Die Kirche bimmelt 19.00 Uhr 3x  drei Schläge, etwas wirr.

Holzschnitzkunst steht herum, viele Häuser stehen leer und / oder zum Verkauf.

Nanu – das haben wir in Frankreich selten gesehen.

kleines, altes Dorf

Aber es gibt noch ein Ziel – 19.00 Uhr ist der Tag ja noch lange nicht zu Ende. In 1,5 Kilometern gibt es noch einen Gipfel zu besteigen. Was bei hundert Höhenmetern gilt es zu bezwingen.

Dann stehen wir zusammen mit den 3 Kreuzen oben und haben einen fantastischen Rundumblick. Mega.

auf dem Gipfel des Montivernoux / Foto: M. Kahl

 

Weitblick vom Gipfel des Montivernoux

Tja aber je weiter oben man ist, desto kälter ist es natürlich auch. Bei schlappen 4° tapern wir zum Auto zurück. Marcus pimpt unseren Frostwächter, damit der in der Nacht nicht alle Leitungen entleert und Gott sei Dank geht nach dem Ziehen der Sicherung auch die Standheizung zuverlässig wieder an, so können wir es uns schön warm im Auto machen. Vielleicht surrt die Dieselheizung zu laut – jedenfalls fährt ein Camper wieder weg, der kurz nach uns kam und eigentlich schon alles zugemacht hatte. Hm. Weiß man nicht.

Ein langer, schöner Tag mit ganz verschiedenen Eindrücken geht zu Ende.

Nun sage ich Gutes Nächtle und schönen Tag – bis zur nächsten Wegmarke – wir erkunden weiter die Ardeche. Bleibt gespannt.

  • Ausgaben: oha – heute haben wir unser komplettes Taschengeld „offn Kobb geglobbt“ (Einkauf im Walnussladen ca. 60 Euro / Törtchen essen ca. 10,00 Euro / Tanken: ca. 83,00 Euro
  • Schritte: ca. 10377 Schritte
  • Kilometer: 7,3 Kilometer
  • Höhenmeter: ca. 150 Höhenmeter

Tag 15: Vercors Klappe die Zweite, Grottenolme und Aprilwetter

Halbzeit. Heute sind wir 2 Wochen unterwegs. Eigentlich wollten wir wandern – der Regen macht uns einen Strich durch die Rechnung – gut, dann nehmen wir doch das Auto und durchfahren zunächst eine Schlucht. Es geht straff  und auf einer schmalen Straße bergauf. Leitplanken sind Mangelware. Gott sei Dank kommt keiner entgegen – der Tunnel der Nan-Schlucht ist aufregend, wir fahren erst mal nur durch. Später am Abend werden wir wiederkommen.

Die Straße schraubt sich weiter den Berg hinauf, das Thermometer fällt – auf 1° Celsius.

Huhuhu.

Kalt und aus Regen wird Schnee. Auf 1295 Meter steigen wir kurz aus, weil wir es kaum glauben können. Es schneit. Verrückt.

Schnee in den Höhen des Vercors / Mai

So hübsch das Weiß auf dem frischen Grün des Frühlings auch ausschaut – ich will so schnell wie möglich wieder runter. Man weiß ja nie, was noch kommt. Alles geht gut – wir kommen am nächsten Tunnel an, hier klart es ein wenig auf. Wir gehen auf der wenig befahrenen Straße spazieren und vor allem fotografieren.

Tunnel von Presles / Vercors

Paar Serpentinen weiter gibt es einen schönen Aussichtspunkt. Der Col de Toutes Aures – hier klart es richtig auf. Die Sonne schickt wärmende Strahlen, Knatterinchen klebt sich fest und genießt die Aussicht. Wir bleiben bestimmt eine Weile hier stehen.

Knatterinchen klebt sich fest

Es kommen 2 Radfahrer, 2 Motorradfahrer, 2 Autos und zwei Wanderer. Nicht viel los – kleines Hüngerle stellt sich ein – spartanisch aber mit guter Aussicht gibt es für jeden 200 Gramm Skyr und 2 Käsescheiben, dazu einen Kaffee.

einen Michelin-Stern bekommen wir bestimmt nicht für diese Mahlzeit aber die Aussicht auf die steil aufragenden Felswände des Vercors ist einfach einmalig.

Wir haben ein richtiges Dejavu – im Vercors hatte es uns letztes Jahr richtig gut gefallen. Die noch fehlende Schlucht haben wir abgearbeitet und weil es noch regnet, entschließen wir uns eine „der“ angesagten Grotten des Vercors zu besuchen.

Schon die Google Beschreibung sagt, dass deutlich mehr Leute da sind als sonst – klar. Es regnet und ist Feiertagswochenende.

Wir fahren trotzdem hin, mal gucken ob wir noch reinkommen.

Kurz vor dem Abzweig zur Höhle stoppen wir und feiern diese Felsformation – darin befindet sich eine Höhle, die wir letztes Jahr erkundet haben (siehe YouTube-Video).

Kurzer Stop um in Erinnerungen zu schwelgen

So und dann stehen wir am Parkplatz, der aus den Nähten zu platzen schein. Voll.

Parkplatz an der Grotte de Choranche

Es ist 14.40 Uhr – am Ticketschalter bietet man uns ein Ticket für 16.40 Uhr an. Ok – machen wir und vertreiben uns die Zeit im Auto und mit fotografieren.

Am Eingang der Grotte de Choranche

Pünktklich zum Tourstart stehen wir da – mit uns etwa 50 weitere Menschen. Irgendwo fragt der Guide ganz leise, ob alle französisch sprechen – nein – wir nicht. Aber das bekommt er gar nicht mit. Später dürfen wir uns dann einen deutschen Audio-Guide holen. Und dann gehts rein.

Die Höhle ist auf jeden Fall beeindruckend – ich kann mich nicht erinnern, was Vergleichbares je gesehen zu haben. Die Höhle ist vor allem für ihre spaghettiähnlichen Stalaktiten berühmt – das schaut wirklich irre aus.

ganz feine Stalaktiten in der Grotte de Choranche
Stalaktiten – das Highlight dieser Höhle

Irre sind aber auch die Massen, die hier durchgeschleust werden. Wir sehen die 50 Leute die vor uns laufen – und später auch die, die nach uns kamen. Klaustrophobisch sollte man hier nicht veranlagt sein.

Massen über Massen in der Grotte de Choranche

Eine weiter Besonderheit sind die „Grottenolme“ – die in absoluter Dunkelheit leben. Wir müssen penibel darauf achten, dass die Kamera nicht blitzt – tatsächlich bekommen es alle 50 hin.

Schauen, nunja – nicht unbedingt kuschelig aus. Sind aber Überlebenskünstler. Nur mit bisschen Drängeln kann man sich ein Foto ergattern.

Grottenolme in der Grotte de Choranche

Das große Finale kommt im größten Raum. Eine animierte Lichtshow. Dafür müssen sich alle eine lange Treppe hochquälen, dann dürfen wir alle auf so etwas wie einer Tribüne stehen und es wird dunkel in der Höhle.

Das bunte Gezaubere geht los – es ist noch keine Minute vergangen, sagt Marcus: So einen Kikifax brauche ich nicht.

Ja – das stimmt irgendwie. Ich bräuchte auch die Alkoholfahne meines Nachbarn und die eiskalten Tropfen auf dem Kopf nicht – aber ich komme hier für paar Minuten nicht weg.

Die reine Betrachtung der geologischen Strukturen war deutlich faszinierender. Aber nunja. Augenscheinlich brauchen Menschen diese Art der Unterhaltung. Schön bunt war es auf jeden Fall.

Licht-Show in der Grotte
Light-Show in der Grotte

Auf dem Rückweg passieren wir noch Pont-en-Royans – wieder klingelt es gewaltig in unseren Köpfen. Hier hatten wir damals übernachtet und das Dorf mit den am Fels hängenden Häsuern ausführlich erkundet. Heute kaufen wir nur Baguette. Ich checke natürlich nicht, dass es vom Vortag ist – dafür ist es günstig.

Und wir fahren ein weiteres Mal hinauf in die Nan-Schlucht. Die Sonne scheint und wir filmen die Durchfahrt… bis zu den Videos dauert es noch ein wenig.

Dann geht es zurück zum Campingplatz, den wir für eine zweite Nacht gebucht haben. Hier geht es locker zu. Unser Platz von gestern ist weg – stehen wir halt woanders. Ist uns auch recht.

Campingplatz in Cognin-les-Gorges

Ich muss nun zusehen, dass ich auf dem Handy ein wenig Speicherplatz frei bekomme und zu allem Übel hat sich heute die Standheizung verabschiedet. Mal schauen, ob das nur was kurzfristiges ist.

Ein Regentag, der dann irgendwie doch ganz schon wurde und viele schöne Impressionen für uns bereithielt. Besonders über den Höhlenbesuch freuen wir uns – unter normalen Umständen (also gutem Wetter) machen wir so etwas ja eher nicht. Nun hat sich das Bild zum Vercors noch etwas mehr vervollständigt.

Nun sage ich Gutes Nächtle, schönen Tag und bis zur nächsten Wegmarke.

  • Kilometer: ca. 6 Kilometer
  • Schritte: 9100
  • Ausgaben: 28,40 – 2 Tickets für die Höhle Choranche

 

 

 

 

 

Tag 14: alles Käse, wir verlassen den Jura, der lange Fluß Ain, ein Kreis schließt sich und dicke Wolken am Abend

Meine Herren – was war das für ein Wetter an diesem Herrentag. Wechselhaft trifft es am ehesten. Nach einer angenehm ruhigen Nacht zusammen mit 5 anderen Campern auf dem kostenfreien Womostellplatz oberhalb von Baume-les-Messieurs klopft uns unser Mitreisender, der Regen wach. Stört uns nicht weiter – heute wollen wir ohnehin ein Stück gen Süden fahren aber erst mal gehts in den nur unweit befindlichen Käseladen. Herrlich – das lieben wir an Frankreich. Für etwa 30 Euro kaufen wir 7 Sorten Käse und eine Wurst.

eine der Theken im Käseladen „Fromagerie Poulet“ im Örtchen Granges sur Baume

Wir durchfahren nochmal Baume-les-Messieurs, an vielen Stellen klingelt es jetzt im Gehirn – die schöne Asphaltstraße, die wir gestern Abend hochgelaufen sind, fahren wir wieder runter, das Kloster fliegt an uns vorbei und letztendlich das Ortsausgangsschild. Baume les Messieurs hat uns extrem gut gefallen.

Knapp 200 Kilometer soll es nun gen Süden gehen, Ankunftszeit laut google.maps etwa 16.00 Uhr.

So gern wir vorankommen – Pflichten müssen erfüllte werden. Müll muss raus, Pipi- und Feststoffbehälter sollten geleert werden. Das gelingt uns sehr gut in Orgelot bzw. dem dort befindlichen kostenfreien städtischen Wohnmobilstellplatz. Hätte man auch gut übernachten können. Recht herzlichen Dank an die Gemeinde.

Einen ersten Stop haben wir an einem Aussichtspunkt auf den Fluss Ain geplant.

Das Wetter spielt uns einen Streich, just in dem Moment regnet es mal wieder, kurz darauf graupelt es sogar. Ich mache ein schnelles Foto.

Fluss Ain / Belvedere de Cernon

Etwa 15 Mal wird dieser Fluss in seinem Verlauf aufgestaut, an einer riesigen Staumauer halten wir ein zweites Mal. Der Regen bleibt starkt – jetzt gibt es nur ein Blitzfoto aus dem Seitenfenster.

Staumauer am Stausee Vouglans / Fluss Ain

Wir folgen dem Gewässer gefühlt sehr lange dabei waren es letztendlich gar nicht so viele Kilometer, irgendwann führt die kleine Straße direkt am Ufer entlang und wir entdecken diese Haltebucht. Schwupp — da ist doch die Mittagspause gebont.

Ein Schiebetürfoto. Noch bei Ankunft regnet es, auf einmal knallt die Sonne – perfekt – heute gibt es Nudeln mit Pesto. Geht schnell, denn es ist bereits 13.30 Uhr – irgendwie kommen wir nicht von der Stelle.

Nudel mit Pesto und nein, wir werden für die Werbung nicht bezahlt.

Ich knipse ein wenig am Ufer rum. Richtig idyllisch dieser Ort. Dabei wird dieser Fluss regelrecht ausgelutscht – zur Stromgewinnung.

Doch nicht nur das. Auch Starkwasserereignissen möchte man mit den Aufstauungen begegnen.

Rast am Fluss Ain

Ich luge durchs Gebüsch – na huch, was liegen denn da für lustige Wasserfahrzeuge am Steg? Der Fluss schimmert türkis.

Fortbewegungsmittel auf dem Fluss Ain

Die Nudeln sind verspeist, alle Gegenstände wieder fahrtauglich verstaut – eigentlich könnten wir jetzt ein gutes Stück vorankommen aber nein: 5 Kilometer später stehen wir wieder – bisschen müssen wir wieder über uns selber schmunzeln – wie so oft – kommen wir einfach nicht voran, entdecken diesen extrem schönen Viadukt. Oben ist eine Bahnstrecke drauf, unten dürfen Autos drüber. Der Cize-Bolozon-Viadukt.

So, nun aber auf. Wir fahren durch dicht besiedeltes Gebiet. Normales Gewerbegebiet, Wohnsilos, dann wieder kleine alte Häuserzeilen.

