Tripp Tipp

Wanderung um den Sacrower See

Lesedauer 6 Minuten

Die Stadt Potsdam verfügt über ausreichend Wald- und auch Wasserflächen und so entschließen wir uns dieses Mal zu einer Wanderung um den Sacrower See. Dieser See liegt nordöstlich der Stadt, knapp an der Grenze zu Berlin. Damit ist er historisch spannend, denn wir streifen einen Teil des ehemaligen Grenzgebietes. Außer etwas Protest in Plakatform merkt man heute davon nicht mehr wirklich viel. Doch lest selbst:

Start der Tour um den Sacrower See

Wir starten an der Bushaltestelle „Sacrower See“. Hier befindet sich ein großer kostenfreier Parkplatz aber eben auch die Bushaltestelle, sodaß die Anfahrt nahezu für jeden von Euch möglich sein dürfte. Seeseitig beginnt sogleich der Wanderweg, welcher kaum zu verfehlen ist, denn er liegt, wenn auch manchmal durch ein paar Bäume verstellt, die ganze Zeit nahezu am Ufer. Wenn Ihr, genau wie wir im Uhrzeigersinn lauft, könnte man einfach die Regel aufstellen: An jeder Kreuzung rechts halten. Der schöne und irgendwie auch unspektakulär durch Mischwald führende Weg trägt uns nun bis zum ersten Ausblick auf den See.

Der Sacrower See

Wir und damit auch der See, befinden uns auf dieser Tour im Naturschutzgebiet „Sacrower See und Königswald“. Mit einer Fläche von gut 800 Hektar ist das ein ziemlich weitläufiges Gebiet, der See gilt darin als Kernstück. Bereits seit 1938 ist er als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Der eiszeitlich geformte See wird mittels Grundwasser gespeist. Nur über den klitzekleinen Schiffgraben ist er mit der Havel verbunden. In der Länge erstreckt er sich über gute drei Kilomter. In der breitesten Breite schafft er 500 Meter und mit einer teils bis zu 36 Meter reichenden Tiefe gehört er zu den fünf tiefsten natürlichen Seen von Brandenburg.

Und wie wandert es sich da so?

Grundsätzlich wandert es sich sehr gut. Der Weg ist bis auf eine Stelle, zu der ich später komme, eben. Nur wenige Wurzeln ragen als kleine Stolperfallen aus dem Weg. Ansonsten ist diese Runde vor allem am Anfang Entschleunigung pur, denn außer dem Weg, dem Wald und dem See ist da wirklich nichts. Für uns reizüberladene und highlightsuchende Städter ein Zwischending zwischen Segen und Langeweile.

Immer wieder luge ich durch die bewachsene Uferzone, um doch wenigstens einen schönen Seeblick zu erhaschen:

So richtig ans Wasser kommt man nur selten und baden ist aufgrund des Naturschutzstatus nur an ausgewiesenen Badestellen erlaubt. Das hatten wir heute ohnehin nicht vor – nichtsdestotrotz und man sieht es auf dem rechten Foto gut – der Sacrower See ist erstaunlich klar. Er gilt als einer der saubersten Seen in der Gegend.

Auch wenn es aus unserer Sicht kaum nötig ist – der Weg wird vom Wanderzeichen grün-weiß-grüner Balken begleitet. Und nun laufen und laufen und laufen wir. Knappe 9 Kilometer ist die Runde. An einem Samstagvormittag wie diesem, grau und leicht regnend treffen wir kaum eine Menschenseele… oder stopp… vielleicht doch? Eine Seele? Manchmal glaube ich ja, ich sehe Gesichter oder fühle die Waldgeister – guck mal, siehst Du es auch? Also vor allem die beiden großen gelben Augen sind sehr deutlich:

Und so traurig wie das ist – vielleicht spukt ja wirklich noch eine Seele hier im Wald umher. Damals, also als Deutschland noch aus zwei Teilen bestand, lag der See im Grenzgebiet. Ein Fluchtversuch aus der ehemaligen DDR scheiterte und der Gothaer Rainer Liebeke ertrank 1986 im See. Nicht, weil die Scheinwerfer der Grenzer ihn aufspürten, nein. Eine körperliche Schwäche in seiner Schulter machte die komplette Durchquerung des Sees unmöglich.

Doch zurück zum Weg. Besonders an der westlichen Seeseite verzaubert uns an diesem Tag die beginnende Laubfärbung. Ich hab´ versucht, sie für Euch einzufangen:

Die Umrundung der nördlichsten Seespitze

Und auf einmal taucht ein grüner Zaun vor uns auf. Wir umwandern das Institut für Binnenfischerei e.V.  Auf einem Bauschild erfahren wir, dass hier, gefördert durch Mittel der EU sowie des Landes Brandenburg Laboratorien für Fischvermehrung, artgerechte Haltung und Fischgesundheit entstehen sollen.

