Campertour 2026 – Route offen!

Und? Wo geht‘s hin? Das war diese eine Frage, die wir in den letzten Tagen sehr oft gehört – und kein einziges Mal zufriedenstellend beantworten konnten. Wie so oft, wissen wir wieder einmal nicht, wo uns die diesjährige längere Campertour hinführen wird – eins ist ganz sicher – das Auto ist gepackt losgerollt und ich werde an dieser Stelle immer wieder (im Idealfall täglich) berichten, wo es uns hingespült hat – Achtung – dieser Beitrag wird also wieder episch. Schau gern die nächsten Tage immer wieder rein. (Ganz wichtig: Falls mal einen Tag nix kommt, bitte keine Sorgen machen – vielleicht bin ich einfach mal zu müde oder wir sind im Funkloch)
Inhalt:
Tag 17: Kletterpartie, ein idyllischer See und ein Wasserfall
Tag 17 wird gerade bearbeitet…
Hey willkommen zurück hier auf unserer Reise. Zurück war heute auch die Sonne – wir konnten es kaum glauben und beginnen diesen schönen Morgen auf dem kostenfreien Wohnmobilstellplatz in Lachamp-Raphael. Wir sind ein wenig müde – gegen 3.00 Uhr kam ein Fahrzeug mit lauter Musik und stiefelten Leute mit Stirnlampen um ihr Auto und leuchteten dabei natürlich den Parkplatz aus. Nicht so schön aber das Feiertagswochenende wirkt sich aus.
Das gestern etwas geisterhafte Dorf erwacht zum Leben, Einwohner bringen ihren Müll zum hinter dem Stellplatz befindlichen Müllplatz – immer dann bellt sich ein Hund die Seele aus dem Leib. Wir sehen Menschen, und mit Sonne schaut sowieso alles freundlicher aus.

Dann kurven wir los. In etwa 15 Kilometer nördlicher Richtung gehts nun zu einem See, dafür geht es kurvenreich, auf schmaler Straße und konsequent bergab.
Der See ist schön gelegen. Geschützte Kessellage – das bringt die Temperaturen auf 21° Grad. Eine Gruppe hat sich gerade zum Baden in den See begeben – es herrscht französisches Geschnatter und Gelache – hier erholen sich also die Franzosen. Der Ginster blüht üppig, Unmengen an gelben Lilien stehen am Ufer, ein Junge angelt. Grüppchen von Menschen machen Picknick, grillen. Man spürt, dass heute alle das gute Wetter und den freien Tag genießen.

Oberhalb vom See liegt malerlich ein Ort.
Saint Martial – wir spazieren mal hoch.
Ein süßer, gepflegter Ort. Die Gardinen wirken modern, hängen akurat genäht, ein freundlicher, älterer Herr bestätigt im Vorbeifahren, dass der Blick auf den See gut ist. „Tres Bien“ – ruft er aus dem Auto und deutet dabei auf den See.

Im Ort gibt es den üblichen Bäcker, die übliche Kirche und auch hier wird im Hinterhof gegrillt und die Wäsche im guten Wetter wedelnd getrocknet.
Wir gucken mal in die Kirche.

Nettes Fleckchen Erde, wir fahren trotzdem weiter, denn wir haben noch mehr auf dem Zettel.
Wieder etwa 20 Kilometer weiter – macht uns das Auto fertig. Es klebt sich vor diesem Vulkanhubbel fest und will, dass wir da hochlaufen.

Ok. Dann laufen – äh – klettern wir da mal hoch. Der Weg ist extrem unwegsam und übertrifft an Wegbeschaffenheit alles, was wir in diesem Urlaub erlebt haben. Gott sei Dank liegt die Strecke wohl bei etwa 500 Meter – ja aber eben senkrecht gut 100 Meter hinauf.
Das sah dann praktisch so aus:

Oder es gab auch mal ein Seil:

„Er“ schafft es in 14 Minuten, sie in 19 – der Puls ist einmal kurz hochgeschossen, denn die Stufen über die Felsen waren teilweise so hoch wie mein Bein. Beim 360° Ausblick, darf sich der Körper kurz erholen. Ein fantastischer Ausblick.


Die Landschaft der Ardéche ist interessant, vulkanisch geprägt – überall ragen so kleine Kuppen auf.
Gut, da es nicht allzu heiß ist, steigen wir wieder ab denn am Fuße des Berges gibt es eine weitere Bes0nderheit. Dafür müssen wir auf die andere Straßenseite – der heute extrem vielbefahrenen Straße. Wir hätten gern gewusst, wo die alle herkommen oder wie sie hinwollten – Heimreiseverkehr vielleicht.
Schwupp. Unten und andere Straßenseite und ein altes Haus.

Schaut man in die Tür hinein, findet man: Tataaa – die Quelle des Flusses Loire. Mit 1006 Metern ist die Loire Frankreichs längster in den Atlantik mündende Fluss.
Rechts an der Wand steht „Source“ (= Quelle). Die Quelle ist kameraüberwacht – oder der Eingang des Regioladens.

Im Regioladen riecht es rauchig nach Ofenfeuer und gibt es alles was das Herz begehrt. Wurst, Käse, Spielzeug, Honig, Linsen, Holzschnitzerein, Schneidebrettchen touristisch aufgearbeitet. Viel jedenfalls.
Zum Shoppen wechseln wir nochmal die Straßenseite, denn hier haben regionale Händler in kleinen Buden ebenfalls tolle Sachen. Es geht immer um Wurst, Käse, süße Teilchen, Honigprodukte und sogar Süßkirchen für 8,00 Euro das Kilo werden bereits verkauft.
Da parken, Toilette, Aufstieg auf den Berg und auch Quellenbesichtigung komplett kostenfrei ist – wollen wir wie immer zumindest etwas Geld in der Region lassen. Bei den Familienbetrieben ist es immer gut platziert. Wir stehen mal wieder am Käsestand – dieser ist von Familie Alix aus St. Eulalie.

Tja und man kann den Mann einfach an solchen Ständen nicht alleine lassen. Ich war schon mal zum Auto vorgegangen – und was kommt außer Käse auch noch mit? Ein Törtchen – wieder in einer Pappschachtel.
Diesmal gibt es Heidelbeere, wir teilen uns eins als Dessert nach Couscous mit Feta, Gurke, Tomate und Ei.

Abfahrt zum nächsten und letzten Wegpunkt des Tages. Der Ray-Pic Wasserfall. Wieder so eine faszinierende Naturerscheinung. Um ihn zu betrachten müssen wir nochmal paar Treppen hoch- und runtersteigen – die Beine sind schon ordentlich müde aber es ist nicht weit und die baslatgeprägte Gegend auf jeden Fall einen Stop wert.

Es gibt zwei Plattformen und es ist am Abend so gut wie nix mehr los, ein schnelles Selbstauslöserfoto.

Und nochmal eins vom Wasserfall alleine – die Basaltsäulen, durch die er sich durchquetscht, sind einfach irre.

Und dann ist es gut nach 18.00 Uhr – wir sollten mal langsam einen Schlafplatz suchen. Wir sind gut geschafft vom Tag aber es ist schön, wie ein wirklich dunkler Fleck auf der Landkarte – die Ardéche war mir vorher so überhaupt nicht bekannt – wie so ein dunkler Fleck sich langsam zu einem Gesamtbild zusammensetzt.
Nun sage ich erst mal Gutes Nächtle, schönen Tag und bis zur nächsten Wegmarke.
- Schritte: ca. 13.000
- Kilometer: ca. 9 Kilometer
- Höhenmeter: ca. 250 Höhenmeter
- Ausgaben: 10,00 Euro für 3 Stück Käse und ein Törtchen
Tag 16: Walnüsse, eine süße Versuchung, Saint-Nazaire-en-Royans und ein Sprung gen West
Der Tag war lang, jetzt ist es spät – bereits nach 22.00 Uhr – mir klappen fast schon die Augen zu aber meinem Blog und seinen Lesern bleibe ich treu – denn es gibt mal wieder eine Menge zu berichten.
Gemütlich geht der Tag los – es ist wohl so gegen 11.00 Uhr als wir endlich vom Campingplatz in Cognin-les-Gorges abreisen. Im gleichen Ort besuchen wir als erstes einen hübschen Laden, der sich ganz der Walnussproduktion verschrieben hat. Walnüsse sind „das“ Thema in der Region. Überall links und rechts der Straße sind große Walnusshaine oder sagt man Plantagen? Ich weiß es gar nicht. Endlos fliegen sie jedenfalls an uns vorbei.

Wir gehen regional shoppen.

Der Laden „La Noix“ wirkt gepflegt, der sehr höfliche Mann, der uns einlässt – muss trotz der Öffnungszeit erst mal die Tür aufschließen. Ich frage vorsichtshalber mal, ob ich ein Foto machen darf.

Dann fahren wir kurz zu Mülltonnen – im Vercor sind die Orte dahingehend hervorragend aufgestellt. Und auch Lidl paar Orte weiter statten wir einen kurzen Besuch ab.
Dann geht es ins kleine, feine Örtchen Saint-Nazaire-en-Royans. Hier lockt uns der Äquadukt aber der Ort hat noch mehr zu bieten.
Wir spazieren durch die alten Gassen – hier lebt man noch, Gott sei Dank gibt es sie – die Orte, die noch nicht komplett vom Tourismus aufgefressen werden. Beete in Vorgärten zeugen davon, auch Stapel von Schuhen hinter Reegnrinnen geklemmt oder der Duft von frisch gewaschener Wäsche. Hm.

Der Ort ist klein, schnell durchwandert und liefert von verschiedenen Punkten einen tollen Blick auf den Fluss La Bourne. Irre, wie mächtige der ist – letztes Jahr sind wir durch die Schlucht der Bourne gefahren (siehe Videos bei YouTube).

Tja und dann werden wir angelockt. Wir sind uns sicher, die Boulongerie (Bäckerei) verströmt Aroma vorm Laden. Wir müssen einfach rein – kleine zauberhafte Tortelettes lachen uns an.

Dazu bekommen wir einen fantastischen Kaffee. Leider reicht mein Französisch nicht, sonst hätte ich gefragt – was ein volles Tässchen kostet. Die zwei überaus leckeren Törtchen und 2 Kaffeekosteten was bei 10,00 Euro.

Durche eine Unterführung kommen wir zu so etwas wie einem kleinen Hafen – auf dem Weg dorthin gibt es etwas Streetart. Freue ich mich ja immer, wenn schöne Bilder an Wänden sind.

Hier gäbe es eine weitere Höhle, hier befindet sich das Tourismusbüro und hier kann man augenscheinlich Rundfahrten mit Booten machen.
Und von hier hat man einen der besten Blicke auf den Äuqadukt.

Da fällt mir ein, ich könnte die Toiletten benutzen – hier ist gewisse Sportlichkeit gefragt. Lange nicht mehr gesehen aber es gibt sie noch, die traditionellen Hocktoiletten.

Wir ziehen weiter. Unsere Route führt uns nun gen West. Wir tanken in Valenc bei InterMarche (die Supermarkttankstellen sind auch hier häufig deutlich günstiger).

Für eine Mittagsrast – ups, doch schon 15.30 Uhr – öffnet sich die Schiebetür auf einer Rhoneinsel.
Heute hat Freshona, die Haumarke von Lidl für uns gekocht. Mal wieder eine Asia-Tüte mit Couscous. Lecker.
Hinter uns führt die Straße über den breiten Fluß. Einige Einheimische halten an dieser Stelle ein Nickerchen. Die Temperaturen klettern dank Sonne auf 17° Grad, sehr angenehm aber stark windig.

Danach lassen wir uns durch ein Google-Symbol, was eine Aussicht verprach ein wenig in die Irre führen. Macht erst mal nix – wichtiger zu erzählen ist:
Unsere Tour hat uns nun vom Vercors in den „Regionalen Naturpark Ardeche“ geführt. Im Norden der Ardeche erheben sich die Gipfel von paar Hundert auf bis zu über 1000 Metern. Die Landschaft wird karg, der Ginster blüht, die Häuser, die Leitplanken, die Brücken – alles ist hier rustikal aus Naturstein gebaut.
Und wir irren ewig über sehr sehr schmale Land- / Bergstraßen auf denen die wenigen Einheimischen nur so um die Ecke gekachelt kommen.

Die Übernachtungsplätze dünnen sich aus. Aber es ist kein Problem einen zu finden. Und wie fast immer ist der auch noch kostenfrei.
In der Beschreibung steht: Hübsches, höchstgelegenes Dorf der Ardeche auf +/- 1320 Metern.
Dann schauen wir doch mal. Hm. Gespenstisch hätte es wohl eher getroffen. Von den wohl 70 Einheimischen sehen wir nicht einen. Die Kirche bimmelt 19.00 Uhr 3x drei Schläge, etwas wirr.
Holzschnitzkunst steht herum, viele Häuser stehen leer und / oder zum Verkauf.
Nanu – das haben wir in Frankreich selten gesehen.

Aber es gibt noch ein Ziel – 19.00 Uhr ist der Tag ja noch lange nicht zu Ende. In 1,5 Kilometern gibt es noch einen Gipfel zu besteigen. Was bei hundert Höhenmetern gilt es zu bezwingen.
Dann stehen wir zusammen mit den 3 Kreuzen oben und haben einen fantastischen Rundumblick. Mega.