Und Kreisverkehre. Ohne Ende Kreisverkehre – manchmal alle Kilometer einen. Immerhin gibt es dadurch keinen Stau.

Was sie in Frankreich auch mögen sind die Huckel auf der Straße, wo man zur Verlangsamung gezwungen wird. Gefühlt haben wir über hunderte bereits überfahren – nicht selten staucht das Fahrzeug beim runterfahren richtig schön runter. Autsch.

Auch sind uns die teilweise ellenlangen, schnurgeraden Straßen aufgefallen – ermüdend und faszinierend zugleich.

ewig lange geradeaus

Wir halten nochmal kurz für einen Kaffee und dann óle óle – schließt sich ein Kreis. Den Naturpark Jura haben wir hinter uns gelassen und stehen nun direkt am nördlichen Eingang zum Vercors – der Naturpark, der uns bei unserer letzten Frankreich sehr in den Bann gezogen hat (siehe YouTube-Videos).

Wir checken gegen 18.30 Uhr bei kühlen 10° Grad auf dem Campingplatz Cognin-les Gorges ein. Die Campingplatzbetreiberin spricht bestes Deutsch, das macht vieles leichter.

Wir erkunden gleich ein wenig die Umgebung, stehen damit direkt am Anfang der Nan-Schlucht – eine Schlucht, die wir damals nicht mehr geschafft hatten, weil sie uns zu weit nördlich lag.

Ein gewaltiger Anblick – wie sich die für den Vercors typischen steil aufragenden Felswände für diese Lücke auftun.

Gorges du Nan / Nanschlucht
gleiche Blickrichtung – zum Schluchtanfang

Was uns beim letzten Mal überhaupt nicht aufgefallen war – sind die Walnussbäume, die hier augenscheinlich ein großes Thema sind. Wir spazieren durch Walnusshaine und es gibt im Ort eine recht große Walnusstrockungsscheune, das scheint was besonderes zu sein – da sie genannt wird.

Tja und dann grollt es in der Ferne und spektakuläre Wolken ziehen auf. Ein Blitz zischt quer über den Himmel – eigentlich sollte diese Front knapp an uns vorbeiziehen – aber sie überlegt es sich anders. Dreht und schickt zumindest ein zweites Mal dicke Graupelkörner auf Knatterinchen. Ui ui ui – ein paar Augenblicke bete ich, dass die Dinger nicht größer werden. Aber der Himmel sah irre aus.

Unwetterfront

So – auch so kann so ein Reisetag ausschauen. Eigentlich haben wir nix gemacht und dennoch eine Menge erlebt.

Nun sage ich erst mal Gutes Nächtle und schönen Tag – tschüss – hier sagt man Au revoir! Bis zur nächsten Wegmarke.

  • Schritte: 6900 Schritte
  • Kilometer: ca. 5 km
  • Ausgaben: ca. 30,00 Euro im Käseladen und ca. 35 Euro Campingplatz

Tag 13: Baume Les Messieurs

Tag 13 muss ich sehr kurz fassen – ich bin froh, dass ich Tag 12 nachgeholt habe. Gerade ist es bereits 23.00 Uhr, der Regen drippelt aufs Dach.

Wir sind immer noch im Regionalpark Jura – im Örtchen Baume les Messieurs – eins der Dörfer, die man zu Frankreichs schönsten Dörfern zählt. Und das stimmt. Der Ort ist wirklich niedlich – ach was sage ich – irgendwie ist der Ort einzigartig. Denn er liegt umgeben von hoch aufragenden Karstgesteinswänden – ein einmaliges Setting, das uns schon beim Durchfahren sehr begeistert hat.

Also, Camper abgestellt. Oberhalb vom Ort gibt es einen offiziellen Womostellplatz und dann heißt es wieder mal Höhenmeter fressen – wir steigen etwa 180 Höhenmeter auf einer Länge von 2 Kilometern ab.

Blick auf das Kloster in Baume les Messieurs

 

Ort unterhalb von steil aufragenden Felswänden, sagenhaft

Wir besichtigen das Klostergelände und die Klosterkirche, bummeln ein wenig durch die kleinen Souvenirshops.

Dann durchstromern wir den Ort und fangen unzählige Blickmomente ein. Punkt 17.00 schließen alle Läden.

Tja und wie das mit uns immer so ist – dann entdecken wir das Schild: Wasserfall – 2 Kilometer. Nochmal wohl 80 Höhenmeter – na dann. Auf gehts. Wieder mal über dieses räudige, felsige Gestein, was dich straucheln lässt, was dich stolpern lässt, was dich abrutschen lässt – wir geben trotzdem Gas – denn eigentlich ist es auch auch wieder kurz vor 18.00 Uhr und im Rücken haben wir ja noch die 180 Meter hohe Felswand, wo unser Bett steht.

Aber auch diese Tour zum Wasserfall hat sich gelohnt – einer der schönsten Wasserfälle, die wir überhaupt jemals gesehen haben tut sich vor uns auf:

Kaskade von Baume / Kaskade des Tuffs – Foto: Marcus Kahl

Wir ignorieren mal, dass man diesen Wasserfall ganz locker mit Auto anfahren kann – sich so etwas zu erwandern steigert das Erlebnis, zumindest für uns.

Noch ein Blick in die Landschaft oberhalb vom Wasserfall stehend:

Gegen 19.15 treten wir den Rückweg an, durchwandern das nun menschenleere Baume les Messieurs – und steigen ob der unklaren Wetterlage statt wie abwärts den schmalen am Abhang entlang führenden Wanderpfad mal lieber über die unromantische Landstraße hinauf. 2 Autos und 1 Motorrad fahren vorbei, nicht viel los hier.

Wir gewinnen gegen den Regen – der setzt erst ein, als wir unser sicheres Autodach über dem Kopf haben.

Ich bin müde – so einen Tag ohne Höhenmeter fänden wir tatsächlich mal gut – mal gucken, ob wir das noch hinbekommen. Gutes Nächtle, schönen Tag und bis zur nächsten Wegmarke.

  • Schritte: 20400
  • Kilometer: ca. 14,3 km
  • Höhenmeter: ca. 400

Tag 12: auf Trinkwassersuche, schöne Mittagsrast und 2 Schluchten mit ganz vielen Wasserfällen

An Tag 12 kann ich grad nur berichten, dass er sehr schön war. Es ist 20.50 – wir waren die letzten, die eine der beiden Schluchten verlassen haben – leider ist das Netz am Stellplatz absolut grottig und so werde ich den Tag nachtragen.

Hier 2 Impressionen unserer Mittagsrast – richtig schönes Wetter heute aber früh starteten wir mit 3 Grad in den Tag!


Gutes Nächtle und schönen Tag!

Nachtrag Tag 12: Mit recht kalten 3° starten wir den Tag auf dem Wohnmobilparkplatz am Chateau de Joux, freundlicherweise darf man hier kostenfrei übernachten – recht herzlichen Dank. Wieder so ein Platz, den wir beim Vorbeifahren entdeckt und für gut befunden haben. Da die Womostellplätze recht schräg sind, stellen wir uns für die Nacht auf einen PKW-Parkplatz, parken dann aber morgens fix um – um keine Ärgernisse zu erzeugen. Ein weiterer Camper steht mit uns dort.

Chateau Joux – vielmehr der Parkplatz

Die Tour geht weiter – wir sind mittlerweile im „Regionalen Naturpark Oberer Jura“ angekommen und ab hier wird Frankreich einige seiner berühmten Wow-Momente ausrollen.

Tagesaufgabe ist es aber erst mal, Frischwasser zu tanken. Marcus findet ein bei google so bezeichnetes „Water tab“ – eine öffentliche Trinkwasserstelle in einem kleinen Ort. Die Gasse scheint so eng, dass ich mich gar nicht reinfahren traue. „Er“ tut sich mit so etwas deutlich leichter, fährt rein und wir haben eine erstklassige, saubere Trinkwasserversorgung. Kostenfrei. Irre. Danke an die Gemeinde.

Einziger Haken, der Hahn hat kein Schraubgewinde. Wir versuchen alle Varianten, die wir dabei haben um irgendwie das mit hohem Druck aus dem Wasserhahn schießende Wasser in unseren Tank zu bekommen – Schlauch ganz fest anpressen (Dusche inklusive), Kanister, Kanister mit Trichter, Kanister mit seiner eigenen Tülle – irgendwann ist der Tank voll und wir sehr glücklich. Eine der saubersten Trinkwasserstellen, die wir je unterwegs gesehen haben.

Trinkwasserstelle in Les-Planches-en-Montagne

Auf dem Weg zur Wasserstelle kommen wir an einem Aussichtspunkt vorbei – wir halten kurz.

Blick ins Tal der Saine (ja) und auf den Wasserfall: Cascade du bief de la Ruine„

Im unteren Teil des Wasserfalles sehen wir eine Brücke, da würden wir gern hin – also suchen wir nach dem Wasserholen im Ort Les-Planches-de-Montage einen Parkplatz.

Der Ort überrascht uns – das macht das spontane Reisen aus. Wir finden einen exzellenten Wohnmobil-Parkplatz mit sauberer Toilette. Alles kostenfrei. Krass.

Parkplatz in Les-Planches-de-Montagne

So ein Parkplatz existiert natürlich nicht einfach so – natürlich gibt es in der Nähe was zum Gucken. Eine Schlucht – dass sie aber unmittelbar neben dem Parkplatz gut 30 Meter tief eingeschnitten ist – das hätten wir so nicht erwartet.

Schlucht in Les-Planches-de-Montagne

Krachend und tosend stürzt sich weiter hinten ein riesiger Wasserfall in diese Schlucht. Ein kurz Pfad mit Aussichtsplattform führt daran vorbei. Das es nicht der einzige und auch bei Weitem nicht der höchste Wasserfall an diesem Tag sein soll, das wissen wir zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Wir laufen etwa 2 Kilometer bis zu der besagten Brücke über den Wasserfall: Cascade du bief de la Ruine. Wir spüren die Wärme der Sonne, das tut gut und fühlen uns als hätten wir alle Zeit der Welt. Haben wir ja auch – wir machen ein Mini-Foto-Shooting:

Zurück am Auto parken wir nochmal um – die Schiebetür zur Wiese – Schiebetür auf, damit die paar Sonnenstrahlen auch zu uns reinfinden.Wir kochen. Es gibt Spaghetti mit Tomatensauce.

Schiebetürmoment – Töpfe auf dem Herd

Den nächsten Halt haben wir eingebaut, weil er so vielversprechend klang und weil man ausnahmsweise mal nur 100 Meter laufen muss, um ein kleines Highlight zu erleben. Der „Aussichtspunkt auf die 4 Seen“

Der Aussichtspunkt hält, was er verspricht. Ein zwar kurzer aber fantastischer Blick. Der Wind weht ordentlich frisch, die Seen schimmern am Ufer türkis. Traumhaft schön.

Aussichtspunkt auf die 4 Seen (auf dem Foto sieht man nur zwei – aber das hatte mir am besten gefallen)

Aber der Tag will unbedingt noch einen draufsetzen. Eigentlich könnten wir schon nach einem Übernachtungsplatz schauen. Machen wir irgendwie auch – hier ist alles in einem. Wanderparkplatz könnte immer auch Übernachtungsparkplatz sein. Es wird geduldet.

Wir versuchen – wohlgemerkt – wir versuchen das Auto in der Nähe der Herrison-Kaskade zu parken. Hier soll es einen Wanderweg entlang des Flusses Herrison geben – tja. Nur finden wir den Parkplatz nicht. Lassen uns von einem „maxmiale Höhe 2,20“ in die Irre führen. Fahren hin, fahren her – anderen Campern scheint es auch so zu gehen – obwohl bei Googl Maps Wohnmobilparken ausgeschrieben ist, darf man in die Straße nicht rein? Sehr merkwürdig – letztendlich ging es doch. Die Höhenbeschränkung ist eine mobile Barriere – die an dem Tag offen war. Wir parken, trinken Kaffee – nochmal loszulaufen ist quasi schon gesetzt.

Heute gibt es Tartes – aus der „Boulongerie“ dem Bäcker – diese werden immer ganz fein in eine Pappschachtel gepackt, das hat irgendwie was Feierliches
Das traditionelle Schokoladenbrötchen darf auch nicht fehlen. Diese hier hatten ausnahmsweise sogar Nougat drin.

Es ist 17.00 Uhr – die Tour hat 21 Wegpunkte – also Wasserfallstufen, die man ablaufen kann – wir steigen bei Punkt 17 ein. Die Gesamtstrecke liegt wohl bei 7,5 Kilometern und etwa 200 Höhenmeter – mit Fotografieren könnte das bis zur Dunkelheit knapp werden.

Wir beeilen uns, noch sind einige Leute unterwegs.

Wir steigen erst mal „aufwärts“. Der Weg führt immer am Fluss entlang, ist wie so oft – steinig, felsig, feucht – und ein mächtiger Wasserfall stürzt sich kurz vor Ende in dieser Richtung hinab. Wahnsinn. Wenn Du das Foto genau anschaust, siehst Du im Dunkeln links vom Wasserfall Marcus stehen, daran lässt sich die Höhe in etwa erahnen.

Dann drehen wir um und laufen nun „bergab“ – im Grund ist jeder Blick schon wieder ein Fotospot. Überall sind kleine Wasserfälle oder andere nette Motive. Ein Traum dieser Wanderweg.