In einem Boot und auch auf dem Steg wird gerade fleißig geangelt. Der Sportanglerverein Hechtsprung e.V. hat hier seinen Sitz. Wohl bis zu 18 Fischarten, so zum Beispiel Hecht, Barsch, Karpfen, Schleie, Rotauge, Rotfeder, Brasse und Ukelei sind im See nachgewiesen. Marmorkarpfen, welche 1986 hier ausgesetzt wurden, sollen nun 20-30 Kilo erreichen – was zu beweisen wäre. Denn eigentlich ist es für mich kaum vorstellbar, dass die noch keiner weggeangelt hat.

Noch ein Stückchen weiter stehen wir am wahrscheinlich größten Badestrand des Sees. Die Umgebung wirkt irgendwie ein wenig abgeatmet. Man spürt, dass hier viele Menschen herkommen. Dennoch ist es schön und zu unserem Glück lichten sich die Wolken und die Sonne kommt raus.

Badestrand Sacrower See
Badestrand Sacrower See

Wartet doch noch ein Highlight auf uns?

Wir passieren nun die wohl steilste und unwegsamste Stelle der ganzen Runde. Völlig unerwartet geht es ein paar Meter über einen verwurzelten Weg den Hang hinauf.

Noch ein paar Meter weiter endet das Naturschutzgebiet. Das ist ein interessanter Anblick. Rechts die Wildniszone und links der Kulturwald.

Dann laufen und laufen und laufen wir entlang der östlichen Seeseite, bis auf einmal herrschaftliche Häuser auftauchen. Jetzt wird es spannend. Auf dem Weinmeisterweg wandeln wir nun durch Sacrow, der kleinste Potsdamer Ortsteil und was soviel wie „hinter dem Busch bedeutet. Einst die im Sperrbezirk liegende Enklave und nur mit einem Passierschein zu erreichen, nun Welterbe – kämpft dieser Stadtteil um seine Ruhe und vielleicht auch um seine Besonderheit.

Irgendwo wird noch mit Worten wie Idyll geworben. Längst ist der Touristenstrom üblich und damit überfordernd. Vor allem am Wochenende einfallende Touristenscharen haben es sogar schon zur kompletten Verstopfung der kleinen Ortsdurchfahrt gebracht. Mit dem Wohnausbau Krampnitz in Potsdams Norden und damit der Ansiedlung von vorausgesagten 10.000 Menschen wird ein täglicher Verkehrskollaps hier erwartet. Auch wenn es an dem Tag, wo wir hier langspazierten, ziemlich ruhig, ja vielleicht das besagte idyllisch ist – weisen Protesttafeln an den Zäunen darauf hin:

Protesttafel Sacrow
Protest der Anwohner von Sacrow

Zeit ist Wandel. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Ist ja auch nicht Thema dieses Beitrages.

Wir tappeln brav auf der Asphaltstraße weiter. Überqueren den eingangs bereits erwähnten Schiffgraben. Riecht nicht gerade nach Veilchen aber auch das mag sich temporär ändern und ist kein Grund, die Runde ansich zu bemängeln.

Stattdessen schlüpfen wir nun schwuppdiewupp durch ein Tor in den Schlosspark Sacrow. Kein geringerer als der berühmte Peter Joseph Lenné übernahm die Gestaltung. Gefühlt jeder Blick ist nun wieder sehr heilsam.

Schlosspark Sacrow
Schlosspark Sacrow

Aber eigentlich hatte ich Euch ja am Ende der Tour noch ein Highlight versprochen und das ist auch wirklich eins. Unsere Tour endet an der Heilandskirche Sacrow (welche nur einen Steinwurf vom Ausgangspunkt entfernt liegt). Ich empfinde sie als eine der schönsten und am schönsten gelegenen Kirchen in der Gegend. Marcus hat hier schon so eins zwei tolle Nachtfotos geschossen.

Die steinernen Bänke vor der Kirche geben Gelegenheit für eine Sitzpause und zum Leutegucken. Da sind Radrennradfahrer in diskutablem Outfit, Sonntagsspaziergänger mit schickem Mantel, Stock und weißen Turnschuhen und da ist viel zu viel Parfüm in der Luft. Alles in allem ist die Stimmung von Neugierde, Staunen und Ehrfurcht erfüllt. Ich glaube, nahezu jeder mag diesen Ort. Irgendwo werden dann ein paar Stullenpakete ausgepackt. Wir haben heute keins – also müssen nun unsere Not-Schokokekse dran glauben. Schöne Not und dann schlendern wir zum Auto zurück.