Tja aber je weiter oben man ist, desto kälter ist es natürlich auch. Bei schlappen 4° tapern wir zum Auto zurück. Marcus pimpt unseren Frostwächter, damit der in der Nacht nicht alle Leitungen entleert und Gott sei Dank geht nach dem Ziehen der Sicherung auch die Standheizung zuverlässig wieder an, so können wir es uns schön warm im Auto machen. Vielleicht surrt die Dieselheizung zu laut – jedenfalls fährt ein Camper wieder weg, der kurz nach uns kam und eigentlich schon alles zugemacht hatte. Hm. Weiß man nicht.
Ein langer, schöner Tag mit ganz verschiedenen Eindrücken geht zu Ende.
Nun sage ich Gutes Nächtle und schönen Tag – bis zur nächsten Wegmarke – wir erkunden weiter die Ardeche. Bleibt gespannt.
- Ausgaben: oha – heute haben wir unser komplettes Taschengeld „offn Kobb geglobbt“ (Einkauf im Walnussladen ca. 60 Euro / Törtchen essen ca. 10,00 Euro / Tanken: ca. 83,00 Euro
- Schritte: ca. 10377 Schritte
- Kilometer: 7,3 Kilometer
- Höhenmeter: ca. 150 Höhenmeter
Tag 15: Vercors Klappe die Zweite, Grottenolme und Aprilwetter
Halbzeit. Heute sind wir 2 Wochen unterwegs. Eigentlich wollten wir wandern – der Regen macht uns einen Strich durch die Rechnung – gut, dann nehmen wir doch das Auto und durchfahren zunächst eine Schlucht. Es geht straff und auf einer schmalen Straße bergauf. Leitplanken sind Mangelware. Gott sei Dank kommt keiner entgegen – der Tunnel der Nan-Schlucht ist aufregend, wir fahren erst mal nur durch. Später am Abend werden wir wiederkommen.
Die Straße schraubt sich weiter den Berg hinauf, das Thermometer fällt – auf 1° Celsius.
Huhuhu.
Kalt und aus Regen wird Schnee. Auf 1295 Meter steigen wir kurz aus, weil wir es kaum glauben können. Es schneit. Verrückt.

So hübsch das Weiß auf dem frischen Grün des Frühlings auch ausschaut – ich will so schnell wie möglich wieder runter. Man weiß ja nie, was noch kommt. Alles geht gut – wir kommen am nächsten Tunnel an, hier klart es ein wenig auf. Wir gehen auf der wenig befahrenen Straße spazieren und vor allem fotografieren.

Paar Serpentinen weiter gibt es einen schönen Aussichtspunkt. Der Col de Toutes Aures – hier klart es richtig auf. Die Sonne schickt wärmende Strahlen, Knatterinchen klebt sich fest und genießt die Aussicht. Wir bleiben bestimmt eine Weile hier stehen.

Es kommen 2 Radfahrer, 2 Motorradfahrer, 2 Autos und zwei Wanderer. Nicht viel los – kleines Hüngerle stellt sich ein – spartanisch aber mit guter Aussicht gibt es für jeden 200 Gramm Skyr und 2 Käsescheiben, dazu einen Kaffee.

Wir haben ein richtiges Dejavu – im Vercors hatte es uns letztes Jahr richtig gut gefallen. Die noch fehlende Schlucht haben wir abgearbeitet und weil es noch regnet, entschließen wir uns eine „der“ angesagten Grotten des Vercors zu besuchen.
Schon die Google Beschreibung sagt, dass deutlich mehr Leute da sind als sonst – klar. Es regnet und ist Feiertagswochenende.
Wir fahren trotzdem hin, mal gucken ob wir noch reinkommen.
Kurz vor dem Abzweig zur Höhle stoppen wir und feiern diese Felsformation – darin befindet sich eine Höhle, die wir letztes Jahr erkundet haben (siehe YouTube-Video).

So und dann stehen wir am Parkplatz, der aus den Nähten zu platzen schein. Voll.

Es ist 14.40 Uhr – am Ticketschalter bietet man uns ein Ticket für 16.40 Uhr an. Ok – machen wir und vertreiben uns die Zeit im Auto und mit fotografieren.

Pünktklich zum Tourstart stehen wir da – mit uns etwa 50 weitere Menschen. Irgendwo fragt der Guide ganz leise, ob alle französisch sprechen – nein – wir nicht. Aber das bekommt er gar nicht mit. Später dürfen wir uns dann einen deutschen Audio-Guide holen. Und dann gehts rein.
Die Höhle ist auf jeden Fall beeindruckend – ich kann mich nicht erinnern, was Vergleichbares je gesehen zu haben. Die Höhle ist vor allem für ihre spaghettiähnlichen Stalaktiten berühmt – das schaut wirklich irre aus.


Irre sind aber auch die Massen, die hier durchgeschleust werden. Wir sehen die 50 Leute die vor uns laufen – und später auch die, die nach uns kamen. Klaustrophobisch sollte man hier nicht veranlagt sein.

Eine weiter Besonderheit sind die „Grottenolme“ – die in absoluter Dunkelheit leben. Wir müssen penibel darauf achten, dass die Kamera nicht blitzt – tatsächlich bekommen es alle 50 hin.
Schauen, nunja – nicht unbedingt kuschelig aus. Sind aber Überlebenskünstler. Nur mit bisschen Drängeln kann man sich ein Foto ergattern.

Das große Finale kommt im größten Raum. Eine animierte Lichtshow. Dafür müssen sich alle eine lange Treppe hochquälen, dann dürfen wir alle auf so etwas wie einer Tribüne stehen und es wird dunkel in der Höhle.
Das bunte Gezaubere geht los – es ist noch keine Minute vergangen, sagt Marcus: So einen Kikifax brauche ich nicht.
Ja – das stimmt irgendwie. Ich bräuchte auch die Alkoholfahne meines Nachbarn und die eiskalten Tropfen auf dem Kopf nicht – aber ich komme hier für paar Minuten nicht weg.
Die reine Betrachtung der geologischen Strukturen war deutlich faszinierender. Aber nunja. Augenscheinlich brauchen Menschen diese Art der Unterhaltung. Schön bunt war es auf jeden Fall.


Auf dem Rückweg passieren wir noch Pont-en-Royans – wieder klingelt es gewaltig in unseren Köpfen. Hier hatten wir damals übernachtet und das Dorf mit den am Fels hängenden Häsuern ausführlich erkundet. Heute kaufen wir nur Baguette. Ich checke natürlich nicht, dass es vom Vortag ist – dafür ist es günstig.
Und wir fahren ein weiteres Mal hinauf in die Nan-Schlucht. Die Sonne scheint und wir filmen die Durchfahrt… bis zu den Videos dauert es noch ein wenig.
Dann geht es zurück zum Campingplatz, den wir für eine zweite Nacht gebucht haben. Hier geht es locker zu. Unser Platz von gestern ist weg – stehen wir halt woanders. Ist uns auch recht.

Ich muss nun zusehen, dass ich auf dem Handy ein wenig Speicherplatz frei bekomme und zu allem Übel hat sich heute die Standheizung verabschiedet. Mal schauen, ob das nur was kurzfristiges ist.
Ein Regentag, der dann irgendwie doch ganz schon wurde und viele schöne Impressionen für uns bereithielt. Besonders über den Höhlenbesuch freuen wir uns – unter normalen Umständen (also gutem Wetter) machen wir so etwas ja eher nicht. Nun hat sich das Bild zum Vercors noch etwas mehr vervollständigt.
Nun sage ich Gutes Nächtle, schönen Tag und bis zur nächsten Wegmarke.
- Kilometer: ca. 6 Kilometer
- Schritte: 9100
- Ausgaben: 28,40 – 2 Tickets für die Höhle Choranche
Tag 14: alles Käse, wir verlassen den Jura, der lange Fluß Ain, ein Kreis schließt sich und dicke Wolken am Abend
Meine Herren – was war das für ein Wetter an diesem Herrentag. Wechselhaft trifft es am ehesten. Nach einer angenehm ruhigen Nacht zusammen mit 5 anderen Campern auf dem kostenfreien Womostellplatz oberhalb von Baume-les-Messieurs klopft uns unser Mitreisender, der Regen wach. Stört uns nicht weiter – heute wollen wir ohnehin ein Stück gen Süden fahren aber erst mal gehts in den nur unweit befindlichen Käseladen. Herrlich – das lieben wir an Frankreich. Für etwa 30 Euro kaufen wir 7 Sorten Käse und eine Wurst.

Wir durchfahren nochmal Baume-les-Messieurs, an vielen Stellen klingelt es jetzt im Gehirn – die schöne Asphaltstraße, die wir gestern Abend hochgelaufen sind, fahren wir wieder runter, das Kloster fliegt an uns vorbei und letztendlich das Ortsausgangsschild. Baume les Messieurs hat uns extrem gut gefallen.
Knapp 200 Kilometer soll es nun gen Süden gehen, Ankunftszeit laut google.maps etwa 16.00 Uhr.
So gern wir vorankommen – Pflichten müssen erfüllte werden. Müll muss raus, Pipi- und Feststoffbehälter sollten geleert werden. Das gelingt uns sehr gut in Orgelot bzw. dem dort befindlichen kostenfreien städtischen Wohnmobilstellplatz. Hätte man auch gut übernachten können. Recht herzlichen Dank an die Gemeinde.
Einen ersten Stop haben wir an einem Aussichtspunkt auf den Fluss Ain geplant.
Das Wetter spielt uns einen Streich, just in dem Moment regnet es mal wieder, kurz darauf graupelt es sogar. Ich mache ein schnelles Foto.

Etwa 15 Mal wird dieser Fluss in seinem Verlauf aufgestaut, an einer riesigen Staumauer halten wir ein zweites Mal. Der Regen bleibt starkt – jetzt gibt es nur ein Blitzfoto aus dem Seitenfenster.

Wir folgen dem Gewässer gefühlt sehr lange dabei waren es letztendlich gar nicht so viele Kilometer, irgendwann führt die kleine Straße direkt am Ufer entlang und wir entdecken diese Haltebucht. Schwupp — da ist doch die Mittagspause gebont.
Ein Schiebetürfoto. Noch bei Ankunft regnet es, auf einmal knallt die Sonne – perfekt – heute gibt es Nudeln mit Pesto. Geht schnell, denn es ist bereits 13.30 Uhr – irgendwie kommen wir nicht von der Stelle.

Ich knipse ein wenig am Ufer rum. Richtig idyllisch dieser Ort. Dabei wird dieser Fluss regelrecht ausgelutscht – zur Stromgewinnung.
Doch nicht nur das. Auch Starkwasserereignissen möchte man mit den Aufstauungen begegnen.

Ich luge durchs Gebüsch – na huch, was liegen denn da für lustige Wasserfahrzeuge am Steg? Der Fluss schimmert türkis.

Die Nudeln sind verspeist, alle Gegenstände wieder fahrtauglich verstaut – eigentlich könnten wir jetzt ein gutes Stück vorankommen aber nein: 5 Kilometer später stehen wir wieder – bisschen müssen wir wieder über uns selber schmunzeln – wie so oft – kommen wir einfach nicht voran, entdecken diesen extrem schönen Viadukt. Oben ist eine Bahnstrecke drauf, unten dürfen Autos drüber. Der Cize-Bolozon-Viadukt.
So, nun aber auf. Wir fahren durch dicht besiedeltes Gebiet. Normales Gewerbegebiet, Wohnsilos, dann wieder kleine alte Häuserzeilen.
Und Kreisverkehre. Ohne Ende Kreisverkehre – manchmal alle Kilometer einen. Immerhin gibt es dadurch keinen Stau.
Was sie in Frankreich auch mögen sind die Huckel auf der Straße, wo man zur Verlangsamung gezwungen wird. Gefühlt haben wir über hunderte bereits überfahren – nicht selten staucht das Fahrzeug beim runterfahren richtig schön runter. Autsch.
Auch sind uns die teilweise ellenlangen, schnurgeraden Straßen aufgefallen – ermüdend und faszinierend zugleich.

Wir halten nochmal kurz für einen Kaffee und dann óle óle – schließt sich ein Kreis. Den Naturpark Jura haben wir hinter uns gelassen und stehen nun direkt am nördlichen Eingang zum Vercors – der Naturpark, der uns bei unserer letzten Frankreich sehr in den Bann gezogen hat (siehe YouTube-Videos).
Wir checken gegen 18.30 Uhr bei kühlen 10° Grad auf dem Campingplatz Cognin-les Gorges ein. Die Campingplatzbetreiberin spricht bestes Deutsch, das macht vieles leichter.
Wir erkunden gleich ein wenig die Umgebung, stehen damit direkt am Anfang der Nan-Schlucht – eine Schlucht, die wir damals nicht mehr geschafft hatten, weil sie uns zu weit nördlich lag.
Ein gewaltiger Anblick – wie sich die für den Vercors typischen steil aufragenden Felswände für diese Lücke auftun.


Was uns beim letzten Mal überhaupt nicht aufgefallen war – sind die Walnussbäume, die hier augenscheinlich ein großes Thema sind. Wir spazieren durch Walnusshaine und es gibt im Ort eine recht große Walnusstrockungsscheune, das scheint was besonderes zu sein – da sie genannt wird.
Tja und dann grollt es in der Ferne und spektakuläre Wolken ziehen auf. Ein Blitz zischt quer über den Himmel – eigentlich sollte diese Front knapp an uns vorbeiziehen – aber sie überlegt es sich anders. Dreht und schickt zumindest ein zweites Mal dicke Graupelkörner auf Knatterinchen. Ui ui ui – ein paar Augenblicke bete ich, dass die Dinger nicht größer werden. Aber der Himmel sah irre aus.