Herisson-Kaskade

Die Höhenmeter sind allerdings nicht zu unterschätzen. Wir passieren einige Treppen, an anderen Stellen gehts über Felsen oder Wurzeln  straff den Berg hinab.

Paar hundert Meter vor Ende der Tour stürzt sich ein weiterer Mega-Wasserfall den Hang hinab – wir schauen erst von oben auf ihn drauf und dann von unten hoch – die 80 Höhenmeter noch zu laufen, haben sich auf jeden Fall gelohnt.

Das Wasser prasselt nur so runter, Wasser kann auch auf eine Art echt unheimlich sein.

Dann: Rückzug. Irgendwann sollten wir ja mal zum Auto. Fakt ist: Wir treffen nun keine einzige Person mehr. Wir haben die Schlucht für uns alleine.

Und nein, wir klettern natürlich nicht über die Absperrungen – dahinter gehts empfindlich runter / Foto: Marcus Kahl

Langsam wird es dunkel – 20.30 Uhr verlassen wir die Schlucht – keine Menschenseele weit und breit.

Nur Knatterinchen steht einsam auf dem Parkplatz und wartet auf uns.

Da wir wirklich mehr als durch sind, fix und alle – bleiben wir dort – obgleich mir überhaupt nicht gefällt, dass es rund um die Schlucht immer nur punktuell mal ein Balken Netz gibt. Darauf muss man sich einstellen – denn: Es sind zum Beispiel Notfallpunkte super markiert – nur doof, wenn man kein Netz hat um anzurufen. Ebenso war es kaum möglich, sich mal auf der mobilen App den Wanderweg anzeigen zu lassen – da die Beschilderung exzellent war – stellte dies für uns kein Problem dar.

Aber so konnte ich eben auch nicht wirklich was in den Blog tippen – spielte mir aber irgendwie in die Karten. Wir haben noch fix was gegessen, uns gewaschen und dann ab ins Bett.

Im Tal der Ahnungslosen

Und nun sage ich Gutes Nächtle oder schönen Tag – je nachdem, wann du diese Wegmarke liest.

Bis zur nächsten Wegmarke, liebe Grüße!

  • Kilometer: 16,8 km
  • Schritte: 23800
  • Höhenmeter: ca. 400 Höhenmeter

Tag 11: Ausschlafen, Klosterrunde mit Cascade du Lancot und ungewollter Abstecher

Tag 11 startet dort, wo wir freudigst Tag 10 beendet haben – auf einem niedlichen kleinen  Wohnmobil-Stellplatz in Belvoir. Eigentlich wollten wir woanders hin. Beim Vorbeifahren haben wir den Übernachtungslatz für mehr als gut befunden und einfach angehalten.

Wohnmobilstellplatz Belvoir

Der Platz liegt direkt an einer kleinen Straße, der Stellplatz gehört zum im Ort befindlichen Schloss (Chateau Belvoir) – ab und an düsen Autos vorbei und ein Regenschauer zieht durch.

Später klingt es auch,  als ob Einheimische auf dem Feld und im Wald schießen. Zumindest waren kleine Knalle zu hören. Trotzdem ist es sehr idyllisch – der Blick auf Burg, Ort und auch ins Tal im letzten Licht des Tages zauberhaft.

Blick auf Burg und Ort Belvoir

Paar Esel stehen auch noch auf der Weide – so nahe wie sie zum Zaun kommen, werden sie garantiert häufiger gefüttert. Von uns nicht – wir füttern nie fremde Tiere. Süß, oder?

Esel im Abendlicht

Längst sind wir im Auto – wird an der Burg die Beleuchtung angeknipst. Das lockt Marcus nochmal mit der Kamera raus und dieses stimmungsvolle Bild konnte er einfangen. Klasse! Mir gefällts!

Die Nacht war herrlich ruhig, das bekommt uns wirklich gut und bisher haben wir immer Glück mit den Übernachtungsplätzen.

Erst nach 9.00 Uhr wachen wir vom Drippeln der Regentropfen auf. Das Zeug verfolgt uns irgendwie. Wir lassen uns Zeit – erst ab Mittag soll es aufhören.

Wir haben übrigens die Südvogesen längst hinter uns gelassen, steuern nun im „Regionaler Naturpark du Doubs Horloger“ umher. 2021 gegründet ist er ein noch recht junger Naturpark.

Wir erreichen den Ort Consolation-Maisonettes. Hier gibt es ein Kloster – wir sind wegen eines Rundweges hier, der zu einem schönen Wasserfall führen soll. Haha – das dies ein kleiner Horrortrip wird, wussten wir vorher nicht.

Erst mal geht es wirklich idyllisch los, am Eingang des Klosters dreht sich ein Mühlrad.

Mühlrad am Kloster

Der Wanderweg führt durch den Klosterhof. Eine Person räumt irgendwas, ansonsten ist hier an einem Montag nicht viel los.

Klosterhof

Am Zugang zum Wanderweg lungern paar komische Gestalten rum – irgendwie hölzern.

wirken ein wenig steif die Beiden

Und schon gelangen wir in einen nahezu märchenhaften Wald. Es ist noch grüner als grün, Baumstämme sind bemoost, ein kleiner Bach plätschert, es gibt eine eine Minikapelle mit paar Stühlchen davor und mitten im Gestrüpp steht eine kleine Säule mit einem Kreuz drauf.

Säule mitten im Grün

Ja – es könnte wirklich absolut idyllisch sein – hätte sich nicht just in dem Moment Marcus dazu entschlossen, sich mir zu Füßen zu werfen. Die Steine hier sind etwas nass und glitschig, Felsgestein – schwupp, lag er der Länge nach da. Nicht so schön, paar Abschürfungen hat er davon getragen.

Ganz vorsichtig gehen wir weiter, wollen ja noch zum Wasserfall. Die angebliche große Cascade du Lancot ist nur ein tröpfelndes Rinnsal. Das macht überhaupt nix – die amphitheaterähnliche Felswand ist auch ohne Wasser sehr beeindruckend:

Zeit für Fotos, Weitwinkel mit iPhone 15Pro per Fernauslöser (neben Puls messen kann Marcus seine neue Uhr auch Fotos fernauslösen – mehr als praktisch)

Wir schleichen weiter, dachten, es geht so schön gemütlich weiter. Aber nein. Der Weg geht ein gutes Stück bergan, das allein scheuen wir nicht –  aber der Boden ist rutschig. So richtig gefällt uns das nicht aber nun sind wir mal da und aufgeben ist für uns selten eine Option. Wir gehen vorsichtig und finden zumindest einen wunderschönen Ausblick auf das Kloster.

Blick auf das Kloster – im Hintergrund eine der Karstfelswände der Gegend

Tja und eben noch bestaunen wir das Karstgestein und dann…

…verlaufen wir uns.

Nicht weit. Aber haarsträubend, denn das Gelände ist unwegsam.

Wir wissen nicht, warum wir uns verlaufen haben – erst mal ärgern wir uns. Gucken eigentlich immer beide nach dem Weg und haben also beide eine wohl entscheidende Wegmarkierung übersehen.

Erst klettern wir auf schmalen Waldpfad einen Hang hinab und geraten unterhalb von diese Felswand. Der Weg wirkte wie ein wenig begangener Trampfelpfad aber er verlor sich im Nichts.

obwohl wir uns verlaufen hatten – musste ich ein Foto machen, das sah einfach zu nett aus.

Was ich erst nicht glauben wollte – aber der Weg läuft !auf dem Felsgrad! – hm.

Nur wie da hochkommen. Irgendwo finden wir ein Pfad, wo wir Trittspuren durch kleingebröseltes Karstgestein sehen – es scheint auf die Felswand hinauf zu gehen.

Doch man bekommt nix im Leben geschenkt.

Marcus geht vor, kommt verhältnismäßig schnell hoch – wahrscheinlich weil er etwas größer ist.

Ich grusel mir den Hintern ab, komme nicht an seine Tritt – und Griffstellen. Kann mir erst überhaupt nicht vorstellen, wie ich diese Stelle passieren soll – kann mich dann mit Ach und Krach rückwärts hochstützen, mich mühselig umdrehen und dann irgendwie auf Knien weiterhangeln. Das waren nur 3-4 Meter aber noch einen Sturz konnten wir uns nicht erlauben.

Puh. Glücklicherweise gut gegangen – oben ärgern wir uns noch mehr, wie es uns passieren konnte, das wir uns verlaufen. Wir wissen es nicht – gehen sogar nochmal ein Stück zurück – wollen aber rein aus Spaß nicht nochmal absteigen. Wir finden die Stelle nicht – ahnen aber, wo uns das Malheur passiert ist.

Nun gut. Ist uns so noch nie passiert – machen wir so bestimmt auch nicht nochmal.

In Summe ist dieser Rundweg gar nicht lang und eigentlich auch sehr schön – für uns war er heute ziemlich beschwerlich insofern bin ich froh, als das Kloster wieder auf Augenhöhe kommt.

Da ist es wieder: das Kloster und wir haben festen Boden unter den Füßen

Auch – weil es auf 16 Uhr zugeht – die Wetter-App meldet Doppeltropfen-Regen und just als wir im Auto ankommen, fängt dieser dann auch an.

Immerhin haben wir das Schön-Wetter-Fenster gut ausgenutzt.

Einen noch im Kühlschrank vorhandenen Quark verquirlen wir mit frisch gepflückter Knoblauchsrauke, dazu gibts Baguette.

Knoblauchsrauke, Zwiebel, Knoblauch, etwas Öl, Salz, Pfeffer und Quark

Wir fassen einen Plan, fahren weiter südlich. In einem kleinen Ort sehen wir die Werbung zu einem Automat – wir lieben diese Dinger mittlerweile. Kurzer Stopp – Marcus kauft sich etwas Rinderwurst.

24/7 Hofladen (ein Automat)

Tja und dann ist es heute wieder so, dass der eigentliche Plan verworfen wurde. Wieder stehen wir an einer anderen als der anvisierten Stelle. Wo das ist – das zeige ich dann in der nächsten Wegmarke – denn während ich das tippe, regnet es draußen seit Nachmittag unaufhörlich. Es gibt also noch kein Foto vom Übernachtungsplatz.

Nun sage ich erst mal Gutes Nächtle und schönen Tag, bis zur nächsten Wegmarke

  • Schritte: 11850
  • Kilometer: ca. 8 Km
  • Höhenmeter: ca. 210 Höhenmeter
  • Ausgaben: 4,86 am Hofladen

Tag 10: Grand Ballon und nächste Geschichtslektion: Hartmannswillerkopf

Die Nacht war ob der Lage des Parkplatzes erstaunlich ruhig – wir haben sie alleine am Col de la Schlucht verbracht.

Am Morgen fahren wir die Route de Créte – eine im ersten Weltkrieg / 1915 gebaute Straße die am Kamm der Vogesen entlangläuft. Damit die Deutschen die Franzosen nicht sehen, verläuft sie auf der Frankreich zugewandten Seite etwas unterhalb vom Kamm.

Wieder kommen wir am Hohneck (unser gestriger Gipfel) vorbei und steuern direkt auf den Grand Ballon, den Großen Belchen – mit 1424 Metern den höchsten Berg der Vogesen an. Noch ist alles halbwegs ruhig, wir können unterhalb vom Gipfel gut parken – es gibt einen – ich glaube etwa 1,5 Kilometer langen Rundweg, 70 Höhenmeter. Ein Klacks.

Grand Ballon / Großer Belchen / Gipfel

Eine weiße Kugel fällt auf, eine Radarstation – die der zivilen Luftfahrt dient. Man kann hoch- und oben rundherumgehen. Es sind Orientierungstafeln angebracht.

Radarstation auf dem Grand Ballon

Weiterhin befindet sich auf dem Gipfel ein Denkmal für die „Blauen Teufel“, ein Gebirgsjägerbatallaion im ersten Weltkrieg. Im Zweiten Weltkrieg wurde es durch die Deutschen zerstört und 1960 wieder aufgebaut.

Denkmal für die Blauen Teufel

Wir umrunden den Berg – die Aussicht in die Umgebung ist schön, obgleich es ein wenig zuzieht. Die Bergkuppen verschwimmen ein wenig im Grau.

Blick vom Rundweg Grand Ballon
Blick vom Rundweg Grand Ballon

Wir haben die Zeit, Blüten in den Fokus zu nehmen. Eine Bergflockenblume.

Bergflockenblume

Wieder zurück am Parkplatz lockt das kleine Snack-Cafe & Laden von Famille Riche. Kaffeeduft zieht über den Platz und bei anderen sehe ich Heidelbeertarte. Wir gönnen uns auch jeder ein Stück, dazu einen sehr guten Cappuccino. Uns hat´s geschmeckt.

Einkehr am Grand Ballon

Und du fragst Dich, was das blau-weiß eingepackte auf dem Foto ist? Im Laden gibt es auch Käse – wir nutzen die Chance, nehmen ein Stück des berühmten Munsterkäse mit, den hatte Marcus in Ribeauville bereits in seinen Spätzle. Wir schneiden ihn abends direkt an:

Munsterkäse / Rotschmierkäse – herzhaft gut – kein Socken- oder Achselaroma / lecker also!

Und wie gut, dass wir uns diese kalorienreiche Tarte reingehauen haben. Beim nächsten Stopp dachten wir, wir schauen uns kurz ein Kriegsgräberdenkmal an. Falsch gedacht… aber von vorn. Das Auto parkt sich am Ort samt gleichnamigen Berg Hartmannswillerkopf. Hier kämpften im ersten Weltkrieg die Franzosen gegen die Deutschen um sich das Elsass, (was im deutsch-französischen Krieg 1870/71 an Deutschland fiel) – zurückzuerobern.

