Kurztrip Hansestadt Wismar – wir waren wirklich überrascht!

Vor einigen Tagen waren wir endlich mal wieder mit dem Camper unterwegs – unser Weg führte uns für ein Wochenende zur mecklenburgischen Ostseeküste und hier unter anderem für ein paar Stunden nach Wismar. Und weil uns dieses Stadt auf Anhieb gefallen hat, gibt es heute ein paar Impressionen. Wir haben einen kleinen Stadtrundgang gemacht und uns am Alten Hafen auf typische Art und Weise gestärkt. Also: Zieh Dir ein paar bequeme Schuhe an, leg‘ Dir ein flottes „Moin“ auf die Lippen und los geht’s in die Altstadt Wismar.
Parken in Wismar
Bevor wir so richtig reinstarten können, mussten wir natürlich erst mal den Camper loswerden. Hier waren wir das erste Mal angenehm überrascht. In wenigen Minuten Fußmarsch von der Altstadt entfernt, fanden wir über die App „Park 4 Night“ einen riesigen und zudem kostenfreien Parkplatz. (Parkplatz am Weidendamm)
Klasse!
Unabhängig von diesem Parkplatz haben wir viele weitere, teils kostenpflichtige Parkplätze in Wismar gesehen – eines scheint als also nicht zu geben – ein Parkplatzproblem.
Und nun auf in die Altstadt von Wismar
Wir laufen ohne großes Konzept einfach mal in die Altstadt hinein. Das absolut gepflegte Erscheinungsbild der Häuser fällt uns sofort in die Augen. Und auch, dass die Stadt nicht überrannt ist. Wir sind an einem Sonntag Anfang Juli da – das Flanieren entlang der sanft-bunt bemalten Giebelhäuser macht Spaß. Die Straßen wirken luftig, breit und die Häuser sind nicht allzu hoch. Das alles ergibt ein ganz angenehmes Gefühl, als wir hier entlanglaufen.
Wir bleiben für genau dieses Foto stehen und was soll ich sagen. Wo einer steht – stehen irgendwann alle – immer wieder erleben wir, dass andere Touristen genau dort für ein Foto stehenbleiben, wo wir stehen. Haben wir etwa so etwas wie den besten Blick 😉

Ein echtes Highlight in Wismar: Die St. Georgenkirche
Ein paar Meter weiter erscheint ein mächtige Kirche. Viel zu groß, um sie eingebaut, wie sie nun mal ist, irgendwie schlüssig zu fotografieren. Ich wollte sie trotzdem festhalten. Es ist die St. Georgen-Kirche, ein herausragendes Bauwerk norddeutscher Backstein-Gotik, welches seine Ursprünge in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts hat.

Das Portal steht offen – das besonders schöne Georgenportal von Karl Henning von Seemann stellt im Relief drei Themen dar. An den Türgriffen sieht sich wohl St. Georg als Drachen im Spiegel. Das Tympanon, also der obere Bereich zeigt Christophorus inmitten unzähliger Hunger- und Straßenkinder und die Türflügel zeigen den Zug durch das Rote Meer.
Tolle Tür für eine Kirche, ich kann mich nicht erinnern, etwas Vergleichbares je gesehen zu haben.

Nun – eine Tür steht offen, natürlich spazieren wir mal rein und staunen über das extrem hohe Kirchenschiff. Die St. Georgenkirche gehört zu den drei Hauptkirchen von Wismar und galt einst als Kirche der Handwerker und Gewerbetreibenden.

Wie so vieles, wurde die St. Georgen-Kirche im 2. Weltkrieg wohl massiv beschädigt und ihr Wiederaufbau gilt als umfangreichstes denkmalpflegerische Vorhaben in Mecklenburg-Vorpommern. Was in Anbetracht der fast überwältigenden Größe der Kirche absolut nachvollziehbar ist.
Natürlich spricht uns die Einladung, eine Aussicht vom Turm zu genießen, sofort an. Für je 5 Euro geht es ausschließlich mit dem Aufzug nach oben.
Und schon blicken wir auf Wismar, die Werft und die Bucht. Toll! Rechts im Bild sieht man sogar schon den Alten Hafen.