So – auch so kann so ein Reisetag ausschauen. Eigentlich haben wir nix gemacht und dennoch eine Menge erlebt.
Nun sage ich erst mal Gutes Nächtle und schönen Tag – tschüss – hier sagt man Au revoir! Bis zur nächsten Wegmarke.
- Schritte: 6900 Schritte
- Kilometer: ca. 5 km
- Ausgaben: ca. 30,00 Euro im Käseladen und ca. 35 Euro Campingplatz
Tag 13: Baume Les Messieurs
Tag 13 muss ich sehr kurz fassen – ich bin froh, dass ich Tag 12 nachgeholt habe. Gerade ist es bereits 23.00 Uhr, der Regen drippelt aufs Dach.
Wir sind immer noch im Regionalpark Jura – im Örtchen Baume les Messieurs – eins der Dörfer, die man zu Frankreichs schönsten Dörfern zählt. Und das stimmt. Der Ort ist wirklich niedlich – ach was sage ich – irgendwie ist der Ort einzigartig. Denn er liegt umgeben von hoch aufragenden Karstgesteinswänden – ein einmaliges Setting, das uns schon beim Durchfahren sehr begeistert hat.
Also, Camper abgestellt. Oberhalb vom Ort gibt es einen offiziellen Womostellplatz und dann heißt es wieder mal Höhenmeter fressen – wir steigen etwa 180 Höhenmeter auf einer Länge von 2 Kilometern ab.


Wir besichtigen das Klostergelände und die Klosterkirche, bummeln ein wenig durch die kleinen Souvenirshops.
Dann durchstromern wir den Ort und fangen unzählige Blickmomente ein. Punkt 17.00 schließen alle Läden.
Tja und wie das mit uns immer so ist – dann entdecken wir das Schild: Wasserfall – 2 Kilometer. Nochmal wohl 80 Höhenmeter – na dann. Auf gehts. Wieder mal über dieses räudige, felsige Gestein, was dich straucheln lässt, was dich stolpern lässt, was dich abrutschen lässt – wir geben trotzdem Gas – denn eigentlich ist es auch auch wieder kurz vor 18.00 Uhr und im Rücken haben wir ja noch die 180 Meter hohe Felswand, wo unser Bett steht.
Aber auch diese Tour zum Wasserfall hat sich gelohnt – einer der schönsten Wasserfälle, die wir überhaupt jemals gesehen haben tut sich vor uns auf:

Wir ignorieren mal, dass man diesen Wasserfall ganz locker mit Auto anfahren kann – sich so etwas zu erwandern steigert das Erlebnis, zumindest für uns.
Noch ein Blick in die Landschaft oberhalb vom Wasserfall stehend:
Gegen 19.15 treten wir den Rückweg an, durchwandern das nun menschenleere Baume les Messieurs – und steigen ob der unklaren Wetterlage statt wie abwärts den schmalen am Abhang entlang führenden Wanderpfad mal lieber über die unromantische Landstraße hinauf. 2 Autos und 1 Motorrad fahren vorbei, nicht viel los hier.
Wir gewinnen gegen den Regen – der setzt erst ein, als wir unser sicheres Autodach über dem Kopf haben.
Ich bin müde – so einen Tag ohne Höhenmeter fänden wir tatsächlich mal gut – mal gucken, ob wir das noch hinbekommen. Gutes Nächtle, schönen Tag und bis zur nächsten Wegmarke.
- Schritte: 20400
- Kilometer: ca. 14,3 km
- Höhenmeter: ca. 400
Tag 12: auf Trinkwassersuche, schöne Mittagsrast und 2 Schluchten mit ganz vielen Wasserfällen
An Tag 12 kann ich grad nur berichten, dass er sehr schön war. Es ist 20.50 – wir waren die letzten, die eine der beiden Schluchten verlassen haben – leider ist das Netz am Stellplatz absolut grottig und so werde ich den Tag nachtragen.
Hier 2 Impressionen unserer Mittagsrast – richtig schönes Wetter heute aber früh starteten wir mit 3 Grad in den Tag!
Gutes Nächtle und schönen Tag!
Nachtrag Tag 12: Mit recht kalten 3° starten wir den Tag auf dem Wohnmobilparkplatz am Chateau de Joux, freundlicherweise darf man hier kostenfrei übernachten – recht herzlichen Dank. Wieder so ein Platz, den wir beim Vorbeifahren entdeckt und für gut befunden haben. Da die Womostellplätze recht schräg sind, stellen wir uns für die Nacht auf einen PKW-Parkplatz, parken dann aber morgens fix um – um keine Ärgernisse zu erzeugen. Ein weiterer Camper steht mit uns dort.

Die Tour geht weiter – wir sind mittlerweile im „Regionalen Naturpark Oberer Jura“ angekommen und ab hier wird Frankreich einige seiner berühmten Wow-Momente ausrollen.
Tagesaufgabe ist es aber erst mal, Frischwasser zu tanken. Marcus findet ein bei google so bezeichnetes „Water tab“ – eine öffentliche Trinkwasserstelle in einem kleinen Ort. Die Gasse scheint so eng, dass ich mich gar nicht reinfahren traue. „Er“ tut sich mit so etwas deutlich leichter, fährt rein und wir haben eine erstklassige, saubere Trinkwasserversorgung. Kostenfrei. Irre. Danke an die Gemeinde.
Einziger Haken, der Hahn hat kein Schraubgewinde. Wir versuchen alle Varianten, die wir dabei haben um irgendwie das mit hohem Druck aus dem Wasserhahn schießende Wasser in unseren Tank zu bekommen – Schlauch ganz fest anpressen (Dusche inklusive), Kanister, Kanister mit Trichter, Kanister mit seiner eigenen Tülle – irgendwann ist der Tank voll und wir sehr glücklich. Eine der saubersten Trinkwasserstellen, die wir je unterwegs gesehen haben.

Auf dem Weg zur Wasserstelle kommen wir an einem Aussichtspunkt vorbei – wir halten kurz.

Im unteren Teil des Wasserfalles sehen wir eine Brücke, da würden wir gern hin – also suchen wir nach dem Wasserholen im Ort Les-Planches-de-Montage einen Parkplatz.
Der Ort überrascht uns – das macht das spontane Reisen aus. Wir finden einen exzellenten Wohnmobil-Parkplatz mit sauberer Toilette. Alles kostenfrei. Krass.

So ein Parkplatz existiert natürlich nicht einfach so – natürlich gibt es in der Nähe was zum Gucken. Eine Schlucht – dass sie aber unmittelbar neben dem Parkplatz gut 30 Meter tief eingeschnitten ist – das hätten wir so nicht erwartet.

Krachend und tosend stürzt sich weiter hinten ein riesiger Wasserfall in diese Schlucht. Ein kurz Pfad mit Aussichtsplattform führt daran vorbei. Das es nicht der einzige und auch bei Weitem nicht der höchste Wasserfall an diesem Tag sein soll, das wissen wir zu dem Zeitpunkt noch nicht.
Wir laufen etwa 2 Kilometer bis zu der besagten Brücke über den Wasserfall: Cascade du bief de la Ruine. Wir spüren die Wärme der Sonne, das tut gut und fühlen uns als hätten wir alle Zeit der Welt. Haben wir ja auch – wir machen ein Mini-Foto-Shooting:
Zurück am Auto parken wir nochmal um – die Schiebetür zur Wiese – Schiebetür auf, damit die paar Sonnenstrahlen auch zu uns reinfinden.Wir kochen. Es gibt Spaghetti mit Tomatensauce.

Den nächsten Halt haben wir eingebaut, weil er so vielversprechend klang und weil man ausnahmsweise mal nur 100 Meter laufen muss, um ein kleines Highlight zu erleben. Der „Aussichtspunkt auf die 4 Seen“
Der Aussichtspunkt hält, was er verspricht. Ein zwar kurzer aber fantastischer Blick. Der Wind weht ordentlich frisch, die Seen schimmern am Ufer türkis. Traumhaft schön.

Aber der Tag will unbedingt noch einen draufsetzen. Eigentlich könnten wir schon nach einem Übernachtungsplatz schauen. Machen wir irgendwie auch – hier ist alles in einem. Wanderparkplatz könnte immer auch Übernachtungsparkplatz sein. Es wird geduldet.
Wir versuchen – wohlgemerkt – wir versuchen das Auto in der Nähe der Herrison-Kaskade zu parken. Hier soll es einen Wanderweg entlang des Flusses Herrison geben – tja. Nur finden wir den Parkplatz nicht. Lassen uns von einem „maxmiale Höhe 2,20“ in die Irre führen. Fahren hin, fahren her – anderen Campern scheint es auch so zu gehen – obwohl bei Googl Maps Wohnmobilparken ausgeschrieben ist, darf man in die Straße nicht rein? Sehr merkwürdig – letztendlich ging es doch. Die Höhenbeschränkung ist eine mobile Barriere – die an dem Tag offen war. Wir parken, trinken Kaffee – nochmal loszulaufen ist quasi schon gesetzt.


Es ist 17.00 Uhr – die Tour hat 21 Wegpunkte – also Wasserfallstufen, die man ablaufen kann – wir steigen bei Punkt 17 ein. Die Gesamtstrecke liegt wohl bei 7,5 Kilometern und etwa 200 Höhenmeter – mit Fotografieren könnte das bis zur Dunkelheit knapp werden.
Wir beeilen uns, noch sind einige Leute unterwegs.
Wir steigen erst mal „aufwärts“. Der Weg führt immer am Fluss entlang, ist wie so oft – steinig, felsig, feucht – und ein mächtiger Wasserfall stürzt sich kurz vor Ende in dieser Richtung hinab. Wahnsinn. Wenn Du das Foto genau anschaust, siehst Du im Dunkeln links vom Wasserfall Marcus stehen, daran lässt sich die Höhe in etwa erahnen.
Dann drehen wir um und laufen nun „bergab“ – im Grund ist jeder Blick schon wieder ein Fotospot. Überall sind kleine Wasserfälle oder andere nette Motive. Ein Traum dieser Wanderweg.

Die Höhenmeter sind allerdings nicht zu unterschätzen. Wir passieren einige Treppen, an anderen Stellen gehts über Felsen oder Wurzeln straff den Berg hinab.
Paar hundert Meter vor Ende der Tour stürzt sich ein weiterer Mega-Wasserfall den Hang hinab – wir schauen erst von oben auf ihn drauf und dann von unten hoch – die 80 Höhenmeter noch zu laufen, haben sich auf jeden Fall gelohnt.
Das Wasser prasselt nur so runter, Wasser kann auch auf eine Art echt unheimlich sein.
Dann: Rückzug. Irgendwann sollten wir ja mal zum Auto. Fakt ist: Wir treffen nun keine einzige Person mehr. Wir haben die Schlucht für uns alleine.

Langsam wird es dunkel – 20.30 Uhr verlassen wir die Schlucht – keine Menschenseele weit und breit.
Nur Knatterinchen steht einsam auf dem Parkplatz und wartet auf uns.
Da wir wirklich mehr als durch sind, fix und alle – bleiben wir dort – obgleich mir überhaupt nicht gefällt, dass es rund um die Schlucht immer nur punktuell mal ein Balken Netz gibt. Darauf muss man sich einstellen – denn: Es sind zum Beispiel Notfallpunkte super markiert – nur doof, wenn man kein Netz hat um anzurufen. Ebenso war es kaum möglich, sich mal auf der mobilen App den Wanderweg anzeigen zu lassen – da die Beschilderung exzellent war – stellte dies für uns kein Problem dar.
Aber so konnte ich eben auch nicht wirklich was in den Blog tippen – spielte mir aber irgendwie in die Karten. Wir haben noch fix was gegessen, uns gewaschen und dann ab ins Bett.

Und nun sage ich Gutes Nächtle oder schönen Tag – je nachdem, wann du diese Wegmarke liest.
Bis zur nächsten Wegmarke, liebe Grüße!
- Kilometer: 16,8 km
- Schritte: 23800
- Höhenmeter: ca. 400 Höhenmeter
Tag 11: Ausschlafen, Klosterrunde mit Cascade du Lancot und ungewollter Abstecher
Tag 11 startet dort, wo wir freudigst Tag 10 beendet haben – auf einem niedlichen kleinen Wohnmobil-Stellplatz in Belvoir. Eigentlich wollten wir woanders hin. Beim Vorbeifahren haben wir den Übernachtungslatz für mehr als gut befunden und einfach angehalten.

Der Platz liegt direkt an einer kleinen Straße, der Stellplatz gehört zum im Ort befindlichen Schloss (Chateau Belvoir) – ab und an düsen Autos vorbei und ein Regenschauer zieht durch.
Später klingt es auch, als ob Einheimische auf dem Feld und im Wald schießen. Zumindest waren kleine Knalle zu hören. Trotzdem ist es sehr idyllisch – der Blick auf Burg, Ort und auch ins Tal im letzten Licht des Tages zauberhaft.

Paar Esel stehen auch noch auf der Weide – so nahe wie sie zum Zaun kommen, werden sie garantiert häufiger gefüttert. Von uns nicht – wir füttern nie fremde Tiere. Süß, oder?