Es wurden auf beiden Seiten kräftig Federn gelassen. Diese kann man nun in Form von vielen Steinkreuzen auf dem französischen Friedhof besichtigen (die Deutschen liegen woanders).

französischer Soldatenfriedhof Hartmannswillerkopf

Doch dem noch lange nicht genug. Das Gelände ist Nationaldenkmal und hat eine beeindruckende Krypta.

Eingang zur Krypta Hartmannswillerkopf

Mittags war sie eine Stunde zu, da wir lange genug auf dem Gelände waren – konnten wir später noch rein. Eiskalt war es da drin aber mächtig beeindruckend.

Krypta Hartmannswillerkopf

Das Dach der Krypta ziert der sogenannte Vaterlandsaltar – ein mächtiger Gesteinsblock der die Wappen sowie die Namen der Städte trägt, die diesen Gedenkort finanziert haben.

Vaterlandsaltar

Schaut man von diesem Sockel runter – blickt man direkt auf den Friedhof und in der Achse weiter auf den Berg Hartmannswillerkopf auf dessen Gipfel genau in Achse ein riesiges Kreuz steht – später werden wir dorthin wandern (nur wussten wir das zu dem Zeitpunkt noch nicht). Mit dem Foto greife ich mal vor:

Das Besondere auf dem Friedhof heute war eine Friedensaktion von Schülern aus dem nahe gelegenen College. Über 3700 Friedenstauben wurden gebastelt – Besucher durften ebenfalls eine Taube basteln und irgendwo platzieren.

Mit der Ursprungsformation haben die Schüler das Wort „Paix“ (frz. für Frieden) gesteckt.

Paix – Frieden – gesteckt aus unzähligen Friedenstauben

Wir werden von einer Frau angesprochen, die sich als Mutter einer der hier mitwirkenden Jugendlichen vorstellt. Wir erfahren, dass jeder Schüler von diesem College 10 Friedenstauben gebastelt hat und das sie sich haben von dem Mädchen aus Hiroshima mit der Origami-Techni inspirieren lassen haben, die Kraniche als Symbol für Hoffnung gebastelt hatte. Schöne Aktion jedenfalls.

So und nun denkt man, das wärs gewesen. Nein – unterhalb vom Friedhof kommt man in den Wald. Dort ist ein Rundweg beschildert – jetzt gehts ins damalige Kriegsgelände was zum Teil erhalten ist. Krass.

Wir klettern erst bergab, später bergauf, es ist leicht schwül und unfassbar viele Insekten schwirren umher.

Wir sehen viel Stacheldraht, ehemalige Hütten, auch Insignien mit Jahreszahl, verbaute Bahnschienen, Wellblech – das Zeug scheint unkaputtbar – ist weit über 100 Jahre alt.

Nach fast 2,5 Stunden sitzen wir stopfenvoll mit Eindrücken wieder im Auto – und sind sehr glücklich, dass wir hier hingefahren und auch ausgestiegen sind.

Wir stechen etwa 100 Kilometer gen Süd – übernachten schlussendlich wiedermal nicht dort – wo wir es eigentlich geplant hatten.

Aber darüber berichte ich dann in der nächsten Wegmarke. Bis dahin sage ich Gutes Nächtle und schönen Tag!

  • Schritte: 15445
  • gewanderte Kilometer: ca. 11,2 Km
  • ca. 250 Höhenmeter
  • Ausgaben für Tarte, Cappuccino und Käse ca. 29 Euro / und kleine Spende in der Krypta auf dem Friedhof

 

 

 

Schlussendlich geht ein langer Tag zu Ende an dem wir eigentlich nicht wandern wollten. Das hat dann wohl nicht ganz geklappt.

 

 

 

 

 

 

 

Tag 9: schöne Felsentour Nähe Col de la Schlucht

Ruckizucki fliegen die Tage so dahin aber sie sind alle mit schönen Dingen gefüllt. So auch der heutige. Die Nacht haben wir auf dem Parkplatz beim Lac Blanc verbracht – die gestern bereits erwähnten Ladys haben gegen 3.00 Uhr noch einen Puller-Nachtspaziergang inclusive mehrmaligem Auf- und Zuschieben ihrer Schiebetür gemacht ansonsten war es recht ruhig.

Da ich panische Sorge hatte, dass wir von den Wandermassen eingeparkt werden – sind wir früh aufgestanden. Ein morgendlicher Blick zum „Fels Hans“ – der See liegt spiegelblank, ist voller Blütenstaub, die ersten Angler stehen schon.

morgendlicher Blick auf Lac Blanc

Wir fahren nur wenige Kilometer und  rasten am Col de la Schlucht ein – glaubt man den Internetbewertungen, müssen sich die Bedingungen für Wohnmobile auf dem Parkplatz am Pass deutlich verschlechtert haben. Es gibt nur sehr wenige Stellflächen – die meisten Parkplätze haben Höhenbegrenzung. Wir ergattern Gott sei Dank einen Stellplatz.

Col de la Schlucht – Höhe 1139 Meter / Südvogesen / Departement Vogesen

Von hier aus soll eine der spektakulärsten Felsenwanderungen der Südvogesen starten – die wollen wir uns nicht entgehen lassen und starten die Tour auf dem „Sentier de Rochers“ (der Felsenweg).

Wir hätten ahnen können, dass der Name hier Programm ist. Kilometerlang ist der Weg felsig geprägt und spaziert mit uns ab und an scharf am Abhang entlang. Der Weg ist an allen schmalen Stellen mit einem stabilen Geländer gesichert.

Sentier de Rocher / Südvogesen

Ich klebe verdächtig nahe an der Wand. Holla die Waldfee, das ist echt mal wieder steil aber eine wirklich tolle Tour.

auf dem Felsenweg / Nähe Col de la Schlucht

So ab und an gibt es Trittstufen oder in Stein gehauene Treppen. Es ist Feiertagswochenende – der Weg ist extrem frequentiert. Wir versuchen trotzdem ein paar menschenfreie Fotos und Videos zu machen.

Weg am Hang entlang – Hui!

 

Weg am moosigen Hang – mit dem Handlauf war es kein Problem

 

Treppe auf dem Felsenweg

Immer mal wieder gibt es einen Ausblick in die Vogesen – von denen wir vor diesem Urlaub nicht mal wussten, dass man sie in Süd- und Nordvogesen unterteilt. Ein wenig abgeholzt hat man hier auch. Einzelne mächtige Baumstämme liegen im Wald.

Abholzungen und Ausblick in den Vogesen / die Hänge sind nahezu durchgängig bewaldet

Die Wanderung beinhaltet auch die Querung zweier Schotterfelder – die Gegend ist rauh, die Wanderung anspruchsvoll. Uns taugt‘s.

Querung des Schotterfeldes / Foto: fotokahl.de / M.Kahl

Ein Hund jagt an mir vorbei, einmal – zweimal – dreimal – der ist zwar sehr süß aber so nah am Abhang ist mir das nicht so recht. Ein anderer Wanderer rutscht immer wieder aus – auch nicht so schön mit anzusehen.

Trittfestigkeit ist ein Muss auf dieser Tour, in meinem Emfinden sind gestern wie heute zu viele Menschen in falschen Schuhen unterwegs (normale Turnschuhe oder Sneaker – das rutscht halt) – viele Franzosen und wenige Deutsche wandern übrigens hier.

Man kann sie sehr gut unterscheiden. Die Franzosen grüßen extrem freundlich und immer mit einem Lächeln im Gesicht. Die Deutschen nur, wenn sie müssen – das ist wirklich erstaunlich und auch peinlich, den Spiegel so vorgehalten zu bekommen.

Blick übers Schotterfeld

Nach 2,8 Kilometer erreichen wir den „Krabbenfelsen“. Nix besonderes – einfach nur eine Wegmarke, eine Felsformation, kaum ein Foto wert. Da es erst 11.00 Uhr ist, erweitern wir spontan die Runde und nehmen uns nun doch den Hohneck-Gipfel vor. (Den wollten wir ursprünglich mit dem Auto anfahren.)

Das sind nochmal 4,5 Kilometer und noch etwa 450 Höhenmeter. Die Wander-App veranschlagt 2 Stunden. Wir sind schneller, das T-Shirt klatschnass, die Rübe knallrot. Der Puls hat sich an Tag 9 arrangiert und hat gemerkt, dass wir einfach nicht locker lassen.

Unterwegs gibt es einen Abzweig zu einer Höhle, den nehmen wir auch noch mit. Die Dagobert-Höhle.

Dagobert-Höhle / Südvogesen

Und dann erreichen wir den Gipfel auf 1336 Metern. Yeah!

Und ist es nicht so? Man erwartet ein Gipfelkreuz, vielleicht noch eine Gastronomie – aber was sich auf diesem Gipfel für eine Szenerie bot, toppt alles, was ich je in den Bergen erlebt habe.

Du kommst nicht drauf.

Hier fand heute eine „Pro-Palestina-Demo“ statt. Ich glaube, ich traue meinen Augen nicht. Da steht eine Traube von Menschen, jubelt einem Redner zu, singt, schwingt Palestina-Flaggen. Es fallen die Worte Hiroshima, Nagasaki, Auschwitz und auch Maidan. Mehr verstehen wir nicht und wir sind zu doof um zu verstehen, warum man das auf einem eiskalten Berggipfel macht. Nunja. Was es nicht alles gibt.

In direkter Nachbarschaft: Die Gleitschirmflieger. Die passen doch schon eher auf einen Berg.

Demo und Gleitschirmflieger auf dem Hohneck-Gipfel

Die erwartete Gastronomie gibt es natürlich auch. Viel Hunger haben wir nicht, teilen uns ein Käsebrett – was Regionales, das gefällt uns.

Wieder ist der Munsterkäse und andere Sorten drauf. Das Brett schlägt mit ca. 16,00 Euro zu Buche. Dazu zwei Getränke – kurze Einkehr: 24,00 Euro.

Kleines Käsebrett – überschaubar aber sehr lecker
1 Elsass-Cola, ein alkoholfreies Clausthaler

Dann machen wir uns auf den Weg zurück zum Auto. So beschwerlich der Hinweg war – der Rückweg ist ein Klacks. Einfacher, schöner breiter manchmal leicht felsiger Wanderweg – 4 Kilometer Autobahn, hochfrequentiert. Hier war heute die Hölle los.

Vom Weg können wir nochmal schön auf den Hohneck-Gipfel zurückschauen.

Blick auf den Hohneck – sieht wenig spektakulär aus, die Runden Kuppen sind typisch für die Südvogesen – und ein wenig Schnee gab es auch noch

Und weil immer noch viel Tag übrig ist – aktivieren wir nun die Kamera und fangen links und rechts des Weges noch paar Dinge ein – zum Beispiel diesen wunderschönen Waldblick:

hübsche knorrige frischgrüne Buchen

Oder einfach nur ein Blatt – wie perfekt doch die Natur ist:

Fotomomente

Auch wenige Narzissen haben wir gefunden:

wilde Narzissen

Und schon sind wir zurück am Pass / Col de la Schlucht. Hier steppt der Bär – jeder Zentimeter ist zugeparkt, es herrscht ein Kommen und Gehen.

Wir ziehen uns in den Camper zurück. Trinken Kaffee, putzen uns, putzen den Camper, es gibt Couscus zum Abendessen und einen Blick auf den Parkplatz samt Höhenbegrenzung.

rappelvoller Parkplatz am Col de la Schlucht

Tja und wie es weitergeht, das erzähle ich dann in der nächsten Wegmarke. Nun sage ich erst mal Gutes Nächtle, schönen Tag und bis bald!

  • Schritte: 19200
  • Kilometer gewandert: ca. 12 Kilometer
  • Höhenmeter (aufwärts): ca. 600 Höhenmeter
  • Ausgaben: ca. 24,00 Euro Einkehr am Hohneck

Tag 8: Dieselnotstand, Müllproblem und Seetag

Hallo an Tag 8 – heute ist in Frankreich Feiertag:

„Tag der Waffenruhe“.

Erst mal tangiert uns das nicht, wie die Murmeltiere schauen wir das erste Mal auf die Uhr als der Nachtplatznachbar seine Fußmatten ausklopft. Uuups – schon 9.00 Uhr, da haben wir aber lange geschlafen. Wenn auch an der Straße – an dem Platz nahe Riquewihr haben wir sehr gut geschlafen.

sieht nicht unbedingt luxuriös aus – war aber sehr ruhig

Wir brechen auf – wohin wissen wir nicht so genau. Erst mal zu Lidl in Munster. (Der Ort, der so heißt – wie der berühmte Käse, siehe gestriger Beitrag). Wir brauchen Wasser und können unser geliebtes Couscous ergattern. Dazu wieder eine „Tüte“ – heute mal 1000 Gramm asiatisches Gemüse – Marcus kocht und mischt ca. 100 Gramm Couscous mit rein. Extrem lecker. (Mit dem Foto greife ich zeitlich mal vor)

unser Mittagessen – hoch lebe die schnelle Camperküche

Denn in Munster sehen wir, dass an der Total Tankstelle der Diesel 10 Cent günstiger ist als an allen anderen Tankstellen. Tja, wenn denn nur auch Diesel aus der Zapfsäule rauskommen würde. Wir dachten erst, es läge an unseren Geldkarten – nein – definitiv kein Diesel an der Tankstelle. Die Zapfsäule ist leer. Im Vorfeld hatten wir davon gehört – und so ist es also wirklich. Das habe ich in meiner ganzen Zeit als Autofahrerin noch nie erlebt – kein Sprit.