Die Heiligen-Geist-Kirche in Wismar
Nicht ganz so spektakulär von außen, dafür umso beeindruckender von innen ist die Heiligen-Geist-Kirche. Hier spürt man, dass die Kirche lebt. Wir treten ein – an der Tür steht ein Schild: „Tür bitte leise schließen.“ Gar nicht so leicht, bei solch einer wuchtigen Kirchentür.
Ein Mitarbeiter steht freundlich zur Auskunft. Eine Fotoausstellung im hinteren Bereich widmet sich dem Kirchensterben in Mecklenburg-Vorpommern. Kinder haben Bilder gemalt an der Decke biegen sich die historischen Balken.
Es ist die zweite assymetrische Kirche, die ich je gesehen habe. (meine erst hatte ich in Nitzow, nahe Havelberg entdeckt).
Diese hier in Wismar hat jedenfalls eine ganz tolle Ausstrahlung, einfach mal reingehen, falls du mal da bist.
Der Alte Hafen von Wismar
Und wie sich das für einen Besuch in einer Hansestadt gehört, zieht es uns nun ziemlich konsequent gen Alten Hafen. Wir kommen an vielen weiteren fantastischen Häusern vorbei – ich mache ein paar Schnappschüsse. Im Hintergrund fällt ein gelbes Haus auf, das schauen wir uns gleich noch etwas genauer an.

Die alte Löwenapotheke Wismar
Dieses wunderschöne im gotischen Stil gebaute und unter Denkmalschutz stehende Gebäude ist die Alte Löwenapotheke von Wismar. Heute beherbergt das Haus ein Cafe, in dem es laut Webseite einmal im Monat musikalisch wird. Ich höre es quasi vom Klavier klimpern. Holzbalkenuntersuchungen bescheinigen die Existenz des Hauses bereits im Jahre 1334. Irre.

Auf dem Weg zum Hafen spiegelt sich nun noch die Kirche St. Nikolai im kleinen Graben. Rein fototechnisch haben wir richtig Glück, dass sich die grauen Wolken vom vormittag nun vom blauen Himmel haben ablösen lassen.

Wir durchschreiten nun noch das letzte erhaltene von einst fünf Stadtportalen von Wismar, welches als Teil der Stadtbefestigung in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtet wurde. Das Wassertor.

Und schon empfangen uns die nach Fischbrötchen gelüsteten Möwen – wir sind am Alten Hafen von Wismar angekommen. An Fischerbooten kann man typische Ostseesnacks erstehen. Fischbrötchen – wir nehmen gleich mal jeder eins. (ja – ich bin sogenannte Flexitarierin – an der Ostsee esse ich gerne mal ein Fischbrötchen).

Und für einen Blick auf die Preise – immerhin hatten die Brötchen Ober- und Unterseite – ist ja auch nicht mehr selbstverständlich. Die Stände waren sehr gepflegt, Brötchen waren lecker, der Mattjes jedoch verhältnismäßig salzig, das muss man mögen.

Dann stolpern wir noch ein wenig an der Hafenkante weiter. Alte Speichergebäude beherbergen Restaurants, Ferienwohnungen, ein Museum habe ich irgendwo gesehen. Wir flanieren nur einmal kurz hin und wieder zurück.
Aufgefallen ist uns das im Verhältnis recht kleine und separat stehende „Baumhaus“. Dieses wurde Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut – und falls du dich fragst, warum ich so schlau bin – bin ich nicht – an vielen Häusern und auch am Stadttor hingen Schilder mit kurzen Beschreibungen. Das ist meine Quelle.
Der Name dieses Hauses leitet sich von einem Langholz, dem „Baum“ ab. Dieses Holz konnte wohl über die Hafeneinfahrt gelegt werden. So sperrte man das Hafenbecken damals ab. Vor dem Haus sieht man die sogenannten Schwedenköpfe, die in der Schwedenzeit die Fahrrinne markierten.

Weiter am Hafen entlanggeschlendert waren an dem Tag lediglich kleine Böötchen angezurrt. An der Rückseite dieser Häuserzeile gibt es noch den kleinen Imbiss „Fischerkoppel“. Dort sind wir dann auch nochmal eingekehrt und haben eine weitere Fischbrötchentestung vorgenommen. Sehr zu empfehlen, vor allem, weil ein paar kleine Tische zur Rast einluden. Die Dame am Nachbartisch hatte eine Fischsuppe – sah auch gut aus – falls du mal da bist, lohnt sich der kleine Umweg hinter die hier abgebildete Häuserzeile.

Unscheinbar und bei Locals beliebt – Eingang zum Imbiss „Fischerkoppel“.

Du siehst – es gibt unheimlich viel zu gucken in Wismar. Da könnte man noch eine Hafenrundfahrt machen oder die Insel Poel besuchen. Die kleine Stadt ist ein gefühltes Fass ohne Boden. Ich werde auf jeden Fall nochmal wiederkommen und mir das alles noch ein wenig in Ruhe betrachten. Unser Stadtrundgang mit den Punkten, die ich hier gezeigt habe hat etwa 2,5 Stunden mit Turmaufstiegt und doppelter Einkehr gedauert. Hübsche kleine Stadt.
Für mehr Tipps wie diesen schau gern jederzeit hier wieder vorbei – den nächsten Tipp gibt es bestimmt schon bald.
Autorin: Sandra Hintringer
Quellen:
Alte Löwenapotheke (Wismar) – Wikipedia
Beschilderungen in der Altstadt

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