Längst sind wir im Auto – wird an der Burg die Beleuchtung angeknipst. Das lockt Marcus nochmal mit der Kamera raus und dieses stimmungsvolle Bild konnte er einfangen. Klasse! Mir gefällts!
Die Nacht war herrlich ruhig, das bekommt uns wirklich gut und bisher haben wir immer Glück mit den Übernachtungsplätzen.
Erst nach 9.00 Uhr wachen wir vom Drippeln der Regentropfen auf. Das Zeug verfolgt uns irgendwie. Wir lassen uns Zeit – erst ab Mittag soll es aufhören.
Wir haben übrigens die Südvogesen längst hinter uns gelassen, steuern nun im „Regionaler Naturpark du Doubs Horloger“ umher. 2021 gegründet ist er ein noch recht junger Naturpark.
Wir erreichen den Ort Consolation-Maisonettes. Hier gibt es ein Kloster – wir sind wegen eines Rundweges hier, der zu einem schönen Wasserfall führen soll. Haha – das dies ein kleiner Horrortrip wird, wussten wir vorher nicht.
Erst mal geht es wirklich idyllisch los, am Eingang des Klosters dreht sich ein Mühlrad.

Der Wanderweg führt durch den Klosterhof. Eine Person räumt irgendwas, ansonsten ist hier an einem Montag nicht viel los.

Am Zugang zum Wanderweg lungern paar komische Gestalten rum – irgendwie hölzern.

Und schon gelangen wir in einen nahezu märchenhaften Wald. Es ist noch grüner als grün, Baumstämme sind bemoost, ein kleiner Bach plätschert, es gibt eine eine Minikapelle mit paar Stühlchen davor und mitten im Gestrüpp steht eine kleine Säule mit einem Kreuz drauf.

Ja – es könnte wirklich absolut idyllisch sein – hätte sich nicht just in dem Moment Marcus dazu entschlossen, sich mir zu Füßen zu werfen. Die Steine hier sind etwas nass und glitschig, Felsgestein – schwupp, lag er der Länge nach da. Nicht so schön, paar Abschürfungen hat er davon getragen.
Ganz vorsichtig gehen wir weiter, wollen ja noch zum Wasserfall. Die angebliche große Cascade du Lancot ist nur ein tröpfelndes Rinnsal. Das macht überhaupt nix – die amphitheaterähnliche Felswand ist auch ohne Wasser sehr beeindruckend:

Wir schleichen weiter, dachten, es geht so schön gemütlich weiter. Aber nein. Der Weg geht ein gutes Stück bergan, das allein scheuen wir nicht – aber der Boden ist rutschig. So richtig gefällt uns das nicht aber nun sind wir mal da und aufgeben ist für uns selten eine Option. Wir gehen vorsichtig und finden zumindest einen wunderschönen Ausblick auf das Kloster.

Tja und eben noch bestaunen wir das Karstgestein und dann…
…verlaufen wir uns.
Nicht weit. Aber haarsträubend, denn das Gelände ist unwegsam.
Wir wissen nicht, warum wir uns verlaufen haben – erst mal ärgern wir uns. Gucken eigentlich immer beide nach dem Weg und haben also beide eine wohl entscheidende Wegmarkierung übersehen.
Erst klettern wir auf schmalen Waldpfad einen Hang hinab und geraten unterhalb von diese Felswand. Der Weg wirkte wie ein wenig begangener Trampfelpfad aber er verlor sich im Nichts.

Was ich erst nicht glauben wollte – aber der Weg läuft !auf dem Felsgrad! – hm.
Nur wie da hochkommen. Irgendwo finden wir ein Pfad, wo wir Trittspuren durch kleingebröseltes Karstgestein sehen – es scheint auf die Felswand hinauf zu gehen.
Doch man bekommt nix im Leben geschenkt.
Marcus geht vor, kommt verhältnismäßig schnell hoch – wahrscheinlich weil er etwas größer ist.
Ich grusel mir den Hintern ab, komme nicht an seine Tritt – und Griffstellen. Kann mir erst überhaupt nicht vorstellen, wie ich diese Stelle passieren soll – kann mich dann mit Ach und Krach rückwärts hochstützen, mich mühselig umdrehen und dann irgendwie auf Knien weiterhangeln. Das waren nur 3-4 Meter aber noch einen Sturz konnten wir uns nicht erlauben.
Puh. Glücklicherweise gut gegangen – oben ärgern wir uns noch mehr, wie es uns passieren konnte, das wir uns verlaufen. Wir wissen es nicht – gehen sogar nochmal ein Stück zurück – wollen aber rein aus Spaß nicht nochmal absteigen. Wir finden die Stelle nicht – ahnen aber, wo uns das Malheur passiert ist.
Nun gut. Ist uns so noch nie passiert – machen wir so bestimmt auch nicht nochmal.
In Summe ist dieser Rundweg gar nicht lang und eigentlich auch sehr schön – für uns war er heute ziemlich beschwerlich insofern bin ich froh, als das Kloster wieder auf Augenhöhe kommt.

Auch – weil es auf 16 Uhr zugeht – die Wetter-App meldet Doppeltropfen-Regen und just als wir im Auto ankommen, fängt dieser dann auch an.
Immerhin haben wir das Schön-Wetter-Fenster gut ausgenutzt.
Einen noch im Kühlschrank vorhandenen Quark verquirlen wir mit frisch gepflückter Knoblauchsrauke, dazu gibts Baguette.

Wir fassen einen Plan, fahren weiter südlich. In einem kleinen Ort sehen wir die Werbung zu einem Automat – wir lieben diese Dinger mittlerweile. Kurzer Stopp – Marcus kauft sich etwas Rinderwurst.

Tja und dann ist es heute wieder so, dass der eigentliche Plan verworfen wurde. Wieder stehen wir an einer anderen als der anvisierten Stelle. Wo das ist – das zeige ich dann in der nächsten Wegmarke – denn während ich das tippe, regnet es draußen seit Nachmittag unaufhörlich. Es gibt also noch kein Foto vom Übernachtungsplatz.
Nun sage ich erst mal Gutes Nächtle und schönen Tag, bis zur nächsten Wegmarke
- Schritte: 11850
- Kilometer: ca. 8 Km
- Höhenmeter: ca. 210 Höhenmeter
- Ausgaben: 4,86 am Hofladen
Tag 10: Grand Ballon und nächste Geschichtslektion: Hartmannswillerkopf
Die Nacht war ob der Lage des Parkplatzes erstaunlich ruhig – wir haben sie alleine am Col de la Schlucht verbracht.
Am Morgen fahren wir die Route de Créte – eine im ersten Weltkrieg / 1915 gebaute Straße die am Kamm der Vogesen entlangläuft. Damit die Deutschen die Franzosen nicht sehen, verläuft sie auf der Frankreich zugewandten Seite etwas unterhalb vom Kamm.
Wieder kommen wir am Hohneck (unser gestriger Gipfel) vorbei und steuern direkt auf den Grand Ballon, den Großen Belchen – mit 1424 Metern den höchsten Berg der Vogesen an. Noch ist alles halbwegs ruhig, wir können unterhalb vom Gipfel gut parken – es gibt einen – ich glaube etwa 1,5 Kilometer langen Rundweg, 70 Höhenmeter. Ein Klacks.

Eine weiße Kugel fällt auf, eine Radarstation – die der zivilen Luftfahrt dient. Man kann hoch- und oben rundherumgehen. Es sind Orientierungstafeln angebracht.

Weiterhin befindet sich auf dem Gipfel ein Denkmal für die „Blauen Teufel“, ein Gebirgsjägerbatallaion im ersten Weltkrieg. Im Zweiten Weltkrieg wurde es durch die Deutschen zerstört und 1960 wieder aufgebaut.

Wir umrunden den Berg – die Aussicht in die Umgebung ist schön, obgleich es ein wenig zuzieht. Die Bergkuppen verschwimmen ein wenig im Grau.


Wir haben die Zeit, Blüten in den Fokus zu nehmen. Eine Bergflockenblume.

Wieder zurück am Parkplatz lockt das kleine Snack-Cafe & Laden von Famille Riche. Kaffeeduft zieht über den Platz und bei anderen sehe ich Heidelbeertarte. Wir gönnen uns auch jeder ein Stück, dazu einen sehr guten Cappuccino. Uns hat´s geschmeckt.

Und du fragst Dich, was das blau-weiß eingepackte auf dem Foto ist? Im Laden gibt es auch Käse – wir nutzen die Chance, nehmen ein Stück des berühmten Munsterkäse mit, den hatte Marcus in Ribeauville bereits in seinen Spätzle. Wir schneiden ihn abends direkt an:

Und wie gut, dass wir uns diese kalorienreiche Tarte reingehauen haben. Beim nächsten Stopp dachten wir, wir schauen uns kurz ein Kriegsgräberdenkmal an. Falsch gedacht… aber von vorn. Das Auto parkt sich am Ort samt gleichnamigen Berg Hartmannswillerkopf. Hier kämpften im ersten Weltkrieg die Franzosen gegen die Deutschen um sich das Elsass, (was im deutsch-französischen Krieg 1870/71 an Deutschland fiel) – zurückzuerobern.
Es wurden auf beiden Seiten kräftig Federn gelassen. Diese kann man nun in Form von vielen Steinkreuzen auf dem französischen Friedhof besichtigen (die Deutschen liegen woanders).

Doch dem noch lange nicht genug. Das Gelände ist Nationaldenkmal und hat eine beeindruckende Krypta.

Mittags war sie eine Stunde zu, da wir lange genug auf dem Gelände waren – konnten wir später noch rein. Eiskalt war es da drin aber mächtig beeindruckend.

Das Dach der Krypta ziert der sogenannte Vaterlandsaltar – ein mächtiger Gesteinsblock der die Wappen sowie die Namen der Städte trägt, die diesen Gedenkort finanziert haben.

Schaut man von diesem Sockel runter – blickt man direkt auf den Friedhof und in der Achse weiter auf den Berg Hartmannswillerkopf auf dessen Gipfel genau in Achse ein riesiges Kreuz steht – später werden wir dorthin wandern (nur wussten wir das zu dem Zeitpunkt noch nicht). Mit dem Foto greife ich mal vor:
Das Besondere auf dem Friedhof heute war eine Friedensaktion von Schülern aus dem nahe gelegenen College. Über 3700 Friedenstauben wurden gebastelt – Besucher durften ebenfalls eine Taube basteln und irgendwo platzieren.
Mit der Ursprungsformation haben die Schüler das Wort „Paix“ (frz. für Frieden) gesteckt.

Wir werden von einer Frau angesprochen, die sich als Mutter einer der hier mitwirkenden Jugendlichen vorstellt. Wir erfahren, dass jeder Schüler von diesem College 10 Friedenstauben gebastelt hat und das sie sich haben von dem Mädchen aus Hiroshima mit der Origami-Techni inspirieren lassen haben, die Kraniche als Symbol für Hoffnung gebastelt hatte. Schöne Aktion jedenfalls.
So und nun denkt man, das wärs gewesen. Nein – unterhalb vom Friedhof kommt man in den Wald. Dort ist ein Rundweg beschildert – jetzt gehts ins damalige Kriegsgelände was zum Teil erhalten ist. Krass.
Wir klettern erst bergab, später bergauf, es ist leicht schwül und unfassbar viele Insekten schwirren umher.
Wir sehen viel Stacheldraht, ehemalige Hütten, auch Insignien mit Jahreszahl, verbaute Bahnschienen, Wellblech – das Zeug scheint unkaputtbar – ist weit über 100 Jahre alt.
Nach fast 2,5 Stunden sitzen wir stopfenvoll mit Eindrücken wieder im Auto – und sind sehr glücklich, dass wir hier hingefahren und auch ausgestiegen sind.
Wir stechen etwa 100 Kilometer gen Süd – übernachten schlussendlich wiedermal nicht dort – wo wir es eigentlich geplant hatten.
Aber darüber berichte ich dann in der nächsten Wegmarke. Bis dahin sage ich Gutes Nächtle und schönen Tag!
- Schritte: 15445
- gewanderte Kilometer: ca. 11,2 Km
- ca. 250 Höhenmeter
- Ausgaben für Tarte, Cappuccino und Käse ca. 29 Euro / und kleine Spende in der Krypta auf dem Friedhof
Schlussendlich geht ein langer Tag zu Ende an dem wir eigentlich nicht wandern wollten. Das hat dann wohl nicht ganz geklappt.
Tag 9: schöne Felsentour Nähe Col de la Schlucht
Ruckizucki fliegen die Tage so dahin aber sie sind alle mit schönen Dingen gefüllt. So auch der heutige. Die Nacht haben wir auf dem Parkplatz beim Lac Blanc verbracht – die gestern bereits erwähnten Ladys haben gegen 3.00 Uhr noch einen Puller-Nachtspaziergang inclusive mehrmaligem Auf- und Zuschieben ihrer Schiebetür gemacht ansonsten war es recht ruhig.
Da ich panische Sorge hatte, dass wir von den Wandermassen eingeparkt werden – sind wir früh aufgestanden. Ein morgendlicher Blick zum „Fels Hans“ – der See liegt spiegelblank, ist voller Blütenstaub, die ersten Angler stehen schon.

Wir fahren nur wenige Kilometer und rasten am Col de la Schlucht ein – glaubt man den Internetbewertungen, müssen sich die Bedingungen für Wohnmobile auf dem Parkplatz am Pass deutlich verschlechtert haben. Es gibt nur sehr wenige Stellflächen – die meisten Parkplätze haben Höhenbegrenzung. Wir ergattern Gott sei Dank einen Stellplatz.