Kein Diesel bei Total in Munster

Tatsächlich hatten wir im Vorfeld der Reise von langen Schlangen an Tankstellen und auch ausverkauftem Kraftstoff gelesen. Das wir es jetzt so schnell erleben – hätte ich nicht gedacht.

Grund dafür ist die Deckelung der Spritpreise durch Total – dann fahren natürlich alle zu dieser Tankstelle und schwupp, Sprit alle.

Unser Tank ist noch halb voll – also im Grund noch lange kein Problem – aber genau das wurde auch empfohlen: Nicht warten, bis der Tank leer ist.

Im nächsten Ort klappt es – wir können im Verhältnis ziemlich günstig – weil bei Total – tanken.

Nächstes Problem ist der Müll. Wir müssen ganz dringend Müll loswerden. Im Elsass gibt es wenig öffentliche Müllcontainer – es finden sich Recyclingbehälter, die nützen uns weder für Alltagsmüll noch für den Feststoffbehälter vom Trockentrenn-WC. Hm.

Das Problem klärt sich ebenfalls in Munster am Wohnmobilstellplatz beziehungsweise davor. Alle Sorten von Müllcontainern sind vorhanden.

Mülltonnen im Elsass (links Biomüll, rechts Flaschen, die Tonnen mit dem braunen Deckel sind Restmüll)

Ja – all diese Sachen rauben eine Menge Zeit. Dann können wir endlich auf Erkundungstour gehen.

Am Col du Wettstein (Pass) entdecken wir einen recht großen Soldatenfriedhof. Man gedenkt den vielen in der Region Gefallen vom 1. Weltkrieg. Egal wo man in Europa hinkommt, das Thema Krieg ist allgegenwärtig.

Nekropole Wettstein

Leider verpasse ich es abzubiegen – kilometerlang fahren wir irgendwo durch den Wald, gefühlt ganz allein um dann plötzlich auf einem total überfüllten Wanderparkplatz anzukommen. Oha – Feiertag – da war ja was. Himmel und Menschen sind wandern – wir gucken nur kurz aufs den See: „Du Lac Vert“

ein See – gefühlt irgendwo im Nirgenwo und dann doch Ziel vieler Menschen

Weiter gehts, eigentlich hatten wir einen anderen See als Ziel. Den erreichen wir auch und ergattern mit Ach und Krach einen Parkplaz.

Traue niemals einem Foto – schaut doch idyllisch aus – oder?

Ganz allein? Wohl kaum…

Man, was ist denn hier los? Oder anders gefragt? Wo kommen denn die ganzen Menschen her?

Jedenfalls sind wir am „Le Lac Blanc“

der Parkplatz am „Le Lac Blanc“

Wir sind kurz ratlos, denn wenn das an einem Feiertagswochenende überall so ist – dann haben wir eventuell heute ein Stellplatzproblem am Freitag Abend – wir essen erst mal unser Asiagemüse.

Dann sehe ich oben am Grat Menschen wandern… gut – das machen wir dann wohl auch.

Kurze Recherche in der Wander-App und los gehts. Internet ist schon klasse.

Wir umwandern den „Le Lac Blanc“ – sehr sehr coole Tour. 5 Kilometer – am Anfang gehts straff über einen durch Felsen geprägten Weg hinauf zum Aussichtspunkt „Rocher Hans“.

Auf dem Weg zum Rocher Hans

Wir sind nun in den Südvogesen. Der See liegt auf einer Höhe von 1000 Meter – mit der Wanderung steigen wir auf etwa 1300 Meter. Der rote Sandstein der Nordvogesen wurde abgelöst durch Granitfelsen, die klettern wir eifrig auf einem teils mit Seil gesichtertem Weg hinauf.

Natürlich finden sich besonders an frequentierten Tagen wie diesem auch hier die Ekligkeiten des heutigen Wanderlebens – ein noch fast dampfendes Würstchen, kläglich abgedeckt mit einem Taschentuch. Bäh.

Der See selbst ist übrigens der größte natürliche See an der Ostseite der Vogesen.

Der Aussichtspunkt am „Rocher Hans“ ist schnell – nach etwa 20 Minuten – erreicht. Am Fels wird geklettert. Oh doch – die spontane Tour hat sich schon jetzt gelohnt.

Blick auf „Fels Hans“ und den See Lac Blanc / Südvogesen

Der Weg bleibt die ganze Zeit felsig, obgleich es gut tut, am Grad mal kurz ohne Steigung zu laufen.

Wir finden sowas wie „den besten Blick auf den See“.

Ein fast magischer Blick auf den Le Lac Blanc / Südvogesen / Frankreich – klitzeklein: der Parkplatz auf der anderen Seeseite

Die Bilder zeigen es deutlich, die Südvogesen sind ein gutes Stück höher und schroffer als die Nordvogesen.

Das gefällt uns ganz gut – nicht so gut gefällt uns die Übernachtungssituation. Wohin gehts für uns heute? Wo schlafen wir heute?

Erst mal zurück am Parkplatz: Während wir noch einen Kaffee trinken, entwickelt sich dieser Parkplatz zu einem Campingplatz.

Unglaublich – ein riesiger Grill kommt raus.

Die Ladys neben uns haben kein WC an Board – gehen nochmal spazieren – äh auf die Abendtoilette (in den Wald – so kommen Würstchen zu Stande). Dann lehnen sie mit ihrem Herz-Schlafanzughöschen an der Mauer um dann lasziv mit Handy und bei geöffneter Seitentür im Bett zu liegen. Hm.

Ein überdimensionales Wohnmobil schiebt sich in eine eigentlich viel zu kleine Parklücke. Zum Nachbarseitenspiegel bleiben vielleicht 20 cm – die Tür des Pkw geht nicht mehr richtig auf – egal – Hauptsache man hat sein Wohnmobil an der Seefront geparkt (der ganze Parkplatz leert sich allmählich, da wäre genug Platz).

Hm. Mal gucken, wo wir nächtigen werden. Ich sage erst mal Gutes Nächtle, schönen Tag und bis zur nächsten Wegmarke

  • Schritte: 12300
  • Tageskilometer gewandert: 8,3 Kilometer
  • Höhenmeter: ca. 300 Höhenmeter hoch und wieder runter
  • Ausgaben: Tanken: Preis pro 1 Liter Diesel 2,09 Euro / Lidl ca 27,0 Euro

Tag 7: 3-Burgentour und Elsassfeeling ohne Ende

Tag 7 ist gerade in Arbeit…

Nach einer sehr ruhigen Nacht abseits von Riquewihr fahren wir zwei Orte weiter nach Ribeauville. Hier soll es eine 3-Burgen-Wanderung geben. Dafür müssen wir erst mal das Auto losbekommen – den eigentlich als Wanderparkplatz anvisierten Platz können wir nicht anfahren, das im Zentrum des Ortes Riveauville einige Straßen für Wohnmobile gesperrt sind. Mist – wohin jetzt mit der Karre? Glücklicherweise entdecken wir am Straßenrand Parkbuchten – die nehmen wir einfach. Ein Hinweis auf Ticketpflicht finden wir nicht.

Es ist bewölkt und eher kühl, da der Weg unmittelbar und paar hundert Höhenmeter hinauf geht, fliegt die Jacke schnell in den Rucksack.

Die erste Burgruine ist Chateau du Girsberg. Elegant verbirgt sie sich im Nebel.

Burgruine Giersberg / Chateau du Girsberg / Elsass / Frankreich

Stört uns nicht weiter, wir wandern paar hundert Meter weiter und stehen direkt vorm Chateau St. Ulrich. Belagert von einer Schulklasse, ist der Geräuschpegel ziemlich hoch. Wir gucken nur kurz und beschließen später wiederzukommen. Schemenhaft ist die Burgruine Giersberg im Hintergrund zu sehen.

Chateau St. Ulrich / Elsass

Der Weg zur dritten Burgruine ist kurz, dafür knackig. Auf einer Länge von ca. 600 Metern geht es etwa 100 Meter hoch. Juhuu. Schön in Serpentinen – der Nebel bleibt und hüllt auch diese Burg in Schweigen.

Aber halt – wir haben Glück. Kurz klart es auf – sie wird gestochen scharf. Begehbar ist sie nicht wirklich. Es steht ein „Zugang verboten“ – der Weg zeigt aber deutlich, dass regelmäßig reingelaufen wird.

Chateau Haute Ribeaupierre / Elsass

Zurück zur Burgruine Ulrich. Es klart auf – vom Weg aus haben wir Blick auf beide unterhalb liegenden Burgen und den Ort Ribeauville.

Blick auf Burgruine Giersberg (links) und Burgruine St. Ullrich (rechts) sowie den Ort Ribeauville

Zurück an Burg St. Ulrich: Die Schulklasse ist immer noch da, man hört sie von Weitem. Trotzdem möchte ich jetzt auf diesen Turm – den darf man nämlich besteigen.

Burgruine St. Ulrich

Der Aufstieg überrascht durch eine recht neuwertige und damit stabile, sichere Holztreppe.

Der Blick von oben zeigt, wie riesig das Burggelände ist. Nun macht sich die Schulklasse zum Abmarsch bereit…

Blick vom Turm auf die Burganlage

Ebenfalls bereit macht sich ein koordinativ extrem geschickter Mann. Zwischen den zwei Burgen sind 2 Slacklines gespannt – darauf geht er nun balancieren.

Die Schulklasse jubelt, als er es schafft, sich hinzustellen.

Auch, als er sich spaßeshalber mal runterfallen, sich showmäßig mit dem Rücken auf die Leine fallen lässt und gleich darauf eine Rückwärtsrolle auf dem Seil macht. Wow.

Das ist wirklich beeindruckend.

Slackline und ganz winzig – einer auf dem Seil

Vorher haben die beiden jungen Slackliner ewig die Seile kontrolliert, nachgezogen. Interessante Mischung – der moderne Sport zwischen den alten Burgen.

Verankerung der Slackline

Für uns geht es nun runter vom Berg. Ca. 2,5 Kilometer – 250 Höhenmeter. Wir nehmen mal nicht persönlich, dass nun die Sonne rauskommt und zumindest kurz der Himmel über den Burgen blau ist.

Blick von unten auf Chateau St. Ulrich

Wir erhaschen noch einen schönen Blick auf den Ort und haben nun eine Mission – selten aber heute wollen wir mal einkehren! Die Elässer Küche soll ja eigentlich sehr gut sein.

Schöner Blick auf Ribeauville

Aber zunächst geht es noch am Weinberg mit hübschen Blüten vorbei – wir kommen einfach nicht voran, bleiben überall mit unserer Kamera kleben:

lila Gladiolen am Weinberg

Und schon stehen wir mitten im Fachwerkdschungel. Ein Ort schöner als der andere. Wir schlendern die Hauptstraße von Ribeauville entlang und landen schlussendlich im Restaurant samt Winstub „D’baecka Ofa Stub“. Warum? Weil draußen damit geworben wurde – dass es zwischen 14.00 und 17.30 Uhr Essen gibt.

Denn genau das ist es ja, was uns in Frankreich die Einkehr immer schwer macht – denn: dann wenn wir Hunger haben – haben die meisten Restaurants zu. Aber nicht hier – hier ist man auf Touristen – auch in Trekkinghosen und schmutzigen Schuhen eingestellt. Wir werden sehr freundlich empfangen.

Einkehr in „D’baecka Ofa Stub“

Die Wahl ist schnell getroffen – eine typische regionale Speise sind Spätzle und die nehmen wir (ich vor allem, da die anderen Gerichte alle Fleisch enthielten, das Wort Speck kam auch ziemlich oft auf der Karte vor.)

Und zack – stehen sie vor uns. Meine mit Champignons, Marcus wählt die mit Munster-Käse – der bekannteste Käse der Vogesen sowie eine der bekanntesten regionalen Spezialitäten des Elass. Ein Rothschmierkäse.

Spätzle in der gusseisernen Pfanne – dazu wurde ein kleiner Salat gereicht.

Während wir essen, geht ein mächtiger Regenguss runter. Das nenne ich mal Timing. Noch im abklingenden Regen verlassen wir das Restaurant, stellen uns sogar noch mal unter, weil es nochmals losprasselt und bummeln dann ein wenig durch den hübschen Ort. Hier mischen sich Einheimische mit Bustouristen, E-Bikefahrer in leuchtenden Klamotten, Wandersleute – hier kommt man halt mal gucken. Im Grunde ist jeder Blick – ein Fotospot. Man weiß gar nicht, wo man die Kamera hinhalten soll. Ein paar Impressionen:

hübsch geschmücktes Schaufenster, drin gibt es sündhaft teure Salami, Konfitüre und natürlich Wein
Weinkarren – ein seltener Blick mitten im Ort
Ribeauville – Häuserzeile
Bunte Häuserzeile und links oben Chateau St. Ulrich
Spiegelung im kleinen Kanälchen

Die Uhr dreht sich gen Abend – wir beschließen noch einen Ort weiterzufahren, der war uns bei der Herfahrt aufgefallen. Gucken wir da auch noch kurz rein – Impressionen aus dem Ort Bergheim:

Total Überaschung – es gibt wieder Fachwerk. Wir merken, dass wir doch ganz schön müde sind – vor allem die Autos die hier die Hauptstraße entlangbrausen, nerven ein wenig. Wir ziehen uns in die Seitengassen

Ein sehr schmales, rotes Haus sticht hervor.
Werbung für Weinhändler ist hier allgegenwärtig und mitunter auch sehr hübsch

Der Ort Bergheim wirkt sehr ruhig und nicht ganz so touristisch wie Ribeauville oder Riquewihr  – Menschen sehen wir nur wenige, die meisten fahren mit dem Auto umher. Ein Hund geht mir Herrchen Gassi – es wird an Marcus geschnuppert. Und die Kirche ist noch offen – schwupp, kurz rein – es spielt Musik:

eine herrliche ruhige Atmosphäre

Zufälligerweise geraten wir auf den Spazierweg entlang der historischen Stadtmauer – das war das kleine Highlight von diesem Ort.

