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Savoir-vivre! Die französische Art zu leben

Savoir-vivre!
Lesedauer 3 Minuten

Savoir-vivre – kennst du diesen Ausdruck? Das ist französisch und bedeutet sinngemäß: Wissen, wie man lebt. Weil mir auf unserem letzten Frankreich-Trip einige Dinge sehr positiv aufgefallen sind, habe ich mich auf die Suche gemacht, was es damit auf sich hat – in diesem Beitrag erfährst du es.

Allgemeines Vorgeplänkel zu Savoir-vivre

Savoir-vivre bedeutet nicht allein, zu wissen wie man lebt – das wissen ja die meisten von uns grundsätzlich. Dieser Ausdruck bezeichnet die ganz feine Lebensart der Franzosen, die mir auf unserem letzten Frankreich-Trip vor allem durch viele überaus freundliche Menschen so richtig bewusst geworden ist. Zu wissen, wie man sich innerhalb der Gesellschaft benimmt und dies mit einer wirklich feinen Art der Höflichkeit auszudrücken – das ist gelebtes Savoir vivre was mich regelrecht aus den Socken gehauen hat.

Wo liegen die Ursprünge dieser Lebensart?

Der Ursprung von Savoir-vivre liegt einige hundert Jahre zurück, springen wir kurz ins Frankreich des 17. und des 18. Jahrhunderts. Es ist eine von höfischer Kultur geprägte Zeit. Ludwig der XIV. prägte im Schloss in Versailles diese Epoche als Herrscher. Er legte höchsten Wert auf sehr gute gesellschaftliche Umgangsformen also gutes Benehmen und eine Form von Eleganz. Möglichst nicht anecken, keine zwischenmenschlichen Fehler begehen – vor allem nicht bei Tisch.

Natürlich schwappt diese Art des Lebens hinüber nach Deutschland, wandelt sich in Teilen, der bewusste Genuss wird zentraler Bestandteil.

Und wie zeigt sich Savoir-vivre im heutigen Frankreich?

Als wir viele Male in einer Mischung aus zuckersüß-herzzerreißend nett – aus vollstem Herzen und noch mit einem wirklich offenen und freundlichen Lächeln mit „Bonjour“ beim Wandern begrüßt wurden, dünkte mir, dass dahingehend in Frankreich wohl einige Dinge anders laufen, als bei uns in Deutschland.

Es kam noch deutlicher – irgendwann konnte ich auf 50 Meter Entfernung die Nationalität der entgegenkommenden Wanderer feststellen. Körpersprache, man kann schon fast sagen Aura und Mimik unterschieden sich merklich. Während uns die Franzosen in einer eher sanften, vertrauenden und wertschätzenden Art entgegenkamen, meinte ich bei unseren Landsleuten häufiger diese gewisse Härte und Ruppigkeit in Körper und Gesicht zu bemerken.

Das war alles andere als angenehm, den Spiegel derartig vorgehalten zu bekommen.

Eine andere Situation:

Der Straßenverkehr. In Teilen fahren die Franzosen wie die Berserker, wie ich es in den Tagesberichten der Reise schrieb – der Mittelstreifen scheint nicht existent und Geschwindigkeitsbegrenzungen auch nicht immer. Es wird gerast, wild überholt – aber es wird zumindest dort wo wir uns bewegt haben, nicht gehupt, nicht gedrängelt, nicht geschnippelt, da wird kein Finger gezeigt, da wird nicht hinter dem Lenkrad geflucht oder Schimpfwörter zu anderen Autofahrer geschickt – die fahren einfach nur rasant und irgendwie schiebt sich das schon hin. Letztendlich achten sie doch irgendwie aufeinander. Rasen mit Lächeln oder so etwas.

Eine Grundregel des Savoir-vivre ist Guten Tag und Auf Wiedersehen bei Betreten eines Geschäftes zu wünschen.

Eine weitere Situation, wo wir es so richtig bemerkt haben: 

Auf ausnahmslos allen Übernachtungsplätzen auf denen wir auf dieser Tour gestanden haben, war spätestens 22.00 Uhr absolute Funkstille. So ruhig, dass wir uns kaum getraut haben, die elektrische Zahnbürste zu nutzen – weil man die sicherlich außerhalb vom Camper hört. Den Lebensbereich der anderen zum Beispiel nicht stören – ist gelebtes Savoir vivre. Herrlich. (während ich das schreibe klappert, poltert und redet es laut von den Nachbarbalkonen – puh, schwierig – wenn man es eine Zeit ganz anders erlebt hat. Stille mit dem Wissen, dass da eine Menge andere Leute um einen sind – wie zum Beispiel auf einem Wohnmobilstellplatz – ist was ganz fantastisches.

Wir als Camper haben diese Lebensart noch folgendermaßen ausgelegt: Sobald wir Einheimische hinter uns bemerkten, haben wir verlangsamt, rechts geblinkt und auch Ausweichstellen genutzt, sodaß sie vorbeifahren konnten. Das machen wir natürlich nicht nur in Frankreich, sondern überall auf der Welt – aber diese Achtsamkeit kann man in diese Art des Lebens einordnen. Häufig haben wir eine Warnblinke als Dankeschön erhalten. Irgendwie schön, sich einfach nur ganz banal nett miteinander zu verhalten.

Ähnliche menschliche Regungen wie die des Savoir-vivre habe ich bisher in Japan und im Yoga erlebt – man begegnet sich in höchster Achtsamkeit unter Menschen, mit dem vollen Vertrauen, dass sich im anderen kein Feind verbirgt.

Diese Art hat unheimlich gut getan und einen großen Teil unseres positiven Frankreicherlebens gespeist.

 

Warst du auch schon mal in Frankreich? Kannst du dich an ähnliche Situationen erinnern?

Und ansonsten sage ich tschüss und bis zum nächsten Blog, schau gern demnächst hier wieder rein.

 

Autorin: Sandra Hintringer

 

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