Von hier aus soll eine der spektakulärsten Felsenwanderungen der Südvogesen starten – die wollen wir uns nicht entgehen lassen und starten die Tour auf dem „Sentier de Rochers“ (der Felsenweg).
Wir hätten ahnen können, dass der Name hier Programm ist. Kilometerlang ist der Weg felsig geprägt und spaziert mit uns ab und an scharf am Abhang entlang. Der Weg ist an allen schmalen Stellen mit einem stabilen Geländer gesichert.

Ich klebe verdächtig nahe an der Wand. Holla die Waldfee, das ist echt mal wieder steil aber eine wirklich tolle Tour.

So ab und an gibt es Trittstufen oder in Stein gehauene Treppen. Es ist Feiertagswochenende – der Weg ist extrem frequentiert. Wir versuchen trotzdem ein paar menschenfreie Fotos und Videos zu machen.



Immer mal wieder gibt es einen Ausblick in die Vogesen – von denen wir vor diesem Urlaub nicht mal wussten, dass man sie in Süd- und Nordvogesen unterteilt. Ein wenig abgeholzt hat man hier auch. Einzelne mächtige Baumstämme liegen im Wald.

Die Wanderung beinhaltet auch die Querung zweier Schotterfelder – die Gegend ist rauh, die Wanderung anspruchsvoll. Uns taugt‘s.

Ein Hund jagt an mir vorbei, einmal – zweimal – dreimal – der ist zwar sehr süß aber so nah am Abhang ist mir das nicht so recht. Ein anderer Wanderer rutscht immer wieder aus – auch nicht so schön mit anzusehen.
Trittfestigkeit ist ein Muss auf dieser Tour, in meinem Emfinden sind gestern wie heute zu viele Menschen in falschen Schuhen unterwegs (normale Turnschuhe oder Sneaker – das rutscht halt) – viele Franzosen und wenige Deutsche wandern übrigens hier.
Man kann sie sehr gut unterscheiden. Die Franzosen grüßen extrem freundlich und immer mit einem Lächeln im Gesicht. Die Deutschen nur, wenn sie müssen – das ist wirklich erstaunlich und auch peinlich, den Spiegel so vorgehalten zu bekommen.

Nach 2,8 Kilometer erreichen wir den „Krabbenfelsen“. Nix besonderes – einfach nur eine Wegmarke, eine Felsformation, kaum ein Foto wert. Da es erst 11.00 Uhr ist, erweitern wir spontan die Runde und nehmen uns nun doch den Hohneck-Gipfel vor. (Den wollten wir ursprünglich mit dem Auto anfahren.)
Das sind nochmal 4,5 Kilometer und noch etwa 450 Höhenmeter. Die Wander-App veranschlagt 2 Stunden. Wir sind schneller, das T-Shirt klatschnass, die Rübe knallrot. Der Puls hat sich an Tag 9 arrangiert und hat gemerkt, dass wir einfach nicht locker lassen.
Unterwegs gibt es einen Abzweig zu einer Höhle, den nehmen wir auch noch mit. Die Dagobert-Höhle.

Und dann erreichen wir den Gipfel auf 1336 Metern. Yeah!
Und ist es nicht so? Man erwartet ein Gipfelkreuz, vielleicht noch eine Gastronomie – aber was sich auf diesem Gipfel für eine Szenerie bot, toppt alles, was ich je in den Bergen erlebt habe.
Du kommst nicht drauf.
Hier fand heute eine „Pro-Palestina-Demo“ statt. Ich glaube, ich traue meinen Augen nicht. Da steht eine Traube von Menschen, jubelt einem Redner zu, singt, schwingt Palestina-Flaggen. Es fallen die Worte Hiroshima, Nagasaki, Auschwitz und auch Maidan. Mehr verstehen wir nicht und wir sind zu doof um zu verstehen, warum man das auf einem eiskalten Berggipfel macht. Nunja. Was es nicht alles gibt.
In direkter Nachbarschaft: Die Gleitschirmflieger. Die passen doch schon eher auf einen Berg.

Die erwartete Gastronomie gibt es natürlich auch. Viel Hunger haben wir nicht, teilen uns ein Käsebrett – was Regionales, das gefällt uns.
Wieder ist der Munsterkäse und andere Sorten drauf. Das Brett schlägt mit ca. 16,00 Euro zu Buche. Dazu zwei Getränke – kurze Einkehr: 24,00 Euro.


Dann machen wir uns auf den Weg zurück zum Auto. So beschwerlich der Hinweg war – der Rückweg ist ein Klacks. Einfacher, schöner breiter manchmal leicht felsiger Wanderweg – 4 Kilometer Autobahn, hochfrequentiert. Hier war heute die Hölle los.
Vom Weg können wir nochmal schön auf den Hohneck-Gipfel zurückschauen.

Und weil immer noch viel Tag übrig ist – aktivieren wir nun die Kamera und fangen links und rechts des Weges noch paar Dinge ein – zum Beispiel diesen wunderschönen Waldblick:

Oder einfach nur ein Blatt – wie perfekt doch die Natur ist:

Auch wenige Narzissen haben wir gefunden:

Und schon sind wir zurück am Pass / Col de la Schlucht. Hier steppt der Bär – jeder Zentimeter ist zugeparkt, es herrscht ein Kommen und Gehen.
Wir ziehen uns in den Camper zurück. Trinken Kaffee, putzen uns, putzen den Camper, es gibt Couscus zum Abendessen und einen Blick auf den Parkplatz samt Höhenbegrenzung.

Tja und wie es weitergeht, das erzähle ich dann in der nächsten Wegmarke. Nun sage ich erst mal Gutes Nächtle, schönen Tag und bis bald!
- Schritte: 19200
- Kilometer gewandert: ca. 12 Kilometer
- Höhenmeter (aufwärts): ca. 600 Höhenmeter
- Ausgaben: ca. 24,00 Euro Einkehr am Hohneck
Tag 8: Dieselnotstand, Müllproblem und Seetag
Hallo an Tag 8 – heute ist in Frankreich Feiertag:
„Tag der Waffenruhe“.
Erst mal tangiert uns das nicht, wie die Murmeltiere schauen wir das erste Mal auf die Uhr als der Nachtplatznachbar seine Fußmatten ausklopft. Uuups – schon 9.00 Uhr, da haben wir aber lange geschlafen. Wenn auch an der Straße – an dem Platz nahe Riquewihr haben wir sehr gut geschlafen.

Wir brechen auf – wohin wissen wir nicht so genau. Erst mal zu Lidl in Munster. (Der Ort, der so heißt – wie der berühmte Käse, siehe gestriger Beitrag). Wir brauchen Wasser und können unser geliebtes Couscous ergattern. Dazu wieder eine „Tüte“ – heute mal 1000 Gramm asiatisches Gemüse – Marcus kocht und mischt ca. 100 Gramm Couscous mit rein. Extrem lecker. (Mit dem Foto greife ich zeitlich mal vor)

Denn in Munster sehen wir, dass an der Total Tankstelle der Diesel 10 Cent günstiger ist als an allen anderen Tankstellen. Tja, wenn denn nur auch Diesel aus der Zapfsäule rauskommen würde. Wir dachten erst, es läge an unseren Geldkarten – nein – definitiv kein Diesel an der Tankstelle. Die Zapfsäule ist leer. Im Vorfeld hatten wir davon gehört – und so ist es also wirklich. Das habe ich in meiner ganzen Zeit als Autofahrerin noch nie erlebt – kein Sprit.

Tatsächlich hatten wir im Vorfeld der Reise von langen Schlangen an Tankstellen und auch ausverkauftem Kraftstoff gelesen. Das wir es jetzt so schnell erleben – hätte ich nicht gedacht.
Grund dafür ist die Deckelung der Spritpreise durch Total – dann fahren natürlich alle zu dieser Tankstelle und schwupp, Sprit alle.
Unser Tank ist noch halb voll – also im Grund noch lange kein Problem – aber genau das wurde auch empfohlen: Nicht warten, bis der Tank leer ist.
Im nächsten Ort klappt es – wir können im Verhältnis ziemlich günstig – weil bei Total – tanken.
Nächstes Problem ist der Müll. Wir müssen ganz dringend Müll loswerden. Im Elsass gibt es wenig öffentliche Müllcontainer – es finden sich Recyclingbehälter, die nützen uns weder für Alltagsmüll noch für den Feststoffbehälter vom Trockentrenn-WC. Hm.
Das Problem klärt sich ebenfalls in Munster am Wohnmobilstellplatz beziehungsweise davor. Alle Sorten von Müllcontainern sind vorhanden.

Ja – all diese Sachen rauben eine Menge Zeit. Dann können wir endlich auf Erkundungstour gehen.
Am Col du Wettstein (Pass) entdecken wir einen recht großen Soldatenfriedhof. Man gedenkt den vielen in der Region Gefallen vom 1. Weltkrieg. Egal wo man in Europa hinkommt, das Thema Krieg ist allgegenwärtig.

Leider verpasse ich es abzubiegen – kilometerlang fahren wir irgendwo durch den Wald, gefühlt ganz allein um dann plötzlich auf einem total überfüllten Wanderparkplatz anzukommen. Oha – Feiertag – da war ja was. Himmel und Menschen sind wandern – wir gucken nur kurz aufs den See: „Du Lac Vert“

Weiter gehts, eigentlich hatten wir einen anderen See als Ziel. Den erreichen wir auch und ergattern mit Ach und Krach einen Parkplaz.
Traue niemals einem Foto – schaut doch idyllisch aus – oder?

Man, was ist denn hier los? Oder anders gefragt? Wo kommen denn die ganzen Menschen her?
Jedenfalls sind wir am „Le Lac Blanc“

Wir sind kurz ratlos, denn wenn das an einem Feiertagswochenende überall so ist – dann haben wir eventuell heute ein Stellplatzproblem am Freitag Abend – wir essen erst mal unser Asiagemüse.
Dann sehe ich oben am Grat Menschen wandern… gut – das machen wir dann wohl auch.
Kurze Recherche in der Wander-App und los gehts. Internet ist schon klasse.
Wir umwandern den „Le Lac Blanc“ – sehr sehr coole Tour. 5 Kilometer – am Anfang gehts straff über einen durch Felsen geprägten Weg hinauf zum Aussichtspunkt „Rocher Hans“.

Wir sind nun in den Südvogesen. Der See liegt auf einer Höhe von 1000 Meter – mit der Wanderung steigen wir auf etwa 1300 Meter. Der rote Sandstein der Nordvogesen wurde abgelöst durch Granitfelsen, die klettern wir eifrig auf einem teils mit Seil gesichtertem Weg hinauf.
Natürlich finden sich besonders an frequentierten Tagen wie diesem auch hier die Ekligkeiten des heutigen Wanderlebens – ein noch fast dampfendes Würstchen, kläglich abgedeckt mit einem Taschentuch. Bäh.
Der See selbst ist übrigens der größte natürliche See an der Ostseite der Vogesen.
Der Aussichtspunkt am „Rocher Hans“ ist schnell – nach etwa 20 Minuten – erreicht. Am Fels wird geklettert. Oh doch – die spontane Tour hat sich schon jetzt gelohnt.

Der Weg bleibt die ganze Zeit felsig, obgleich es gut tut, am Grad mal kurz ohne Steigung zu laufen.
Wir finden sowas wie „den besten Blick auf den See“.

Die Bilder zeigen es deutlich, die Südvogesen sind ein gutes Stück höher und schroffer als die Nordvogesen.
Das gefällt uns ganz gut – nicht so gut gefällt uns die Übernachtungssituation. Wohin gehts für uns heute? Wo schlafen wir heute?
Erst mal zurück am Parkplatz: Während wir noch einen Kaffee trinken, entwickelt sich dieser Parkplatz zu einem Campingplatz.
Unglaublich – ein riesiger Grill kommt raus.
Die Ladys neben uns haben kein WC an Board – gehen nochmal spazieren – äh auf die Abendtoilette (in den Wald – so kommen Würstchen zu Stande). Dann lehnen sie mit ihrem Herz-Schlafanzughöschen an der Mauer um dann lasziv mit Handy und bei geöffneter Seitentür im Bett zu liegen. Hm.
Ein überdimensionales Wohnmobil schiebt sich in eine eigentlich viel zu kleine Parklücke. Zum Nachbarseitenspiegel bleiben vielleicht 20 cm – die Tür des Pkw geht nicht mehr richtig auf – egal – Hauptsache man hat sein Wohnmobil an der Seefront geparkt (der ganze Parkplatz leert sich allmählich, da wäre genug Platz).
Hm. Mal gucken, wo wir nächtigen werden. Ich sage erst mal Gutes Nächtle, schönen Tag und bis zur nächsten Wegmarke
- Schritte: 12300
- Tageskilometer gewandert: 8,3 Kilometer
- Höhenmeter: ca. 300 Höhenmeter hoch und wieder runter
- Ausgaben: Tanken: Preis pro 1 Liter Diesel 2,09 Euro / Lidl ca 27,0 Euro
Tag 7: 3-Burgentour und Elsassfeeling ohne Ende
Tag 7 ist gerade in Arbeit…
Nach einer sehr ruhigen Nacht abseits von Riquewihr fahren wir zwei Orte weiter nach Ribeauville. Hier soll es eine 3-Burgen-Wanderung geben. Dafür müssen wir erst mal das Auto losbekommen – den eigentlich als Wanderparkplatz anvisierten Platz können wir nicht anfahren, das im Zentrum des Ortes Riveauville einige Straßen für Wohnmobile gesperrt sind. Mist – wohin jetzt mit der Karre? Glücklicherweise entdecken wir am Straßenrand Parkbuchten – die nehmen wir einfach. Ein Hinweis auf Ticketpflicht finden wir nicht.
Es ist bewölkt und eher kühl, da der Weg unmittelbar und paar hundert Höhenmeter hinauf geht, fliegt die Jacke schnell in den Rucksack.
Die erste Burgruine ist Chateau du Girsberg. Elegant verbirgt sie sich im Nebel.