Türmchen der alten Stadmauer / Bergheim

Wir lugen den Leuten quasi nun von hinten in die Häuser und Gärten. Menschen sehen wir keine – aber man sieht, dass hier gelebt wird.

verstohlender Blick in einen Garten – der einzige dieser Art dort

Achso – und was ich überhaupt noch nicht erwähnt habe – die Gegend ist absolute Storchengegend. In Bergheim nisten sie zum Beispiel auf der Kirche – in jedem Ort finden sich unzählige Storchennester. Die Deko ist dementsprechend ganz auf Storch abgestellt und dann fliegt ein fleißiger Storch vorbei – er hat Baumaterial dabei…

Marcus hat blitzschnell die Kamera draufgehalten…

So eine Menge Eindrücke heute – die Gegend gefällt uns wirklich sehr gut. Dennoch werden wir morgen vermutlich die Region verlassen.

Aber erst mal fallen wir krachemüde ins Bett und ich sage Gutes Nächtle, schönen Tag und bis zur nächsten Wegmarke.

  • Schritte: 19360
  • Höhenmeter: ca. 450
  • Kilometer: ca. 12,7
  • Ausgaben Restaurant: 52 Euro für 2 Cola und 2x Spätzle

 

 

Tag 6: Das Elsass ruft, wir kommen – noch mehr Regen

Dicke Regentropfen auf dem Camperdach, so wie eine Stunde militärische Flugübungen bis 23.30 Uhr, ließen zumindest die erste Nachthälfte so semi-ruhig sein. Umso langsamer starteten wir heute in den Tag, auch deshalb, weil unser Schlafplatz auf einem Wanderparkplatz menschenleer und deshalb ruhig und schön war. Ach halt – ich vergaß den Militärtrupp, die augenscheinlich gerade die Lektion „Karte & Kompass“ durchmachen mussten – die kamen kurz vorbeigestiefelt.

Gemütlichkeit war dann heute irgendwie unser Motto. Nichts aber auch gar nichts hat uns zur Eile getrieben. Gen Süden wollen wir. Und so durchfahren wir mit Tempo 30, 40 oder mal 50 die kleinen Elsass-typischen Dörfchen mit viel Fachwerk.

Irgendwo steht Boulangerie dran – Marcus stoppt unmittelbar und rennt raus. Baguette und Schoko-Brötchen, haben quasi magnetische Wirkung.

das gab es zwar erst nachmittags – aber hier passt das Foto am besten

Wir entern noch Aldi und dann saugt uns das Elsass, die zwischen Rheinebene und Vogesen gelegene Kulturlandschaft ein. Vor allem der Weinanbau prägt hier das Bild. Sehr schnuckelig.

Irgendwo an der Landstraße rasten wir. Im Aldi hat Marcus eine – wir nennen das „Tüte“ – also Gemüse, meist schon gewürzt aus dem TK geholt. Das essen wir gern mit Baguette, vor allem, weil es schnell geht. Erst beim Kochen merken wir, dass Fleisch drin ist – passiert. Ich sammle das Zeug raus – die Schiebetür ist offen – aber es ist etwas kühl:

Kochen am Feldrand – immerhin ein offizieller Parkplatz

Baguette, bisschen Curry, bisschen Chili und los geht‘s.

Unser eigentliches Ziel für heute ist ein Dorf, was wohl eins von den Schönsten in Frankreich sein soll. Schon sehr lange habe ich diesen Ort markiert – dann schauen wir mal.

Wir düsen gen Süden, lassen Straßburg links von uns liegen und erreichen:

Riquewihr.

Zunächst erkunden wir es von der Anhöhe:

Riquewihr am Fuße eines Weinberges

Wir steigen ab, es regnet – der Boden klebt dick an unseren Schuhen.

Es ist bereits nach 18.00 Uhr, die Stadt ist recht leer und empfängt uns mit reichlich Fachwerk – wer jedoch Quedlingburg kennt, für den ist der „Fachwerk-Knall“ nicht ganz so groß. In Riquewihr sind die Gassen deutlich enger – und überhaupt – gibt es vor allem eine Hauptstraße, von der paar kleine Nebenstraßen abgehen. Man erreicht sie durch eines der erhaltenen Stadttore.

Das Obertor – Riquewihr / Elsass / Frankreich

Städte wie diese sind eine meiner größten Herausforderungen beim Fotografieren. Irgendwas ist immer schief und außerdem läuft fast alles im Hochformat – das ist nicht so blogtauglich. Der Ort ist gepflegt, punktet durch sehr gut erhaltene Häuser mit vielfältig-farbigen Fassaden. Wirklich hübsch.

Überall gibt es kleine und auch namhafte Weinläden sowie die Möglichkeit der Verkostung. Mal urig, mal nobel. Käsegeschäft, Schmuck, Wurst und natürlich sehr viele Restaurants, die an Tagen wie diesen auf Touristen hoffen.

All das ist eingebettet in eine leicht verkitschte Szenerie. Ostern hängt noch ein wenig nach.

hier zwinkert einer aus dem Blumentopf

 

mit überdimensionalen Blüten geschmücktes, schmales, blaues Haus

Das markanteste Gebäude ist wohl der Dolden. 1291 gebaut diente der 25 Meter hohe Turm mit prächtiger Fassade, als Glocken- und auch als Wachturm. Er ist Teil der Stadtmauer und gilt als Wahrzeichen der Stadt.

der Dolden – Riquewihr / Elsass / Frankreich

Und während die wenige Touristen in den Restaurants sitzen oder so allmählich vorm Regen flüchten, wartet Marcus sehnsüchtig darauf, dass die historischen Lampen angehen.

Was einfach nicht passieren möchte.

Es regnet die ganze Zeit, kalt ist es auch – wir harren aus. Es klappt – irgendwann gehen diese Lampen an – jetzt rennt Marcus von. Gasse zu Gasse, denn die zunehmende Dunkelheit erschwert die Fotografie. Auf diese Fotos müsst ihr auf Marcus seine Ergüsse warten – bei Nachtfotografie trennt sich Spreu von Weizen – Handyfotografie zu einer guten Kamera. Spätestens in den Videos werden wahrscheinlich wieder paar eingebaut sein.

Aber zumindest einen kleinen Eindruck gebe ich mal mit:

Riquewihr am Abend

Und nun sage ich wie immer Gutes Nächtle oder schönen Tag, vielen Dank fürs virtuelle Mitreisen – und tschüss bis zur nächsten Wegmarke.

  • Schritte: 11.000

Tag 5: Vier-Burgen-Tour, Grenzsprung, Regen und ein Turm

Weil wir wussten, woran wir sind, haben wir eine zweite ruhige Nacht auf dem Wohnmobilstellplatz in Bitche verbracht. Neben uns hat ein Pärchen die Nacht im Dachzelt auf ihrem PKW verbracht – diese Fahrzeuge sind quasi mit nichts ausgestattet – also wäscht man sich die Haare mit etwas Wasser aus der Wasserflasche am Wiesenstreifen. Kein Wunder, wenn es immer mehr Verbotsschilder für Camper gibt.

Wir düsen los, verlassen Bitche in südlicher Richtung und passieren noch das direkt an den Ort anschließende „Bitche-Camp“ – seit 1901 (übrigens dazumal von den Deutschen errichtet) befindet sich hier ein ca. 3600 Hektar großer Truppenübungsplatz. Jetzt schließt sich ein Kreis, denn als wir damals im Pfälzer Wald gewandert sind, haben wir sehr viele Schießübungen gehört. Jetzt wissen wir, wo die Geräusche herkamen. Das Militär ist in Bitche der größte Arbeitgeber.

Unser eigentliches Ziel ist der Wanderparkplatz der Burg Fleckenstein. Hier starten wir die 4-Burgen-Tour. Die eintrittspflichtige Burg Fleckenstein lassen wir erst mal links liegen und steigen direkt den kleinen Wanderweg zu den Sandsteinformationen auf.

Sandsteinformation Nähe Burg Fleckenstein

Kurz und knackig aber straff und steil führt der Weg hinauf. Wir sind ambivalent – Jacke an? Jacke aus? Es hat ca. 16 Grad und wir erwarten Regen. Egal wie – die Mühe lohnt sich, die roten Felsen gerahmt von grünem Buchenlaub sind einfach schön.

Sandsteinformation Nähe Burg Fleckenstein

Eins noch:

Unzählige Sandsteinformationen – der Weg führt direkt an ihnen entlang.

Dann erreichen wir Burgruine 2 – Burg Löwenstein auf einer Höhe von 540 Metern. Es gibt ein paar Leitern zum Klettern.

Leiter an der Burgruine Löwenstein

Und dann stehen wir so hoch, dass wir auf die vor nur wenigen Minuten passierte Burg Fleckenstein hinabschauen können.

Blick in die Nordvogesen – auf Burg Fleckenstein

Der Blick auf die grünen Kuppen der Vogesen ist total entspannend.

Blick auf Burg Fleckenstein und in die Vogesen

Die zweite Burgruine wartet schon auf uns, nur wenige Minuten entfernt erklimmen wir Burgruine Hohenbourg, etwa gleiche Höhe: 550 Meter. Die Dichte dieser Burgen ist beeindruckend – der Bau auf und aus Sandstein ebenfalls.

Burgruine Hohenbourg

Auch hier klettern wir ein paar Treppen und Leitern hinauf. Nicht jede Stufe ist vorhanden, nicht jede Stufe und auch nicht jedes Geländer ist hier ganz fest. Wir treffen einige Deutsche – und einige Male wird gesagt: „Das gäbe es in Deutschland nicht, undenkbar.“ Eine Frau klammert sich ans Geländer und erklärt mir währenddessen, dass sie auf der Unfallchirurgie arbeite und sich die vielen Fälle mit solcher Art von Treppen erklären ließen. Nun gut – Treppenstürze aufgrund von mangelnder Qualität kann ich als Therapeutin in meinen Karteikarten soweit ich das erinnere Gott sei Dank nicht vorweisen. Ich glaube, vorher sperrt man den Turm.

Blick von der Hohenbourg

Die Burgen sind alle so etwa im 13. Jahrhundert gebaut, mehrfach haben sie ihre Besitzer gewechselt oder wurden zerstört.

Wir tippeln weiter – es folgt der Sprung über die Grenze. Ganz unscheinbar, mit einem leicht verwitterten Grenzstein markiert geht es nun hinüber nach Deutschland. Fühlt sich lustig an. das Auto steht in Frankreich, wir stehen in Deutschland. Hoffentlich machen sie die Grenzen nicht dicht.

Grenzsprung nach Deutschland

Direkt hinter der Grenze geht es noch kurz einen Berg hinauf und schon stehen wir an Burg Nummer 4 – der Wegelnburg. Mit 575 Metern ist sie die höchst gelegene Felsenburg der Pfalz. Wahnsinn, was die sich hier früher hingebastelt haben.

Wengelnburg / Deutschland

Darüber hinaus oder gerade deswegen ist sie ein beliebter Fotospot – uns kommt ein wenig der Regen in die Quere, der jetzt in Doppeltropfenstärke auf uns hinabfällt. Deswegen gibt es nur eine kurze Stippvisite aber die Aussicht ist wirklich klasse. 2 Wanderer steigen von der Burg ab – wir kommen uns vor wie auf einer Zeitreise. Mit ihren Schafsfellen, einer mittelalterlichen Trinkblase vor der Brust und lustigen Schuhen sehen sie aus, wie aus der damaligen Zeit. Sachen gibts.

Wegelnburg / Deutschland

Der Hunger wird wieder mit ein paar Cashewkernen gestillt. Da der Regen stärker wird, gehen wir nun konsequent zurück und wählen den leichten Weg – den ganz normalen Wanderweg. Bis zum Auto sind es wohl etwa 2,5 Kilometer. Es plattert odentlich vom Himmel, das Blätterdach der Buchen schützt uns eine ganze Weile, bis das Wasser endlich durchdringt.

Im Auto gibts ne kleine Stullenjause, dann fahren wir etwa 30 Kilometer weiter – auf die höchste Erhebung der Nordvogesen – die Grenzen sind hier fließend, irgendwie sind wir auch schon im Elsass – wir erreichen den „Großen Wintersberg“ mit 581 Metern. Auf dem Gipfel steht ein Turm, den man besteigen kann.

Aussichtsturm auf dem „Großer Wintersberg“

Na dann mal auf, die kleine Wendeltreppe aus Steinstufen ist trotz der kleinen Fenster stockfinster, wie gut, dass Handys heutzutage eine Taschenlampe haben.

Auf der kleinen Plattform drängeln sich etwa 6 Leute, damit ist sie auch schon voll.