Fazit der Wanderung um den Sacrower See

Diese Runde können wir Euch auf alle Fälle empfehlen. Ein schöner und unverlaufbarer Weg um Geist und Körper durchzulüften.

Vielen Dank, dass Du heute virtuell mitgewandert bist – für heute verabschiede ich mich noch mit einem Blick von der Heilandskirche auf die Havel. Im Hintergrund ist der Funkturm von Wannsee um genau zu sein, der Fernmeldeturm Berlin-Schäferberg zu sehen.

Und auch der nächste Beitrag ist zumindest schon im Kopf… schau´ also gern demnächst hier wieder vorbei!

Autorin: Sandra Hintringer

 

Blick von der Heilandskirche auf die Havel

 

 

Und noch ein paar Infos zur Wanderung rund um den Sacrower See:

Anfahrt: mit PKW, Rad oder Bus 697 bis Bushaltestelle „Sacrower See“

Tourlänge: ca. 8,5 Kilometer

Dauer: mit Fotostopps ca. 2,5h – Ihr schafft das vielleicht etwas schneller.

Einkehr: Restaurant Landleben Potsdam (Do. – So: ab 12.00 Uhr)  oder Rittersaal Sacrow (Mo – So: 12 – 22.00 Uhr)

Toiletten: Schlosspark Sacrow und Restaurant Landleben Potsdam

Das Gebiet ist Naturschutzgebiet – und damit sind einige Dinge verboten:

 

Quellen und weiterführendeLinks:

  1. Institut für Binnenfischerei e.V.
  2. Sportanglerverein Hechtsprung
  3. https://www.potsdam.de/sites/default/files/documents/SacrowerseeKW.pdf
  4. https://www.potsdam.de/sacrow-die-versteckte-perle-im-koenigswald

 

 

 

8 Kommentare

  • Danke für den Anstupser, liebe Sandra. Diese Wanderung hatte ich schon länger mal auf dem Schirm. Irgendwie habe ich sie aber immer wieder aus den Augen verloren. Dein Beitrag macht jetzt aber richtig Lust darauf. Ich denke, da werde ich wohl bald mal mit dem Mann loswandern.
    Liebe Grüße
    Martina

    Antworten
    • Liebe Martina,

      das freut mich, wenn ich jemanden zum Wandern anstupsen kann 🙂 Viel Spaß dort!

      Lg Sandra

      Antworten
  • So nah dran…und doch nicht in Sacrow gewesen. Wir waren im Sommer eine Woche in Potsdam und hatten eigentlich auch vor Sacrow zu besuchen. Nach deinem Bericht muß ich sagen: Wir müssen das unbedingt noch nachholen! Danke für die Anregung!

    Antworten
    • Hallo Vera,

      selbst wir, die in Potsdam wohnen, haben längst noch nicht alles gesehen. Mach´ Dir also nix draus und es ist doch immer wieder schön, wenn es Gründe gibt – noch einmal wiederzukommen.

      Lg Sandra

      Antworten
  • Die Heilandskirche ist ein Juwel, und der Schlosspark auch sehr schön! Der See – den sehe ich ehrlich zwiespältig. Ich glaube, der ist im Sommer total überlaufen, weil er so gehypt wird. Ich war allerdings selbst bei ähnlichem Wetter dort wie du. Außerdem gibt es ökologisch wohl echt Probleme. Der Wasserspiegel ist total gesunken. Hast du den Badesteg gesehen, der auf dem Trockenen steht?

    Liebe Grüße
    Angela

    Antworten
    • Hallo Angela,

      im Sommer war ich noch nie bewusst an den Badestellen dieses Sees, das ist mir dann auch meistens eher zu voll. Das ökologische Problem haben ja leider einige Seen und sicherlich nicht nur in Brandenburg. Der Grundwasserspiegel sinkt und Niederschlag fehlt auch. Wenn Seen, wie der Sacrower See ohne direkten Zufluss auskommen müssen – ist die Folge verheerend. Gut, dass Du drauf hinweist – umso mehr sollten wir das genießen und schützen, was wir an Natur haben. Den Badesteg habe ich glaube ich nicht gesehen – hättest Du eine grobe Verortung?

      Lg Sandra

      Antworten
  • Das klingt nach einer tollen Herbstwanderung. Ich war am Sacrower See bis jetzt immer nur im Sommer, aber das änder ich jetzt baldmöglichst.

    Liebe Grüße aud Berlin-Wedding

    Antworten
    • Hallo Theresa,

      ja, es ist eine schöne, entspannte „Auslaufrunde“ in Stadtnähe. In jedem Fall empfehlenswert. Mach das auf alle Fälle mal 🙂

      Lg Sandra

      Antworten

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