Stört uns nicht weiter, wir wandern paar hundert Meter weiter und stehen direkt vorm Chateau St. Ulrich. Belagert von einer Schulklasse, ist der Geräuschpegel ziemlich hoch. Wir gucken nur kurz und beschließen später wiederzukommen. Schemenhaft ist die Burgruine Giersberg im Hintergrund zu sehen.

Der Weg zur dritten Burgruine ist kurz, dafür knackig. Auf einer Länge von ca. 600 Metern geht es etwa 100 Meter hoch. Juhuu. Schön in Serpentinen – der Nebel bleibt und hüllt auch diese Burg in Schweigen.
Aber halt – wir haben Glück. Kurz klart es auf – sie wird gestochen scharf. Begehbar ist sie nicht wirklich. Es steht ein „Zugang verboten“ – der Weg zeigt aber deutlich, dass regelmäßig reingelaufen wird.

Zurück zur Burgruine Ulrich. Es klart auf – vom Weg aus haben wir Blick auf beide unterhalb liegenden Burgen und den Ort Ribeauville.

Zurück an Burg St. Ulrich: Die Schulklasse ist immer noch da, man hört sie von Weitem. Trotzdem möchte ich jetzt auf diesen Turm – den darf man nämlich besteigen.

Der Aufstieg überrascht durch eine recht neuwertige und damit stabile, sichere Holztreppe.
Der Blick von oben zeigt, wie riesig das Burggelände ist. Nun macht sich die Schulklasse zum Abmarsch bereit…

Ebenfalls bereit macht sich ein koordinativ extrem geschickter Mann. Zwischen den zwei Burgen sind 2 Slacklines gespannt – darauf geht er nun balancieren.
Die Schulklasse jubelt, als er es schafft, sich hinzustellen.
Auch, als er sich spaßeshalber mal runterfallen, sich showmäßig mit dem Rücken auf die Leine fallen lässt und gleich darauf eine Rückwärtsrolle auf dem Seil macht. Wow.
Das ist wirklich beeindruckend.

Vorher haben die beiden jungen Slackliner ewig die Seile kontrolliert, nachgezogen. Interessante Mischung – der moderne Sport zwischen den alten Burgen.

Für uns geht es nun runter vom Berg. Ca. 2,5 Kilometer – 250 Höhenmeter. Wir nehmen mal nicht persönlich, dass nun die Sonne rauskommt und zumindest kurz der Himmel über den Burgen blau ist.

Wir erhaschen noch einen schönen Blick auf den Ort und haben nun eine Mission – selten aber heute wollen wir mal einkehren! Die Elässer Küche soll ja eigentlich sehr gut sein.

Aber zunächst geht es noch am Weinberg mit hübschen Blüten vorbei – wir kommen einfach nicht voran, bleiben überall mit unserer Kamera kleben:

Und schon stehen wir mitten im Fachwerkdschungel. Ein Ort schöner als der andere. Wir schlendern die Hauptstraße von Ribeauville entlang und landen schlussendlich im Restaurant samt Winstub „D’baecka Ofa Stub“. Warum? Weil draußen damit geworben wurde – dass es zwischen 14.00 und 17.30 Uhr Essen gibt.
Denn genau das ist es ja, was uns in Frankreich die Einkehr immer schwer macht – denn: dann wenn wir Hunger haben – haben die meisten Restaurants zu. Aber nicht hier – hier ist man auf Touristen – auch in Trekkinghosen und schmutzigen Schuhen eingestellt. Wir werden sehr freundlich empfangen.

Die Wahl ist schnell getroffen – eine typische regionale Speise sind Spätzle und die nehmen wir (ich vor allem, da die anderen Gerichte alle Fleisch enthielten, das Wort Speck kam auch ziemlich oft auf der Karte vor.)
Und zack – stehen sie vor uns. Meine mit Champignons, Marcus wählt die mit Munster-Käse – der bekannteste Käse der Vogesen sowie eine der bekanntesten regionalen Spezialitäten des Elass. Ein Rothschmierkäse.

Während wir essen, geht ein mächtiger Regenguss runter. Das nenne ich mal Timing. Noch im abklingenden Regen verlassen wir das Restaurant, stellen uns sogar noch mal unter, weil es nochmals losprasselt und bummeln dann ein wenig durch den hübschen Ort. Hier mischen sich Einheimische mit Bustouristen, E-Bikefahrer in leuchtenden Klamotten, Wandersleute – hier kommt man halt mal gucken. Im Grunde ist jeder Blick – ein Fotospot. Man weiß gar nicht, wo man die Kamera hinhalten soll. Ein paar Impressionen:





Die Uhr dreht sich gen Abend – wir beschließen noch einen Ort weiterzufahren, der war uns bei der Herfahrt aufgefallen. Gucken wir da auch noch kurz rein – Impressionen aus dem Ort Bergheim:
Total Überaschung – es gibt wieder Fachwerk. Wir merken, dass wir doch ganz schön müde sind – vor allem die Autos die hier die Hauptstraße entlangbrausen, nerven ein wenig. Wir ziehen uns in die Seitengassen


Der Ort Bergheim wirkt sehr ruhig und nicht ganz so touristisch wie Ribeauville oder Riquewihr – Menschen sehen wir nur wenige, die meisten fahren mit dem Auto umher. Ein Hund geht mir Herrchen Gassi – es wird an Marcus geschnuppert. Und die Kirche ist noch offen – schwupp, kurz rein – es spielt Musik:

Zufälligerweise geraten wir auf den Spazierweg entlang der historischen Stadtmauer – das war das kleine Highlight von diesem Ort.

Wir lugen den Leuten quasi nun von hinten in die Häuser und Gärten. Menschen sehen wir keine – aber man sieht, dass hier gelebt wird.

Achso – und was ich überhaupt noch nicht erwähnt habe – die Gegend ist absolute Storchengegend. In Bergheim nisten sie zum Beispiel auf der Kirche – in jedem Ort finden sich unzählige Storchennester. Die Deko ist dementsprechend ganz auf Storch abgestellt und dann fliegt ein fleißiger Storch vorbei – er hat Baumaterial dabei…

So eine Menge Eindrücke heute – die Gegend gefällt uns wirklich sehr gut. Dennoch werden wir morgen vermutlich die Region verlassen.
Aber erst mal fallen wir krachemüde ins Bett und ich sage Gutes Nächtle, schönen Tag und bis zur nächsten Wegmarke.
- Schritte: 19360
- Höhenmeter: ca. 450
- Kilometer: ca. 12,7
- Ausgaben Restaurant: 52 Euro für 2 Cola und 2x Spätzle
Tag 6: Das Elsass ruft, wir kommen – noch mehr Regen
Dicke Regentropfen auf dem Camperdach, so wie eine Stunde militärische Flugübungen bis 23.30 Uhr, ließen zumindest die erste Nachthälfte so semi-ruhig sein. Umso langsamer starteten wir heute in den Tag, auch deshalb, weil unser Schlafplatz auf einem Wanderparkplatz menschenleer und deshalb ruhig und schön war. Ach halt – ich vergaß den Militärtrupp, die augenscheinlich gerade die Lektion „Karte & Kompass“ durchmachen mussten – die kamen kurz vorbeigestiefelt.
Gemütlichkeit war dann heute irgendwie unser Motto. Nichts aber auch gar nichts hat uns zur Eile getrieben. Gen Süden wollen wir. Und so durchfahren wir mit Tempo 30, 40 oder mal 50 die kleinen Elsass-typischen Dörfchen mit viel Fachwerk.
Irgendwo steht Boulangerie dran – Marcus stoppt unmittelbar und rennt raus. Baguette und Schoko-Brötchen, haben quasi magnetische Wirkung.

Wir entern noch Aldi und dann saugt uns das Elsass, die zwischen Rheinebene und Vogesen gelegene Kulturlandschaft ein. Vor allem der Weinanbau prägt hier das Bild. Sehr schnuckelig.
Irgendwo an der Landstraße rasten wir. Im Aldi hat Marcus eine – wir nennen das „Tüte“ – also Gemüse, meist schon gewürzt aus dem TK geholt. Das essen wir gern mit Baguette, vor allem, weil es schnell geht. Erst beim Kochen merken wir, dass Fleisch drin ist – passiert. Ich sammle das Zeug raus – die Schiebetür ist offen – aber es ist etwas kühl:

Baguette, bisschen Curry, bisschen Chili und los geht‘s.
Unser eigentliches Ziel für heute ist ein Dorf, was wohl eins von den Schönsten in Frankreich sein soll. Schon sehr lange habe ich diesen Ort markiert – dann schauen wir mal.
Wir düsen gen Süden, lassen Straßburg links von uns liegen und erreichen:
Riquewihr.
Zunächst erkunden wir es von der Anhöhe:

Wir steigen ab, es regnet – der Boden klebt dick an unseren Schuhen.
Es ist bereits nach 18.00 Uhr, die Stadt ist recht leer und empfängt uns mit reichlich Fachwerk – wer jedoch Quedlingburg kennt, für den ist der „Fachwerk-Knall“ nicht ganz so groß. In Riquewihr sind die Gassen deutlich enger – und überhaupt – gibt es vor allem eine Hauptstraße, von der paar kleine Nebenstraßen abgehen. Man erreicht sie durch eines der erhaltenen Stadttore.

Städte wie diese sind eine meiner größten Herausforderungen beim Fotografieren. Irgendwas ist immer schief und außerdem läuft fast alles im Hochformat – das ist nicht so blogtauglich. Der Ort ist gepflegt, punktet durch sehr gut erhaltene Häuser mit vielfältig-farbigen Fassaden. Wirklich hübsch.
Überall gibt es kleine und auch namhafte Weinläden sowie die Möglichkeit der Verkostung. Mal urig, mal nobel. Käsegeschäft, Schmuck, Wurst und natürlich sehr viele Restaurants, die an Tagen wie diesen auf Touristen hoffen.
All das ist eingebettet in eine leicht verkitschte Szenerie. Ostern hängt noch ein wenig nach.


Das markanteste Gebäude ist wohl der Dolden. 1291 gebaut diente der 25 Meter hohe Turm mit prächtiger Fassade, als Glocken- und auch als Wachturm. Er ist Teil der Stadtmauer und gilt als Wahrzeichen der Stadt.

Und während die wenige Touristen in den Restaurants sitzen oder so allmählich vorm Regen flüchten, wartet Marcus sehnsüchtig darauf, dass die historischen Lampen angehen.
Was einfach nicht passieren möchte.
Es regnet die ganze Zeit, kalt ist es auch – wir harren aus. Es klappt – irgendwann gehen diese Lampen an – jetzt rennt Marcus von. Gasse zu Gasse, denn die zunehmende Dunkelheit erschwert die Fotografie. Auf diese Fotos müsst ihr auf Marcus seine Ergüsse warten – bei Nachtfotografie trennt sich Spreu von Weizen – Handyfotografie zu einer guten Kamera. Spätestens in den Videos werden wahrscheinlich wieder paar eingebaut sein.
Aber zumindest einen kleinen Eindruck gebe ich mal mit:

Und nun sage ich wie immer Gutes Nächtle oder schönen Tag, vielen Dank fürs virtuelle Mitreisen – und tschüss bis zur nächsten Wegmarke.
- Schritte: 11.000
Tag 5: Vier-Burgen-Tour, Grenzsprung, Regen und ein Turm
Weil wir wussten, woran wir sind, haben wir eine zweite ruhige Nacht auf dem Wohnmobilstellplatz in Bitche verbracht. Neben uns hat ein Pärchen die Nacht im Dachzelt auf ihrem PKW verbracht – diese Fahrzeuge sind quasi mit nichts ausgestattet – also wäscht man sich die Haare mit etwas Wasser aus der Wasserflasche am Wiesenstreifen. Kein Wunder, wenn es immer mehr Verbotsschilder für Camper gibt.
Wir düsen los, verlassen Bitche in südlicher Richtung und passieren noch das direkt an den Ort anschließende „Bitche-Camp“ – seit 1901 (übrigens dazumal von den Deutschen errichtet) befindet sich hier ein ca. 3600 Hektar großer Truppenübungsplatz. Jetzt schließt sich ein Kreis, denn als wir damals im Pfälzer Wald gewandert sind, haben wir sehr viele Schießübungen gehört. Jetzt wissen wir, wo die Geräusche herkamen. Das Militär ist in Bitche der größte Arbeitgeber.
Unser eigentliches Ziel ist der Wanderparkplatz der Burg Fleckenstein. Hier starten wir die 4-Burgen-Tour. Die eintrittspflichtige Burg Fleckenstein lassen wir erst mal links liegen und steigen direkt den kleinen Wanderweg zu den Sandsteinformationen auf.

Kurz und knackig aber straff und steil führt der Weg hinauf. Wir sind ambivalent – Jacke an? Jacke aus? Es hat ca. 16 Grad und wir erwarten Regen. Egal wie – die Mühe lohnt sich, die roten Felsen gerahmt von grünem Buchenlaub sind einfach schön.