Die 360 Grad Aussicht – hervorragend. Fast alles rund um uns ist mit grünen Bergkuppen bedeckt – nur ein kleiner Teil läuft flach aus – dort blicken wir in die Rheinebene.

Blick Richtung Rheinebene

Hier und da erleuchtet die Abendsonne einzelne Kuppen.

Naja – und dann ist‘s fast 18..00 Uhr und wir müssen uns auf die Suche nach einem Schlafplatz machen. Dann sage ich also Gutes Nächtle, schönen Tag und bis zur nächsten Wegmarke.

  • Tageskilometer gewandert: ca. 10,00 km
  • Schritte: 14800
  • Ausgaben: 0,00 Euro

Tag 4: Wandern in den Nordvogesen, Bunker und wie man die Höhenmeter auf einer Wanderung pimpt

Hallo an alle, die mit Tag 4 ein wenig dem Alltag entfliehen wollen. Uns ist es in den Nordvogesen mit 17,5 Wanderkilometern und 24.000 Schritten gelungen. Ich versuche mich kurz zu fassen – wir sind nämlich ganz schön breit. Nach einer recht entspannten und übrigens offiziell kostenfreien Nacht auf dem Wohnmobilstellplatz an der Zitadelle in Bitche… – hier ist erst mal ein Foto:

Camper vor der Zitadelle in Bitche / Nordvogesen / Frankreich

…entleeren wir beide WC-Behälter und den Müll. Das klappt in Frankreich immer hervorragend an den Stellplätzen.

Danach fahren wir etwa 12 Kilometer zum Parkplatz Waldeck. Von hier aus starten wir eine Wandertour, bei der wir nicht wissen – wie lang sie wird. Das Wandergebiet ist vielfältig, sehr gut beschildert und man kann verschiedene Runden gehen.

Wir steuern zuerst das Chateau du Waldeck an. Eine auf rotem Sandstein stehende Burgruine aus dem 13. Jahrhundert.

Chateau du Waldeck / Nordvogesen / Frankreich

Wir klettern eine ganze Weile über die eigentlich eher kleine Burganlage. Es gibt paar Treppen, paar Aussichtspunkte und natürlich den Turm, der leider nicht begehbar ist.

roter Sandstein, die Wege gut abgesichert mit Geländer

Mit dem Besuch der Burg docken wir an unseren Urlaub, in direkter Nachbarschaft – im in Deutschland liegenden Pfälzer Wald an. Bereits dort hatten uns die roten Sandsteinformationen extrem gut gefallen.

der Turm vom Chateau Waldeck

Im unteren Bereich gibt es einige „Räume“. Auf schildern steht in französischer Sprache, welche Bestimmung sie mal hatten. Marcus nimmt eine statische Begutachtung vor. Sofern er in Räume rein geht, ist das schon immer ein gutes Zeichen. Die Sandsteinsäule mitten im Raum ist wirklich beeindruckend.

Sandsteinsäule / Chateau Waldeck

Direkt gegenüber vom Chateau Waldeck klettern wir über trockene, rutschige Trampepfade auf eine namenslose Sandsteinformation und haben etwas Ausblick in die Umgebung. Die Nordvogesen sind ein eher niedriges Mittelgebirge mit Gipfelhöhen von 300 – 500 Metern. Eine entspannte Angelegenheit also. Möchte man meinen.

Blick Richtung Chateau Waldeck

Dann folgen wir dem offiziellen Wanderweg „Circuit Erbsenfelsen“ und starten damit den offiziellen etwa 11 Kilometer langen Rundweg.

Wir umwandern die Erbsenfelsen – eine langgezogene und steil aufragende Sandsteinformation – diese ist aufgrund von Brutvorgängen von Kolkrabe und Wanderfalke teilweise gesperrt. Wir können also nicht hochklettern zu den Felsen – gewinnen einen kleinen Eindruck durch das Dickicht der frisch-grünen Bäume.

Erbsenfelsen / Frankreich / Nordvogesen

Nun gut – dann begnügen wir uns mit der „roten Sandsteinautobahn“ und schrubben Kilometer. Die meiste Zeit unserer heutigen Tour ist mehr oder weniger eine Waldwanderung – wir hätten tatsächlich etwas mehr Kontakt mit den Sandsteinfelsen erwartet aber so war es auch total ok.

Wanderweg nähe Erbsenfelsen / Nordvogesen

Wir wandern an zwei Weihern vorbei. Sie heißen „Erbsenweiher“ und „Glasbronnweiher“.

An letzterem machen wir eine kleine Rast – packen unser stattliches Picknick aus. 1 Tüte Cashewkerne und etwas Wasser. Taugt. Und da wir immer ein wenig filmen, filme ich einfach mal mit unserem kleinen Stativ die Pause. Das wird uns noch zum Verhängnis werden – aber dazu gleich.

Erbsenweiher

Wir folgen der exzellenten Wandermarkierung – der Weg geht nun straff hinauf. Etwa 100 Höhenmeter sind zu meistern. Seit Marcus eine neue Uhr hat, die auch Puls misst – ist das plötzlich für uns interessant. Er misst mit seiner Uhr und hat einen deutlich niedrigeren Puls als ich – traditionell gemessen. Am Messverfahren liegt der Unterschied aber nicht.

So. Und nachdem wir oben schon ein wenig gelaufen sind – habe ich ein komisches Gefühl. Ich wühle in meinem Rucksack und sehe es sofort: Das Stativ!

Es fehlt!!!

Dann wühlt Marcus. Es fehlt immer noch.

Und wo steht es? Natürlich am Glasbronnweiher – dort, wo ich die Pause gefilmt hatte.

Oh noooo! Marcus will mich bewegen, es liegenzulassen, gegebenfalls ein neues zu kaufen. Was für eine Verschwendung – Nein – wir gehen zurück.

100 Meter bergab. (Die Oberschenkel freuen sich.)

Hinter mir zetert es. Mit der Zeit hat er sein Schicksal angenommen.

Fix noch die halbe Runde um den Weiher.

Da es in der Gegend menschenleer ist – habe ich nichts anderes erwartet:

Da liegt es. Juhuuu!

Und dann gehts 100 Höhenmeter wieder hinauf. (Es hätte auch eine Abkürzung über die Straße gegeben – aber irgendwas hat uns hochgetrieben. Vielleicht das Gefühl, was zu verpassen.)

Und ja. Wir hätten was verpasst.

Einen riesigen Bunker. In der Gegend gibt es eine Menge davon. Schön ist´s nicht. Aber Teil unserer Geschichte.

Bunker am Biesenberg

Man kann sogar reingehen. Ich mag sowas nicht, finde alte, höhlenartige Gebäude latent gruselig – gucke bloß von draußen rein.

Blick in den Bunker am Biesenberg

Danach liegen noch etwa 5 Kilometer Waldwanderung vor uns. Wir sind wirklich froh, als wir den Parkplatz erreichen.

Für die erste Not  gibt es ein Käffchen und paar Waffeln. Kurz darauf noch etwas Gesünderes. Gekochtes Gemüse (Kartoffeln, Möhren, Porree, Kohlrabi), dazu ein gekochtes Ei und Leinöl.

Einfach aber lecker.

So und nun ab in die Betten – ich sage Gutes Nächtle oder schönen Tag, vielen Dank fürs Mitreisen und bis zur nächsten Wegmarke.

  • Tageskilometer gewandert: 17,5
  • Schritte: 24.000
  • Höhenmeter: ca. 300
  • Ausgaben: 0.00 Euro

Tag 3: Und zack über die Grenze – Bitche in Frankreich

Nach einer weitesgehend ruhigen Nacht am Wohnmobilstellplatz Kletterpark Kaiserslautern (Preis: 10,00 / Nacht incl. WC-Nutzung)…

…holt uns der Tag mit Sonnenschein und milden Temperaturen ab. Aber was waren das für seltsame Flugzeuge die gegen 4.00 Uhr nachts noch fliegen durften?!

Die Ramstein-Air-Base ist ganz in der Nähe – und es flog das Militär. Später am Tag werden wir am Abzweig zur Base vorbeifahren. (Mit diesem Foto greife ich mal ein wenig vor).

Ramstein Base nähe Kaiserlautern

Aber erst mal lassen wir den Tag gaaaanz in Ruhe angehen. Das tut uns gut. Wie immer im Camper gibt es Müsli, jeden Tag wird abgewogen. Etwa 50-70 Gramm für jeden, dazu ein Apfel, eine Banane, Kakao-Nibs, für Marcus paar Wallnüsse. Natürlich gibt es bereits an Tag 3 den „Quotencamper“ – einer hatte sich dann am Abend doch noch zu uns gesellt – und natürlich entleert er seinen Abwassertank frisch fromm fröhlich und frei auf den Waldboden direkt vorm Kletterpark. Sachen gibts und nein, wir sind noch nicht in Form – wir haben ihn nicht angesprochen. Eine Sauerei ist’s allemal.

Gegen 11.00 wird’s trubelig, der Kletterpark öffnet und wir machen die Biege. Wir haben ein Ziel – und es fühlt sich gut an, ein Ziel zu haben.

Die Nordvogesen.

Und schneller als wir gucken können, spazieren wir den etwa 1km Rundweg um die mächtige Zitadelle in Bitche / Bitsch. Fast wären wir durch den Ort durchgefahren.

Zitadelle Bitch I Frankreich I Nordvogesen
Zitadelle Bitche / Bitsch / Nordvogesen / Frankreich

Vom Rundweg aus haben wir einen ganz tollen Blick auf die kleine, knapp 5000 Einwohner zählende Stadt Bitch. Die Luft ist trocken, der Wind pfeift hier oben auf dem in 335 Meter Höhe befindlichen Rundweg.

Knallgelb blüht der Ginster am Hang und weiter drüben sehen wir das Ford San Sebastian, da werden wir später noch hingehen.

Blick auf Bitch / Frankreich / Nordvogesen

Geschickt hat der wohl berühmte Festungsbauer Vauban 1680 aus einer Burg eine neuzeitliche Festung gemacht. Verdingt sie sich heute als touristische Attraktion, galt die Festung seit jeher als strategisch wichtiger Punkt. Der Ort Bitsch wechselte mehrfach seine amtliche Zugehörigkeit zwischen Lothringen und Frankreich. 1766 fiel es endgültig an Frankreich.

Zitadelle Bitsch / Frankreich
Zitadelle Bitsch / Frankreich – auf dem Rundweg gibt es viele Bänke

Vom Rundweg aus haben wir übrigens einen super Blick auf den Parkplatz, der sich als ausgedehnter Wohnmobilstellplatz gibt. Eigentlich gibt es wohl 5 offizielle Plätze für Womos – aber das Parken ist wohl auf dem ganzen Platz erlaubt. Er ist gut gefüllt, wir sind sehr überrascht.

Parken / Wohnmobilstellplatz Bitche an der Zitadelle – finde Knatterinchen

Als nächstes nehmen wir das alte Fort San Sebastian in den Fokus. Wir spazieren ein Stück durch den Ort.

Hinter dem Fußballfeld liegt das Fort San Sebastian

Nach etwa 15 Minuten stehen wir direkt vor der kleinen Bastion. Sie ist geschlossen aber es gibt einen kleinen Rundweg. Es ist trockene, sehr warme und aufgrund von Wind sehr staubige Luft, was man auf dem Foto aber nicht sieht.

Fort San Sebastian / Bitche / Frankreich

 

An den Ecken finden sich noch die originalen Eingänge

 

Frankreich Flaggen wehen hier einige…

Am meisten gefällt mir der Blick rüber zur Zitadelle. Unterhalb liegt der Fußballplatz, es ist Sonntag – die Einheimischen kicken.

Blick auf Fußballplatz und Zitadelle in Bitsch

Es geht auf 16.00 Uhr zu, ein leichter Hunger setzt sich durch. Wir erinnern uns, dass wir gestern bereits vergessen hatten, Mittag zu essen – ein paar schokolierte Cashewkerne und paar Kekse mussten reichen. Heute ist es zwar auch schon wieder spät – aber wir kochen. Nudeln, dazu Gurke-Tomate-Feta-Salat. Dazu Möhren und Chicorée. (Dabei fällt uns ein, was wir zu Hause vergessen haben –  Couscous – oh nein, eines unserer Grundnahrungsmittel im Camper, mal schauen, ob wir das hier irgendwo kaufen können.) Mahlzeit.

Mittag!

Jetzt kommt er so langsam. Der gefürchtete Spannungsabfall – den wahrscheinlich jeder von den ersten Urlaubstagen kennt. Wir chillen ein wenig, machen uns aber gegen 18.00 Uhr nochmal auf in die Altstadt. Nicht das wir noch was verpassen.

Bitche am Sonntag Abend.

Die Kirche „Eglise Saint Catherine“, eine katholische Kirche mit deren Bau 1773 begonnen wurde.

 

Das Rathaus von Bitsch – wir müssen noch rausfinden, wohin die rechte Flagge gehört

Das Porte de Strasbourg – und dann sind wir eigentlich mit den Sehenswürdigkeiten durch.

Porte de Strasbourg – hübsch, aus Sandstein, wie so vieles hier

Der Rest der Stadt zeigt sich am Sonntag Abend leicht verschlossen. Fensterläden sind zu, Rolläden sind runter, viele Immobilien stehen zum Verkauf, viele Gewerbeeinheiten stehen leer.

Aber eins bleibt ganz sicher – wir sind in Frankreich und die Leute hier wollen auch zu Frankreich gehören.

Und so traurig die Stadt auch wirkt – alle Leute, denen wir begegnet sind, waren ausnahmslos sehr freundlich. Besonders einer, dem Marcus 5 Euro hinterherträgt, die dem Mann kurz zuvor aus der Tasche gefallen sind.

Bitsch ist auf jeden Fall einen Stop wert.

Wir nehmen Platz an einer überdimensionalen Sitzgruppe.

Ja – wir fühlen uns wohl und sagen erst mal gutes Nächtle oder schönen Tag und tschüss, bis zur nächsten Wegmarke

  • Schritte: 11.000
  • Ausgaben: 5,00 Euro Getränke

Dieser Beitrag ist ein Live-Blog und wird täglich ergänzt.

Tag 2: Von Thüringen ins Obere Mittelrheintal – kleine Geschichtseinheit

Nach einer wirklich sehr ruhigen Nacht auf der Thüringer Anhöhe wollen wir aufbrechen, kommen aber nicht weit. Schon nach wenigen hundert Metern entdecken wir ein gold-gelbes, duftendes Rapsfeld, das können wir uns nicht entgehen lassen.

Während wir fotografieren, kommen zwei Mopedfahrer bergauf, bei denen der eine direkt hinter uns schafft, sein Gerät abzuwürgen. Fast im selben Atemzug hält ein Traktor, der augenscheinlich Erlebnisfahrten anbietet – denn er setzt zwei Touristen am gleichen „Fotospot“ ab.

Knatterinchen findet aber auch schöne Fotospots

Gut. Wir düsen weiter – es geht zurück auf die A4, die „Drei Gleichen“ und auch Eisenach fliegt an uns vorbei. Kurz taucht die beeindruckende Skyline von Frankfurt am Main auf und dann wäre es fast passiert.

Die Verkehrssituation im Großraum Frankfurt ist auf jeden Fall aufregend aber gut machbar. Es ist halt einfach voll. Irgendwo kommt von rechts eine Spur dazu – einer hat große Schwierigkeiten, sich einzuordnen.

Er sieht uns schlicht nicht. Bis zum letzten Moment haben wir gedacht, er würde uns noch entdecken und doch auf seiner Spur bleiben. Nein – er zieht voll rüber. Huuuupen. Schreckgeplagt, weil wir damit einfach nicht gerechnet haben – verlasse ich ein Stück meine Spur, ziehe reflexartig links raus – denn wer will schon freiwillig ins Unglück steuern – Gott sei Dank war links keiner.

Gooooott sei Dank – das hätte einen ordentlichen Crash ergeben – so oder so. Unser einziges Glück war, dass links keiner war. Puh. Gleich am zweiten Tag so ein Schreck – die nächsten Minuten analysieren wir – aber nein. Ich habe keinerlei Fehler gemacht. Einzig das Rüberziehen nach links war nicht ganz so überlegt, hat uns in dem Fall aber einen Unfall erspart.

Gut. Nix passiert – dann fahren wir mal weiter, denn ein wenig Geschichtsunterricht wartet auf uns.

Wir erreichen Rüdesheim am Rhein, wir sind nun also in Hessen…

…und hier im „Oberen Mittelrheintal“ – dieses hat UNESCO Welterbe Status.

Der Camper kämpft sich mit Ach und Krach im dritten Gang den Weinberg hinauf. Hier wollen wir zu einer Sehenswürdigkeit. Auf dem offiziellen Parkplatz sollen wir für das Wohnmobil 8 Euro löhnen.

Das klingt irgendwie viel. Einen guten Kilometer zurückgefahren, parken wir kostenlos und haben einen Spaziergang durch den Niederwald, schönster Buchenwald, inklusive. Kein Mensch weit und breit. Das wird sich gleich ändern.

Denn tataa…nie zuvor von gehört, stehen wir – mit ganz vielen anderen Touristen – vor dem Niederwalddenkmal. Ein wirklich schönes Denkmal.

Niederwalddenkmal / Rüdesheim / Hessen

Geschichtsträchtig.

Denn: Fertiggestellt 1883 thront hoch über dem Rhein Germania. Sie hält die Kaiserkrone in ihrer Linken, ihre Rechte ruht auf einem abgestellten Schwert und symbolisiert, mit Eichenkranz auf dem Haupt, den Sieg der Deutschen 1871 im Deutsch-Französischen Krieg. Deutschland wird zum ersten Mal ein Nationalstaat – aus vielen kleinen Fürstentümern, Herzogtümern oder freien Städten wurde ein Reich. Das deutsche Kaiserreich mit Wilhlem I. an dessen Spitze.

Huch!

Besichtige ich gerade ein Denkmal, zu einer Epoche, die aktuell politisch betrachtet diskutabel ist?

Eine Schautafel entkräftet aufkommende Zweifel – mahnt, dieses Denkmal im Kontext der damaligen Zeit zu betrachten. Ok. Das klingt machbar.

Man wollte damals so etwas wie National- oder Einigkeitsgefühl in den Deutschen entwickeln. Im gleichen Atemzug oder mit ähnlichen Ansinnen wie das Niederwalddenkmal lässt sich die Hermann-Statue, das Kyffhäuser-Denkmal, das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig oder auch die Siegessäule in Berlin nennen.

Gut – wir mischen uns in die bunt gewürfelte Besucherschar. Frauen in langen Kleidern, walhlweise mit oder ohne Hijab posieren ausführlich vor Germania. Ein Mann mit schwarzer Kippa und langem schwarzen Mantel wallt förmlich die Treppe hinab, Menschen in Outdoorklamotten wandern vorbei, paar Hunde, Kinder, Krückstöcke und weiter hinten grölt eine Gruppe besoffener Männer, da wird scheinbar was gefeiert.

Irgendwie ein schöner und vor allem friedlicher Ort, der Blick auf den mächtigen Rhein ist sowieso immer schön – bei übrigens trockenen 26 Grad.

Ein paar Meter weiter findet sich dann noch ein Tempel, 1790 gebaut, hübsch gelegen und ebenso gut besucht.

Es geht auf 17.00 Uhr zu – so langsam müssen wir uns auf die Suche nach einem Schlafplatz machen. Doch erst mal haben wir das Problem: Wo kommen wir denn über diesen Rhein – keine Brücke weit und breit. Eine Fähre gäbe es in Rüdesheim – wir entscheiden uns etwa 30 Kilometer Richtung Wiesbaden zurückzufahren.

Etwa 19.00 Uhr erreichen wir einen Schlafplatz – da wir aber gern anonym stehen – erfahrt Ihr dann morgen, wo das war. Auf jeden Fall sind wir nun in Rheinland-Pfalz.

Gutes Nächtle oder einen wunderschönen Tag sag ich und dann tschüss, bis zur nächsten Wegmarke!

Tag 1: Ob wir es wohl schaffen, loszufahren?

Wir erreichen den ersten Urlaubstag mit quietschenden Reifen. Am Vorabend haben wir beide etwas länger gearbeitet und zwar schon viele Sachen zurechtgelegt aber noch nichts final gepackt.

Damit geht es also heute morgen so richtig los. Klamotten – tja – was nehmen wir denn eigentlich mit, wenn wir nicht so richtig wissen, wo es hingeht? Es hat bestimmt wieder was mit Wandern oder Fotografieren zu tun – und so packen wir vor allem Outdoorklamotten in die Fächer. Zusätzlich füllen wir die Vorratsschränke, den Kühlschrank, sämtliche Badutensilien kommen natürlich auch mit.

Und es sind die Kleinigekeiten, an die wir ganz besonders denken wollen: Nochmal Scheibenwischwasser auffüllen. Auch ganz wichtig ist die kleine Flasche mit der grünen Flüssigkeit für den Abwassrtank – einmal nachfüllen bitten, das hilft gegen mufflige Gerüche. Genauso die 2 Mini-Spüli-Flaschen, Thermometersensoren und und und. So fliegen die Stunden so dahin aber: Gegen 15.00 Uhr rollen wir los, düsen an leuchtenden Rapsfeldern vorbei und erreichen gegen Abend eine Anhöhe in Thüringen.

Natürlich drehen wir eine kleine Runde, vielleicht einen Kilometer und schon ist ein erstes Highlight entdeckt: Ein Adonisröschen – zur Adonisrsöschenblüte an den Oderhängen hatte ich mal einen ganzen Beitrag gemacht. Schau da gern mal rein, wenn du wissen willst – warum diese Blüten so ganz besonders sind. Wir freuen uns jedenfalls – mitten in Thüringen welche gefunden zu haben und so sehen sie aus:

Adonisröschen in Thüringen
ein prächtiges Adonisröschen

Wir sind hier übrigens nicht allein, die Anhöhe lockt die Menschen zur Sonnenuntergangsshow. Jugend mit protzigen Karren düsen den Berg hinauf, stehen cool – vielleicht auf ein Date mit den ebenfalls anwesenden Mädels hoffend – mit dem Hintern ans Auto gelehnt, die Arme verschränkt. Schöne Abwechslung in deren Abendromantik ist Marcus, der mit Insektenlöser und Tüchern über die Frontscheibe robbt. War ganz schön was los in Sachen Insekten – aber das ist ja eigentlich ein gutes Zeichen.

Fahrtauglichkeit herstellen

Das Licht wird richtig schön, wir machen ein schnelles Foto – denn all das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir hundemüde sind.

Sonnenuntergang Thüringen

Und noch eine Impression:

Sonnenuntergang 2 I Thüringen

So – dann sind wir selbst gespannt, wo es uns die nächsten Tage hinspült. Dann sage ich Tschüß, wir freuen uns, wenn ihr uns virtuell begleitet und vielleicht ein wenig mitfiebert – wo es hingeht – und nun: Gutes Nächtle und schönen Tag und bis zur nächsten Wegmarke.

 

 

 

10 Kommentare

  • Na das geht ja in jeder Hinsicht wieder spannend und interessant los. Schön, dass es Euch und Knatterichen gut geht. Gute Weiterreise. ☀️

    Antworten
  • Schon Tag 5 und alles gelesen. Eine sehr interessante Zeitreise! Den Regen könnt ihr gern nach Sachsen schicken-wir haben schon wieder Totalwassermangel. Der Bericht ist für mich Geschichtsunterricht, den ich in jungen Jahren und eigentlich auch noch heute etwas beiseite drücke. Da habe ich wohl im Leben andere Sachen für wichtig gefunden, das tägliche Leben. Weiter gute Reise und nicht noch so ein Autobahnerlebnis, was wir auch schon gehabt haben.
    Grenzerfahrung hatten wir auch schon: Auto in Deutschland am Bodensee und wir in Konstanz.
    LG aus Leipzig und weiter guten Urlaub

    Antworten
  • Das ist ja wieder eine verrückte Wanderung am Abhang! Danke für den schönen Bericht. Zum Tag 7: Bild Spiegelung im Kanälchen: erinnert mich an meine Antennenbauaktivität und Montage auf dem Hausdach. Rechts im Bild sind die Antennen zu sehen. Eigenartig wie die Erinnerungen zurück kommen. Weiterhin guten Puls! LG Vati

    Antworten
  • Das ist wieder ein interessantes tägliches Mitreisen mit Euch. Und was wieder bewusst zutage tritt: Es sind nicht die großen Sehenswürdigkeiten, sondern die kleinen Entdeckungen, die das besondere Erleben ausmachen. Zumindest fühlt sich das beim Lesen und Fotos anschauen so an. Euer Verlaufen hat mich an eine Situation in der Sächsischen Schweiz erinnert. Da ging es auf dem Hintern die nicht mehr ausgebaute Stiege auf purem Fels hinab, da es bereits dämmerte.. Bon voyage. 🚍💚🌏🍀

    Antworten
  • Mittelmeer – Glückwunsch! 👍Genießt die „frische“ Brise. Jeder Tag Eurer Tour beindruckt. 😊 Gute Fahrt weiterhin.

    Antworten
  • Ja, das hat sich gelohnt: Tag 25 ein tolles Stadttor! Erinnert mich an Malerei von Spitzweg-das Spiel mit dem Licht. Wir schauen später noch einmal wenn der Bericht fertig ist. LG Eltern

    Antworten
  • Hallo, der Sonnenaufgang am Tag 28 ist enorm. Das lockt wohl zum Aufstehen. Entweder abends oder früh wird die Tour verfolgt. Und Sandra sieht richtig erholt beim Wasserfüllen aus. Gute Fahrt und schöne Zeit auf den letzten beiden Etappen, wir werden schauen! LG Eltern

    Antworten
  • Hallo,
    wir haben nun einige Filme dieser Tour über YouTube angeschaut und leider finden wir nicht die richtige Rheinfolge auch trotz der Filterung nach euren Namen.
    Es werden auch immer Filme anderer Person angezeigt.
    Wie erhalte ich die korrekte Rheinfolge eurer Tour?

    Die Filme und Fotos sind wunderschön. Ein Teil der Tour werden wir auf unserer Tour übernehmen.

    Liebe Grüße aus dem Ostharz
    Marion

    Antworten
    • Hallo Marion,

      freut mich sehr, dass Dir Filme und Fotos gefallen – Du findest die nach Reise sortierten Videos jeweils in der Playlist. Zur aktuellen Tour ist gestern das erste Video online gegangen. Vermutlich hast Du also die Videos der Campertour aus 2025 angeschaut.

      Liebe Grüße und schönen Sonntag
      Sandra

      Antworten

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