Eins noch:

Dann erreichen wir Burgruine 2 – Burg Löwenstein auf einer Höhe von 540 Metern. Es gibt ein paar Leitern zum Klettern.

Und dann stehen wir so hoch, dass wir auf die vor nur wenigen Minuten passierte Burg Fleckenstein hinabschauen können.

Der Blick auf die grünen Kuppen der Vogesen ist total entspannend.

Die zweite Burgruine wartet schon auf uns, nur wenige Minuten entfernt erklimmen wir Burgruine Hohenbourg, etwa gleiche Höhe: 550 Meter. Die Dichte dieser Burgen ist beeindruckend – der Bau auf und aus Sandstein ebenfalls.

Auch hier klettern wir ein paar Treppen und Leitern hinauf. Nicht jede Stufe ist vorhanden, nicht jede Stufe und auch nicht jedes Geländer ist hier ganz fest. Wir treffen einige Deutsche – und einige Male wird gesagt: „Das gäbe es in Deutschland nicht, undenkbar.“ Eine Frau klammert sich ans Geländer und erklärt mir währenddessen, dass sie auf der Unfallchirurgie arbeite und sich die vielen Fälle mit solcher Art von Treppen erklären ließen. Nun gut – Treppenstürze aufgrund von mangelnder Qualität kann ich als Therapeutin in meinen Karteikarten soweit ich das erinnere Gott sei Dank nicht vorweisen. Ich glaube, vorher sperrt man den Turm.

Die Burgen sind alle so etwa im 13. Jahrhundert gebaut, mehrfach haben sie ihre Besitzer gewechselt oder wurden zerstört.
Wir tippeln weiter – es folgt der Sprung über die Grenze. Ganz unscheinbar, mit einem leicht verwitterten Grenzstein markiert geht es nun hinüber nach Deutschland. Fühlt sich lustig an. das Auto steht in Frankreich, wir stehen in Deutschland. Hoffentlich machen sie die Grenzen nicht dicht.

Direkt hinter der Grenze geht es noch kurz einen Berg hinauf und schon stehen wir an Burg Nummer 4 – der Wegelnburg. Mit 575 Metern ist sie die höchst gelegene Felsenburg der Pfalz. Wahnsinn, was die sich hier früher hingebastelt haben.

Darüber hinaus oder gerade deswegen ist sie ein beliebter Fotospot – uns kommt ein wenig der Regen in die Quere, der jetzt in Doppeltropfenstärke auf uns hinabfällt. Deswegen gibt es nur eine kurze Stippvisite aber die Aussicht ist wirklich klasse. 2 Wanderer steigen von der Burg ab – wir kommen uns vor wie auf einer Zeitreise. Mit ihren Schafsfellen, einer mittelalterlichen Trinkblase vor der Brust und lustigen Schuhen sehen sie aus, wie aus der damaligen Zeit. Sachen gibts.

Der Hunger wird wieder mit ein paar Cashewkernen gestillt. Da der Regen stärker wird, gehen wir nun konsequent zurück und wählen den leichten Weg – den ganz normalen Wanderweg. Bis zum Auto sind es wohl etwa 2,5 Kilometer. Es plattert odentlich vom Himmel, das Blätterdach der Buchen schützt uns eine ganze Weile, bis das Wasser endlich durchdringt.
Im Auto gibts ne kleine Stullenjause, dann fahren wir etwa 30 Kilometer weiter – auf die höchste Erhebung der Nordvogesen – die Grenzen sind hier fließend, irgendwie sind wir auch schon im Elsass – wir erreichen den „Großen Wintersberg“ mit 581 Metern. Auf dem Gipfel steht ein Turm, den man besteigen kann.

Na dann mal auf, die kleine Wendeltreppe aus Steinstufen ist trotz der kleinen Fenster stockfinster, wie gut, dass Handys heutzutage eine Taschenlampe haben.
Auf der kleinen Plattform drängeln sich etwa 6 Leute, damit ist sie auch schon voll.
Die 360 Grad Aussicht – hervorragend. Fast alles rund um uns ist mit grünen Bergkuppen bedeckt – nur ein kleiner Teil läuft flach aus – dort blicken wir in die Rheinebene.

Hier und da erleuchtet die Abendsonne einzelne Kuppen.
Naja – und dann ist‘s fast 18..00 Uhr und wir müssen uns auf die Suche nach einem Schlafplatz machen. Dann sage ich also Gutes Nächtle, schönen Tag und bis zur nächsten Wegmarke.
- Tageskilometer gewandert: ca. 10,00 km
- Schritte: 14800
- Ausgaben: 0,00 Euro
Tag 4: Wandern in den Nordvogesen, Bunker und wie man die Höhenmeter auf einer Wanderung pimpt
Hallo an alle, die mit Tag 4 ein wenig dem Alltag entfliehen wollen. Uns ist es in den Nordvogesen mit 17,5 Wanderkilometern und 24.000 Schritten gelungen. Ich versuche mich kurz zu fassen – wir sind nämlich ganz schön breit. Nach einer recht entspannten und übrigens offiziell kostenfreien Nacht auf dem Wohnmobilstellplatz an der Zitadelle in Bitche… – hier ist erst mal ein Foto:

…entleeren wir beide WC-Behälter und den Müll. Das klappt in Frankreich immer hervorragend an den Stellplätzen.
Danach fahren wir etwa 12 Kilometer zum Parkplatz Waldeck. Von hier aus starten wir eine Wandertour, bei der wir nicht wissen – wie lang sie wird. Das Wandergebiet ist vielfältig, sehr gut beschildert und man kann verschiedene Runden gehen.
Wir steuern zuerst das Chateau du Waldeck an. Eine auf rotem Sandstein stehende Burgruine aus dem 13. Jahrhundert.

Wir klettern eine ganze Weile über die eigentlich eher kleine Burganlage. Es gibt paar Treppen, paar Aussichtspunkte und natürlich den Turm, der leider nicht begehbar ist.

Mit dem Besuch der Burg docken wir an unseren Urlaub, in direkter Nachbarschaft – im in Deutschland liegenden Pfälzer Wald an. Bereits dort hatten uns die roten Sandsteinformationen extrem gut gefallen.

Im unteren Bereich gibt es einige „Räume“. Auf schildern steht in französischer Sprache, welche Bestimmung sie mal hatten. Marcus nimmt eine statische Begutachtung vor. Sofern er in Räume rein geht, ist das schon immer ein gutes Zeichen. Die Sandsteinsäule mitten im Raum ist wirklich beeindruckend.

Direkt gegenüber vom Chateau Waldeck klettern wir über trockene, rutschige Trampepfade auf eine namenslose Sandsteinformation und haben etwas Ausblick in die Umgebung. Die Nordvogesen sind ein eher niedriges Mittelgebirge mit Gipfelhöhen von 300 – 500 Metern. Eine entspannte Angelegenheit also. Möchte man meinen.

Dann folgen wir dem offiziellen Wanderweg „Circuit Erbsenfelsen“ und starten damit den offiziellen etwa 11 Kilometer langen Rundweg.
Wir umwandern die Erbsenfelsen – eine langgezogene und steil aufragende Sandsteinformation – diese ist aufgrund von Brutvorgängen von Kolkrabe und Wanderfalke teilweise gesperrt. Wir können also nicht hochklettern zu den Felsen – gewinnen einen kleinen Eindruck durch das Dickicht der frisch-grünen Bäume.

Nun gut – dann begnügen wir uns mit der „roten Sandsteinautobahn“ und schrubben Kilometer. Die meiste Zeit unserer heutigen Tour ist mehr oder weniger eine Waldwanderung – wir hätten tatsächlich etwas mehr Kontakt mit den Sandsteinfelsen erwartet aber so war es auch total ok.

Wir wandern an zwei Weihern vorbei. Sie heißen „Erbsenweiher“ und „Glasbronnweiher“.
An letzterem machen wir eine kleine Rast – packen unser stattliches Picknick aus. 1 Tüte Cashewkerne und etwas Wasser. Taugt. Und da wir immer ein wenig filmen, filme ich einfach mal mit unserem kleinen Stativ die Pause. Das wird uns noch zum Verhängnis werden – aber dazu gleich.

Wir folgen der exzellenten Wandermarkierung – der Weg geht nun straff hinauf. Etwa 100 Höhenmeter sind zu meistern. Seit Marcus eine neue Uhr hat, die auch Puls misst – ist das plötzlich für uns interessant. Er misst mit seiner Uhr und hat einen deutlich niedrigeren Puls als ich – traditionell gemessen. Am Messverfahren liegt der Unterschied aber nicht.
So. Und nachdem wir oben schon ein wenig gelaufen sind – habe ich ein komisches Gefühl. Ich wühle in meinem Rucksack und sehe es sofort: Das Stativ!
Es fehlt!!!
Dann wühlt Marcus. Es fehlt immer noch.
Und wo steht es? Natürlich am Glasbronnweiher – dort, wo ich die Pause gefilmt hatte.
Oh noooo! Marcus will mich bewegen, es liegenzulassen, gegebenfalls ein neues zu kaufen. Was für eine Verschwendung – Nein – wir gehen zurück.
100 Meter bergab. (Die Oberschenkel freuen sich.)
Hinter mir zetert es. Mit der Zeit hat er sein Schicksal angenommen.
Fix noch die halbe Runde um den Weiher.
Da es in der Gegend menschenleer ist – habe ich nichts anderes erwartet:
Da liegt es. Juhuuu!
Und dann gehts 100 Höhenmeter wieder hinauf. (Es hätte auch eine Abkürzung über die Straße gegeben – aber irgendwas hat uns hochgetrieben. Vielleicht das Gefühl, was zu verpassen.)
Und ja. Wir hätten was verpasst.
Einen riesigen Bunker. In der Gegend gibt es eine Menge davon. Schön ist´s nicht. Aber Teil unserer Geschichte.

Man kann sogar reingehen. Ich mag sowas nicht, finde alte, höhlenartige Gebäude latent gruselig – gucke bloß von draußen rein.

Danach liegen noch etwa 5 Kilometer Waldwanderung vor uns. Wir sind wirklich froh, als wir den Parkplatz erreichen.
Für die erste Not gibt es ein Käffchen und paar Waffeln. Kurz darauf noch etwas Gesünderes. Gekochtes Gemüse (Kartoffeln, Möhren, Porree, Kohlrabi), dazu ein gekochtes Ei und Leinöl.
Einfach aber lecker.
So und nun ab in die Betten – ich sage Gutes Nächtle oder schönen Tag, vielen Dank fürs Mitreisen und bis zur nächsten Wegmarke.
- Tageskilometer gewandert: 17,5
- Schritte: 24.000
- Höhenmeter: ca. 300
- Ausgaben: 0.00 Euro
Tag 3: Und zack über die Grenze – Bitche in Frankreich
Nach einer weitesgehend ruhigen Nacht am Wohnmobilstellplatz Kletterpark Kaiserslautern (Preis: 10,00 / Nacht incl. WC-Nutzung)…
…holt uns der Tag mit Sonnenschein und milden Temperaturen ab. Aber was waren das für seltsame Flugzeuge die gegen 4.00 Uhr nachts noch fliegen durften?!
Die Ramstein-Air-Base ist ganz in der Nähe – und es flog das Militär. Später am Tag werden wir am Abzweig zur Base vorbeifahren. (Mit diesem Foto greife ich mal ein wenig vor).

Aber erst mal lassen wir den Tag gaaaanz in Ruhe angehen. Das tut uns gut. Wie immer im Camper gibt es Müsli, jeden Tag wird abgewogen. Etwa 50-70 Gramm für jeden, dazu ein Apfel, eine Banane, Kakao-Nibs, für Marcus paar Wallnüsse. Natürlich gibt es bereits an Tag 3 den „Quotencamper“ – einer hatte sich dann am Abend doch noch zu uns gesellt – und natürlich entleert er seinen Abwassertank frisch fromm fröhlich und frei auf den Waldboden direkt vorm Kletterpark. Sachen gibts und nein, wir sind noch nicht in Form – wir haben ihn nicht angesprochen. Eine Sauerei ist’s allemal.
Gegen 11.00 wird’s trubelig, der Kletterpark öffnet und wir machen die Biege. Wir haben ein Ziel – und es fühlt sich gut an, ein Ziel zu haben.
Die Nordvogesen.
Und schneller als wir gucken können, spazieren wir den etwa 1km Rundweg um die mächtige Zitadelle in Bitche / Bitsch. Fast wären wir durch den Ort durchgefahren.

Vom Rundweg aus haben wir einen ganz tollen Blick auf die kleine, knapp 5000 Einwohner zählende Stadt Bitch. Die Luft ist trocken, der Wind pfeift hier oben auf dem in 335 Meter Höhe befindlichen Rundweg.
Knallgelb blüht der Ginster am Hang und weiter drüben sehen wir das Ford San Sebastian, da werden wir später noch hingehen.

Geschickt hat der wohl berühmte Festungsbauer Vauban 1680 aus einer Burg eine neuzeitliche Festung gemacht. Verdingt sie sich heute als touristische Attraktion, galt die Festung seit jeher als strategisch wichtiger Punkt. Der Ort Bitsch wechselte mehrfach seine amtliche Zugehörigkeit zwischen Lothringen und Frankreich. 1766 fiel es endgültig an Frankreich.

Vom Rundweg aus haben wir übrigens einen super Blick auf den Parkplatz, der sich als ausgedehnter Wohnmobilstellplatz gibt. Eigentlich gibt es wohl 5 offizielle Plätze für Womos – aber das Parken ist wohl auf dem ganzen Platz erlaubt. Er ist gut gefüllt, wir sind sehr überrascht.

Als nächstes nehmen wir das alte Fort San Sebastian in den Fokus. Wir spazieren ein Stück durch den Ort.

Nach etwa 15 Minuten stehen wir direkt vor der kleinen Bastion. Sie ist geschlossen aber es gibt einen kleinen Rundweg. Es ist trockene, sehr warme und aufgrund von Wind sehr staubige Luft, was man auf dem Foto aber nicht sieht.



Am meisten gefällt mir der Blick rüber zur Zitadelle. Unterhalb liegt der Fußballplatz, es ist Sonntag – die Einheimischen kicken.

Es geht auf 16.00 Uhr zu, ein leichter Hunger setzt sich durch. Wir erinnern uns, dass wir gestern bereits vergessen hatten, Mittag zu essen – ein paar schokolierte Cashewkerne und paar Kekse mussten reichen. Heute ist es zwar auch schon wieder spät – aber wir kochen. Nudeln, dazu Gurke-Tomate-Feta-Salat. Dazu Möhren und Chicorée. (Dabei fällt uns ein, was wir zu Hause vergessen haben – Couscous – oh nein, eines unserer Grundnahrungsmittel im Camper, mal schauen, ob wir das hier irgendwo kaufen können.) Mahlzeit.

Jetzt kommt er so langsam. Der gefürchtete Spannungsabfall – den wahrscheinlich jeder von den ersten Urlaubstagen kennt. Wir chillen ein wenig, machen uns aber gegen 18.00 Uhr nochmal auf in die Altstadt. Nicht das wir noch was verpassen.
Bitche am Sonntag Abend.
Die Kirche „Eglise Saint Catherine“, eine katholische Kirche mit deren Bau 1773 begonnen wurde.

Das Porte de Strasbourg – und dann sind wir eigentlich mit den Sehenswürdigkeiten durch.

Der Rest der Stadt zeigt sich am Sonntag Abend leicht verschlossen. Fensterläden sind zu, Rolläden sind runter, viele Immobilien stehen zum Verkauf, viele Gewerbeeinheiten stehen leer.
Aber eins bleibt ganz sicher – wir sind in Frankreich und die Leute hier wollen auch zu Frankreich gehören.
Und so traurig die Stadt auch wirkt – alle Leute, denen wir begegnet sind, waren ausnahmslos sehr freundlich. Besonders einer, dem Marcus 5 Euro hinterherträgt, die dem Mann kurz zuvor aus der Tasche gefallen sind.
Bitsch ist auf jeden Fall einen Stop wert.

Ja – wir fühlen uns wohl und sagen erst mal gutes Nächtle oder schönen Tag und tschüss, bis zur nächsten Wegmarke
- Schritte: 11.000
- Ausgaben: 5,00 Euro Getränke
Dieser Beitrag ist ein Live-Blog und wird täglich ergänzt.
Tag 2: Von Thüringen ins Obere Mittelrheintal – kleine Geschichtseinheit
Nach einer wirklich sehr ruhigen Nacht auf der Thüringer Anhöhe wollen wir aufbrechen, kommen aber nicht weit. Schon nach wenigen hundert Metern entdecken wir ein gold-gelbes, duftendes Rapsfeld, das können wir uns nicht entgehen lassen.
Während wir fotografieren, kommen zwei Mopedfahrer bergauf, bei denen der eine direkt hinter uns schafft, sein Gerät abzuwürgen. Fast im selben Atemzug hält ein Traktor, der augenscheinlich Erlebnisfahrten anbietet – denn er setzt zwei Touristen am gleichen „Fotospot“ ab.

Gut. Wir düsen weiter – es geht zurück auf die A4, die „Drei Gleichen“ und auch Eisenach fliegt an uns vorbei. Kurz taucht die beeindruckende Skyline von Frankfurt am Main auf und dann wäre es fast passiert.
Die Verkehrssituation im Großraum Frankfurt ist auf jeden Fall aufregend aber gut machbar. Es ist halt einfach voll. Irgendwo kommt von rechts eine Spur dazu – einer hat große Schwierigkeiten, sich einzuordnen.
Er sieht uns schlicht nicht. Bis zum letzten Moment haben wir gedacht, er würde uns noch entdecken und doch auf seiner Spur bleiben. Nein – er zieht voll rüber. Huuuupen. Schreckgeplagt, weil wir damit einfach nicht gerechnet haben – verlasse ich ein Stück meine Spur, ziehe reflexartig links raus – denn wer will schon freiwillig ins Unglück steuern – Gott sei Dank war links keiner.
Gooooott sei Dank – das hätte einen ordentlichen Crash ergeben – so oder so. Unser einziges Glück war, dass links keiner war. Puh. Gleich am zweiten Tag so ein Schreck – die nächsten Minuten analysieren wir – aber nein. Ich habe keinerlei Fehler gemacht. Einzig das Rüberziehen nach links war nicht ganz so überlegt, hat uns in dem Fall aber einen Unfall erspart.
Gut. Nix passiert – dann fahren wir mal weiter, denn ein wenig Geschichtsunterricht wartet auf uns.
Wir erreichen Rüdesheim am Rhein, wir sind nun also in Hessen…
…und hier im „Oberen Mittelrheintal“ – dieses hat UNESCO Welterbe Status.
Der Camper kämpft sich mit Ach und Krach im dritten Gang den Weinberg hinauf. Hier wollen wir zu einer Sehenswürdigkeit. Auf dem offiziellen Parkplatz sollen wir für das Wohnmobil 8 Euro löhnen.
Das klingt irgendwie viel. Einen guten Kilometer zurückgefahren, parken wir kostenlos und haben einen Spaziergang durch den Niederwald, schönster Buchenwald, inklusive. Kein Mensch weit und breit. Das wird sich gleich ändern.
Denn tataa…nie zuvor von gehört, stehen wir – mit ganz vielen anderen Touristen – vor dem Niederwalddenkmal. Ein wirklich schönes Denkmal.

Geschichtsträchtig.
Denn: Fertiggestellt 1883 thront hoch über dem Rhein Germania. Sie hält die Kaiserkrone in ihrer Linken, ihre Rechte ruht auf einem abgestellten Schwert und symbolisiert, mit Eichenkranz auf dem Haupt, den Sieg der Deutschen 1871 im Deutsch-Französischen Krieg. Deutschland wird zum ersten Mal ein Nationalstaat – aus vielen kleinen Fürstentümern, Herzogtümern oder freien Städten wurde ein Reich. Das deutsche Kaiserreich mit Wilhlem I. an dessen Spitze.
Huch!
Besichtige ich gerade ein Denkmal, zu einer Epoche, die aktuell politisch betrachtet diskutabel ist?
Eine Schautafel entkräftet aufkommende Zweifel – mahnt, dieses Denkmal im Kontext der damaligen Zeit zu betrachten. Ok. Das klingt machbar.
Man wollte damals so etwas wie National- oder Einigkeitsgefühl in den Deutschen entwickeln. Im gleichen Atemzug oder mit ähnlichen Ansinnen wie das Niederwalddenkmal lässt sich die Hermann-Statue, das Kyffhäuser-Denkmal, das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig oder auch die Siegessäule in Berlin nennen.
Gut – wir mischen uns in die bunt gewürfelte Besucherschar. Frauen in langen Kleidern, walhlweise mit oder ohne Hijab posieren ausführlich vor Germania. Ein Mann mit schwarzer Kippa und langem schwarzen Mantel wallt förmlich die Treppe hinab, Menschen in Outdoorklamotten wandern vorbei, paar Hunde, Kinder, Krückstöcke und weiter hinten grölt eine Gruppe besoffener Männer, da wird scheinbar was gefeiert.
Irgendwie ein schöner und vor allem friedlicher Ort, der Blick auf den mächtigen Rhein ist sowieso immer schön – bei übrigens trockenen 26 Grad.
Ein paar Meter weiter findet sich dann noch ein Tempel, 1790 gebaut, hübsch gelegen und ebenso gut besucht.
Es geht auf 17.00 Uhr zu – so langsam müssen wir uns auf die Suche nach einem Schlafplatz machen. Doch erst mal haben wir das Problem: Wo kommen wir denn über diesen Rhein – keine Brücke weit und breit. Eine Fähre gäbe es in Rüdesheim – wir entscheiden uns etwa 30 Kilometer Richtung Wiesbaden zurückzufahren.
Etwa 19.00 Uhr erreichen wir einen Schlafplatz – da wir aber gern anonym stehen – erfahrt Ihr dann morgen, wo das war. Auf jeden Fall sind wir nun in Rheinland-Pfalz.
Gutes Nächtle oder einen wunderschönen Tag sag ich und dann tschüss, bis zur nächsten Wegmarke!
Tag 1: Ob wir es wohl schaffen, loszufahren?
Wir erreichen den ersten Urlaubstag mit quietschenden Reifen. Am Vorabend haben wir beide etwas länger gearbeitet und zwar schon viele Sachen zurechtgelegt aber noch nichts final gepackt.
Damit geht es also heute morgen so richtig los. Klamotten – tja – was nehmen wir denn eigentlich mit, wenn wir nicht so richtig wissen, wo es hingeht? Es hat bestimmt wieder was mit Wandern oder Fotografieren zu tun – und so packen wir vor allem Outdoorklamotten in die Fächer. Zusätzlich füllen wir die Vorratsschränke, den Kühlschrank, sämtliche Badutensilien kommen natürlich auch mit.
Und es sind die Kleinigekeiten, an die wir ganz besonders denken wollen: Nochmal Scheibenwischwasser auffüllen. Auch ganz wichtig ist die kleine Flasche mit der grünen Flüssigkeit für den Abwassrtank – einmal nachfüllen bitten, das hilft gegen mufflige Gerüche. Genauso die 2 Mini-Spüli-Flaschen, Thermometersensoren und und und. So fliegen die Stunden so dahin aber: Gegen 15.00 Uhr rollen wir los, düsen an leuchtenden Rapsfeldern vorbei und erreichen gegen Abend eine Anhöhe in Thüringen.
Natürlich drehen wir eine kleine Runde, vielleicht einen Kilometer und schon ist ein erstes Highlight entdeckt: Ein Adonisröschen – zur Adonisrsöschenblüte an den Oderhängen hatte ich mal einen ganzen Beitrag gemacht. Schau da gern mal rein, wenn du wissen willst – warum diese Blüten so ganz besonders sind. Wir freuen uns jedenfalls – mitten in Thüringen welche gefunden zu haben und so sehen sie aus:

Wir sind hier übrigens nicht allein, die Anhöhe lockt die Menschen zur Sonnenuntergangsshow. Jugend mit protzigen Karren düsen den Berg hinauf, stehen cool – vielleicht auf ein Date mit den ebenfalls anwesenden Mädels hoffend – mit dem Hintern ans Auto gelehnt, die Arme verschränkt. Schöne Abwechslung in deren Abendromantik ist Marcus, der mit Insektenlöser und Tüchern über die Frontscheibe robbt. War ganz schön was los in Sachen Insekten – aber das ist ja eigentlich ein gutes Zeichen.

Das Licht wird richtig schön, wir machen ein schnelles Foto – denn all das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir hundemüde sind.

Und noch eine Impression:

So – dann sind wir selbst gespannt, wo es uns die nächsten Tage hinspült. Dann sage ich Tschüß, wir freuen uns, wenn ihr uns virtuell begleitet und vielleicht ein wenig mitfiebert – wo es hingeht – und nun: Gutes Nächtle und schönen Tag und bis zur nächsten Wegmarke.









































5 Kommentare
Das geht ja gut los! Schöne Bilder. LG Eltern
Na das geht ja in jeder Hinsicht wieder spannend und interessant los. Schön, dass es Euch und Knatterichen gut geht. Gute Weiterreise. ☀️
Schon Tag 5 und alles gelesen. Eine sehr interessante Zeitreise! Den Regen könnt ihr gern nach Sachsen schicken-wir haben schon wieder Totalwassermangel. Der Bericht ist für mich Geschichtsunterricht, den ich in jungen Jahren und eigentlich auch noch heute etwas beiseite drücke. Da habe ich wohl im Leben andere Sachen für wichtig gefunden, das tägliche Leben. Weiter gute Reise und nicht noch so ein Autobahnerlebnis, was wir auch schon gehabt haben.
Grenzerfahrung hatten wir auch schon: Auto in Deutschland am Bodensee und wir in Konstanz.
LG aus Leipzig und weiter guten Urlaub
Das ist ja wieder eine verrückte Wanderung am Abhang! Danke für den schönen Bericht. Zum Tag 7: Bild Spiegelung im Kanälchen: erinnert mich an meine Antennenbauaktivität und Montage auf dem Hausdach. Rechts im Bild sind die Antennen zu sehen. Eigenartig wie die Erinnerungen zurück kommen. Weiterhin guten Puls! LG Vati
Das ist wieder ein interessantes tägliches Mitreisen mit Euch. Und was wieder bewusst zutage tritt: Es sind nicht die großen Sehenswürdigkeiten, sondern die kleinen Entdeckungen, die das besondere Erleben ausmachen. Zumindest fühlt sich das beim Lesen und Fotos anschauen so an. Euer Verlaufen hat mich an eine Situation in der Sächsischen Schweiz erinnert. Da ging es auf dem Hintern die nicht mehr ausgebaute Stiege auf purem Fels hinab, da es bereits dämmerte.. Bon voyage. 🚍💚🌏🍀